Gesundheit / 16.12.2019

Ihr Weg zur Kinderreha – die FAQ

Steht meinem Kind eine Kinderreha zu? Muss ich etwas zuzahlen? Und bis zu welchem Alter ist eine Kinder-Reha möglich? Ihre-Vorsorge.de hat die wichtigsten Antworten in einem FAQ zusammengefasst.

Bild zum Thema Ihr Weg zur Kinderreha – die FAQ: Übergewichtiger Junge steigt an einer Leiter aus einem Hallenschwimmbecken.

Inhalt

Was ist eine Kinderreha?

Eine Kinderreha oder Jugendreha soll junge Patienten mit chronischen Erkrankungen, Übergewicht oder psychischen Auffälligkeiten stark machen fürs Leben. Während ihrem Aufenthalt in der Fachklinik werden die jungen Patienten im Umgang mit ihrer Krankheit geschult und lernen, wie sie Folgeschäden vermeiden können. Dabei steht über allem die Frage, wie man trotz Einschränkung gut im Alltag zurechtkommt – denn ohne Unterstützung können Krankheiten zu Problemen in Schule und Ausbildung führen.

Wer zahlt eine Kinderreha oder Jugendreha?

Entweder die Deutsche Rentenversicherung oder die Krankenkasse. Bei einer chronischen Krankheit, starkem Übergewicht oder psychischen Problemen ist die Deutsche Rentenversicherung in der Pflicht. Nur wenn das Kind aufgrund einer Behinderung später wahrscheinlich nicht arbeiten kann, zahlt eher die Krankenkasse.

Wie beantrage ich eine Kinderreha oder Jugendreha?

In der Regel über den Hausarzt oder einen Kinder- und Jugendarzt. Der stellt einen kurzen Befundbericht (Formular G0612) zur Krankheit aus, den er auch abrechnen kann (Formular G0600). Sie füllen ein Antrag (G0200) aus, der an die Deutsche Rentenversicherung geht. Mit in den Umschlag gehören wichtige medizinische Befunde wie Gutachten oder Arztbriefe. Richten Sie den Antrag an die Rentenversicherung, die oben rechts auf ihrer letzten Renteninformation steht.

Haben Sie keine zur Hand, fragen Sie beim kostenlosen Servicetelefon der Deutschen Rentenversicherung unter 0800 1000 4800, bei welchem Rentenversicherungsträger Sie geführt werden. Lassen Sie die Mitarbeiter dort kurz in Ihr Rentenkonto schauen und checken, ob Sie die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllen.

Viele Eltern wissen nicht, dass ihrem chronisch kranken Kind eine Reha zusteht – bis der Arzt sie verschreibt. Dann aber plötzlich gibt es viele Fragen rund um Organisation, Kosten, Antrag und Ablauf. Doch keine Sorge, der Weg zur Kinderreha ist nicht so kompliziert, wie es zunächst scheint. Und es lohnt sich, denn junge Patienten profitieren kurz- und langfristig vom Aufenthalt in einer auf ihre Bedürfnisse ausgerichteten Fachklinik. In diesem Frage-Antwort-Stück finden Sie als Eltern alle wichtigen Informationen und Ansprechpartner.

Was sind die Voraussetzungen für eine Kinder- und Jugendreha?

Medizinische Voraussetzungen:

  • Das Kind oder der Jugendliche ist chronisch krank oder stark übergewichtig oder weist psychische Auffälligkeiten auf.

Versicherungsrechtliche Voraussetzungen: Sie müssen nur einen der nächsten Punkte erfüllen:

  • Ein Elternteil muss eine Mindestversicherungszeit von fünf Jahren in der gesetzlichen Rentenversicherung vorweisen. Dazu zählen nicht nur Jahre, in denen er als Arbeitnehmer Rentenbeiträge gezahlt hat, sondern auch Zeiten der Kindererziehung ohne Job, Zeiten aus einem Versorgungsausgleich nach einer Scheidung oder freiwillige Beiträge.
  • In den letzten zwei Jahren vor Antragsstellung wurden mindestens sechs Monate lang Pflichtbeiträge für eine versicherte Tätigkeit in die Rentenkasse gezahlt.
  • Innerhalb von zwei Jahren nach Ausbildungsende wurde mindestens bis zum Antrag auf eine Kinderreha eine Beschäftigung ausgeübt.
  • Ein Elternteil erhält eine Alters- oder Erwerbsminderungsrente.
  • Das Kind/der Jugendliche erhält eine Waisenrente.

