Im Fokus / 30.07.2018

Gesetzliche Renten: Wie wird ein Zuverdienst angerechnet?

Bei vorgezogenen Altersrenten, Erwerbsminderungsrenten und Witwen- und Witwerrenten gilt: Wenn Sie über ein zu hohes Nebeneinkommen verfügen, bekommen Sie weniger Rente. Ein Überblick über die Regeln zu Nebenjob und Rente:

Älterer Handwerker arbeitet in einer Fabrikhalle an einer Maschine. – Bild: wdv.de © Olaf Hermann

Inhalt

Vorgezogene Rente

Wenn Sie vor der Regelaltersgrenze eine Altersrente beanspruchen, können Sie nicht unbegrenzt hinzuverdienen. Wer die volle Rente erhalten will, muss Hinzuverdienstgrenzen beachten. Andernfalls wird nur eine Teilrente gezahlt. Eine Ausnahme sind 450-Euro-Jobs.

Wenn Sie neben der Frührente lediglich einen 450-Euro-Job (Minijob) ausüben, müssen Sie nicht weiterlesen. Verdienen Sie mehr, sollten Sie die Hinzuverdienstgrenzen beachten.

Was gilt bei der Altersrente als Hinzuverdienst?

Mit Hinzuverdienst bezeichnet das Gesetz Arbeitsentgelt von Arbeitnehmern und Arbeitseinkommen aus selbstständiger Tätigkeit. Zinsen und Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung werden nicht angerechnet.

Die Regelungen zur Anrechnung des Hinzuverdienstes gelten, bis das reguläre Rentenalter erreicht wird. Von da an wird aus dem vorgezogenen Altersruhegeld automatisch (und ohne Antrag) die reguläre Altersrente. Dann dürfen Sie beliebig viel hinzu verdienen, ohne dass Ihre Rente gekürzt wird.

Die Hinzuverdienstregeln gelten für alle vorzeitigen Altersruhegelder, also auch für die abschlagfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte.

Wie genau wird Hinzuverdienst angerechnet?

Früher durften Bezieher eines vorgezogenen Altersruhegeldes regelmäßig 450 Euro monatlich ohne Probleme hinzuverdienen. Dann waren weder Abzüge von der Altersrente noch vom Arbeitsentgelt zu befürchten. Daran hat sich nichts geändert.

Dennoch gelten nun andere Regeln. Nun gibt es nämlich eine jährliche Hinzuverdienstgrenze. Innerhalb eines Jahres sind 6.300 Euro Hinzuverdienst erlaubt. So viel kann auf jeden Fall zu einem vorgezogenen Altersruhegeld hinzuverdient werden, ohne dass es zu einer Rentenkürzung kommt.

Ob Sie die 6.300 Euro in einem oder zwei Kalendermonaten oder verteilt über ein ganzes Kalenderjahr verdienen, ist egal. Da es sich hier um eine Jahresgrenze handelt, gilt diese auch, wenn Sie innerhalb eines Kalenderjahres nur kurze Zeit ein vorgezogenes Altersruhegeld beziehen, weil Sie dann die reguläre Altersgrenze erreichen. Die 6.300-Euro-Grenze wird auch in diesem Fall nicht auf Monate heruntergerechnet. Das über 6.300 Euro hinausgehende Brutto-Einkommen wird zu 40 Prozent auf die Brutto-Jahresrente angerechnet.

Beispiel: Ein 63-jähriger Rentner verdient innerhalb eines Jahres zusätzlich zu seiner Rente 12.000 Euro brutto. Dies sind 5.700 Euro mehr als anrechnungsfrei erlaubt (12.000 – 6.300). 40 Prozent dieses Betrags werden auf die Rente angerechnet. Dies sind 2.280 Euro. Pro Monat macht dies 190 Euro (2.280 : 12). Um diesen Betrag wird seine Rente gekürzt.

Gelten diese Regeln auch bei sehr hohen Hinzuverdiensten?

