Aktuell beleuchtet / 30.01.2014

Erstmals Rente

Wenn alles so kommt wie im Gesetzentwurf, gibt es schon ab Juli für Selbstständige, Ärztinnen und Hausfrauen Mütterrente. Ein Novum für sie – denn eigentlich haben diese Gruppen meist keinen Anspruch auf eine gesetzliche Altersrente.

Rentnerin mit Buch – Bildnachweis: wdv © K.Koch

Die Deutsche Rentenversicherung hat ein Herz für Kinder. Ab Juli 2014 ist das Herz sogar noch größer. Dann sollen bessere Regelungen für ältere Mütter gelten. Für manche sind die Neuregelungen besonders gut: So können etwa 70- oder 80-jährige Ärztinnen ab Juli unter Umständen erstmals eine Rente bekommen. 

Was wird die so genannte Mütterrente bringen?

Derzeit werden Mütter (aber auch erziehende Väter) bei der gesetzlichen Altersrente unterschiedlich behandelt, je nachdem wann die Kinder geboren wurden. Für Mütter mit Kindern, die ab 1992 zur Welt kamen, gibt es drei Kindererziehungsjahre und drei Entgeltpunkte. Das bringt einer Mutter aus den alten Bundesländern etwa ein Rentenplus von gut 84 Euro pro Kind, in den neuen Ländern rund 77 Euro. Wenn ein Kind vor 1992 geboren wurde, gibt es nur ein Jahr und einen Entgeltpunkt - also nur gut 28 Euro, genau ein Drittel (neue Bundesländer: knapp 26 Euro). 

Diese Ungerechtigkeit soll nun aufgehoben werden?

Nicht ganz. Aber für Mütter mit Kindern, die vor 1992 geboren wurden, soll es künftig zwei Versicherungsjahre und zwei Entgeltpunkte geben. Eine völlige Gleichstellung ist (noch) nicht vorgesehen. 

Sollen auch Mütter (oder auch Väter), die bereits eine Rente beziehen, profitieren?

Ja. Technisch soll das so laufen, dass diese so genannten Bestandsrenten nicht neu ermittelt werden (was sehr aufwändig wäre). Stattdessen erhalten die Betroffenen pro Kind einen Zuschlag in Höhe eines Entgeltpunktes West beziehungsweise Ost pro Kind. Das Geld soll im Herbst erstmals gezahlt werden, dann aber rückwirkend ab Juli. 

Muss dafür ein Antrag gestellt werden?

Nein, das läuft automatisch – jedenfalls dann, wenn Kindererziehungszeiten bislang bei der Rente berücksichtigt wurden. 

Schafft die Neuregelung auch neue Rentenansprüche?

Ja – in gar nicht so wenigen Fällen. Dazu zählen Selbstständige, berufsständisch Versicherte und Nur-Hausfrauen. Die Betroffenen können durch die Neuregelung nun in einen Rentenanspruch hineinrutschen. Denn durch die Neuregelung kommen sie unter Umständen auf fünf Versicherungsjahre. Wer die fünfjährige Wartezeit erfüllt, hat mit 65 Jahren und drei Monaten Anspruch auf eine kleine Altersrente.

Beispiel: Eine 85-Jährige, die – was früher nicht selten vorkam – in ihrem Leben keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen ist, aber drei Kinder erzogen hat, kann ab Juli 2014 eine kleine Altersrente bekommen. Denn sie kann dann (3 Kinder mal 2 Jahre) sechs Versicherungsjahre nachweisen und hat insgesamt sechs Entgeltpunkte auf ihrem Rentenkonto, was ihr eine Altersrente in Höhe von etwa 170 Euro (alte Bundesländer) beziehungsweise rund 155 Euro (neue Bundesländer) sichert – ab Juli dieses Jahres, wenn die Bundesregierung ihre Pläne einhält. 

Aber die Rente muss beantragt werden?