Mehr dazu finden Sie in unserem Themenschwerpunkt: Reha für Kinder und Jugendliche

Wichtig:

Diese Voraussetzung gelten auch für Pflegeeltern, Großeltern oder Geschwister, die das betroffene Kind aufgenommen haben oder überwiegend unterhalten. Die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen sind aber nicht erfüllt, wenn der Jugendliche bereits arbeitet und Rentenversicherungsbeiträge zahlt.


Wir hoch sind meine Chancen, dass eine Kinderreha genehmigt wird?

Wenn die versicherungsrechtlichen und ärztlichen Voraussetzungen erfüllt sind, sind die Chancen sehr hoch. Auch die Ärzte unterstützen Sie bei Ihrem Vorhaben: Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) empfiehlt, solche Rehas bei der Rentenversicherung „großzügig zu beantragen“.

Wie lange dauert eine Kinderreha?

In der Regel vier Wochen. Wenn es medizinisch sinnvoll ist, kann die Reha noch während des Aufenthalts verlängert werden. Das klären die Ärzte mit Ihnen.

Steht meinem Kind eine Kinderreha zu?

Ja. Die Kinder- und Jugendreha ist keine Kann-Leistung, sondern eine Pflicht-Leistung der Deutschen Rentenversicherung.

Bis zu welchem Alter kommt eine Kinderreha in Frage?

Eine Kinderreha ist ab Säuglingsalter möglich. Ab 13 Jahren spricht man von einer Jugendreha. 18 Jahre ist das Höchstalter. Danach ist eine Jugendreha über die Rentenversicherung in zwei Fällen möglich:

  • Der Heranwachsende befindet sich noch in Ausbildung, zahlt aber noch keine Rentenbeiträge.
  • Der junge Erwachsene absolviert den Bundesfreiwilligendienst, ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr.

Was ist der Unterschied zwischen Kinderreha und Jugendreha?

Korrekt heißt die Reha „Kinder- und Jugendreha“ – es ist also ein Angebot. Natürlich gibt es aber je nach Alter der Kinder Unterschiede bei den Therapien. Zudem besuchen Kinder in der Regel mit einem Elternteil die Klinik, während die Jugendlichen lieber ohne Begleitung in die Reha fahren. Zudem werden Kinder mit Begleitung auf anderen Stationen untergebracht als die Jugendlichen.

Wie lange müssen wir auf den Antritt der Kinderrehabilitation warten?

Das hängt von der Indikation (nicht jede Klinik eignet sich für jede Krankheit), freien Betten und der Dringlichkeit einer Reha ab.

Kann ich als Begleitperson in die Reha-Klinik mitreisen?

Ja. Bis zum 12. Geburtstag Ihres Kindes können Sie es in die Reha begleiten. Läuft der Antrag über die Deutsche Rentenversicherung, können Sie auch danach noch ihren Nachwuchs begleiten, wenn dies medizinisch notwendig ist. Das ist etwa dann der Fall, wenn Sie in die Therapie oder die Schulungen eingebunden werden sollen, um die Weichen für die Phase nach dem Klinikaufenthalt zu stellen.

Soll ich mein Kind in die Reha begleiten?

Erfahrungsgemäß wollen Kinder ab etwa dem 12. Lebensjahr lieber alleine fahren. Diskutieren Sie diese Frage mit Ihrem Nachwuchs. Bedenken Sie dabei zwei Punkte:

  • Eines der großen Ziele einer Reha für Jugendliche ist es, dass sie lernen, ihre Krankheit selbstständig zu managen. Umso selbstständiger Ihr Kind wird, desto weniger Stress und krankheitsbedingte Konfliktsituationen haben Sie durchzustehen.
  • Gerade der Austausch mit Gleichaltrigen, die die gleichen Erfahrungen teilen, ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Jugendreha. Geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit eines ungestörten Austauschs.

Aber natürlich entscheiden Sie, was für Ihr Kind das Beste ist.

Was tun, wenn ich mir keine vier Wochen frei nehmen kann?

Dann verraten wir Ihnen zwei Tricks: Erstens darf die Begleitperson wechseln – erst der Vater, dann die Mutter. Zweitens kommen auch Omas, Opas, Tanten, Onkels oder volljährige Geschwister als Begleitpersonen in Frage. Ein Verwandtschaftsverhältnis ist nicht zwingend nötig. Wichtig ist nur, dass es eine Bezugsperson ist.

Wer deckt meinen Verdienstausfall, wenn ich als Begleitperson mitkomme?

Wurde eine Begleitperson bewilligt, können Sie eine Erstattung Ihres Verdienstausfalls beantragen.

