Rente / 01.04.2019

Mehr Entgeltpunkte für Kindererziehung: Das bringt die neue Mütterrente II

Zeiten der Kinderziehung bringen älteren Elternteilen seit diesem Jahr fast genauso viel wie jüngeren Eltern. Nur ein halben Entgeltpunkt weniger bekommen Mütter von Kindern, die vor 1992 geboren wurden. Aber was bedeutet die Neuregelung für die Betroffenen? Ein Überblick über Wirkungen und Nebenwirkungen der Mütterrente II.

Eine Mutter im Rentenalter sitzt mit ihrer Tochter im Garten. Durch die Mtterrente II wird die Rente der Mutter aufgewertet; sie bekommt jetzt mehr Entgeltpunkte.

Inhalt

Sie erhalten bereits eine Alters- oder Erwerbsminderungsrente

Wenn Sie heute bereits eine Alters- oder Erwerbsminderungsrente erhalten, bei der Kindererziehungszeiten aus der Zeit vor 1992 berücksichtigt sind, dann wird Ihre Rente automatisch und ohne Antrag um einen Zuschlag für Kinderziehung erhöht. Für die Lebensmonate 25 bis 30 Ihres Kindes wird Ihnen dabei insgesamt ein halber Entgeltpunkt gutgeschrieben. Das entspricht nach dem aktuellen Stand einem monatlichen Plus bei der Bruttorente in Höhe von 16,02 Euro (alte Länder) bzw. 15,35 Euro (neue Länder). Bei mehreren Kindern fällt der Zuschlag entsprechend höher aus.

Welcher Elternteil erhält den Zuschlag?

Der zusätzliche halbe Entgeltpunkt wird auf dem Rentenkonto des Elternteils berücksichtigt, auf dessen Konto bereits für den 24. Lebensmonat eines Kindes eine Kindererziehungszeit berücksichtigt war. In der Praxis bedeutet das in der Regel: Wer bereits 2014 von der Mütterrente I profitiert hat, profitiert auch von der aktuellen Mütterrente II. Meist ist das die Mutter.

Spielt es für die Höhe des Zuschlags eine Rolle, ob ich in der Zeit der Kindererziehung noch weitere Rentenansprüche erworben habe?

Nein. Selbst wenn Sie zwischen dem 25. und 30. Lebensmonat Ihres Kindes spitzenmäßig verdient haben sollten, und den in dieser Zeit möglichen Höchstbeitrag in die Rentenkasse eingezahlt haben, profitieren Sie als Bestandsrentner voll von der Mütterrente II. In dieser Hinsicht stehen Sie sich deutlich besser als diejenigen, die 2019 (oder später) erstmals eine Altersrente beantragen (siehe unten).

Wann wird die Mütterrente II ausgezahlt?

Die deutsche Rentenversicherung muss hierfür knapp zehn Millionen Rentenkonten bearbeiten. Das geht nicht von heute auf morgen. Da hierfür 9,7 Millionen Rentenkonten bearbeitet werden müssen, erfolgt die Auszahlung für die Bestandsrentner/innen erst schrittweise ab März – und dann rückwirkend für die Zeit ab Januar 2019. Bis Mitte 2019 werden alle Bestandsrentner, die Anspruch hierauf haben, die Zahlungen aus der Mütterrente II erhalten. Die Nachzahlungen sind auf den Kontoauszügen am Hinweis „RV-Einmalig Muetterrente“ zu erkennen.

Gibt es Besonderheiten bei Erwerbsminderungsrentnern?

Wichtig zunächst: Auf den Teil der Erwerbsminderungsrente (EM-Rente), der auf dem Zuschlag für Kindererziehung beruht, fallen bei denjenigen, die Ende 2018 bereits EM-Rente bezogen, keine Abschläge an. Zur Erklärung: Erwerbsminderung tritt im Schnitt bereits im Alter von 51 Jahren ein. Deshalb müssen die meisten Erwerbsminderungsrentner Abschläge von ihrer Rente in Höhe von 10,8 Prozent hinnehmen. Die Entgeltpunkte, die der Berechnung der EM-Rente zugrunde liegen, werden also um 10,8 Prozent gekürzt. Solche Abschläge gibt es auf den „Mütterrenten-Teil“ der EM-Rente nicht.

