Rente / 02.11.2020

Grundrente und Grundsicherung

Viele Rentner und Rentnerinnen werden auch mit der Grundrente weiterhin auf Hilfe vom Sozialamt angewiesen sein – doch sie werden Anspruch auf „Grundsicherung Plus“ haben.

Mann im Rentenalter sitzt mit anderen Senioren am Tisch und schaut ernst in die Kamera.

Inhalt

Wenn die Grundrente kommt, wird das Gesamteinkommen vieler Senioren oberhalb des Grundsicherungsniveaus liegen. Doch das wird längst nicht immer der Fall sein. Vielen Menschen wird trotz der Grundrente der Weg zum Sozialamt nicht erspart bleiben. Doch dann haben sie Anspruch auf einen deutlichen Zuschlag zur Grundsicherung im Alter – sozusagen auf Grundsicherung Plus.

Ganz besonders in Großstädten mit hohem Mietniveau wird die neue Grundrente die Betroffenen oft nicht über das Grundsicherungsniveau hieven. Damit werden auch Grundrenten-Bezieher zusätzlich noch auf Grundsicherung im Alter angewiesen sein.

Neuer Freibetrag bei der Grundsicherung

In diesen Fällen ist deshalb bei der Grundsicherung ein Freibetrag für die gesetzliche AltersrenteAltersrenten vorgesehen. Wichtig ist dabei: Dieser Freibetrag gilt nicht nur für künftige Rentenbezieher, sondern auch für die wohl mehr als eine Million derzeitigen Rentner, die demnächst einen Zuschlag zu ihrer Rente erhalten werden.

Eine entsprechende Regelung wurde als Paragraph 82a in das zwölfte Sozialgesetzbuch eingefügt. Dieser lautet folgendermaßen:

Bei der Hilfe zum Lebensunterhalt und Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung ist für Personen, die mindestens 33 Jahre an Grundrentenzeiten … erreicht haben, ein Betrag in Höhe von 100 Euro monatlich aus der gesetzlichen Rente zuzüglich 30 Prozent des diesen Betrag übersteigenden Einkommens aus der gesetzlichen Rente vom Einkommen … abzusetzen, höchstens jedoch ein Betrag in Höhe von 50 Prozent der Regelbedarfsstufe 1“.

Beispielrechnung

Was das praktisch bedeutet, sei am Beispiel eines Rentners mit einer Bruttorente von 850 Euro verdeutlicht, der Grundsicherung beantragt. Die Ämter sollen dabei folgendermaßen rechnen:

Von den 850 Euro geht zunächst ein Freibetrag von 100 Euro ab. Es verbleiben 750 Euro.

Vom 100 Euro übersteigenden Betrag sind maximal (30 Prozent von 750 Euro =) 225 Euro bei der Grundsicherung anrechnungsfrei. Insgesamt beträgt der Freibetrag damit in einem ersten Rechenschritt 325 Euro.

Die 50-Prozent-Regel des neu eingefügten Paragraphen sorgt jedoch dafür, dass der Betrag gekappt wird. Als Freibetrag werden maximal 50 Prozent des Eckregelsatzes anerkannt. 2021 beträgt der Regelsatz für Alleinstehende 446 Euro. Die Hälfte davon sind 223 Euro. So hoch ist der Grundsicherungs-Freibetrag 2021 maximal. Immer dann, wenn die Rente 2021 monatlich mindestens 510 Euro brutto beträgt – so auch im Beispielfall – wird Grundrenten-Beziehern ein Freibetrag in Höhe von 223 Euro zugestanden.

Praktisch bedeutet dies: Von den 850 Euro Bruttorente, die unser Beispielrentner bezieht, gehen zunächst etwa 94 Euro an die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung ab. Sie stehen ihm also nicht zur Verfügung. Damit bleiben netto nur 756 Euro. Hiervon geht der Freibetrag von 223 Euro ab. Als anrechenbares Einkommen bleiben damit nur 533 Euro. De facto sorgt dieser Freibetrag dafür, dass vielen Grundrentenbeziehern ab 2021 eine Art Grundsicherung plus zustehen wird.