Nicht in jedem Fall. Denn zusätzlich gibt es einen so genannten „Hinzuverdienstdeckel“. Wird dieser „Deckel“ überschritten, wird jeder weitere verdiente Euro voll von der Rente abgezogen. Hierdurch soll gewährleistet werden, dass Frührentner durch die Summe von Rente und Hinzuverdienst gegenüber ihrer Einkommenssituation vor dem Renteneintritt nicht besser gestellt werden.

Dieser Deckel spielt allerdings nur für diejenigen eine Rolle, die neben der Rente weiterhin in etwa so viel verdien wie vor Renteneintritt.

Tipp: Vor der Aufnahme einer Nebenbeschäftigung sollten Sie einen Termin bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung vereinbaren und dort abklären, wie sich der Hinzuverdienst auf die Rente auswirkt.

Wie ist das Verfahren bei der Abrechnung und Anrechnung des Hinzuverdienstes?

Ob überhaupt und wie viel vom Zuverdienst auf die Rente angerechnet wird, wird zunächst auf Grundlage einer Prognose ermittelt. Die erste Prognose wird bei Rentenbeginn gestellt. Die weiteren erfolgen jeweils zur Mitte eines Kalenderjahres.

Tipp: Das Formblatt zur Erklärung des Hinzuverdienstes können Sie per Internet herunterladen. Geben sie in einer Suchmaschine die Formularnummer „R0230“ ein.

Was passiert, wenn das Einkommen höher oder niedriger ist als zunächst prognostiziert?

Das wird häufig passieren. Deshalb wird auf Basis der kompletten Gehaltsabrechnung(en) eines Kalenderjahrs zum 1. Juli des Folgejahrs spitz abgerechnet. Im Juli 2018 stand damit der Hinzuverdienst des kompletten Jahres 2017 auf dem Prüfstand.

Wenn Sie die Regelaltersgrenze erreichen, gilt allerdings eine Sonderregelung: Die Spitzabrechnung erfolgt dann nach Ablauf des Monats, in dem Sie die Regelaltersgrenze erreichen. Zudem werden dann neben dem letzten Kalenderjahr auch die Monate des laufenden Jahres bis zur Regelaltersgrenze in die Spitzabrechnung einbezogen.

Generell gilt: Die Abrechnung erfolgt auf den Cent genau. Stellt sich bei dieser Spitzabrechnung heraus, dass das Arbeitseinkommen höher war als prognostiziert, so kommt es nachträglich zu einer (weiteren) Rentenkürzung. Und umgekehrt. Dabei kann es im Extremfall nachträglich auch zum Wegfall der Rente kommen.

Wie wirkt sich der Hinzuverdienst auf Steuern und Sozialversicherungsbeiträge aus?

6.300 Euro erlaubter Hinzuverdienst im Kalenderjahr – auf den Monat umgerechnet sind das 525 Euro. Früher lag die Grenze bei 450 Euro. Das sieht aber nur auf den ersten Blick günstiger aus. Denn wenn Sie die neue Freigrenze ausschöpfen und jeden Monat 525 Euro brutto zu Ihrer Frührente hinzuverdienen, müssen Sie auf jeden Fall Abgaben zahlen. Bei Minijobs hat sich nämlich an der Einkommenshöchstgrenze nichts geändert. Hier gilt weiterhin die niedrigere 450-Euro-Grenze, bis zu der keine Sozialabgaben und Steuern gezahlt werden müssen.

Bei einem 525-Euro-Job fallen aber in jedem Fall Sozialbeiträge an – allerdings verminderte, da es sich um eine Beschäftigung in der so genannten „Gleitzone“ handelt. Zudem ist die Beschäftigung steuerpflichtig. Ob überhaupt und wie viel Steuer anfällt, hängt natürlich von der Konstellation des Einzelfalls ab.

Bei einem Frührentner-Ehepaar mit Rentenbezügen von monatlich insgesamt 3.000 Euro kann die Steuer bei einem zusätzlichen Brutto-Hinzuverdienst in Höhe von jährlich 6.300 Euro schon mit 1.000 Euro zu Buche schlagen. Wenn Sie aufgrund der Höhe Ihrer Rente und möglicherweise noch zusätzlicher Einkünfte – etwa aus Vermietung oder Verpachtung – ohnehin mit einer deutlichen Steuerbelastung rechnen müssen, sollten Sie als Frührentner den 6.300-Euro-Rahmen nicht ausschöpfen und es bei einem „klassischen“ (steuerfreien) Minijob belassen.

