Aktuell beleuchtet / 03.09.2014

Die wichtigsten Finanzgrundlagen für Azubis

Gehalt, Versicherungen, Rentenbeiträge, Altersvorsorge – für Azubis fängt mit der Ausbildung der Ernst des Lebens an. Wer einen Überblick über seine Finanzen hat, kann Geld sparen.

Auszubildene in der Autowerkstatt – Bildnachweis: gettyimages.de © sturti

Das neue Ausbildungsjahr hat begonnen – und für viele Azubis damit die neue Welt der eigenen Finanzen. Da gibt es nicht nur das erste Gehalt, sondern auch die ersten Abzüge für die Sozialversicherung. Die eigene Krankenversicherung wird zum Thema. Und dann ist da noch die Sache mit der privaten Altersvorsorge. Wir klären die Fakten.

Sozialversicherungsbeiträge

Die Berufsausbildung ist eine sozialversicherungspflichte Beschäftigung. Von der Ausbildungsvergütung werden also Beiträge für die Renten-, die Arbeitslosen-, die Pflege-und die Krankenversicherung abgezogen. Normalerweise zahlen Azubis und Arbeitgeber die Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung jeweils zur Hälfte. Ist der Azubi älter als 23 Jahre und kinderlos, muss er – wie jeder Arbeitnehmer – den Beitragszuschlag für Kinderlose in Höhe von 0,25 Prozent des Lohns selbst zahlen. Die Unfallversicherung zahlt der Arbeitgeber allein. Für die Krankenversicherung gilt: Der Arbeitgeber übernimmt 7,3 Prozent des Beitrags, der Auszubildende zahlt den Arbeitnehmeranteil mit 8,2 Prozent. Die Abgaben liegen insgesamt bei etwa 20 Prozent des Einkommens. Wenn die Ausbildungsvergütung allerdings unter der Geringverdienergrenze von 325 Euro im Monat liegt, zahlt der Arbeitgeber die Sozialversicherungsbeiträge allein.

Krankenkasse

Mit dem Ausbildungsbeginn sind Azubis nicht weiter über ihre Familie versichert und müssen sich selbst krankenversichern. Zurzeit beträgt der monatliche Beitrag für alle gesetzlichen Kassen 15,5 Prozent des Bruttolohns, von denen der Arbeitgeber 7,3 Prozent und der Arbeitnehmer 8,2 Prozent zahlt. Liegt der monatliche Verdienst bei maximal 325 Euro brutto, zahlt der Arbeitgeber den kompletten Betrag. Die Krankenkasse kann auch den Sozialversicherungsausweis und die Rentenversicherungsnummer für den Azubi beantragen. Auch wenn die Beiträge für alle Krankenkassen gleich sind, gibt es Unterschiede bei den Leistungen. Hier lohnt es sich, vor einem Abschluss zu vergleichen.

  • www.test.de
    Hier geht's zum Krankenkassen-Test auf der Internetseite der Stiftung Warentest.

Kindergeld

Sind Auszubildende unter 18 Jahre alt, bekommen die Eltern weiterhin automatisch Kindergeld. Sobald die Kinder volljährig sind, müssen Eltern die Weiterzahlung des Kindergelds bei der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit beantragen. Es wird ausgezahlt, solange die volljährigen Kinder in der schulischen oder betrieblichen Erstausbildung, aber jünger als 25 sind. Für die ersten beiden Kinder beträgt das Kindergeld 184 Euro im Monat, für das dritte Kind 190 Euro und für alle weiteren Kinder 215 Euro.

  • www.arbeitsagentur.de
    Weitere Informationen zum Kindergeld auf der Internetseite der Bundesagentur für Arbeit.

Berufsausbildungsbeihilfe

Wenn der Ausbildungsplatz so weit vom Elternhaus entfernt ist, dass Auszubildende nicht mehr bei den Eltern wohnen, können sie für die Dauer der Ausbildung Berufsausbildungshilfe (BAB) bei der Bundesagentur für Arbeit beantragen. Leben sie in der Nähe des Elternhauses und sind über 18 Jahre alt, verheiratet oder haben Kinder, haben sie ebenfalls einen Anspruch auf Berufsausbildungshilfe. Die Höhe der Beihilfe richtet sich nach der Art der Unterbringung, außerdem wird die Ausbildungsvergütung angerechnet. Über den BAB-Rechner im Internet können Azubis herausfinden, ob und wie viel Beihilfe ihnen zustehen:

Steuern

Auch Azubis zahlen Steuern, aber nur dann, wenn sie mehr als 8.354 Euro im Jahr verdienen. Das ist der Grundfreibetrag für 2014. Allerdings verdienen nur die wenigstens Azubis so viel. Die Grenze liegt bei 946 Euro Bruttolohn im Monat, und davon gehen noch verschiedene Freibeträge ab. Erst wenn das Einkommen darüber liegt, also vermutlich erst nach der Ausbildung, werden Lohn- und Kirchensteuer sowie Solidaritätszuschlag vom Gehalt abgezogen und vom Arbeitgeber automatisch dem Finanzamt überwiesen. Das alles funktioniert seit 2013 elektronisch. Der Arbeitgeber braucht nur Steuer-Identifikationsnummer, Geburtsdatum und Religion des Azubis. Die elfstellige Steuer-ID hat jeder Bundesbürger seit 2008.

