Rente / 30.09.2020

Grundrente: die häufigsten Fragen und Antworten

Voraussetzungen, Höhe, Entgeltpunkte, Einkommensprüfung, Freibetrag – ein FAQ zur neuen Grundrente.

Grundrente: Die häufigsten Fragen und Antworten

Inhalt

Die Grundrente kommt – wenn auch für viele später als erhofft. Der Bundestag hat das Grundrentengesetz am 2. Juli beschlossen. Mit der Grundrente sollen Lebensleistungen gewürdigt und so für mehr Gerechtigkeit gesorgt werden: Wer mehr Leistung als andere erbracht hat, muss auch im Alter mehr Geld zur Verfügung haben. Die von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) initiierte Grundrente ist somit auch ein Instrument zur Vermeidung der Altersarmut.

Was ist die Grundrente?

Die Grundrente soll Geringverdiener im Alter besserstellen und dafür sorgen, dass ihnen mehr zusteht als nur die Grundsicherung im Alter. Sie ist ein Zuschlag auf die Rentenansprüche von Geringverdienern.

Wann kommt die Grundrente?

Das Gesetz zur Grundrente tritt am 1. Januar 2021 in Kraft. Versicherte müssen sich aber darauf einstellen, dass sie ihren Rentenzuschlag erst später ausgezahlt bekommen. Grund ist der vor allem der hohe Verwaltungsaufwand, den die Einkommensprüfung mit sich bringt. Die Deutsche Rentenversicherung geht davon aus, dass zunächst Neurentner ab Mitte 2021 Grundrente ausgezahlt bekommen – dann natürlich rückwirkend zum Januar. Bei Menschen, die heute schon in Rente sind, könnte es noch bis Ende 2022 dauern, bis das Geld auf dem Konto ist.

Wer bekommt die Grundrente?

Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 1,2 bis 1,5 Millionen Menschen Empfänger einer Grundrente sein werden. Da viele Frauen mit Rücksicht auf ihre Familien häufig in Teilzeit und teilweise auch in eher schlecht bezahlten Berufen gearbeitet haben, werden sie eine große Gruppe der Grundrenten-Bezieher darstellen. Auch viele Ostdeutsche, die für niedrige Löhne gearbeitet haben, werden von der Grundrente profitieren.

Gutverdiener haben schlechte Karten. SPD und Union haben sich auf eine Einkommensprüfung geeinigt. Das heißt: Nur wessen Haushaltseinkommen eine bestimmte Obergrenze nicht überschreitet, bekommt tatsächlich Geld.

Welche Voraussetzungen gelten für die Grundrente?

Um Grundrente zu erhalten, müssen Sie eine bestimmte Zeit Versicherungsjahre vorweisen, die so genannten Grundrentenzeiten. Außerdem zählt Ihr durchschnittliches Bruttoeinkommen aus Ihrem Versicherungsleben.

Die Voraussetzungen zur Grundrente im Überblick

  • mindestens 33 Jahre Grundrentenzeiten für ein teilweisen Zuschlag
  • für den vollen Zuschlag mindestens 35 Jahre Grundrentenzeiten
  • Durchschnittsverdienst nicht höher als 80 Prozent des bundesweiten Durchschnittsverdienstes, mindestens jedoch 30 Prozent.

Wo Sie mit Ihrem Durchschnittseinkommen stehen, lässt sich an den Entgeltpunkten ablesen, die Ihnen jedes Jahr gutgeschrieben werden. Wer beispielsweise ein Gehalt bekommt, das exakt dem durchschnittlichen Verdienst aller Beschäftigten entspricht, erhält pro Arbeitsjahr 1,0 EP. Entsprechend stehen 0,8 für 80 Prozent des Durchschnittsverdienstes.

Können auch Minijobber Grundrente bekommen?

Grundsätzlich ja, denn Minijob-Zeiten zählen als Grundrentenzeiten. Minijobs können also dazu beitragen, die geforderten 33 Jahre zu erreichen. Aber: Bei der Berechnung der Rentenhöhe fallen alle Zeiten mit besonders niedrigem Einkommen durch das Raster. Das heißt: Wer zumindest zeitweise mehr verdient hat, kann Grundrente bekommen.

Eine Grundrente allein mit Minijobs ist nicht möglich. Das kann auch so genannte Midijobber, Beschäftigte mit nur etwas höherem Einkommen im sogenannten Übergangsbereich, betreffen.

Welche Zeiten zählen als Grundrentenzeiten?

Als Grundrentenzeiten zählen die Zeiten aus sozialversicherungspflichtiger Tätigkeit, aber auch

  • Pflichtbeitragszeiten der Kindererziehung und Pflege von Angehörigen
  • Zeiten und Leisten bei Krankheit oder Reha
  • Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung und Pflege
  • Ersatzzeiten wie zum Beispiel Zeiten des Kriegsdienstes, der Kriegsgefangenschaft oder der politischen Haft in der DDR

Welche Zeiten zählen nicht als Grundrentenzeiten?