Wichtig ist allerdings: Wer nur teilweise erwerbsgemindert ist und nur die halbe EM-Rente erhält, dem wird – solange die Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung bezogen wird – auch nur der halbe Kinderzuschlag zugestanden. Das galt aber auch bisher schon.

Gibt es von der Mütterrente Abzüge?

Die oben genannten Werte sind Bruttowerte. Wer gesetzlich krankenversichert ist, bei dem werden hiervon – wie generell von der Rente – noch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abgeführt. Gegebenenfalls fällt im Rahmen der Einkommensteuererklärung im Folgejahr auch noch eine Steuernachzahlung an.

Profitieren auch Bezieher der Mütterrente II von den jährlichen Rentenerhöhungen?

Die Mütterente II bringt den Betroffenen einen halben zusätzlichen Entgeltpunkt. Und da der Wert des EPs jeweils im Juli eines Jahres steigt, erhöht sich damit gleichzeitig auch die Mütterente. Ein halber EP ist beispielsweise ab Juli dieses Jahres in den alten Bundesländern 16,53 Euro wert und in den neuen Ländern 15,90 Euro.

Sie beziehen 2019 (oder später) erstmals Alters- oder Erwerbsminderungsrente

Für Rentenzugänge ab 2019 werden der zusätzliche halbe Entgeltpunkt und die zusätzlichen sechs Monate Kindererziehungszeit ganz normal bei der Berechnung der Rente berücksichtigt. Genauso wie es bisher schon mit den Kindererziehungszeiten gehandhabt wurde.

Was bedeutet das beispielsweise?

Soweit Kinder vor 1992 geboren wurden, bringt die Kindererziehung in den ersten 30 Lebensmonaten eines Kindes dem erziehenden Elternteil meistens 2 ½ Entgeltpunkte. Diese werden einfach zu den sonstigen Entgeltpunkten addiert. Und dann beginnt die Rentenrechnung nach den ganz normalen Rechenregeln der Deutschen Rentenversicherung.

Dazu zwei Beispiele: Eine Mutter mit zwei vor 1992 geborenen Kindern nimmt 2019 mit 63 Jahren die Altersrente für langjährig Versicherte in Anspruch. Dabei muss sie Rentenabschläge in Höhe von 9,3 Prozent hinnehmen. Dieser Prozentsatz wird auch auf ihre Mütterrente angewandt. Für ihre beiden Kinder erhält sie also zwar insgesamt einen weiteren vollen Entgeltpunkt. Durch die Rentenabschläge werden hiervon jedoch nur 0,907 EP bei der Rentenberechnung berücksichtigt.

Zweites Beispiel: Eine Mutter geht 1992 ein Jahr nach Erreichen der regulären Altersgrenze in Rente. In diesem Fall gibt es auf die kompletten Entgeltpunkte, die sie auf ihrem Rentenkonto angesammelt hat, noch einen Zuschlag von 6 Prozent (für jeden Monat des „verspäteten“ Renteneintritts 0,5 Prozent). Unterstellen wir, dass auch sie zwei vor 1992 geborene Kinder hat, so bringt ihr die neue Mutterrente etwas mehr als 1 EP, nämlich 1,06 EP.

Spielt auch der Verdienst in der Zeit der Kindererziehung für die Höhe der Mütterrente eine Rolle?

 Ja. Für Rentenantragsteller, die in der Zeit, in der sie Kinder erzogen haben, ein sehr sehr hohes Einkommen hatten, bringt die Kindererziehungszeit schon immer keinerlei Rentenplus.