Wie werden andere Kinder im Haushalt während der Mutter-Kind-Reha betreut?

Die Übernahme von Kosten für eine Haushaltshilfe ist möglich, wenn ein entsprechender Antrag gestellt wird. Sinnvoll ist das zum Beispiel dann, wenn ein Geschwisterkind unter 12 Jahren im Haushalt zurückbleibt und der Haushalt nicht vom anderen Elternteil weitergeführt werden kann. Eine weitere Möglichkeit ist es, das gesunde Geschwisterkind, das jünger als 12 Jahre ist, mit in die Rehaklinik zu nehmen. Das ist dann möglich, wenn die Betreuung zuhause während dieser Zeit nicht anders gewährleistet werden kann. Am besten klären Sie dies direkt mit Ihrer Rentenversicherung oder Ihrer Krankenkasse – je nachdem, wo Sie den Antrag gestellt haben – ab.

Mehr Infos erhalten Sie im Artikel „Reha – was mache ich mit meinem Kind?

Muss ich etwas zur Kinderreha zuzahlen?

Nein, die Rentenversicherung und die Krankenkassen tragen die kompletten Kosten, auch für Verpflegung und Unterkunft. In der Regel werden außerdem die Reisekosten erstattet – für das Kind oder den Jugendlichen sowie der Begleitperson. In welcher Höhe die Reisekosten übernommen werden, kann beim Kostenträger erfragt werden.

Was lernen die Kinder und Jugendlichen in der Reha?

Es gibt fünf Hauptindikationen: Asthma, Neurodermitis, ADHS, psychologische Störungen und Adipositas. Je nachdem, mit welcher Indikation ein Kind oder Jugendlicher in die Reha kommt, unterscheiden sich auch die Therapie- und Schulungsmaßnahmen. Hier einige Beispiele:

Asthma

Mit gezielten Übungen wird die Funktionstüchtigkeit der Lunge verbessert und die körperliche Belastbarkeit gesteigert. Zusätzlich erfahren die Kinder und Jugendlichen, woher Asthma kommt, und lernen Bewältigungsstrategien kennen. Auch das begleitende Elternteil kann einbezogen werden.

Neurodermitis

Ziel ist es, ein besseres Hautgefühl zu erreichen und so den Juckreiz zu vermindern. Der junge Patient oder die junge Patientin erfährt, wie die Haut optimal gepflegt wird. Auch der begleitende Elternteil wird intensiv darin geschult, Haut mit Neurodermitis zu versorgen. Außerdem erhalten die Neurodermitis-Patienten eine ausführliche Ernährungsanamnese und Allergiediagnostik, denn Nahrungsmittelunverträglichkeiten können den Zustand der Haut verschlechtern.

Adipositas

Junge Adipositas-Patientinnen und -Patienten erhalten in der Reha eine Kombination aus interdisziplinärer Ernährungstherapie und intensivem Sport- und Bewegungsprogramm. Beides soll dazu führen, dass sie nicht nur kurzfristig abnehmen, sondern langfristig Erfolg haben. Die Kindesmutter wird in die Therapie miteinbezogen und geschult, wie sie ihr Kind mit verbessertem Einkaufsverhalten und der Zubereitung ausgewogener Mahlzeiten beim gesunden Essverhalten unterstützen kann. Da Adipositas häufig mit starker emotionaler Belastung und generellem Schmerzempfinden ohne Befund einhergeht, erhält das Kind auch eine psychologisch-psychotherapeutische Behandlung.

ADHS

Ziel ist es, in Alltag und Schule Anschluss zu finden und wieder besser zurechtzukommen. In der Reha erhalten die Kinder und Jugendlichen Verhaltenstherapie und Gruppentraining, der Medikationsplan wird überprüft und gegebenenfalls optimiert.

Weitere Indikationen für eine Kinder- und Jugendreha sind unter anderem:

  • Allergien
  • Psychosomatische Störungen, Verhaltensstörungen (z.B. ADHS, Schulverweigerung, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Essstörungen, depressive Verstimmungen, Ängste, Einnässen, Sprachentwicklungsstörungen)
  • Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes)
  • Krankheiten des Bewegungsapparates (z.B. Skoliose)
  • Erkrankungen der Leber und des Verdauungssystems (z.B. Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa)
  • Nieren- und Harnwegskrankheiten
  • Herz- und Kreislauf-Krankheiten
  • Neurologische Krankheiten (z.B. Epilepsie)
  • Krebserkrankungen

 

Autoren: Anne Zegelman, Michael John

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