Gesundheit / 25.03.2019

Krankenversicherung der Rentner: Optimaler Versicherungsschutz

Die meisten Rentner sind in der Krankenversicherung der Rentner, kurz: KVdR, pflichtversichert. Doch was ist das eigentlich? Und: Wer kommt dort hinein?

Bild zum Thema Krankenversicherung der Rentner: Älterer Mann in Arztpraxis sitzt mit einem Arzt an einem runden Tisch.

Was ist die Krankenversicherung der Rentner?

So nennt sich die Pflichtversicherung der Rentner, die den Betroffenen einen günstigen Versicherungsschutz bietet – und zwar unter dem Dach der gesetzlichen Krankenkasse, in der jemand zuletzt vor dem Rentenbezug bzw. vor dem Rentenantrag schon versichert war. Die KVdR ist also keine eigene Krankenkasse. Die Versicherten erhalten auch keine neue Versichertenkarte, die alte Karte behält weiterhin ihre Gültigkeit. Auch an den Kassenleistungen ändert sich nichts – außer dass während des Rentenbezugs im Regelfall kein Anspruch auf Krankengeld besteht.

Wer kommt in die Krankenversicherung der Rentner?

Zunächst einmal muss man Rentner sein oder den Rentenantrag gestellt haben. Um welche gesetzliche Rente es sich dabei handelt, spielt keine Rolle. Auch Erwerbsminderungsrentner oder Bezieher einer Hinterbliebenenrente kommen in die KVdR. Generell gilt aber: Die Versicherten müssen eine weitere Voraussetzung erfüllen: Die hierbei geltende Anwartschaft.

Was sind versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für die KVdR?

Wer Mitglied der KVdR werden will, muss in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens zu 90 Prozent gesetzlich krankenversichert gewesen sein. Ob freiwillig-, pflicht- oder kostenlos familienversichert, spielt dabei keine Rolle. Geregelt ist das in Paragraf 5 Abs. 1 Nr. 11 des fünften Sozialgesetzbuchs. Dort heißt es, dass die Versicherungspflicht in der KVdR für Rentner dann eintritt, „wenn sie seit der erstmaligen Aufnahme einer Erwerbstätigkeit bis zur Stellung des Rentenantrags mindestens neun Zehntel der zweiten Hälfte des Zeitraums Mitglied oder nach Paragraf 10 versichert waren“. Salopp spricht man hier von der 9/10-Regelung.

Ausgangspunkt ist also die erste Erwerbstätigkeit?

Ja. Bei vielen ist das der Tag, an dem die Lehre bzw. die betriebliche Berufsausbildung begonnen hat, bei anderen der erste Tag einer versicherungspflichtigen Beschäftigung nach dem Studium. Nehmen wir an, jemand hat am 1.9.1971 seine Lehre begonnen und beantragt am 1.9. 2019 seine Altersrente. Dazwischen liegen 48 Jahre. Für die Erfüllung der KVdR-Kriterien kommt es auf die zweite Hälfte dieses Zeitraums an - also auf die letzten 24 Jahre des Erwerbslebens. In diesem Fall ist das die Zeit zwischen dem 1.9.1995 und dem 30.8.2019.

Der Betroffene kommt nur dann in die KVdR, wenn er in 90 Prozent dieses Zeitraums gesetzlich krankenversichert war. Zeiten der (kostenfreien) Familienversicherung und der freiwilligen Versicherung zählen dabei mit. 90 Prozent von 24 Jahren, das sind 21,6 Jahre. Hierbei wird taggenau gerechnet.

An dieser 9/10-Hürde scheitern viele, die längere Zeit privat (oder auch gar nicht) krankenversichert waren und später erst in die gesetzliche Krankenversicherung zurückgekehrt sind. Für sie kommt als Rentner die freiwillige (Weiter-)Versicherung in ihrer (oder in einer anderen) gesetzlichen Krankenkasse in Frage - mit einer häufig deutlich höheren Beitragsbelastung.

Tipp: Entscheiden Sie am besten bis zum 40. Geburtstag, ob Sie dauerhaft privat oder (freiwillig) gesetzlich versichert sein wollen. Entscheiden können das Selbstständige oder Angestellte mit einem Einkommen über der entsprechenden Grenze (60.750 Euro pro Jahr; Stand 2019). Arbeitnehmer gelten zunächst immer erst als pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Spielt es auch eine Rolle, ob die Versicherten Kinder haben?

