Rente / 16.09.2022

Fast drei Millionen Renten fließen an Zuwanderer

Zahlungen an Senioren, Erwerbsgeminderte und Hinterbliebene mit nicht-deutschem Pass sind oft deutlich niedriger als die an deutsche Rentner.

Bild zum Beitrag "Fast drei Millionen Renten gehen an Ausländer". Das Bild zeigt eine Menschenmenge, die eine Straße entlang läuft.

Berlin/Frankfurt (sth). Die steigende Zahl von ausländischen Beschäftigten und Selbstständigen, die Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung zahlen, schlägt sich auch in mehr Rentenzahlungen an Zugewanderte nieder. Nach neuen Daten der Deutschen Rentenversicherung, die ihre-vorsorge.de vorliegen, wurden im vergangenen Jahr knapp 2,9 Millionen Renten an Rentnerinnen und Rentner mit nicht-deutschem Pass gezahlt. Der größte Teil davon waren fast exakt zwei Millionen Altersrenten. Etwa 187.500 Renten flossen auf die Konten ausländischer Erwerbsgeminderter, knapp 640.000 an Witwen und Witwer. Dazu kamen knapp 47.000 Renten für ausländische Waisen und knapp 1.300 Erziehungsrenten für geschiedene Elternteile mit Kindern, deren Ex-Ehepartner verstorben ist.

An Ausländer gezahlte Renten sind im Schnitt deutlich niedriger als die Renten für deutsche Rentnerinnen und Rentner. Den Daten der Rentenversicherung zufolge bekamen deutsche Bezieherinnen und Bezieher einer Altersrente im Vorjahr monatlich im Schnitt 1.046 Euro überwiesen, Ausländerinnen und Ausländer 549 Euro. Ein wesentlicher Grund für die große Differenz dürfte darin bestehen, dass die Zuwanderer nur einen Teil ihres Erwerbslebens in Deutschland zurückgelegt oder neben der Kindererziehung nur wenige Erwerbszeiten haben. Zudem sind viele von ihnen in geringer bezahlten Jobs beschäftigt als deutsche Versicherte.

Auch Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrenten niedriger

Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrenten für ausländische Versicherte fallen im Schnitt ebenfalls erheblich geringer aus die Bezüge von Deutschen. Die Nettobezüge nicht mehr erwerbsfähiger Frauen und Männer mit ausländischem Pass waren mit 666 Euro um etwa 26 Prozent geringer als die Zahlungen an erwerbsgeminderte Deutsche (im Schnitt 901 Euro). Die mehr als 587.000 Renten für ausländische Witwen waren mit durchschnittlich 347 Euro ebenfalls deutlich niedriger als die 3,9 Millionen Renten für deutsche Frauen, deren Mann verstorben ist (749 Euro). Bei den Bezügen männlicher Bezieher einer Hinterbliebenenrente fällt der Unterschied zwischen Ausländern und Deutschen mit im Schnitt 270 Euro (Ausländer) zu 383 Euro (Deutsche) nicht ganz so gravierend aus.  

Unterschiedlich ist auch die Höhe der Rentenansprüche der verschiedenen Nationalitäten-Gruppen aus Europa. Vergleichsweise hohe Altersrenten bekamen im vergangenen Jahr laut Rentenversicherung vielfach bereits seit Jahrzehnten in Deutschland lebende ehemalige Arbeitnehmer aus der Türkei und Serbien: Sie erhielten monatliche Bezüge zwischen 729 und 724 Euro; auch die (noch) deutlich kleinere Rentnergruppe aus Rumänien kassierte mit rund 754 Euro überdurchschnittlich hohe Altersrenten. Die niedrigsten Altersrenten bekamen frühere osteuropäische Beschäftigte aus der Ukraine, Moldau und Litauen (zwischen 168 und und 209 Euro monatlich).    

Autorenbild

Autor

Stefan Thissen