Erwerbsminderungsrenten

Wenn Sie eine Erwerbsminderungsrente erhalten, dürfen Sie zusätzlich in gewissem Rahmen Zusatzeinkommen erzielen. Die Hinzuverdienstregelungen wurden zum 1.7.2017 durch das Flexirentengesetz komplett neu gefasst. Dabei geht es nicht nur darum, dass Ihnen ab gewissen Hinzuverdiensten die Rente gekürzt werden kann, Sie laufen auch Gefahr, Ihre Erwerbsminderungsrente gänzlich zu verlieren.

Eine volle Erwerbsminderungsrente erhalten Sie im Regelfall, wenn Sie täglich nur noch weniger als drei Stunden arbeiten können, die halbe Erwerbsminderungsrente wegen teilweiser Erwerbsminderung gibt es bei einer „Restarbeitsfähigkeit“ von weniger als sechs Stunden pro Tag. Diese Zeitgrenzen sollten Sie auch bei Jobs neben der Rente beachten!

Denn die Deutsche Rentenversicherung überprüft regelmäßig, ob die von EM-Rentnern ausgeübte Erwerbstätigkeit im Rahmen des Restleistungsvermögens erfolgt. Neben der Arbeitszeit spielt dabei auch die Art der Tätigkeit eine Rolle.

Rente wegen voller Erwerbsminderung

Erhalten Sie eine Rente wegen voller Erwerbsminderung, sind Jahreseinkünfte bis 6.300 Euro anrechnungsfrei. Verdienen Sie mehr, wird ein Teil auf die Rente angerechnet.

Bei dieser Rente wurden die bis zum 30.6. 2017 geltenden starren Hinzuverdienstregelungen durch das Flexirentengesetz zum 1.7.2017 aufgehoben. Statt der früheren stufenweisen Anrechnung gilt nun bundeseinheitlich (ohne Unterschiede zwischen Ost und West) ein gleitendes Anrechnungsverfahren.

Zudem kommt es nicht mehr darauf an, wie viel Sie im einzelnen Monat verdienen, es zählt vielmehr das Jahreseinkommen. Bei einer Rente wegen voller Erwerbsminderung sind generell – wie bei vorgezogenen Altersrenten – Jahreseinkünfte in Höhe von maximal 6.300 Euro anrechnungsfrei. Bruttoeinkommen, das darüber hinausgeht, wird zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet.

Zusätzlich gilt auch für Bezieher einer vollen Erwerbsminderungsrente ein „Hinzuverdienstdeckel“. Durch diesen Deckel soll gewährleistet werden, dass Erwerbsminderungsrentner durch die Summe von EM-Rente und Hinzuverdienst gegenüber ihrer Einkommenssituation vor Renteneintritt nicht besser gestellt werden.

In der Praxis dürfte diese Regelung allerdings keine Rolle spielen. Denn wer in der Lage ist, entsprechend viel nebenher zu verdienen, dürfte regelmäßig nicht mehr voll erwerbsgemindert sein. Das Anrechnungsverfahren läuft im Übrigen genau wie bei den vorzeitigen Altersruhegeldern.

Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung

Der Hinzuverdienst für Bezieher einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung richtet danach, was Sie früher verdient haben. Die Formel sieht kompliziert aus, aber wir zeigen Ihnen wie Sie rechnen müssen.

Anspruch auf die Rente bei teilweiser Erwerbsminderung können Sie haben, wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen täglich nur noch drei bis unter sechs Stunden arbeiten können. Auch bei dieser Rente gibt es seit Mitte 2017 neue Hinzuverdienstregeln. Die Neuregelungen gelten bundeseinheitlich (ohne Unterschiede zwischen Ost und West).

Wie wird beim Hinzuverdienst genau gerechnet?