Ja. seit August 2017 ist auch das wichtig. Im Gesetz heißt es nun: „Auf die erforderliche Mitgliedszeit wird für jedes Kind, Stiefkind oder Pflegekind eine Zeit von drei Jahren angerechnet." Einer Mutter mit zwei Kindern werden nun also sechs Jahre zusätzlich für die KVdR zugebilligt. Das Gleiche gilt für den Vater dieser Kinder. Wann das Kind geboren wurde, spielt keine Rolle. Kinder bekommt man zwar meist in der ersten Hälfte des Arbeitslebens. Dennoch bringt jedes Kind nun in der zweiten Hälfte des Arbeitslebens rechnerisch drei zusätzliche Jahre mit gesetzlicher Versicherung. Praktisch bedeutet das: Man kann sich im Prinzip mehr Jahre mit privater Versicherung erlauben und kann später dennoch in der KVdR aufgenommen werden.

Welche Möglichkeiten gibt es für privat Krankenversicherte, in die gesetzliche Krankenversicherung zurückzukehren?

Man muss eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen oder seine bestehende Beschäftigung zu einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung machen. Das kann beispielsweise über eine Arbeitszeitverkürzung funktionieren. Auch Bezieher der Versicherungsleistung Arbeitslosengeld I werden wieder versicherungspflichtig. Mehr Informationen zu den Rückkehrmöglichkeiten in die GKV finden Sie hier: Rückkehr in die Gesetzliche

Gibt es auch eine Altersgrenze für die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung?

Ja. Wer bereits 55 Jahre oder älter ist, kommt meist nicht mehr zurück in die Gesetzliche. Dies gilt jedenfalls für diejenigen, die in den letzten fünf Jahren (oder länger) nicht gesetzlich versichert waren. Die Betroffenen können auch wenn sie eine Beschäftigung aufnehmen, die eigentlich versicherungspflichtig ist, nicht in die GKV zurückkehren. Dies gilt auch beim Bezug von Arbeitslosengeld I.

Was gilt für diejenigen, die vor der Rente freiwillig gesetzlich versichert waren? Wird aus der freiwilligen eine Pflichtversicherung?

Ja. Soweit die 9/10-Regel erfüllt ist.

Wer entscheidet, ob jemand in die KVdR kommt?

Die gesetzliche Krankenkasse des Rentners oder Rentenantragstellers. Bei der Stellung des Rentenantrags fragt die Deutsche Rentenversicherung die hierfür entscheidenden Daten ab und zwar im Formular R0810: „Meldung zur Krankenversicherung der Rentner“. Hierin müssen Antragsteller die Daten eintragen, die die Krankenkasse braucht, um festzustellen, ob die Voraussetzungen einer Mitgliedschaft in der KVdR erfüllt sind. Die Daten gibt die Rentenversicherung an die Krankenkasse des Antragstellers weiter. Wenn strittig ist, ob die Voraussetzungen für die KvdR-Mitgliedschaft erfüllt sind, ist die Krankenkasse der Ansprechpartner – und nicht die Rentenversicherung.

Wie hoch sind die Beiträge, die KvdR-Rentner an ihre Krankenkasse zahlen müssen?

Das hängt von der Rentenhöhe ab. Bei einer Bruttorente von – beispielsweise – 1.000 Euro fallen im Schnitt insgesamt 156 Euro Krankenversicherungsbeiträge an. Hiervon übernimmt die Deutsche Rentenversicherung – genau wie im Arbeitsleben die Arbeitgeber – die Hälfte, also auch die Hälfte des kassenindividuellen Zusatzbeitrags. Liegt der Beitragssatz der Krankenkasse des Rentners insgesamt bei 15,6 Prozent, liegt der Anteil des Betroffenen bei 7,8 Prozent. Im Beispielfall gehen dann 78 Euro von der Rente ab.

Bei der Pflegeversicherung liegt der Beitragssatz seit Anfang 2019 bei 3,05 Prozent, für Kinderlose sind es noch 0,25 Prozentpunkte mehr. Insgesamt belaufen sich die Abzüge im Schnitt auf rund 11 Prozent. Wer zusätzlich eine Betriebsrente erhält, muss meist auch hierauf noch Beiträge zahlen.

Was ist der Vorteil der KVdR gegenüber einer freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung?

Freiwillig gesetzlich versicherte Rentner müssen unter Umständen höhere Beiträge zahlen. Für die Beitragsberechnung ist nämlich bei ihnen die „gesamte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit“ – bis zur Beitragsbemessungsgrenze ausschlaggebend. Damit werden etwa auch Einkünfte aus Mieten sowie Zinsen mit angerechnet, aber ebenso Riester-Renten, die rein steuerlich geförderten Rürup-Renten sowie Bezüge aus anderen privaten Rentenverträgen. Bei Mitgliedern der KVdR werden dagegen im Regelfall nur auf ihre gesetzliche Rente und ihre Betriebsrente Beiträge erhoben.

Weitere Informationen

Krankenversicherung der Rentner
Themenschwerpunkt auf ihre-vorsorge.de

www.deutsche-rentenversicherung.de
Infos zur KVdR auf der Internetseite der Deutschen Rentenversicherung

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Autor

Rolf Winkel