Rente / 19.09.2022

Hinzuverdienstgrenze für Frührentner fällt 2023 weg

Wer als Frührentner arbeiten geht, muss nicht mehr fürchten, dass die Rente gekürzt wird – für ältere Arbeitnehmer ein Anlass, die eigene Ruhestandsplanung zu überdenken.

Ältere Frau steht lächelnd in einer Werkshalle. Bild: IMAGO / Westend61 / Daniel Ingold

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Weiter arbeiten gehen und zugleich Rente beziehen, ohne dass diese gekürzt wird. Das können Menschen im Rentenalter meist schon jetzt. Frührentnerinnen und Frührentner verdanken das allerdings bislang vor allem einer großzügigen Sonderregelung. Denn eigentlich schreibt das Gesetz für sie eine Hinzuverdienstgrenze von 6300 Euro im Jahr vor. Rentner im regulären Rentenalter dürfen dagegen grundsätzlich unbegrenzt hinzuverdienen.

Die Bundesregierung hatte aber im Zuge der Corona-Krise die Grenze auf zuletzt 46.060 Euro angehoben. Ende des Jahres wäre die Ausnahmeregel ausgelaufen. Statt sie zu verlängern, fällt die Grenze nun endgültig. Bei Altersrenten wird es keine Begrenzung des anrechnungsfreien Hinzuverdienstes mehr geben.

„Die Hinzuverdienstgrenze bei vorgezogenen Altersrenten entfällt ersatzlos. Mit der Abschaffung der Hinzuverdienstgrenze bei Altersrenten wird die volle Flexibilität für den Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand geschaffen“, erklärt das Bundesarbeitsministerium zu einem vom Kabinett verabschiedeten Gesetzesentwurf.

Als Frührentner weiterarbeiten erhöht die Rente

Wer eine vorzeitige Altersrente bekommt, kann jetzt vielfach mit doppeltem Einkommen planen, Rente plus Arbeitseinkommen. Für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die noch im Berufsleben stehen, kann es sich lohnen, ihre Ruhestandsplanung zu überdenken.

Sie können, wenn Sie die Voraussetzungen erfüllen, eine vorzeitige Altersrente beantragen und weiterarbeiten. Wenn Sie als Frührentner weiterarbeiten, sammeln Sie auch weiter Rentenpunkte (Entgeltpunkte). Sobald Sie Ihr reguläres Rentenalter erreicht haben, zahlen sich dieser in einer höheren Rente aus.

Beispiel: 2000 Euro Bruttoverdienst bringen nach vier Jahren gut 2,4 Rentenpunkte. Nach dem aktuell geltenden Rentenwert heißt das: jeden Monat etwa 100 Euro mehr Rente.

Rente beantragen und einfach weiterarbeiten – wie geht das?

Viele ältere Arbeitnehmer erfüllen bereits heute die Voraussetzungen für eine vorgezogene Altersrente, haben aber bislang auf den Rentenantrag verzichtet. Ist das bei Ihnen der Fall, müssen Sie Ihr Arbeitsverhältnis nicht aufgeben. Sie können von einem Tag auf den anderen zusätzlich zum Arbeitseinkommen Rente beantragen. Niemand muss dafür den Arbeitgeber um Erlaubnis fragen.

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Was gilt bei der Steuer?

Sie sollten einkalkulieren, dass durch die Kombination von Rente und Arbeitseinkommen auch zusätzliche Steuern anfallen. Denn der größte Teil Ihrer Rente ist steuerpflichtig.

Von Ihrem Arbeitslohn hält Ihr Arbeitgeber Ihnen nach wie vor Lohnsteuer und bis zum Erreichen der regulären Altersgrenze auch die vollen Sozialversicherungsbeiträge ab. Von Ihrer Rente werden Ihnen dagegen nur die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen. Steuern behält die Rentenversicherung nicht ein. Dafür müssen Sie später eine Steuererklärung abgeben.

Durch die zusätzlich bezogene Rente wird eine Steuernachzahlung fällig. Für die Folgejahre wird das Finanzamt für Sie regelmäßige Steuervorauszahlungen in jedem Quartal festlegen, falls Sie weiterhin Arbeitseinkünfte haben.

Tipp: Die Beratungsstellen des Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH) können für Mitglieder eine Überschlagsrechnung durchführen, mit welcher zusätzlichen Steuerbelastung beim parallelen Bezug von Arbeitslohn und vorgezogener Altersrente zu rechnen ist.

Beispiel für Steuernachzahlung bei Rente plus Arbeitseinkommen

  • Jahresbruttolohn 2022: 36.000 Euro (Monatslohn: 3000 Euro);
  • Rentenbeginn im Januar 2022
  • Jahresrente 2022: 18.000 Euro,
  • Zusatzbeitrag Krankenversicherung 1,3 Prozent
  • Pflegeversicherung: mit Kind
  • keine Kirchensteuer

In diesem Beispiel beträgt der Netto-Monatslohn 2025,17 Euro. Die Rentenversicherung zahlt im Jahresschnitt eine monatliche Rente in Höhe von 1335 Euro aus. Dabei sind Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge abgezogen – aber keine Steuer. Das Finanzamt wird jedoch, wenn Sie keine weiteren absetzbaren Ausgaben haben, nach der Steuererklärung für das Jahr 2022 knapp 2000 Euro Steuern nachfordern. Pro Monat sollten Sie also rund 165 Euro fürs Finanzamt zurücklegen.


Erwerbsminderungsrente: Welche Hinzuverdienstregeln gelten 2023?

Auch für Empfänger einer Erwerbsminderungsrente gibt es deutliche Verbesserungen.

Bei der Rente wegen voller Erwerbsminderung wird nach dem Gesetzesentwurf 2023 ein jährlicher Hinzuverdienst von 17.823,75 Euro anrechnungsfrei sein. Die Hinzuverdienstgrenze wird künftig jährlich neu festgelegt und an die Entwicklung der so genannten Bezugsgröße angepasst.

Erwerbsminderungsrente: Nicht zu lange arbeiten

Bei der Erwerbsminderungsrente spielt die tägliche Stundenzahl eine wichtige Rolle. Eine Rente wegen voller Erwerbsminderung kann nur bekommen, wer täglich nur noch weniger als drei Stunden arbeiten kann. Wenn Sie Erwerbsminderungsrente bekommen und eine Beschäftigung aufnehmen wollen, sollten Sie sich vorher bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung beraten lassen.

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Autor

Rolf Winkel