Freibetrag 2021 bei der Grundsicherung im Alter für Grundrenten-Bezieher
Bruttorente Freibetrag
400 190
440 202
480 214
Ab 510 223
(Eckregelsatz 2021: 446 Euro)

Und so sieht die Rechnung für einen Rentenbezieher von 2020 aus, der 2021 Anspruch auf Grundrente hat:

Rente mit Grundsicherung 2020

 Gehen wir vom Fall einer alleinstehenden Rentnerin aus. Bisher bezieht sie eine gesetzliche Rente in Höhe von brutto 600 Euro. Davon bleiben nach Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung 534 Euro. Sie erhält derzeit bereits Grundsicherung im Alter, da durch die Rente ihr Grundbedarf nicht gedeckt ist. Das Amt hat dabei folgende Rechnung aufgemacht.

Zunächst wird ihr der Regelbedarf für einen Alleinstehenden zugestanden. 2020 sind dies 432 Euro. Hinzu kommen die kompletten Unterkunftskosten, die in unserem Rechenbeispiel 500 Euro betragen sollen. In zahlreichen Großstädten gelten noch deutlich höhere Kosten als angemessen. In unserem Beispiel beträgt der Bedarf der Betroffenen (432 plus 500 =) 932 Euro. Das anrechenbare Einkommen beträgt 534 Euro. Die Differenz gewährt das Sozialamt – bei Bedürftigkeit – als Grundsicherung im Alter. Mithin hat die Betroffene derzeit einen Grundsicherungsanspruch in Höhe von (932 minus 534 =) 398 Euro.

Grundsicherung und Grundrente 2021

Die Betroffene kann mehr als 33 Versicherungsjahre nachweisen kann, die für die Grundrente anerkannt werden. Also wird sie 2021 wohl einen Zuschlag zu ihrer bisherigen Rente erhalten, die Grundrente. Unterstellen wir, dass der Zuschlag bei ihr monatlich 250 Euro beträgt. Damit wird sie 2021 eine Bruttorente in Höhe von 850 Euro erhalten. Nach Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bleiben davon 756 Euro (Netto-)Rente.

Das Sozialamt nimmt dann folgende Rechnung vor:

Der Bedarf der Betroffenen errechnet sich wieder aus Miete plus Regelsatz. 2021 steigt der Regelsatz auf 446 Euro. Wenn die Warmmiete weiterhin 500 Euro beträgt, ergibt sich ein Bedarf von 946 Euro.

Klar ist damit: Auch die Grundrente hilft der Betroffenen nicht aus der Grundsicherung im Alter heraus. Denn ihre verfügbare Rente ist ja niedriger als ihr Bedarf.

Allerdings verändert sich die Rechnung 2021. Denn nicht Ihre volle (Netto-)Rente gilt als anrechenbar. Es wird vielmehr zunächst der Grundrentenfreibetrag in Höhe von 223 Euro abgesetzt. Damit bleiben als anrechenbare Rente nur 533 Euro (756 minus 223). Mithin wird die Betroffene 2021 einen Grundsicherungsanspruch von 413 Euro haben, also sogar etwas mehr als 2020. Ohne den neuen Grundrentenfreibetrag wären es nur noch 190 Euro.

Verfügbare Rente (inkl. Grundrente) 756 Euro
abzüglich Grundrentenfreibetrag 223 Euro
ergibt anrechenbare Rente 533 Euro
Bedarf 2021 (Regelsatz plus Warmmiete) 946 Euro
Grundsicherungsanspruch (Differenz zur anrechenbaren Rente) 413 Euro

Fazit: Die Grundrente sorgt im Fall der Beispielrentnerin zwar nicht dafür, dass sie unabhängig von der Unterstützung des Sozialamtes leben kann. Sie bringt ihr jedoch einen Grundrentenfreibetrag. Sie hat damit 2021 wohl monatlich unterm Strich rund 220 Euro mehr zur Verfügung – und zwar als Grundsicherung im Alter.

Rechtzeitig Grundrentenanspruch sichern

Gerade für Niedrigverdiener ist das eigentlich Interessante an den Grundrentenanspruch die Freibetragsregelung bei der Grundsicherung im Alter. Für sie ist es daher wichtig, rechtzeitig die für die Grundrente erforderlichen mindestens 33 Versicherungsjahre zusammenzubekommen. Eine ganz entscheidende Rolle spielen dabei Minijobs – allerdings nur dann, wenn die Betroffenen die Rentenversicherungspflicht ihres kleinen Jobs nicht abwählen. In diesem Fall zählt die Zeit des Mini-Jobbens als vollwertige Versicherungszeit bei der gesetzlichen Rentenversicherung und kann damit dafür sorgen, dass überhaupt ein Grundrentenanspruch besteht.

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Autor

Rolf Winkel