Nachgefragt / 02.12.2013

Endspurt ohne Hektik

Jetzt beginnt das Jahresendgeschäft – die Hochsaison für den Versicherungsvertrieb. Aber ist es eigentlich sinnvoll, auf die Schnelle zum Jahresende noch aktiv zu werden als Verbraucher?

Beratung eines Paars – Bildnachweis: gettyimages © Greg Hinsdale

Wir wollen von unserem Experten Oliver Mest wissen: Wann und in welchen Sparten ist es nötig und sinnvoll und wann nicht?

In den Vorjahren gab es immer wieder bestimmte Anlässe, warum man sich die eine oder andere Versicherung nochmal anschauen sollte – etwa die Senkung der Gerantieverzinsung …

Oliver Mest: … und davor was es mal geschlechterneutrale Tarife – „Unisex“ genannt – oder der Wegfall der Steuerfreiheit für Lebensversicherungen. Dieses Jahr ist es aber langweilig. Diesmal gibt es keine „Sichert-Euch-jetzt-noch-den-Vorteil-Aktionen“. Die haben in der Vergangenheit ja wirklich zu hektischen und teilweise unvernünftigen Kaufentscheidungen geführt.

Also alles auf entspannt schalten?

Oliver Mest: Ja, und dann wirklich Sparte für Sparte schauen, ob ein Abschluss jetzt zum Jahresende sinnvoll ist.

Wann kann das der Fall sein?

Oliver Mest: Nehmen wir mal die Berufsunfähigkeitsversicherung. Ein Kunde kann mit einem Abschluss bis zum 31.12.2013 richtig Geld sparen. Das ist so, weil mit dem Jahreswechsel viele Versicherer die Tarife neu kalkulieren – und damit können die Prämien schon mal um zehn Prozent steigen. Bei einem Monatsbeitrag von 35 Euro sind das vielleicht nur drei oder vier Euro – aber im Jahr summiert sich das auf 40, 50 Euro und über 30 Jahre Vertragslaufzeit dann schon auf deutlich über 1.000 Euro. Und dafür lohnt es sich dann sicherlich, dieses Jahr noch die Unterschrift unter den Vertrag zu setzen – vorausgesetzt, man bekommt einen Vertrag. Menschen mit Vorerkrankung oder chronisch Kranke bekommen nicht gerade leicht einen günstigen Vertrag. Wichtig: Die private Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine wichtige und teure Versicherung. Daher unbedingt unabhängig beraten lassen – zum Beispiel bei einer Verbraucherzentrale.

Gilt die Gefahr für Preissteigerungen nur für die Berufsunfähigkeitsversicherung?

Oliver Mest: Nein, grundsätzlich ist in allen Sparten Bewegung: Das geht von der privaten Pflegeversicherung über die Krankenzusatzversicherung bis hin zur Krankenvollversicherung. Bei allen Versicherungsarten kann es sinnvoll sein, sich jetzt vom eigenen Versicherungsmakler oder -vermittler die Unterschiede zwischen den Tarifen 2013 und den neuen in 2014 zeigen zu lassen. Aber Achtung: Immer mehrere Angebote einholen und nachfragen, wenn man etwas nicht versteht.

Wann kann es noch empfehlenswert sein, den Versicherungsordner aus dem Schrank zu holen?

Oliver Mest: Auf jeden Fall bei der Riester-Rente, denn wenn der Vertrag noch 2013 abgeschlossen wird, dann fließt auch die Förderung noch in den Vertrag – und auch die Steuervorteile können noch in Anspruch genommen werden. Je nach Familienstand und Einkommen sind so bis zu 1.000 Euro Unterstützung möglich.

Was ist denn, wenn ich gar keinen Bedarf an neuen Verträgen habe?

Oliver Mest: Trotzdem lohnt sich der Blick in die Versicherungs- und Vorsorgeunterlagen – oder er ist sogar zwingend erforderlich. Bei einem Riester-Vertrag müssen vier Prozent des Vorjahreseinkommens – abzüglich der Zulagen – in den Vertrag eingezahlt werden, um die volle Förderung zu bekommen. Jetzt ist der Zeitpunkt, sich darum zu kümmern, dass diese Vier-Prozent-Hürde auch tatsächlich genommen wird. Bei anderen Verträgen kann es sinnvoll sein, die Absicherung zu überprüfen. Bei einem bestehenden Rürup-Vertrag können eventuell Zuzahlungen geleistet werden, um den Steuervorteil zu optimieren. Die Berater der Gesellschaften können den Kunden genau zeigen, wie sich Zuzahlungen steuerlich auswirken.

Der Blick zum Jahresende geht bei der Vorsorge also eindeutig aufs Geld?

Oliver Mest: Zunächst ja, aber die möglichen Zuzahlungen, Steuervorteile oder günstigen Prämien sollten den Blick nicht auf das verstellen, was an erster Stelle stehen muss – und das ist immer die Frage: Ist der Vertrag unabhängig von finanziellen Erwägungen der richtige für mich? Denn auch 1.000 Euro Zulagen und Steuervorteile für einen Riester-Vertrag sind nichts wert, wenn der Vertrag nicht zu mir passt. Und das muss immer zuerst geklärt werden – und dann können finanzielle Anreize ins Spiel kommen. Hier sind gute Berater gefordert, den Kunden alle Aspekte einer Vorsorgeentscheidung aufzuzeigen.

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Autor

Michael J. John