Rente / 16.08.2021

Frauen in Österreich bekommen Rente künftig erst später

Europa-Büro der deutschen Sozialversicherung: Von 2024 bis 2033 steigt das Rentenalter für weibliche Versicherte von 60 auf 65 Jahre.

Flaggen von Deutschland und Österreich vor einem See.

Brüssel (dsv/sth). Frauen in Österreich müssen sich darauf einstellen, dass sie ihre gesetzliche Rente künftig erst ab einem späteren Zeitpunkt bekommen. Laut einem Bericht der Europa-Vertretung der deutschen Sozialversicherung (DSV) in Brüssel steigt das Renteneintrittsalter für weibliche Beschäftigte zwischen Vorarlberg und dem Burgenland von 2024 bis 2033 schrittweise von 60 auf 65 Jahre. Allerdings könne von diesem Schritt "nicht zwangs­läu­fig eine Aus­sage über den Ver­bleib im Erwerbs­le­ben abge­lei­tet wer­den", heißt es in dem Bericht.

Ähnlich wie in vielen anderen europäischen Ländern könnten auch in Österreich die Altersgrenze, der Zeitpunkt des tatsächlichen Ren­ten­ein­tritts und das Ende der Erwerbs­phase "deut­lich von­ein­an­der abweichen", schreibt das DSV-Büro. Eine Ana­lyse des Ren­ten­zu­gangsverhaltens von Frauen seit 2010 zeige, dass zwi­schen dem Ende der Beschäf­ti­gung und dem Zeit­punkt des Ren­ten­zu­gangs in Österreich große zeit­li­che Lücken bestünden. Aktu­ell gehen demnach nur knapp der Hälfte der Frauen direkt aus einer Beschäf­ti­gung her­aus in Rente. Im Hotel- und Gast­stät­ten­ge­werbe und in anderen wirt­schaft­li­chen Dienstleistungsbereichen seien es "nur ein Drit­tel".

Renteneintritt hängt auch von der Betriebsgröße ab

Der Zeitpunkt, zu dem Frauen in Rente gehen, hängt dem Bericht zufolge auch erheblich von der jeweiligen Betriebsgröße ab. So träten weibliche Beschäftigte aus Groß­be­trie­ben "zu zwei Drit­teln direkt" aus dem Erwerbsleben in den Ruhestand, in Betrie­ben "mit weni­ger als zehn Beschäf­tig­ten hin­ge­gen nur zu einem Drit­tel". Zudem hätten die individuelle berufliche Qua­li­fi­kation und die Höhe des Verdiensts erheblichen Einfluss auf den Rentenbeginn. "Bei bes­ser ent­loh­nen­den Betrie­ben kommt es häu­fi­ger zum direk­ten Ren­ten­zu­gang aus der Erwerbs­tä­tig­keit", heißt es. Frauen mit Lücken in der Erwerbslaufbahn von bis zu fünf Jah­ren stam­mten dagegen häu­fi­ger aus Betrie­ben mit nied­ri­gem Lohnni­veau.

Damit die künftig höhere Regel­al­ters­grenze tatsächlich zu einer signi­fi­kan­t längeren Erwerbsphase von Frauen führt, bedarf es nach Ansicht der Studienauto­rin­nen "einer alters­ge­rech­ten und auf die Erhaltung der Arbeits­fä­hig­keit aus­ge­rich­te­ten Anpas­sung der Arbeits­welt". Zudem benö­ti­gten kleine und mittlere Betriebe für diese Anpas­sung "ziel­ge­rich­tete und leicht ­zu­gäng­li­che Bera­tungs­an­ge­bote". Die Ergeb­nisse der Ana­lyse ließen sich auch auf Deutsch­land über­tra­gen, schreibt das DSV-Büro. Damit die steigende Regel­al­ters­grenze auch zu einer realen Ver­län­ge­rung der Erwerbs­phase führe, "bedarf es der Beglei­tung durch viel­fäl­tige prä­ven­tive Maß­nah­men".

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Autor

Stefan Thissen