Rente / 17.06.2019

Für Witwen und Witwer: Mehr Hinterbliebenenrente und höhere Freibeträge ab 1. Juli

Zum 1. Juli steigen die gesetzlichen Renten. Genauso werden auch die Witwen- und Witwerrenten erhöht und der Freibetrag für das Einkommen, das auf die Hinterbliebenenrente (nicht) angerechnet wird.

Witwen- und Witwerrenten-Erhöhung: Ältere Frau sitzt an einem Tisch und schreibt mit einem Kugelschreiber auf ein Blatt Papier,daneben ein Taschenrechner.

Inhalt

Höhere Rente

Bei den Hinterbliebenenrenten wird der einmal bewilligte Grundbetrag der Rente – genau wie bei Altersrenten – jedes Jahr zum 1. Juli angepasst. Die Renten steigen in Westdeutschland in diesem Jahr um 3,18 Prozent, in den östlichen Bundesländern um 3,91 Prozent.

Praktisch bedeutet dies, dass zum 1. Juli 2019 aus 1.000 Euro Hinterbliebenenrente in den alten Ländern 1.031,80 Euro werden, in den neuen Ländern dagegen 1.039,10 Euro. Von der Rente gehen nach wie vor Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab, im Schnitt etwa 11 Prozent.

(Netto-)Freibeträge steigen

Der Einkommensfreibetrag bei der Hinterbliebenenrente erhöht sich ab Juli im Westen von 845,59 auf 872,52 Euro und im Osten von 810,22 auf 841,90 Euro pro Monat. Nettoeinkünfte, die über diese Beträge hinausgehen, werden zu 40 Prozent auf die Witwen- bzw. Witwerrente angerechnet. Ob dabei Ost- oder West-Werte zugrunde gelegt werden, hängt vom Wohnsitz der Hinterbliebenen ab.

Höhere Bruttoeinkünfte möglich

Die Bruttoeinkünfte der Witwen/Witwer dürfen aber deutlich höher sein. Denn die Freibeträge beziehen sich auf Netto-Einkünfte. Und für deren Ermittlung hat die Rentenversicherung ihre eigenen Regeln: Es zählt also nicht der Betrag, der den Betroffenen netto aufs Konto überwiesen wird, sondern das um (je nach Einkommensart) feste pauschale Prozentsätze reduzierte Bruttoeinkommen.

Regelungen für „Doppelrentner“

Die meisten Hinterbliebenenrentner sind bereits Ruheständler und erhalten eine eigene gesetzliche Altersrente. Ist diese nach den aktuell geltenden Regeln zu hoch, so wird ihre Hinterbliebenenrente gekürzt. De facto können Rentner/innen mit einer Brutto-Rente von monatlich bis zu 1020,37 Euro brutto (im Westen) bzw. 978,95 Euro (im Osten) zusätzlich noch eine ungekürzte Hinterbliebenenrente erhalten (gilt jeweils bei Erstbezug ab 2011). Ist die Rente höher, so wird die Hinterbliebenenrente gekürzt.

Beispiel:

Ein Rentner aus München erhält seit 2011 eine Altersrente und seit dem Tod seiner Ehefrau eine Hinterbliebenenrente. Seine eigene Rente beträgt monatlich brutto 1.500 Euro. Um seine (fiktive) Nettorente zu errechnen, wird dieser Betrag um 14 Prozent (rechnerisch) gemindert. Dieser Satz von 14 Prozent gilt für diejenigen, die ab 2011 in Rente gegangen sind (vor 2011: 13 Prozent).

Zurück zum Münchener: Dessen Bruttorente wird von der Rentenversicherung als Nettorente von (1.500 minus 14 Prozent =) 1.290 Euro angesehen. Damit ist der Höchstbetrag für eine anrechnungsfreie zusätzliche Hinterbliebenenrente, der ab Juli für den Münchener 872,52 Euro beträgt, deutlich überschritten – und zwar um 417,48 Euro. Von diesem Betrag werden 40 Prozent auf seine zusätzlich bezogene Hinterbliebenenrente angerechnet. Dies sind (40 Prozent x 417,48 =) 166,99 Euro.

Nehmen wir an, dem Münchener würden eigentlich (also ohne Anrechnung dieses Betrags) 500 Euro Hinterbliebenenrente zustehen, so würde sein Anspruch auf 333,01 Euro sinken, wovon noch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abgehen.