  • www.bzst.de
    Wer die Steuer-ID in seinen Unterlagen nicht findet, kann sie beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) anfordern.

Steuererklärung

Für Azubis kann sich eine Steuererklärung lohnen, wenn die Ausbildungskosten bei 1.000 Euro oder darüber liegen. Der Lohnsteuerhilfeverein weist darauf hin, dass Auszubildende maximal 6.000 Euro im Jahr als Kosten für die erste Berufsausbildung von der Steuer absetzen können. Dazu gehören Ausgaben für Arbeitsmittel wie Fachliteratur, Computer, Büromaterialien, Arbeitszimmer, Fahrkosten zur Ausbildungsstätte, mögliche Gebühren für Prüfungen oder Kurse und Kosten für die Zweitwohnung, falls der Ausbildungsplatz weit von zu Hause entfernt ist.

  • www.vlh.de
    Weitere Infos auf der Internetseite des Lohnsteuerhilfevereins Vereinigte Lohnsteuerhilfe.

Gut versichert: Die wichtigsten Versicherungen für Azubis

Man kann sich gegen alles Mögliche versichern. Für Azubis machen aber nicht alle Versicherungen Sinn. Andere sind unverzichtbar.

Privathaftpflicht

Die wichtigste Versicherung ist die Privathaftpflichtversicherung. Jeder haftet für Schäden, die er anderen zufügt. Und das kann je nach Schaden in die Millionen gehen. Die Haftpflichtversicherung springt im Schadensfall ein. Azubis können über die Privathaftpflicht der Eltern versichert sein – sofern diese eine solche Versicherung haben und die Azubis nicht verheiratet sind.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Sinnvoll ist der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Die zahlt eine monatliche Rente, wenn der Arbeitnehmer seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Zwar können Azubis oft zunächst nur eingeschränkten Berufsunfähigkeitsschutz mit Erwerbsunfähigkeitsklausel abschließen. Der Azubi bekäme für den Fall, dass er während der Ausbildung berufsunfähig wird, nur dann eine Rente, wenn er auch keinen anderen Beruf ausüben kann. Der volle Versicherungsschutz gilt erst ab dem Ende der Ausbildung. Azubis sollten darauf achten, dass ihr Vertrag eine Nachversicherungsgarantie enthält. Wenn die Versicherten im Laufe des Berufslebens mehr verdienen, können sie höhere Beiträge zahlen und damit die Versicherungssumme erhöhen. Die Nachversicherungsgarantie legt fest, dass dies später ohne erneute Gesundheitsprüfung geht.

Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung gilt: Je früher sie abgeschlossen wird, desto besser. Zum einen sind die monatlichen Beiträge niedriger, je jünger der Versicherte ist. Zum anderen kommen mit fortschreitendem Alter manchmal gesundheitliche Einschränkungen dazu, die die Versicherung teurer machen.Beim Abschluss einer BU muss man auf einige Fallstricke achten. Deshalb lohnt sich eine unabhängige Beratung, zum Beispiel von der Verbraucherzentrale. Die Stiftung Warentest testet und vergleicht regelmäßig Anbieter und Verträge.

Hausratversicherung

Eine Hausratversicherung lohnt sich für Azubis mit eigener Wohnung nur, wenn sie hochwertige Möbel oder elektronische Geräte besitzen.

Weitere Informationen:

  • www.test.de
    Einen Überblick über wichtige Versicherungen und die besten Anbieter hat die Stiftung Warentest zusammengestellt.

Früh vorsorgen: Für die Altersvorsorge gibt es Zuschüsse

Die Rente ist für Azubis zwar noch meilenweit entfernt. Es lohnt sich trotzdem, jetzt schon privat vorzusorgen. Auch, weil es Förderungen vom Staat gibt.

Vermögenswirksame Leistungen

Viele Arbeitgeber zahlen vermögenswirksame Leistungen (VL) von bis zu 40 Euro. Das ist im Tarif- oder Arbeitsvertrag oder in der Betriebsvereinbarung geregelt. Um die vermögenswirksame Leistung zu bekommen, müssen Arbeitnehmer einen VL-Sparvertrag abschließen, wie beispielweise einen Banksparplan, Fondssparplan oder Bausparvertrag. Der Arbeitgeber zahlt den Sparbetrag monatlich ein. Bausparverträge oder Fondsparpläne fördert der Staat mit der Arbeitnehmersparzulage:

  • Bei Bausparverträgen gibt es maximal 43 Euro pro Jahr, wenn man 470 Euro im Jahr einzahlt und das zu versteuernde Einkommen nicht über 17.900 Euro im Jahr liegt.
  • Bei Aktienfonds gibt es 80 Euro Zulage, wenn man mindestens 400 Euro einzahlt und das zu versteuernde Einkommen unter 20.000 Euro im Jahr liegt. Bedingung: Die Sparphase dauert sechs Jahre plus ein Jahr Ruhezeit. Das angesparte Geld ist also erst nach sieben Jahren verfügbar. Die Arbeitnehmersparzulage beantragt man über die Steuererklärung.