  • Zeiten, in denen Sie Arbeitslosengeld I oder ALG 2 erhalten haben
  • Zeiten der Schulausbildung
  • Zurechnungszeit (fiktiv verlängerter Lebenslauf zur Erhöhung einer Erwerbsminderungsrente)
  • Zeiten, in denen Sie freiwillige Beiträge gezahlt haben.

Was gilt für die Gleitzone zwischen 33 und 35 Jahren?

Anspruch auf Grundrente besteht bereits mit 33 Jahren Grundrentenzeit. Den vollen Zuschlag gibt es allerdings erst ab 35 Jahren. Wer dazwischen liegt, soll einen entsprechend gestaffelten Zuschlag bekommen.

Wie hoch ist die Grundrente?

Die Höhe der Grundrente wird für jeden Versicherten individuell errechnet. Bei der Berechnung kommen Ihre bislang erzielten Entgeltpunkte (EP) ins Spiel.

Grundrente berechnen: So geht’s:

  • Zunächst wird Ihr durchschnittlicher EP-Wert errechnet. Jahre, in denen Sie weniger als 0,3 EP erhalten haben, gehen nicht in die Berechnung ein.
  • Im zweiten Schritt wird dieser EP-Wert verdoppelt, allerdings maximal auf 0,8. Die Differenz ergibt den Zuschlag.
  • Im letzten Schritt wird der Zuschlag um 12,5 Prozent gekürzt.

Die so ermittelten Entgeltpunkte lassen sich in eine Rentenzahlung umrechnen. Jeder Entgeltpunkt steht seit dem 1. Juli 2020 für monatlich 34,19 Euro (West) beziehungsweise 33,23 Euro (Ost).

Beispiel: Wie sieht eine Berechnung der Grundrente aus?

Frau Schmidt aus Leipzig hat 40 Jahre gearbeitet und damit genügend Grundrentenzeit gesammelt, um Anspruch auf Grundrente zu haben. Allerdings lag ihr Lohn 15 Jahre davon unter der Grenze von 30 Prozent des Durchschnittsverdienstes. In den übrigen 25 Jahren hat sie mehr verdient, im Schnitt 60 Prozent. In die Berechnung fließen also nur diese 25 Jahre mit einem EP von 0,6 ein.

Frau Schmidts EP wird zunächst verdoppelt. Theoretisch käme sie so auf 1,2 EP. Allerdings greift hier die Beschränkung auf einen Maximalwert von 0,8. Zu ihren 0,6 EP erhält sie also zunächst einen Zuschlag von 0,2 EP.

Von diesem Zuschlag werden pauschal 12,5 Prozent abgezogen. Im Ergebnis bleiben 0,175 EP pro Jahr. Auf 25 Jahre gerechnet ergeben sich 4,375 zusätzliche Entgeltpunkte.

Da Frau Schmidt im Osten gearbeitet hat, bringt ihr jeder Entgeltpunkt 33,23 Euro monatlich (Stand Juli 2020). Insgesamt beträgt der Zuschlag für ihre Grundrente also rund 145 Euro.


Welche Einkommensgrenzen gelten bei der Grundrente?

Die volle Grundrente erhält nur, wer nicht mehr als 1.250 Euro (Alleinstehende) beziehungsweise 1.950 Euro (Paare) verdient. Wer etwas mehr verdient, bekommt den darüber liegenden Teil des Einkommens zu 60 Prozent auf die Grundrente angerechnet. Oberhalb von 1.600 beziehungsweise 2.300 Euro ist es damit aber vorbei. Einkommen, das diese Grenze überschreitet, wird voll angerechnet. Die Freibeträge sollen regelmäßig angepasst werden.

Welche Einkommen werden bei der Einkommensprüfung berücksichtigt?

Für die Einkommensprüfung zählen unter anderem die eigene Nettorente, eine Witwer- oder Witwenrente und Kapitalerträge oberhalb des Sparerfreibetrags. Nicht dazu zählen der Grundrentenzuschlag selbst sowie Vermögen wie zum Beispiel Immobilien.

Gibt es einen Freibetrag bei Wohngeld und Grundsicherung?

Bei Rentnern, die Zuschüsse in Form von Wohngeld oder Grundsicherung erhalten, soll die Grundrente nicht voll als Einkommen angerechnet werden. Der Freibetrag liegt je nach Höhe der Rente mindestens bei 100 Euro, höchstens jedoch bei 50 Prozent des Regelsatzes zur Grundsicherung. 2020 wären das also maximal 216 Euro.

Muss ich einen Antrag auf Grundrente stellen?

Nein, niemand muss einen Antrag stellen, um die Grundrente zu erhalten. Sie wird von der Deutschen Rentenversicherung automatisch ausgezahlt. Wohlgemerkt: Erst 2021 soll die Grundrente starten.

Ich wohne im Ausland. Kann ich auch Grundrente beziehen?

Ja, die Grundrente wird auch gezahlt, wenn Sie im Ausland leben.

Mehr Informationen

Grundrente: Fragen und Antworten (PDF)
Broschüre der Deutschen Rentenversicherung

Themen-Schwerpunkt Grundrente

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Autor

Boris Dunkel