Wer in der Kindererziehungszeit „nebenher“ sozialversicherungspflichtig gearbeitet hat – etwa ab Beginn des dritten Lebensjahrs seines Kindes –, hat in dieser Zeit doppelte Rentenansprüche erworben – durch die Arbeit und durch die Kindererziehung. Bei sehr hohem Erwerbseinkommen, werden die zusätzlichen Ansprüche aufgrund der Kindererziehung gekappt. Das ist schon seit je her so. Und das Bundesverfassungsgericht hat dies auch prinzipiell für rechtens befunden.

Wo liegt die Grenze?

Bei der Beitragsbemessungsgrenze. 1988 lag sie in der damaligen Bundesrepublik zum Beispiel bei 72.000 DM im Jahr bzw. 6.000 DM im Monat. Die (wenigen) Mütter, die 1988 neben der Kindererziehung so viel verdient haben und entsprechend Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt haben, haben in puncto Rentenansprüche in diesem Jahr schon „das Ende der Fahnenstange“ erreicht.

Die Mütterrente kann ihnen keine zusätzlichen Ansprüche bringen. Wer etwas weniger verdient hat, bei dem werden die Ansprüche aufgrund der Kindererziehungszeit gekappt. Nur wer im Jahr 1988 maximal monatlich etwa 2.750 DM brutto verdient hat, dem bringt die Mütterrente ein volles Rentenplus.

Gilt das auch für Bestandsrentner?

Nein. Für Bestandsrentner gibt es einfach einen pauschalen Zuschlag zur Rente – einer Verrechnung mit Erwerbseinkommen findet bei ihnen nicht statt.

Sie beziehen Hinterbliebenenrente

Auch für Bezieher einer Hinterbliebenenrente kann die Mütterrente II Folgen haben. Hierbei sind vor allem die folgenden beiden Fälle denkbar:

  • a) Die Hinterbliebenenrente kann gekürzt werden, weil die Altersrente aufgrund der Mütterrente gestiegen ist
  • b) Es gibt mehr Hinterbliebenenrente, weil die verstorbene Mutter (und Ehefrau) eigentlich Anspruch auf die Mütterrente gehabt hätte.

Fall a: Weniger Hinterbliebenenrente für Mütter

Mehr als vier Millionen „Mehrfachrentner“ registriert die Deutsche Rentenversicherung derzeit. Dies sind überwiegend Frauen, die eine eigene Altersrente und dazu noch eine Hinterbliebenenrente erhalten. Steigt die Altersrente, so kann sich dies auf ihre Hinterbliebenenrente auswirken. Derzeit können Witwen (und natürlich auch Witwer) mit einer Altersrente von monatlich bis zu 983 Euro brutto (im Westen) bzw. 942 Euro (im Osten) zusätzlich noch eine ungekürzte Hinterbliebenenrente erhalten. Steigt die Altersrente – etwa durch den Zuschlag für die Mütterrente – über diesen Betrag, so kann die Hinterbliebenenrente u.U. leicht gekürzt werden. Maximal ist dabei aufgrund von Mütterente II pro Kind mit einem Kürzungsbetrag von etwa fünf Euro zu rechnen.

Fall b: Mehr Hinterbliebenenrente für manche Witwer

Die Mütterrente II bringt in der Regel Frauen Vorteile. Deshalb spricht man auch von der Mütterrente. Doch wenn die Mütter verstorben sind, „erben“ die hinterbliebenen Männer den zusätzlichen Rentenanspruch ihrer Frauen. Dies gilt übrigens auch, wenn die Betroffenen schon seit zehn oder zwanzig Jahren oder noch länger Witwer sind. Für manche Männer, die eine Hinterbliebenenrente erhalten, bringt die neue Mütterente II eine positive Überraschung. Soweit ihre verstorbene Frau vor 1992 Kinder erzogen hat, gibt es pro Kind auch auf die längst nicht mehr gezahlte Rente ihrer verstorbenen Frau einen (fiktiven) Kinderzuschlag von einem halben Entgeltpunkt – und entsprechend seit Anfang 2019 auch eine etwas höhere Hinterbliebenenrente.

