Soziales / 04.01.2021

Elterngeld beantragen: So geht‘s

Wer bekommt Elterngeld und wie? Was braucht man für den Elterngeldantrag? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Elterngeld beantragen: So geht‘s. – Junges Elternpaar sitzt mit Baby auf dem Sofa.

Inhalt

Elterngeld: das Wichtigste im Überblick

Elterngeld soll die Einkommensverluste abfedern, die Eltern nach der Geburt eines Kindes haben, wenn sie ganz oder teilweise auf eine Arbeitstätigkeit verzichten.

  • Elterngeld gibt es nur auf Antrag, gezahlt wird es ab der Geburt des Kindes.
  • Das Basiselterngeld wird maximal 14 Monate gezahlt und beträgt höchstens 1800 und mindestens 300 Euro im Monat.
  • Alternativ gibt es das ElterngeldPlus, das doppelt so lange gezahlt wird. Dafür beträgt es maximal 900 und mindestens 150 Euro im Monat.
  • Die Steuerklasse hat Einfluss auf die Höhe des Elterngelds.

Anspruch auf Elterngeld: Wer kann Elterngeld beantragen?

Die genauen Voraussetzungen für den Bezug von Elterngeld sind im Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz geregelt. Demnach hat in der Regel Anspruch auf Elterngeld, wer

  • mit dem Kind während des Elterngeldbezuges in einem gemeinsamen Haushalt lebt,
  • das Kind selbst betreut und erzieht,
  • nicht oder maximal 30 Wochenstunden arbeitet und
  • seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat.

Es kann sein, dass zwar ein Elternteil die Voraussetzungen nicht erfüllt, jedoch der andere Elternteil. Formal stellen beide Elternteile daher getrennte Anträge, jedoch auf einem gemeinsamen Formular.

Das Gesetz lässt einige Ausnahmen zu. Grundsätzlich müssen aber alle Voraussetzungen erfüllt sein.

Elterngeld und Corona-Sonderregelungen

Die Bundesregierungen hat im Zuge der Corona-Epidemie einige Erleichterungen rund ums Elterngeld geschaffen. Die genauen Regelungen finden Sie im Familienportal des Bundesministeriums.

Wo kann ich Elterngeld beantragen?

Wo kann ich Elterngeld beantragen? Zuständig für den Elterngeldantrag sind die Elterngeldstellen. Das Familienportal des Bundesministeriums für Familie hilft mit der Beratungsstellensuche, die nächstgelegene Elterngeldstelle zu finden.

Wichtig: Der Elternantrag unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Achten Sie darauf, dass Sie den Elterngeldantrag Ihres Bundeslandes verwenden. In mehreren Bundesländern können Sie Elterngeld online beantragen.

Wann soll ich Elterngeld beantragen?

Elterngeld gibt es erst nach der Geburt des Kindes. Auch den Antrag können Sie erst dann stellen, möglichst innerhalb der ersten drei Lebensmonate Ihres Kindes, da das Elterngeld maximal für drei Lebensmonate rückwirkend gezahlt wird.

Wann kann ich als Vater Elterngeld beantragen?

Die Voraussetzungen für einen Elterngeldantrag sind bei Müttern und Vätern die gleichen. Wenn ein Elternpaar allerdings nicht verheiratet ist, benötigt der Vater für den Elterngeld-Antrag einen Nachweis über die Anerkennung Vaterschaft oder einen Nachweis, dass bereits ein Verfahren zur Anerkennung oder Feststellung der Vaterschaft eingeleitet ist.

Wie kann ich Elterngeld beantragen?

Sobald das Kind auf der Welt ist, bekommen die Eltern vom Standesamt die Geburtsurkunde. Diese muss dem Amt mit einer Reihe weiterer Unterlagen vorliegen, erklärt Sandra Thiemar von dem Beratungsportal Elterngeld.net. Dazu gehört neben einer Kopie der Personalausweise der Eltern auch der vom Arbeitgeber bestätigte Antrag auf Elternzeit.

Zur Berechnung des Elterngeldes benötigt das Amt außerdem den Steuerbescheid aus dem Jahr vor der Geburt des Kindes. Wenn dieser noch nicht vorliegt, muss der Bescheid aus dem Vorjahr sowie ein Ausdruck der Lohnsteuerbescheinigung eingereicht werden.

Der Berechnungszeitraum unterscheidet sich je nachdem, welches Elternteil den Antrag stellt. Bei der Mutter werden die 12 Monate vor Beginn des Mutterschutzes hinzugezogen, beim Vater die 12 Monate vor der Geburt, erklärt Thiemar. Aus diesen Zeiträumen müssen der Elterngeldstelle die entsprechenden Gehaltsabrechnungen vorliegen.

Bei Selbstständigen wird eine Einnahmeüberschussabrechnung aus dem Jahr vor der Geburt verlangt.

Wie hoch ist das Elterngeld?