Wie viel Sie als teilweise Erwerbsgeminderter anrechnungsfrei hinzu verdienen dürfen, hängt davon ab, wie viel Sie vor Eintritt der Erwerbsminderung verdient haben. Entscheidend ist dabei das Jahr mit dem höchsten Entgeltpunktwert in den letzten 15 Jahren an. Die mathematische Formel für den erlaubten Hinzuverdienst lautet:

Höchster Entgeltpunktwert in den letzten 15 Jahren x aktuelle Bezugsgröße x 81 Prozent = Hinzuverdienst.

Die für 2018 geltende Bezugsgröße beträgt monatlich 3.045 Euro, das sind aufs ganze Jahr gesehen 36.540 Euro.

Beispiel: Nehmen wir einen teilweise Erwerbsgeminderten, der 2016 – im Jahr vor dem Eintritt seiner Erwerbsminderung – sein höchstes Jahreseinkommen erzielt hat. Damals hat er monatlich im Schnitt besonders viel verdient: 3.022,25 Euro brutto, im gesamten Jahr also 36.267 Euro. Das bedeutet: Sein Einkommen lag genau im Durchschnitt aller Rentenversicherten (dieser lag in diesem Jahr 36.267 Euro).

Damit hat der Betroffene 2016 genau einen Entgeltpunkt (1,0 EP) erzielt. In den davor liegenden Jahren hat er jeweils weniger verdient als der Durchschnitt aller Rentenversicherten. Er hat also auf seinem Rentenkonto jeweils weniger als einen Entgeltpunkt erworben. In die oben genannte Formel wird damit der Wert 1,0 eingetragen.

81 Prozent der aktuellen Bezugsgröße sind 29.597,40 Euro. Umgerechnet auf den Monat sind dies 2.466,46 Euro. Dieser Betrag wird mit dem höchsten Entgeltpunktwert in den letzten 15 Jahren multipliziert. Im Beispielfall also mit 1,0 Punkten.

Das bedeutet: Am Ausgangswert von 2466,45 Euro ändert sich im Beispielfall nichts. So viel darf der Beispiel-Erwerbsminderungsrentner brutto verdienen, ohne dass seine Erwerbsminderungsrente gekürzt wird. Wer vorher mehr verdient hat, für den gilt eine höhere Hinzuverdienstgrenze, wer weniger verdient hat, für den gilt eine niedrigere Grenze.

 

 

Was gilt für Menschen, die vor dem Renteneintritt sehr wenig verdient haben?

Für die Geringverdiener ist eine Mindestregelung zum Hinzuverdienst wichtig: Mindestens die Hälfte des oben ermittelten Betrags ist als Hinzuverdienst für die Rente „unschädlich“. Erlaubt ist die Hälfte von 81 Prozent der aktuellen Bezugsgröße oder anders ausgedrückt 40,5 Prozent der Bezugsgröße. Umgerechnet auf den Monat sind dies 1.233,23 Euro.

Und was passiert, wenn die jeweils geltende Hinzuverdienstgrenze überschritten wird?

Egal ob der Hinzuverdienst individuell oder nach der Mindestregel errechnet wurde – generell gilt auch hier die „40Prozent-Regel“: Ist der Hinzuverdienst höher als die nach der skizzierten Formel errechnete Summe, werden 40 Prozent des übersteigenden Betrags auf die Rente angerechnet.

Gibt es auch bei dieser Rente einen Hinzuverdienstdeckel?

Ja. Dieser errechnet sich, indem man die individuelle Hinzuverdienstgrenze (siehe oben) und die individuelle Bruttorente addiert. Beträgt die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung beispielsweise monatlich brutto 450 Euro und damit 5.400 Euro im Jahr und liegt die individuelle Hinzuverdienstgrenze (siehe Beispiel im letzten Abschnitt) bei 29.597,40 Euro, so ergibt sich ein Hinzuverdienstdeckel in Höhe von 34.997,40 Euro.

Sind die seit Mitte 2017 geltenden Regeln immer günstiger als die früheren Regelungen?

