Nachgefragt / 11.01.2016

Einmal teurer, immer teurer? Risikozuschläge wieder loswerden

Risikozuschläge gibt es vor allem in der privaten Krankenversicherung, bei Krankenzusatzversicherungen, aber auch bei Risikolebensversicherungen sowie bei der Berufsunfähigkeitsversicherung und in der privaten Pflegezusatzversicherung. Sie lassen sich aber auch reduzieren. Die wichtigsten Fragen dazu kann unser Versicherungsexperte Oliver Mest beantworten.

Dokumente und Taschenrechner – Bildnachweis: shutterstock.com © Pressmaster

Herr Mest, warum werden denn Zuschläge überhaupt erhoben?

Oliver Mest: Tarife in den genannten Versicherungen werden immer mit einem gesunden Antragsteller ohne Besonderheiten, wie zum Beispiel gefährlichen Hobbys, kalkuliert. Weicht jemand von dieser Norm ab, ist er ein größeres Risiko für die Versichertengemeinschaft und muss mehr zahlen.

Wie hoch sind die Zuschläge?

Oliver Mest: Das geht von bis: Manchmal sind es vielleicht mal 25 Prozent für ein leichtes Übergewicht, mal aber auch 100 oder noch mehr Prozent, wenn Vorerkrankungen vorliegen. Das kann die Kosten für den gewünschten Schutz schon ordentlich in die Höhe treiben. Aber die Alternativen sind kaum besser.

Warum?

Oliver Mest: Manche Versicherer bieten gar nicht erst einen Vertrag mit Zuschlägen an, sondern geben Kunden mit chronischen Beschwerden oder einem gefährlichen Hobby gar keinen Vertrag. Und das müssen sie auch nicht, denn alle privaten Versicherer können Antragsteller ablehnen: Nur die privaten Krankenkassen müssen ihren Basistarif für jeden öffnen – auch für Antragsteller mit Vorerkrankungen. Andere Gesellschaften versichern Antragsteller mit Vorerkrankungen zwar, aber zu ihren Bedingungen – und die sind hart: Eine Verpflichtung zu einer hohen Selbstbeteiligung kann bei Krankenversicherungen dann genauso Pflicht werden wie auch Leistungsausschlüsse – die Versicherer übernehmen dann die Kosten für bestimmte Erkrankungen gar nicht. Das ist eine in der Regel nicht akzeptable Lösung!

Also Risikozuschläge als das geringere Übel?

Oliver Mest: Ja, so kann man das sehen – und das gilt umso mehr, als es eine Besonderheit bei den Zuschlägen gibt: Sie können als Versicherter die Vereinbarung jederzeit prüfen lassen und haben einen gesetzlichen Anspruch auf Reduzierung des Zuschlages: Dieses Recht ist in Paragraf 41 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) verbrieft – und kann notfalls sogar gerichtlich durchgesetzt werden, wie eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Coburg zeigt (Aktenzeichen 32 S 131/00). Bei einem Privatversicherten war ein Rückenleiden nach Jahren ausgeheilt, sodass er nach Einschätzung des Gerichts im Vergleich zu den durchschnittlichen Versicherten seines Alters kein erhöhtes Krankheitsrisiko mehr aufwies. Daher musste die private Krankenversicherung den Risikozuschlag streichen.

Wie setze ich meinen Anspruch denn durch?

Oliver Mest: Zunächst einmal sollte man bei einer Besserung des Gesundheitszustandes ein ärztliches Attest vorlegen und die Versicherung um Überprüfung und Reduzierung des Zuschlages bitten. Das Attest sollte belegen, dass der Versicherte inzwischen genesen ist und dass sein Gesundheitsrisiko nicht größer ist als das bei einem anderen Menschen seines Alters.

Und wenn die Versicherung nicht reagiert?

Oliver Mest: Dann sollte man zunächst den Ombudsmann der privaten Krankenversicherungen einschalten. Der ist telefonisch unter 01802 550444 oder im Internet unter www.pkv-ombudsmann.de zu erreichen. In anderen Sparten ist der Versicherungsombudsmann zuständig (unter www.versicherungsombudsmann.de). Er hilft kostenlos und kann eine Schlichtung mit der privaten Krankenkasse herbeiführen. Bringt auch das keine Klärung, hilft es nur, einen Anwalt einzuschalten, der den Anspruch auf Reduzierung der Prämie dann gerichtlich geltend machen muss – oft mit guten Aussichten, wie das Urteil oben zeigt.

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Oliver Mest