Aktuell beleuchtet / 11.09.2017

Für die lieben Kleinen: Vorsorgen statt versichern

Ausbildungsversicherungen sind teuer, Sparpläne senken Kosten und erzielen mehr Rendite

Studentin denkt nach – Bildnachweis: wdv © Szekely, Oana

Offenbach (sth). Frühzeitig für die Ausbildung der Kinder zu sparen, lohnt sich. Denn ein fünfjähriges Studium außerhalb der Heimat kostet im Schnitt fast 50.000 Euro. 

Kinder sind ihren Eltern lieb – und teuer. Zwar gibt es vom Staat das monatliche Kindergeld und eventuell einen zusätzlichen Bonus durch den Kinderfreibetrag. Doch umgerechnet etwa sechs Euro pro Tag – bei einem Kindergeld von 184 Euro für Haushalte mit einem oder zwei Kindern – reichen nie, um die zusätzlichen Kosten für den Nachwuchs zu decken.

Das gilt erst recht für das Leben nach der Schulzeit. Deshalb fangen viele Eltern oder Großeltern schon frühzeitig an, monatlich einen bestimmten Betrag für die Ausbildung anzusparen. Denn die Kosten für ein Studium sind erheblich: Laut „Stiftung Warentest“ braucht ein außerhalb der elterlichen Wohnung lebender Studierender im Schnitt knapp 800 Euro im Monat zum Leben, in fünf Jahren sind das beinahe 50.000 Euro.

Teure Ausbildungsversicherung

Solche Summen haben auch die Versicherungswirtschaft auf den Plan gerufen. Sie bietet schon seit Jahren neben der Absicherung gegen existenzielle Risiken auch Policen für den Fall an, dass einem der Elternteile etwas zustößt oder das Haushaltseinkommen angesichts der Kosten für die Ausbildung knapp bemessen ist – die sogenannte Ausbildungsversicherung.

Sie ist eine Lebensversicherung, bei der die vereinbarte Versicherungssumme zu einem festgelegten Zeitpunkt gezahlt wird – also meist mit Beginn der beruflichen Ausbildung oder des Studiums. Versichert ist dabei das Leben des Beitragszahlers, in der Regel ein Eltern- oder Großelternteil des Kindes. Stirbt dieser, zahlt das Versicherungsunternehmen die weiteren Beiträge. Diese Regelung kann vor allem dann teuer werden, wenn Oma oder Opa als Versicherte auftreten. Denn ältere Menschen haben natürlich ein deutlich höheres Risiko, vor dem Ablauf der Vertragslaufzeit zu sterben.

Teure Paketlösung

Häufig werden den absicherungswilligen Eltern oder Großeltern fondsgebundene Versicherungen angeboten, hat die „Stiftung Warentest“ ermittelt. Sie sollen teilweise nicht nur die Ausbildung finanzieren, sondern obendrein auch noch im Alter zusätzliche Zahlungen garantieren. Darüber hinaus sehen manche Verträge vor, dass der versicherte Beitragszahler gegen Berufsunfähigkeit abgesichert ist.

„Was allerdings wie ein Rundum-Sorglos-Paket daherkommt, erweist sich bei genauem Hinsehen als teure Kombination“, warnt die „Stiftung Warentest“: „Ein Teil der Beiträge geht in den Versicherungsschutz, ein anderer fließt in einen oder mehrere Fonds, deren Güte oft nicht besprochen wird.“ Das berge ein Verlustrisiko, das die Beitragszahler bei Vertragsabschluss nicht immer erkennen könnten.   

Alternative: Sparplan

Statt zu einer Versicherung zu greifen, raten die Berliner Verbraucherschützer deshalb, einen Bank- oder Fondssparplan für das Ausbildungssparen zu nutzen. Sparpläne seien in der Regel zudem viel flexibler als Versicherungspolicen, so die „Stiftung Warentest“: „Bei Fondssparplänen dürfen Kunden die Zahlungen immer kostenfrei unterbrechen oder die Raten ändern, wenn das Geld knapp ist. Viele Banksparpläne bieten je nach Laufzeit und Kündigungsrecht eine ähnliche Flexibilität.“

Ob die Wahl auf einen Bank- oder Fondssparplan fällt, hängt vom geplanten Beginn der Auszahlung ab: Je kürzer der Ansparzeitraum, desto eher sollte ein eher sicherer Banksparplan das Produkt der Wahl sein. Kann das Geld dagegen zinsbringend auf dem Konto angesammelt werden, empfehlen sich eher Fondssparpläne, die es in verschiedenen Ausprägungen gibt (zum Beispiel Aktienfonds, Rentenfonds, börsengehandelte Indexfonds).

  • Tipp: Aufgrund der anhaltend niedrigen Sparzinsen sollten Banksparplan-Interessenten alternativ die Anlage in Tagesgeld prüfen.

Guthaben und Bafög

Um zu vermeiden, dass ein für die Ausbildung angespartes Guthaben den Anspruch auf Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) behindert, sollten Auszubildende/Studierende (kurz: Azubis) und ihre Eltern einige Regeln beachten. So müssen Azubis eigenes Vermögen bis auf einen Freibetrag von 5.200 Euro voll zur Finanzierung ihrer Ausbildung einsetzen. Vermögen der Eltern wird nicht auf den Bedarf eines Azubis angerechnet, sondern nur Einkommen, das die Eltern aus Vermögen erzielen.

Wer jetzt überlegt, Geld des Azubis auf das Konto der Eltern zu verschieben, sollte aber daran denken, dass dieses Geld bei unerwartetem Tod der Eltern in den Nachlass fallen oder – falls die Eltern Schulden haben – unter Umständen gepfändet werden kann.  

Wie die Zeit Geld für die spätere Ausbildung bringt

Bei Ansparen einer monatlichen Rate von 50 Euro
Rendite (in Prozent) Guthaben in Euro bei einer Laufzeit von ...
5 Jahren 10 Jahren 15 Jahren 20 Jahren
0,0 3.000 6.000 9.000 12.000
0,5 3.039 6.153 9.347 12.622
1,0 3.077 6.311 9.710 13.283
1,5 3.116 6.474 10.091 13.987
2,0 3.156 6.641 10.488 14.736
2,5 3.197 6.813 10.905 15.534
3,0 3.237 6.990 11.341 16.384

Weitere Informationen

Die Internetseite der Stiftung Warentest bietet auf ihrer Webseite einen Sparplanrechner und laufend aktuell bewertete Fonds an.  

Autorenbild

Autor

Stefan Thissen