Beispiel: Die 2010 verstorbene Else S. hat 1970 und 1971 zwei Kinder auf die Welt gebracht. Dafür wurden bei der Altersrente, die sie zuletzt bezogen hatte, jeweils zwei Entgeltpunkte, insgesamt also vier EP berücksichtigt. Diese wurden auch bei der Berechnung der Hinterbliebenenrente ihres Ehemanns Bernd S. mitberücksichtigt. Seit Anfang dieses Jahres wird nun aufgrund der Mütterrente II die Ursprungsrente von Else S. „fiktiv“ um einen weiteren EP erhöht. Das bringt der Betroffenen theoretisch ein Rentenplus von etwa 32 Euro. Die Begriffe „theoretisch“ und „fiktiv“ werden hier gewählt, weil dieser Betrag natürlich an die Verstorbene nicht ausgezahlt wird.

Dieser Betrag wird aber seit Anfang dieses Jahres bei der Berechnung der Hinterbliebenenrente von Bernd S. einbezogen. Da in seinem Fall noch das alte Recht zur Hinterbliebenenrente gilt, erhöht sich seine (Brutto-)Hinterbliebenenrente um 60 Prozent von 32 Euro. Dies sind etwa 19 Euro. Hiervon werden jedoch noch – wie von der gesamten Hinterbliebenenrente – die üblichen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen.

Sie haben ein Kind adoptiert

Die Mütterrente kann in manchen Fällen auch Adoptiv-, Pflege- oder Stiefeltern zustehen. Zu beachten ist hierbei allerdings, dass die Rentenansprüche generell an die Erziehung eines Kindes in den ersten drei bzw. (bei Kindern, die vor 1992 geboren wurden) 2,5 Lebensjahren gebunden sind. Ist ein Adoptivkind zum Zeitpunkt der Adoption also bereits drei Jahre oder älter, kommt die Anerkennung einer Kindererziehungszeit keinesfalls in Frage.

Wurde ein Kind dagegen 1989 im Alter von zwei Jahren und vier Monaten adoptiert, so können immerhin noch drei Monate anerkannt werden. Dann besteht Anspruch auf eine Mini-Mütterrente in Höhe von ¼ Entgeltpunkt. Wurde das Kind 1995 im Alter von zwei Jahren und drei Monaten adoptiert, können neun Monate Kindererziehungszeit anerkannt werden. Dann besteht Anspruch auf einen ¾ Entgeltpunkt. Voraussetzung ist dabei allerdings jeweils, dass die Kindererziehungszeit für das jeweilige Kind nicht bereits auf einem anderen Rentenkonto berücksichtigt wurde.

Eine Ungerechtigkeit der Mütterrenten-Reform von 2014 wurde nun allerdings aufgehoben. Damals wurde der Mütterrenten-Anspruch bei Bestandsrentnern standardmäßig an die Anerkennung einer Kindererziehungszeit im 12. Lebensmonat eines Kindes gekoppelt. Bei Eltern, die ihr Kind beispielsweise vor 1992 im Alter von 14 Monaten adoptiert hatten, konnte es bislang deshalb gar nicht zu einer Berücksichtigung der Kindererziehungszeit kommen. Dies würde nun – bei der Neuregelung – auch bei einem alleinigen Abstellen auf den Rentenbezug im 24. Lebensmonat eines Kindes geschehen. Deshalb hat der Gesetzgeber in § 307d, Abs. 5 SGB VI nun für solche Fälle ein besonderes Antragsrecht für die Betroffenen vorgesehen.

Seit Januar 2019 kann damit beispielsweise eine Adoptivmutter, die ihr Kind 1991 im Alter von 14 Monaten adoptiert hat, insgesamt 17 Monate (ab dem 14. Lebensmonat des Kindes bis einschließlich des 30. Lebensmonats) Kindererziehungszeit anerkannt bekommen. Voraussetzung ist dabei allerdings wiederum, dass die Kindererziehungszeit für das jeweilige Kind nicht bereits bei einem anderen Versicherten (etwa bei der leiblichen Mutter) anerkannt ist.

Formloser Antrag erforderlich

Adoptiveltern müssen in solchen Fällen die Mütterente formlos bei ihrem Rentenversicherungsträger beantragen.

