Rente / 27.03.2018

Fast 1,5 Millionen Rentner arbeiten

Bundesregierung: Knapp die Hälfte der Beschäftigten jenseits der Altersgrenze verdienen mit Minijob Geld zur Rente hinzu.

Berlin (sth). Immer mehr Rentner in Deutschland sind noch erwerbstätig. Nach Angaben des Bundessozialministeriums, die nach einer Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion am Montag von deren Rentenexperten Markus Kurth veröffentlicht wurden, gingen im Jahr 2016 rund 1,417 Millionen Rentner einer Beschäftigung nach. Im Jahr 2000 hatte ihre Zahl noch bei 539.000 gelegen. Rund 1,15 Millionen der beschäftigten Rentner arbeiteten in den alten Bundesländern, etwa 264.000 in Ostdeutschland (siehe auch Link unten).

In Deutschland gibt es inzwischen etwa 21 Millionen Rentner. Den Regierungsdaten zufolge arbeitete der Großteil der erwerbstätigen Rentner (47,5 Prozent) 2016 in einem Minijob, als Selbstständige waren 24,8 Prozent der arbeitenden Senioren tätig, der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten unter den Rentnern mit Jobs lag bei 24,1 Prozent. Gründe für die Erwerbstätigkeit werden in der Auswertung nicht genannt.

Mehr Versicherte zahlen zum Ausgleich von Abschlägen ein

Deutlich gestiegen ist nach Angaben der Bundesregierung seit Anfang 2016 die Zahl der Beschäftigten, die an die Rentenversicherung Extrabeiträge zum Ausgleich von Rentenabschlägen zahlen. Während bis 2015 im Schnitt nur etwa 1.500 Frauen und Männer pro Jahr von dieser Möglichkeit Gebrauch machten, waren es im vorvergangenen Jahr fast 4.500. Diese Zahl könnte nach Einschätzung von Experten seit Juli 2017 nochmals erheblich gewachsen sein, da seither bereits Beschäftigte ab dem 50. Lebensjahr Sonderzahlungen an die Rentenversicherung leisten können. Zuvor konnte man erst ab dem 55. Lebensjahr Abschläge wegen eines geplanten vorzeitigen Rentenbeginns ausgleichen.

Noch unklar ist der Regierungsantwort zufolge, wie sich das Interesse an der ebenfalls seit Mitte 2017 verbesserten Alters-Teilrente entwickelt hat. Entsprechende Zahlen der Rentenversicherung liegen erst in der zweiten Jahreshälfte vor. "Interessant ist dennoch, dass die Zahl der Teilrentnerinnen und -rentner im Jahr 2016 bei nur 2.677 liegt", kommentiert Grünen-Experte Markus Kurth den Stand vor der Reform. Auch in den Jahren zuvor hatten sich nach Angaben Kurths kaum Neurentner für einen Teil-Einstieg in den Ruhestand neben einer reduzierten versicherungspflichtigen Beschäftigung interessiert.  

Mehr zum Thema:

http://dip21.bundestag.de

Link zur Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion zu Auswirkungen des Flexirentengesetzes(im pdf-Format)

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Autor

Stefan Thissen