Regelungen bei sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung

Bei Hinterbliebenen mit Einkünften aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung wird – soweit sie selbst noch keine Altersrente beziehen – rechnerisch ein pauschaler Abzug von 40 Prozent vom Bruttogehalt vorgenommen, um das Nettogehalt zu ermitteln. Für diese arbeitenden Hinterbliebenenrentner (ohne eigene Altersrente) liegt die kritische Einkommensgrenze ab Juli 2019 bei brutto 1.454,20 Euro (alte Länder) bzw. 1.403,17 Euro (neue Länder). Bis zu diesem Betrag können die Betroffenen brutto monatlich verdienen, ohne dass es zu einer Kürzung der Hinterbliebenenrente kommt.

Wer will, kann die Probe machen:
40 Prozent von 1.454,20 Euro sind 581,68 Euro. Zieht man diesen Betrag von 1.452,32 Euro ab, so ergibt sich ein (rechnerisches) Nettoeinkommen in Höhe von 872,52 Euro. Das ist genau der für Hinterbliebenenrentner in den alten Bundesländern geltende monatliche Freibetrag.

Übersteigt das Bruttoeinkommen die genannten Grenzen, so wird die Hinterbliebenenrente gekürzt. Bei einem Bruttoeinkommen von 2.500 Euro, gelten beispielsweise 1.500 Euro als anrechenbares Nettoeinkommen. Für West-Rentner wird der Freibetrag damit um 627,48 Euro überschritten, wovon 40 Prozent, das sind 250,99 Euro, auf die Hinterbliebenenrente angerechnet werden.

Regelungen bei Minijjob neben der Hinterbliebenenrente

Wer neben der Hinterbliebenenrente nur einen Minijob ausübt und keine weiteren Einkünfte hat, braucht gar nichts zu beachten. Der Minijob mindert weder die eigene noch die Hinterbliebenenrente. Anders sieht es bei den nicht wenigen „Doppelrentnern“ aus, die noch einen Minijob ausüben. Bei ihnen führt der Minijob oft dazu, dass die Hinterbliebenenrente kräftig gekürzt wird. Das kann häufig vermieden werden, indem die Betroffenen beim Minijob die Variante „Rentenversicherungspflicht“ wählen. Vorteilhaft ist dies wegen der speziellen Regeln der Rentenversicherung zur Umrechnung des Brutto- in Nettoeinkommen.

Hierbei gilt für reguläre Altersrentner mit einer rentenversicherungspflichtigen Beschäftigung: Die Rentenversicherung zieht 40 Prozent vom Brutto ab, um das fiktive Netto zu errechnen. Bei einem Minijob ohne Rentenversicherungspflicht wird dagegen ein Abzug von „0 Prozent“ vorgenommen. Hier gilt also Brutto = Netto. Im Einzelfall kann es daher auch für Altersrentner lohnen, beim Minijob die Variante „Rentenversicherungspflicht“ zu wählen.

Diese Möglichkeit gibt es auch für Rentner. Sie können sich durch eine Erklärung dem Arbeitgeber gegenüber in die Rentenversicherung „einwählen“. Die Folge: Der Job wird versicherungspflichtig. In diesem Fall muss der Jobber den pauschalen Arbeitgeberbeitrag von 15 Prozent, den der Arbeitgeber monatlich zahlt, um 3,6 Prozent aufstocken. Von den 450 Euro gehen damit 16,20 Euro an die Rentenversicherung, was spätestens ab dem 1. Juli des Folgejahres auch zu einer kleinen Rentensteigerung führt.

Die kleine Investition lohnt sich jedoch auch für die Hinterbliebenenrente. Hier wird nämlich von der Bruttorente durch die Einwahl in die Rentenversicherung ein rechnerischer Abzug von 40 Prozent vorgenommen, mit der Folge, dass nur noch ein deutlich geringerer Teil der Minijob-Einkünfte auf die Hinterbliebenenrente angerechnet wird.

Nochmals zur Klarstellung: Dieser Tipp gilt nur für Hinterbliebenenrentner, deren Freibetrag durch andere Einkünfte (insbesondere die eigene Altersrente) bereits ausgeschöpft ist.

Brutto-Einkommensgrenzen, bis zu denen Witwen-/Witwerrenten nicht gekürzt werden
Einkommensart West Ost
Arbeitnehmereinkommen (vor der Rente) 1.454,20 Euro 1.403,17 Euro
Gewinn aus selbstständiger Arbeit 1.449,37 Euro 1.398,51 Euro
Altersrente (Erstbezug ab 2011) 1014,55 Euro 978,95 Euro

Weitere Informationen

Witwenrente
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www.deutsche-rentenversicherung.de
Informationen zur Einkommensanrechnung bei Witwenrenten auf der Internetseite der Deutschen Rentenversicherung

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Video: Warum es Rentenerhöhungen gibt

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Autor

Rolf Winkel