Aktuell beleuchtet / 05.03.2018

Knapp bei Kasse? Versicherungsschutz optimieren!

Gerade, wenn das Geld nicht (mehr) so locker sitzt, werden Versicherungen schnell gekündigt. Aber wann ist das wirklich sinnvoll? Auf welche Versicherungen kann man verzichten? Und welche Alternativen gibt es?

Frau mit Laptop und Taschenrechner – Bildnachweis: gettyimages.de © Tetra Images

Die meisten Menschen beschäftigen sich mit dem Thema Versicherung und Vorsorge nur ungern: zu langweilig die Materie, zu komplex ein Vergleich, zu wenig Sparpotenzial bei einem Wechsel. So jedenfalls die Annahme. Dabei gibt es im Leben viele Situationen, in denen ein Blick in die Versicherungsunterlagen wichtig bis existenziell sein kann.

Altersvorsorge

Eine bestehende Altersvorsorge wird immer dann ein Thema, wenn es einen „Störfall“ gibt, weil das Geld knapp ist und die Altersvorsorge nicht mehr wie bisher finanzierbar ist. Der erste Reflex ist fast immer, den Vertrag zu kündigen. Dabei ist eine solche Kündigung selten sinnvoll, denn bei einer vorzeitigen Vertragsauflösung zahlen Verbraucher meist drauf. Die Alternativen:

Verkauf

Wer die Versicherung auf jeden Fall loswerden möchte, kann die laufende Altersvorsorge einfach verkaufen. Der Käufer übernimmt den Vertrag und zahlt dafür einen Kaufpreis, der sich nach dem aktuellen Rückkaufswert des Vertrages bemisst. Der Vorteil: Bereits angespartes Geld wird mit kleineren Verlusten gerettet und kann mit anderen Anlageformen schnell wieder neue Rendite ansammeln.

Ruhen lassen

Wer die Altersvorsorge eigentlich behalten will und nur zeitweise die monatlichen Raten nicht mehr aufbringen kann oder möchte, kann die Versicherung ruhen lassen. Der Vertrag läuft dann weiter, die Beitragszahlung wird jedoch ausgesetzt. Zwar sinkt dadurch die spätere Rente, aber das bereits eingezahlte Kapital wird erhalten. Zudem umgehen Sparer bei Verträgen, die jünger als zwölf Jahre sind, eine steuerliche Belastung der erzielten Erträge.

Policendarlehen

Wer seine Versicherung kündigen will, weil das Geld benötigt wird, kann auch ein Policendarlehen in Anspruch nehmen. Ein solches Darlehen ist nichts anderes als eine Vorauszahlung der Versicherungsgesellschaft auf die Versicherungsleistung.

Mit anderen Worten: Die Versicherten bekommen das Geld, das nach der Laufzeit des Vertrages ohnehin fällig wäre.

Der Vorteil: Wenn sie ansonsten einen finanziellen Engpass mit dem Überziehungskredit auf dem Girokonto oder einem Ratenkredit überbrücken müssten, fahren sie mit dem Policendarlehen günstiger. Statt Kredite in Raten abzustottern, zahlt man weiter in seine Versicherung ein, und am Ende wird dann das Policendarlehen mit dem angesparten Kapital verrechnet.

Der Nachteil: Natürlich wird das Darlehen verzinst und kostet Rendite und Rente im Alter.

Risikovorsorge

Im Leben kann es finanziell immer mal eng werden – und dann sind Kosten für die Risikovorsorge mit einer Berufsunfähigkeits- oder Risikolebensversicherung schnell zu hoch.

Auch hier gilt der erste Gedanke meist der Kündigung, allerdings ist das selten eine gute Wahl: Denn neuer Schutz ist oft schwerer zu bekommen, mit Vorerkrankungen sogar meist unmöglich oder in der Regel deutlich teurer.

Als Alternative zur Kündigung gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie Sie die finanzielle Belastung verringern können.

Fristen ausschöpfen

Bei kurzfristigen finanziellen Engpässen können Versicherte auf Zeit spielen: Der Versicherer muss ihnen zunächst einmal eine Frist setzen, bevor er ihren Vertrag kündigen darf.

Zwei Wochen beträgt die Frist bei laufenden Versicherungen, nach Fristablauf verlieren sie den Versicherungsschutz und der Versicherer darf ihnen kündigen.

Da Kunden zusätzlich zu den 14 Tagen meist noch bis zu einige Wochen Zeit haben, bis überhaupt die Mahnung ist Haus flattert, lassen sich kurzfristige Engpässe so überwinden.

Leistungen reduzieren

Eine Möglichkeit, die Kosten zu senken, besteht darin, Leistungen zu reduzieren: So kann zum Beispiel die Versicherungssumme bei der Risikolebensversicherung reduziert werden – oder bei der Berufsunfähigkeitsversicherung die versicherte Rente. Hier sind Versicherte aber in der Regel auf die Mitwirkung der Versicherung angewiesen – sprechen Sie Ihren Versicherer an!

Vertrag ruhen lassen

Wenn das Geld vorne und hinten nicht reicht, besteht auch die Möglichkeit, den Vertrag ruhen zu lassen. Versicherte zahlen dann die fälligen Prämien bis zu zwölf Monate nicht und erhalten auch keine Leistungen, wenn etwas passiert.

Aber in der Regel werden die Verträge danach wieder reaktiviert, und sie werden so gestellt wie vor der Ruhensvereinbarung. Vor allem müssen sie keine erneute Gesundheitsprüfung durchlaufen wie nach einer Kündigung.