Sie sind geschieden: Auswirkung auf Versorgungsausgleich

Wenn eine Ehe scheitert, geht’s ans Teilen. Auch die Rentenansprüche, die die Partner in der Ehezeit erworben haben, werden dabei halbiert. Da Frauen meist geringere Rentenansprüche erworben haben, erhalten Sie vielfach einen Ausgleich.

Durch die Mütterrente I (von 2014) und die aktuelle Mütterrente II erhöhen sich die Rentenansprüche vieler Frauen. Die „alte“ Berechnung aus dem Scheidungsverfahren stimmt also nicht mehr. Da auch der Teil der Rente auszugleichen ist, der auf Kindererziehungszeiten beruht, können geschiedene Ehemänner nun nachträglich eine Anpassung des Versorgungsausgleichs verlangen. Dazu muss beim Familiengericht ein Antrag gestellt werden.

Ein Überprüfungsantrag ist nur dann möglich, wenn die daraus resultierende Änderung wesentlich ist. Die Regelungen dazu finden sich in § 225 des Familiengesetzes. Wesentlich ist eine Änderung, die 5 % des Ausgleichswerts übersteigt. Den Ausgleichswert findet man im Scheidungsurteil. Zugleich muss sich die Änderung auf mindestens 1 % der monatlichen Bezugsgröße belaufen. Derzeit sind das 31,15 Euro. Bei einem vor 1992 geborenen Kind erhöht sich die Altersrente maximal um 16,03 Euro. In diesem Fall wird die „Anpassungsgrenze“ für sich gesehen also nicht erreicht. Bei zwei Kindern kann dies allerdings der Fall sein. Ebenso kann durch die Addition von Mütterrente I und Mütterrente II die maßgebliche Grenze für einen Änderungsantrag erreicht werden.

Noch lohnender kann ein Ausgleichsantrag sein, wenn eine Frau – um diese geht es ja in erster Linie – erst durch die Neuregelungen bei der Mütterrente überhaupt einen Anspruch auf eine gesetzliche Altersrente erhält. Eine aktualisierte Auskunft über die in der Ehezeit erworbenen Rentenanwartschaften des Ex-Ehegatten kann auch der geschiedene Ehegatte direkt von der Deutschen Rentenversicherung verlangen, wenn der geschiedene Ex-Ehegatte diese nicht von sich aus gibt. Dies ist in § 109 Abs. 5 SGB VI geregelt.

Neuer Rentenanspruch durch die Mütterrente II

Die Mütterrente II, die Anfang 2019 in Kraft getreten ist, bringt Müttern nicht nur mehr Rente. In manchen Fällen sorgen die Neuregelungen sogar dafür, dass erstmals überhaupt ein Anspruch auf Rente besteht. Diesen Effekt hatte in einigen Fällen auch schon die Mütterrente I.

Wieso betrifft die Mütterrente II auch Rentenansprüche?

Weil zur Mütterrente II nicht nur ein halber zusätzlicher Entgeltpunkt gehört, sondern auch ein zusätzliches halbes Kindererziehungsjahr. Pro Kind werden nun für Mütter, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, 2 ½ Jahre mit Kindererziehungszeiten anerkannt. Dies sind in der gesetzlichen Rentenversicherung vollwertige Versicherungszeiten. Hierdurch kommen Mütter – und in wenigen Fällen auch Väter – unter Umständen auf die für eine Rente nötigen fünf Versicherungsjahre. Wer die fünfjährige Wartezeit erfüllt, hat derzeit (2019) mit 65 Jahren und sieben Monaten Anspruch auf eine kleine Altersrente. Das gilt für den Jahrgang 1953.

Für wen ist diese Fünf-Jahres-Grenze besonders wichtig?

Für alle, die nur geringe oder gar keine gesetzlichen Rentenansprüche erworben haben. Das gilt insbesondere für Selbstständige, berufsständisch Versicherte und Nur-Hausfrauen. Sie können durch die Neuregelung nun in einen Rentenanspruch „hineinrutschen“.