Wohnungsbauprämie: Der Bausparvertrag wird doppelt gefördert: Wer jährlich 512 Euro einzahlt, bekommt zusätzlich die Wohnungsbauprämie von maximal 45,06 Euro – sofern das zu versteuernde Jahreseinkommen unter 25.600 Euro liegt.

Um die volle staatliche Förderung zu bekommen, kann es sich lohnen, die vermögenswirksame Leistung vom Arbeitgeber aus eigener Tasche aufzustocken.

Achtung: Durch die vermögenswirksame Leistung kann sich das Bruttoeinkommen erhöhen und den Grundfreibetrag (Steuer) oder die Geringverdienergrenze (Sozialversicherung) übersteigen. Es kann also sein, dass durch das höhere Bruttogehalt Steuern fällig werden oder der Azubi anteilig Sozialversicherungsbeiträge zahlen muss.

Riester-Rente

Auch wenn die Rente für Azubis noch meilenweit entfernt ist, machen die staatlichen Zuschüsse den Abschluss einer Riester-Rente zu einer lohnenden Sache: Wer vier Prozent des Vorjahreseinkommens einzahlt, bekommt im Jahr 154 Euro vom Staat dazu. Der Mindestbetrag liegt bei 60 Euro pro Jahr. Der Vorteil für Azubis: Es gibt einen Berufseinsteigerbonus. Wer beim Abschluss des Riester-Vertrags unter 26 Jahre alt ist, bekommt einmalig 200 Euro. Es gibt Rentenversicherungen und Bank- oder Fondssparpläne. Es lohnt sich, die Produkte genau zu vergleichen oder sich unabhängig in der Verbraucherzentrale beraten zu lassen. Denn die Kosten und Renditen der zahlreichen Angebote unterscheiden sich erheblich.

Die Beiträge zur Riester-Rente lassen sich bis zu einer Höhe von 2.100 Euro pro Jahr von der Steuer absetzen. Als Rentner muss man die Einkünfte aus der Riester-Rente dann versteuern.

Betriebsrente

Jeder Arbeitnehmer hat – auf Anfrage beim Arbeitgeber – Anspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge in Form der Entgeltumwandlung. Viele Arbeitgeber geben zu den monatlichen Beiträgen der Mitarbeiter einen Zuschuss oder tragen die Beiträge allein. Betriebsrenten können in Form von Direktversicherungen – das ist die häufigste Variante -, Direktzusagen, Unterstützungskassen, Pensionskassen oder Pensionsfonds angespart werden. Die Beiträge werden vom Bruttogehalt (Bruttoentgeltumwandlung) oder vom Nettogehalt (Nettoentgeltumwandlung) abgezogen.

Bruttoentgeltumwandlung:
Die Bruttoentgeltumwandlung wird staatlich gefördert: Wer einen Anteil seinen Bruttogehalts in die Betriebliche Altersvorsorge steckt, reduziert damit sein zu versteuerndes Einkommen. Deshalb zahlt man auch weniger Steuern und Sozialabgaben. Dafür muss man mindestens 207,38 Euro (Stand 2014) jährlich von seinem Bruttogehalt einzahlen, steuerfrei sind maximal vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung (2014 sind das 2.856 Euro). Zusätzlich kann man 1.800 Euro jährlich umwandeln, steuerfrei, aber nicht sozialversicherungsfrei.

Nachteil:
Da die Sozialversicherungsbeiträge dadurch sinken, zahlt man auch weniger in die Arbeitslosen- und Rentenversicherung ein – und bekommt im Rentenalter oder im Fall der Arbeitslosigkeit entsprechend weniger ausgezahlt.

Wenn man im Laufe des Berufslebens den Arbeitsplatz wechselt, kann man den Vertrag unter bestimmten Voraussetzungen zum neuen Arbeitgeber mitnehmen oder ruhen lassen.

Nettoentgeltumwandlung:
Wer sich für eine Nettoentgeltumwandlung entscheidet, kann die Beiträge von der Steuer absetzen (Sonderausgabenabzug) oder die Betriebsrente mit einer Riester-Rente kombinieren. Das ist allerdings nicht ratsam: Aus der Betriebsrente müssen grundsätzlich die vollen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bezahlt werden, auch aus der betrieblichen Riester-Rente. Für die private Riester-Rente gilt das nicht.

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Autor

Katja Mathes