Ja. Und vorher muss die Betroffene noch die Anerkennung von Kindererziehungszeiten bei der Deutschen Rentenversicherung beantragen. Das ist, wenn man entsprechende Unterlagen vorlegen kann (Geburtsurkunden oder Familienstammbuch), eine reine Formsache. Für den Antrag gibt es übrigens ein Formblatt V800, das man im Internet herunterladen kann. Ausfüllen lohnt sich aber erst, wenn das Gesetz wirklich alle Hürden geschafft hat.

Und was gilt, wenn die 85-Jährige nur zwei Kinder hat?

Dann reicht es noch nicht für einen Rentenanspruch, dann kommen ja auch nach dem ab Juli 2014 geltenden Recht nur vier Versicherungsjahre zusammen. Da fehlt noch ein Jahr. Vielleicht war die Betroffene doch irgendwann ein Jahr sozialversichert beschäftigt. Dann kann sie die gesetzliche Altersrente erhalten. Andernfalls kann sie für ein Jahr freiwillige Beiträge einzahlen. Dabei reicht der Mindestbeitrag. Das sind derzeit 85,05 Euro im Monat, also für ein ganzes Jahr 1020,60 Euro. Den Betrag kann sie auf einen Schlag nachzahlen und erhält dann – wenn auf diese Weise fünf Versicherungsjahre zusammenkommen – ab Juli Rente. 

Gilt all das auch für berufsständisch Versicherte?

Ja. Da sich die berufsständischen Versorgungswerke bislang davor drücken, ihren Versicherten Leistungen für Kindererziehungszeiten zu gewähren, springt hier die gesetzliche Rentenversicherung ein. Die hat ein Herz für alle Kinder, auch für die Kinder von berufsständisch Versicherten. Das betrifft beispielsweise Ärzte, Apotheker, Notare und Architekten – und unter diesen natürlich insbesondere die Frauen. 

Aber die Betroffenen sind doch gar nicht gesetzlich versichert, sondern über ihr Versorgungswerk?

Das spielt im Zusammenhang mit den Kindererziehungszeiten bisher keine Rolle. Der Gesetzgeber hat berufsständisch Versicherten, die eigentlich von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreit sind, die Möglichkeit gegeben, Kindererziehungszeiten bei der gesetzlichen Rentenversicherung anerkennen zu lassen. Das geht immer dann, wenn die berufsständische Versicherung weniger bietet als die gesetzliche – und das ist durchweg so. 

Dann gibt es für sie so etwas wie eine "Kinder-Rente"?

Ja. Und ab Juli 2014 funktioniert das viel leichter, weil auch für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, dann zwei Jahre Kindererziehungsjahre und zwei Entgeltpunkte anerkannt werden. Eine Ärztin, die ihr Leben lang nie gesetzlich rentenversichert war, aber drei Kinder hat, die – beispielsweise – in den 70er-Jahren geboren wurden, kann nun eine kleine Altersrente erhalten, sobald sie das reguläre Rentenalter erreicht (derzeit: 65 Jahre und drei Monate). Natürlich muss auch sie einen Antrag auf Anerkennung der Kindererziehungszeiten stellen. 

Nehmen wir an, die Ärztin hat nicht drei, sondern nur zwei Kinder – kann sie ihr gesetzliches Rentenkonto dann mit freiwilligen Beiträgen auffüllen?

Das geht. Hier gilt seit August 2010 ein neues Recht. Die Betroffenen können freiwillige Beiträge einzahlen, um die fünfjährige Wartezeit für die reguläre Altersrente zu erfüllen. Im Prinzip reicht es auch für berufsständisch Versicherte, den Mindestbeitrag einzuzahlen. Aber es kann auch mehr sein. Interessant gerade für gut verdienende berufsständisch Versicherte: Fast vier Fünftel des eingezahlten freiwilligen Beitrags können von der Steuer abgesetzt werden. 

Mehr Informationen

  • Freiwillige Versicherung
    Durch eine freiwillige Versicherung bei der gesetzlichen Rentenversicherung können Ansprüche auf eine Altersrente aufgebaut werden. 
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Autor

Rolf Winkel