Gilt das auch für Menschen, die das reguläre Rentenalter schon lange überschritten haben?

Natürlich. Nehmen wir eine 85-Jährige, die – was früher nicht selten vorkam – in ihrem Leben keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen ist, aber zwei Kinder erzogen hat. Sie kann seit Januar 2019 eine kleine Altersrente bekommen. Denn sie kann nun (2 Kinder mal 2,5 Jahre) fünf Versicherungsjahre nachweisen und hat insgesamt fünf Entgeltpunkte auf ihrem Rentenkonto, was ihr eine Altersrente in Höhe von gut 160 Euro (alte Bundesländer) beziehungsweise rund 153 Euro (neue Bundesländer) sichert.

Die Rente muss jedoch beantragt werden und vorher muss die Betroffene noch die Anerkennung von Kindererziehungszeiten bei der Deutschen Rentenversicherung beantragen. Das ist, wenn man entsprechende Unterlagen vorlegen kann (Geburtsurkunden oder Familienstammbuch), eine reine Formsache. Für den Antrag gibt es übrigens ein Formblatt V 0800, das man im Internet unter www.deutsche-rentenversicherung.de herunterladen kann.

Gilt das auch für berufsständisch Versicherte?

Ja. Da sich die berufsständischen Versorgungswerke bislang davor drücken, ihren Versicherten Leistungen für Kindererziehungszeiten zu gewähren, springt hier die gesetzliche Rentenversicherung ein. Die hat ein Herz für alle Kinder, auch für die Kinder von berufsständisch Versicherten. Das betrifft beispielsweise Ärzte, Apotheker, Notare und Architekten – und unter diesen natürlich insbesondere die Frauen.

Dass die Betroffenen nicht gesetzlich rentenversichert sind, spielt im Zusammenhang mit den Kindererziehungszeiten keine Rolle. Der Gesetzgeber hat berufsständisch Versicherten, die eigentlich von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreit sind, die Möglichkeit gegeben, Kindererziehungszeiten bei der gesetzlichen Rentenversicherung anerkennen zu lassen. Das geht immer dann, wenn die berufsständische Versicherung weniger bietet als die gesetzliche – und das ist durchweg so.

Für berufsständisch Versicherte kann es also so eine gesetzliche „Kinderrente“ geben?

Ja – und seit Anfang dieses Jahres funktioniert das viel leichter, weil für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, dann 2,5 Jahre Kindererziehungszeit und 2,5 Entgeltpunkte anerkannt werden. Eine Ärztin, die ihr Leben lang nie gesetzlich rentenversichert war, aber zwei Kinder hat, die – beispielsweise – in den 70er-Jahren geboren wurden, kann nun eine kleine Altersrente erhalten, sobald sie das reguläre Rentenalter erreicht. Natürlich muss auch sie einen Antrag auf Anerkennung der Kindererziehungszeiten stellen.

Bis wann muss der Rentenantrag gestellt werden?

Er kann jederzeit gestellt werden. Um eine Rente – rückwirkend – ab Anfang 2019 zu erhalten, ist aber Eile geboten. Wenn Sie nämlich alle Voraussetzungen für eine gesetzliche Altersrente erfüllen, haben sie nur drei Monate Zeit, um die Rente ab dem frühestmöglichen Zeitpunkt zu erhalten. Wer aufgrund der neuen Mütterrente-Regel ab 1.1.2019 einen Rentenanspruch hätte geltend machen können, muss den Antrag bis Ende April 2019 stellen. Geregelt ist das in § 99 Abs. 1 SGB VI. Andernfalls wird die Rente erst ab dem Antragsmonat gezahlt.

Weitere Informationen

Sie haben Fragen zum Thema? Dann posten Sie Ihre Frage in unserem Expertenforum und erhalten Sie kompetente Antworten von Experten der Deutschen Rentenversicherung.

Weitere Informationen gibt es auf www.deutsche-rentenversicherung.de oder unter der kostenlosen Servicenummer 0800 1000 4800.

Autorenbild

Autor

Rolf Winkel