Die Höhe des Elterngelds ist unter anderem von der Variante des Elterngeldes abhängig:

  • Das Basiselterngeld beträgt höchstens 1.800 und mindestens 300 Euro im Monat.
  • Da das ElterngeldPlus doppelt so lange ausgezahlt wird, verringert sich die Höhe des monatlichen Betrags entsprechend. Der Maximalbetrag beträgt also 900 Euro, der Mindestbetrag 150 Euro.

Wie wird das Elterngeld berechnet?

Die Höhe des Elterngeldes hängt laut Bundesfamilienministerium davon ab, wie viel Einkommen der betreuende Elternteil im Jahr vor der Geburt des Kindes beziehungsweise vor Beginn des Mutterschutzes hatte und ob nach der Geburt Einkommen wegfällt. „Zur Ermittlung des Betrags wird das sogenannte Elterngeld-Netto berechnet“, sagt Thiemar. „Das ist etwas komplizierter.“

Dafür werden vom Bruttoeinkommen des Antragstellers zunächst die Werbungskosten sowie der Arbeitnehmer-Pauschbetrag abgezogen. Vom durchschnittlichen Monats-Einkommen werden zusätzlich Steuerpauschalen und Sozialabgaben abgezogen. Der Betrag, der nach Abzug übrigbleibt, ist das Elterngeld-Netto. Davon werden allerdings maximal 2770 Euro berücksichtigt. Einkommen, das darüber hinaus bezogen wurde, wird nicht durch das Elterngeld ersetzt.

Je nach Höhe des Elterngeld-Nettos, werden dem Elternteil 65 bis 67 Prozent ersetzt. Liegt der Betrag unter 1000 Euro werden 67 Prozent erstattet. „Die Gesamtrate steigt bis 100 Prozent je weniger man verdient“, so Thiemar.

Elterngeldrechner auf familienportal.de

Tipp: Steuerklasse wechseln für mehr Elterngeld

Für verheiratete Paare gibt es einen Trick, die Höhe des Elterngelds zu beeinflussen: die Steuerklasse wechseln. Denn die Steuerklasse bestimmt, wie viel Netto vom Brutto bleibt, erklärt Christina Georgiadis vom Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe.

Verdient ein Ehepartner deutlich weniger als der andere, bietet sich laut der Expertin eine Kombination von Steuerklasse drei und fünf an. Der Partner mit dem geringeren Verdienst ist dabei in der steuerlich ungünstigeren Steuerklasse fünf, die deutlich höhere Abzüge hat.

Der Antrag auf den Wechsel der Steuerklasse müsse aber spätestens sieben Monate vor dem Monat gestellt werden, in dem der Mutterschutz beginnt.

Auch Familien, die bereits Geschwisterkinder haben, können ein höheres Elterngeld erhalten. Lebt ein Kind unter drei Jahren in der Familie oder zwei Kinder unter sechs Jahren, erhalten Eltern einen Geschwisterbonus von zehn Prozent des Elterngeldes, erklärt Thiemar.


Wie lange bekommt man Elterngeld?

Entscheiden sich Eltern für das Basiselterngeld, können sie dies bis zu 14 Monate beziehen. Nämlich dann, wenn sich beide Elternteile die Betreuung aufteilen und somit von einem Einkommensverlust betroffen sind. Dabei darf ein Elternteil jedoch maximal 12 Monate und das andere mindestens zwei Monate Elterngeld beziehen, erklärt Thiemar.

Alleinerziehende haben immer Anspruch auf 14 Monate Basiselterngeld.

Mit dem ElterngeldPlus kann der Bezugszeitraum gestreckt werden. „Es ist vor allem dann interessant, wenn Eltern länger als ein Jahr in Elternzeit gehen möchten“, erklärt Thiemar. Während des Bezugs von ElterngeldPlus könne der betreuende Elternteil außerdem in Teilzeit arbeiten – muss aber nicht.

Bei der Planung berücksichtigen: Die ersten beiden Monate nach der Geburt, bekommen Mütter durch das Mutterschaftsgeld ihr Nettogehalt zu 100 Prozent erstattet. Diese gelten automatisch als Basismonate und werden vom Elterngeld abgezogen.

Länger Elterngeld bei Frühchen

Der Bundestag hat im Januar 2021 eine Neuregelung des Elterngelds für Frühchen beschlossen. Für Kinder, die vor dem errechneten Geburtstermin auf die Welt kommen, werden künftig bis zu vier zusätzliche Monate Eltergeld gezahlt:

  • 6 Wochen zu früh: 1 zusätzlicher Monat
  • 8 Wochen zu früh: 2 zusätzliche Monate
  • 12 Wochen zu früh: 3 zusätzliche Monate
  • 16 Wochen zu früh: 4 zusätzliche Monate

Die Neuregelung tritt voraussichtlich im September 2021 in Kraft.

Autor

 Deutsche Presseagentur