Meistens ist das der Fall, jedoch nicht immer. Wer nach den bis zum 30.6. 2017 geltenden Anrechnungsregeln eine Erwerbsminderungsrente nach dem alten Recht bezogen hat, wird in Ausnahmefällen durch das neue Rentenrecht schlechter gestellt. Für diese Fälle regelt § 313 SGB VI, dass weiterhin die „alten“ Rechenregeln zum Hinzuverdienst angewandt werden – und zwar so lange wie sich bei einer Berechnung nach diesen Regeln ein für die Betroffenen günstigeres Resultat ergibt.

Ob die alten Rechenregeln zu einem günstigeren Resultat führen, kontrolliert die Deutsche Rentenversicherung standardmäßig. Ein Antrag muss dazu nicht gestellt werden.

Witwen-/und Witwerrente

Eigenes Einkommen von Witwen und Witwer aus Erwerbstätigkeit wird auf die Witwen-/Witwerrente der gesetzlichen Versicherung angerechnet. Hierbei gelten allerdings relativ hohe Freibeträge. Diese werden jährlich zum 1. Juli angepasst.

Der Freibetrag für Einkünfte zusätzlich dieser Hinterbliebenenrente beträgt seit 1.7.2018 in den alten Bundesländern 845,59 Euro monatlich. In den neuen Ländern liegt er bei 810,22 Euro. Nettoeinkünfte, die darüber liegen, werden zu 40 Prozent mit der Hinterbliebenenrente verrechnet. Ob dabei Ost- oder Westwerte zugrunde gelegt werden, hängt vom Wohnsitz der Witwen oder Witwer ab.

 

 

Was gilt als Nettoeinkommen?

Hier kann es leicht zu Missverständnissen kommen: Für die Deutsche Rentenversicherung gibt es nämlich im SGB IV eigenen Regeln, wie die Bruttoeinkünfte in (fiktive) Nettowerte umgerechnet werden.

Ausgangspunkt der Einkommensanrechnung ist das um feste pauschale Prozentsätze (die je nach Einkommensart unterschiedlich sind) reduzierte Bruttoeinkommen. Zudem werden von dem Teil der Nettoeinkünfte, der die Freibeträge übersteigt, nur 40 Prozent auf die Hinterbliebenenrente angerechnet.

Wie wird gerechnet, wenn Hinterbliebenenrentner noch erwerbstätig sind?

Auch dann wird das Bruttoeinkommen der Witwen und Witwer nach pauschalen Werten in ein (fiktives) Nettoeinkommen umgerechnet. Wie hoch der pauschale Abzug ausfällt, hängt davon ab, ob die Betroffenen bereits das reguläre Rentenalter erreicht haben bzw. selbst bereits die reguläre Altersrente erhalten.

Was gilt für jüngere Hinterbliebenrentner, die noch keine reguläre Altersrente beziehen?

Bei ihnen wird vom sozialversicherungspflichtigen (Neben-)Einkommen rechnerisch ein pauschaler Abzug von 40 Prozent vorgenommen.

Beispiel: Aus einem monatlichen Bruttoeinkommen in Höhe von 1.500 Euro wird (rechnerisch) ein Nettoeinkommen in Höhe von 900 Euro (1.500 minus 40 Prozent). Dieses liegt damit leicht über den derzeit geltenden Freibeträgen. Geht man vom West-Freibetrag von 845,59 Euro aus, so wird dieser um 54,41 Euro überschritten. Die monatliche Hinterbliebenenrente mindert sich um 40 Prozent hiervon, das sind 21,76 Euro.

Was gilt bei Witwen und Witwern, die bereits selbst eine reguläre Altersrente erhalten?

In diesem Fall erfolgt von sozialversicherungspflichtigem Erwerbseinkommen ein pauschaler Abzug von 30,5 Prozent. Das bedeutet beispielsweise: Aus einem monatlichen Bruttoeinkommen in Höhe von 600 Euro wird rechnerisch ein Nettoeinkommen in Höhe von 417 Euro (600 minus 30,5 Prozent). Das ist weit weniger als der Freibetrag (siehe oben). Dennoch kommt es in solchen Fällen meist zur Einkommensanrechnung, weil zusätzlich noch eine eigene Altersrente bezogen wird.