Alltagsversicherungen

Bei den alltäglichen Policen von der Hausrat- über die Haftpflicht- bis hin zur Rechtsschutzversicherung stellen sich verschiedene Fragen – vor allem, wenn man knapp bei Kasse ist:

  • Ist der Schutz noch zeitgemäß: Bekomme ich genug für mein Geld?
  • Ist der Schutz zu teuer: Gibt es vielleicht besseren für weniger Geld?
  • Ist er überhaupt notwendig: Kann ich den Schutz gegebenenfalls kündigen?

Die erste Frage nach der Qualität des Versicherungsschutzes kann man am besten im Zusammenspiel mit einem unabhängigen Versicherungsmakler oder einem honorarpflichtigen Berater beantworten: Er kann den bestehenden Schutz bewerten und mit aktuellen Tarifen vergleichen.

Spezielle Software-Analysen zeigen dann, wie gut der Schutz im Vergleich zu anderen Tarifen ist. Bei einer solchen Beratung kann auch das Beitragsniveau gespiegelt werden: Versicherte sehen sehr schnell, wie teuer oder günstig der bestehende Schutz im Blick auf alternative Angebote ist.

Die dritte Frage nach der Notwendigkeit muss auch individuell beantwortet werden, denn jeder braucht Schutz, der zu seiner Lebenslage passt. Grundsätzlich gilt zur Notwendigkeit der einzelnen Policen:

Haftpflicht

Der Haftpflichtschutz ist immens wichtig und sollte nicht einfach aufgegeben werden – das gilt für die private Haftpflicht ebenso wie für eine Tierhalterhaftpflicht, die ebenso wie die Kfz-Haftpflicht oft ja sogar gesetzlich vorgeschrieben ist.

Der Grund ist recht einfach: Sie haften in den verschiedensten Lebensbereichen für Schäden, die Sie verursachen – und zwar mit Ihrem gesamten Vermögen, ein Leben lang. Ohne Haftpflichtversicherung bleibt bei größeren Schäden oft nur der Gang in die Insolvenz.

Ein weiteres Plus: Haftpflichtversicherungen bieten immer passiven Rechtsschutz, regulieren also nicht nur berechtigte Schäden, sondern wehren unberechtigte auch ab – notfalls vor Gericht.

Ein Wechsel der Haftpflicht kann sich vor allem bei älteren Verträgen lohnen, weil die heutigen Tarife deutlich mehr Schutz bieten.

Wohngebäudeversicherung

Die eigene Immobilie ist in der Regel neben der Arbeitskraft das größte Vermögen, das wir besitzen – und das sollte entsprechend abgesichert werden mit einer Wohngebäudeversicherung.

Eine Kündigung und Aufgabe des Schutzes ist selten sinnvoll, weil Sie dann bei einem Schaden selbigen alleine tragen müssen. Gerade bei größeren Schäden bis hin zum Totalverlust – zum Beispiel durch einen Brand – ist das kaum machbar und führt zu einer finanziellen Schieflage.

Eine Kündigung wegen eines Wechsels zu einem neuen Anbieter sollte immer erst dann ausgesprochen werden, wenn der neue Schutz policiert ist. Denn gerade bei Vorschäden werden Wechselwillige nicht selten abgelehnt – ärgerlich, wenn dann der bestehende Schutz leichtfertig aufgegeben wurde.

Hausratversicherung

Eine Muss-Versicherung ist die Hausratversicherung nicht. Gerade die ersten eigenen Wohnungen junger Menschen sind nicht so werthaltig ausgestattet, dass ein Schaden existenzbedrohend ist. Es sollte aber der Wert des Hausrates immer im Blick behalten werden. Erreicht er Werte von 25.000 Euro und mehr, ist Versicherungsschutz ratsam. Denn bei einem Totalschaden werden solche Summen oft nicht aus eigener Tasche zu ersetzen sein.

Rechtsschutzversicherung

Rechtsschutz fällt in der Regel in den Bereich der Versicherungen, die man am ehesten aufgeben kann. Rechtsstreitigkeiten lassen sich eher steuern als zum Beispiel Haftungsrisiken beim Haftpflichtschutz oder Naturereignisse bei der Wohngebäudeversicherung.

Dennoch sollte man daran denken, dass Rechtsschutzversicherungen mit dem Verkehrsrecht und dem Arbeitsrecht auch zwei Lebensbereiche abbilden, die existenziell sind, wenn es dort zu einem Streit kommt – etwa nach einer Kündigung im Job oder einem schweren Unfall mit ungeklärter Schuldfrage! Überlegen Sie immer, ob Sie in einem solchen Fall auch ohne Rechtsschutz die Möglichkeit haben, Ihre Rechte durchzusetzen.

Private Unfallversicherung

Private Unfallversicherungen gelten als besonders überflüssig. Natürlich ist das Risiko, durch einen Unfall körperlich eingeschränkt zu werden, deutlich geringer als zum Beispiel durch eine schwere Krankheit.

Wenn Ihnen aber ein Unfall passiert, der Sie körperlich stark beeinträchtigt, dann ist eine umfassende finanzielle Hilfe sinnvoll, um zum Beispiel die eigenen vier Wände entsprechend umzubauen.

Zur Sicherung der Arbeitskraft alleine ist die Unfallversicherung dagegen nicht geeignet – ausreichenden Einkommensersatz bietet nur eine entsprechende Berufsunfähigkeitsversicherung.

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Autor

Oliver Mest