Altersvorsorge / 09.03.2020

Klaffende Gehaltslücke: Wer wo wieviel verdient – und was das für die Rente bedeutet

Frauen verdienen weiter weniger als Männer, das zeigen aktuelle Zahlen. Der sogenannte „Gender Pay Gap“ sorgt für Probleme im Alter.

Bild zum Thema Gender Pay Gap: Zwei junge Frauen stehen zusammen im Büro und schauen auf ein Tablet.

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Im Alter Rente um die Hälfte niedriger

Laut OECD-Studie ist die Rente bei Frauen über 65 heute im Schnitt um 46 Prozent niedriger als bei Männern. In den Niederlanden sind es 42, in Österreich 39, in Frankreich 33 und im OECD-Schnitt 25 Prozent. Am geringsten ist diese Lücke mit 2 Prozent in Estland.

Teilzeit, Minijob, schlecht bezahlte Tätigkeiten oder Scheidung: Es gibt viele Gründe dafür, dass Frauen im Schnitt weniger verdienen – und im Alter daher weniger Rente erhalten. Daher ist es umso wichtiger, für die eigene Absicherung zu sorgen und sich Klarheit über die zu erwartende Rentenlücke zu verschaffen. Dabei können Renten- und Finanzexperten helfen, mittlerweile gibt es auch Berater, die sich auf weibliche Kundschaft spezialisiert haben. Zudem finden sich mit wenig Suchaufwand diverse Online-Angebote wie Finanzblogs speziell für Frauen.

Frauen am Arbeitsmarkt benachteiligt

Die Abgeordnete Sabine Zimmermann, die die Anfrage gestellt hatte, sagte: „Frauen sind am Arbeitsmarkt nach wie vor benachteiligt, da hilft kein Schönreden und Relativieren.“ Die Bundesregierung forderte sie auf, verbindliche Regeln hin zu gleichem Geld für gleichwertige Arbeit zu schaffen. „Frauen muss aber auch der Wiedereinstieg in den Job erleichtert werden, zum Beispiel nach einer Erziehungszeit.“

Weiter mahnte Zimmermann: „Generell müssen endlich alte Rollenbilder aufgebrochen werden, die auch dafür sorgen, dass es typische, oft schlecht entlohnte Frauenberufe und besser bezahlte typische Männerberufe gibt.“

Der so genannte „Gender Pay Gap“ bezeichnet in der Regel die durchschnittliche Lohnlücke zwischen Männern und Frauen über alle Branchen und Berufe hinweg. Frauen verdienen meist schlechter, weil sie häufiger in Teilzeit und in schlechter bezahlten Berufen zum Beispiel im sozialen Bereich arbeiten. Rechnet man diese Faktoren heraus, ist der Lohnunterschied geringer, aber immer noch da.

Einkommen regional verschieden

Übrigens: Die Höhe des monatlichen Bruttoverdienstes unterscheidet sich – bei Frauen und Männern – von Region zu Region stark. So ist das mittlere Einkommen mit 2.070 Euro brutto pro Monat für Frauen in Vollzeit deutschlandweit im Saale-Orla-Kreis in Thüringen am geringsten. Bei den Männern ist der Kreis Görlitz das Schlusslicht, sie erzielen dort einen mittleren Verdienst von monatlich 2.273 Euro.

Im Saale-Orla-Kreis arbeitet jede zweite Beschäftigte (54,9 Prozent) zu einem Niedriglohn – im Kreis Görlitz 45,2 Prozent der Männer unter der bundeseinheitlichen Niedriglohn-Schwelle von 2.203 Euro im Monat.

Am höchsten ist das mittlere Entgelt von vollzeitbeschäftigten Frauen mit 4.250 Euro in der Autostadt Wolfsburg. 14,5 Prozent von ihnen arbeiten hier zum Niedriglohn. Bei Männern in Wolfsburg liegt das mittlere Einkommen bei 5.115 Euro im Monat und der Niedriglohnanteil nur bei 4,9 Prozent. Am meisten verdienen Männer indes in Erlangen: Im Mittel 5.544 Euro brutto – und damit 30,4 Prozent mehr als die Frauen in Wolfsburg. In Erlangen kommen die Frauen im Mittel auf 3.795 Euro brutto. Erhoben wurden die Daten von der Bundesagentur für Arbeit, sie stammen von Ende 2018.

Deutschlandweit verdienen Frauen in Vollzeit monatlich 3.014 Euro im Mittel – Männer 3.468 Euro. 26,5 Prozent der Frauen liegen unterhalb der bundeseinheitlichen Niedriglohn-Schwelle von 2.203 Euro, bei den Männern sind es 15,8 Prozent. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag anlässlich des Internationalen Frauentags hervor, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt.

Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die finanzielle Situation im Alter. Der kürzlich vorgestellte Bericht der OECD-Staaten (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) machte deutlich, dass der Abstand zwischen Frauen und Männern bei der Rente in Deutschland besonders groß ist. Dramatisch: Im internationalen Vergleich der geschlechterspezifischen Rentenlücken steht die Bundesrepublik nicht nur schlecht da, sondern bildet das internationale Schlusslicht.

In München verdient Frau am meisten

Bei den Frauen steht der sächsische Erzgebirgskreis mit einem Entgelt von monatlich 2.106 Euro und einem Niedriglohnanteil von 53,4 Prozent an vorletzter Stelle – gefolgt vom niedersächsischen Kreis Cloppenburg mit 2.139 Euro und 52,7 Prozent.

Bei den Männern zählt noch der Kreis Vorpommern-Rügen mit im Mittel 2.322 Euro und einem Niedriglohnanteil von 43,1 Prozent zu den Schlusslichtern – sowie der brandenburgischen Elbe-Elster-Kreis mit 2.327 Euro und 43 Prozent.

Zur Spitzengruppe bei den Frauen gehört München mit 3.847 Euro (Niedriglohnanteil 12,7 Prozent) und Frankfurt am Main mit 3.812 Euro (12,6 Prozent).

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Autor

Anne Zegelman