Wie wird dann bei einer Kombination von eigener Rente und Job verfahren?

Nehmen wir als Beispiel einen 66-jährigen Witwer aus Dresden, der seit Januar 2011 eine eigene Altersrente bezieht, die sich derzeit auf brutto 1.200 Euro beläuft. Zusätzlich übt er einen kleinen sozialversicherten Job mit monatlichen Einkünften von 600 Euro aus. Seine Hinterbliebenenrente würde sich ohne Einkommensanrechnung auf 610 Euro belaufen. Sowohl die Altersrente als auch der Minijob werden auf die Hinterbliebenenrente angerechnet. Dabei wird folgendermaßen vorgegangen.

Zunächst werden die jeweiligen Nettoeinkünfte ermittelt. Von einer Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung in Höhe von 1.200 Euro, die ab 2011 begonnen hat, wird zur Ermittlung der (fiktiven) Nettorente ein Abzug von 14 Prozent vorgenommen. Damit beträgt die fiktive Nettorente 1.062 Euro (1.200 Euro minus 14 Prozent). Aus den 600 Euro, die er monatlich brutto verdient, werden netto rechnerisch 417 Euro (600 minus 30,5 Prozent). Sein monatliches (fiktives) Nettoeinkommen beläuft sich damit auf 1.479 Euro (417 plus 1.062).

Dieses wird dem Freibetrag Ost (Wohnsitz: Dresden) in Höhe von 810,22 Euro gegenübergestellt. Der Freibetrag wird um 668,78 Euro überschritten. Hiervon werden auf die Hinterbliebenenrente 267,51 Euro angerechnet (40 Prozent von 668,78).

Waisenrente

Schon seit 2015 gibt es keine komplizierten Anrechnungsregeln wenn Bezieher einer Waisenrente etwas dazuverdienen. Alle Bezieher über 18 Jahre sollten aber die Regeln für die Weiterzahlung im Blick haben.

Die Deutsche Rentenversicherung interessiert sich seit 1.7.2015 nicht mehr für das Einkommen der Betroffenen. Die komplizierte Einkommensanrechnung ist damit entfallen. Waisenrentenbezieher dürfen damit in beliebiger Höhe Hinzuverdienst erzielen. Geprüft wird nur noch, ob die Voraussetzungen für den Waisenrentenanspruch erfüllt sind.

Wichtig: Dazu muss ab dem Monat der Volljährigkeit ein neuer Antrag auf Waisenrente gestellt werden.

Dafür ist das Formular R0615 auszufüllen, das im Internet heruntergeladen werden kann. Hierbei handelt es sich um den „Antrag auf Weiterzahlung der Waisenrente für eine über 18 Jahre alte Waise“. Das Formular kann übrigens auch später noch verwandt werden, wenn zwischenzeitlich die Rentenzahlung gestoppt wurde und erneut wieder Anspruch auf Waisenrente besteht.

Anspruch auf Waisenrente besteht, solange die Waise

  • sich in einer Schul- oder Berufsausbildung befindet (bis 27),
  • ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ), ein freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) oder einen anderen Freiwilligendienst ableistet, für den im Grundsatz Anspruch auf Kindergeld bzw. den steuerlichen Kinderfreibetrag besteht (bis 27),
  • sich in einer Übergangszeit von maximal vier Kalendermonaten zwischen zwei Ausbildungsabschnitten oder einem Ausbildungsabschnitt und dem freiwilligen sozialen/ökologischen Jahr oder dem Bundesfreiwilligendienst bzw. anderen Freiwilligendiensten befindet (bis 27),
  • aufgrund einer Behinderung nicht in der Lage ist, sich wirtschaftlich selbst zu unterhalten (ebenfalls bis 27).

Ist eine dieser Voraussetzungen erfüllt, so spielt eine Erwerbstätigkeit, die „nebenher“ ausgeübt wird, für den Anspruch auf Waisenrente keine Rolle.

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www.rentenblicker.de
Ausführliches FAQ zur Waisenrente auf dem Jugendportal der Deutschen Rentenversicherung.

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Autor

Rolf Winkel