Aktuell beleuchtet / 18.12.2013

Mit dem Erbe Gutes tun

„Was wäre Ihr letztes Geschenk an die Welt?“ Diese Frage ist der Kerngedanke einer neuen Initiative. Sechs gemeinnützige Organisationen haben sich zusammengeschlossen, um mehr Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass beim Verfassen eines Testaments auch der soziale Gedanke zählen kann. „Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“ heißt die Kampagne.

Grübelnde Rentnerin am Tisch – Bildnachweis: wdv © J.Lauer

„Wir leben sehr gut“, sagt Hartmut Ludwig aus Buchholz. Daher wolle er etwas zurückgeben und hat gemeinsam mit seiner Frau Edeltraut Rappold-Ludwig ein Testament aufgesetzt – als Erbe ist Greenpeace eingetragen. „Wir plündern den Planeten schamlos aus. Da schließe ich mich durchaus ein. Deshalb wollen wir einen Beitrag leisten, der dem Umweltschutz zugutekommt“, sagt Ludwig. Kinder hat das Paar nicht, und so lag für die Rentner die Überlegung nahe, eine gemeinnützige Organisation im Testament zu bedenken. Irmgard Lederer aus Stuttgart geht noch einen Schritt weiter. Sie wünscht sich, dass ihr Geld dazu beiträgt, „Leben zu retten“. Ein Teil ihres Nachlasses geht daher an „Ärzte ohne Grenzen“.

Ein Apfelbaum steht für Bleibendes

Mit solchen Beispielen möchte die Initiative „Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“ dafür werben, besser abzuwägen, was nach dem Tod mit dem Vermögen passiert. Das mache sogar Sinn, wenn nur wenig Geld vorhanden sei, sagt Pressesprecherin Nina Kollas. „Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass sie auch mit geringen Beträgen helfen können.“ Das „Prinzip Apfelbaum“ soll dabei symbolisch eine grundsätzliche Haltung ausdrücken: etwas Bleibendes zu schaffen, das immer wieder Früchte trägt.

Sechs Organisationen stehen hinter der Kampagne: die Ärzte ohne Grenzen, die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, Greenpeace, die Johanniter-Unfall-Hilfe, die SOS-Kinderdörfer und der Deutsche Fundraisingverband. Uneigennützig ist ihr Engagement in diesem Fall also nicht, denn natürlich hoffen die beteiligten Vereine, dass sie von den neu verfassten Testamenten profitieren. 

Besonders Kinderlose zeigen Interesse

Das Potenzial scheint groß zu sein. Das hat zumindest eine repräsentative Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Konsumforschung ergeben, die von der Initiative „Mein Erbe tut Gutes“ in Auftrag gegeben wurde. Demnach könnten sich elf Prozent der Befragten über 60 Jahre gut vorstellen, einen Teil oder sogar den gesamten Nachlass zu spenden. Besonders groß ist die Bereitschaft unter älteren Menschen, die keine Kinder haben.

Gleichzeitig wünschen sich viele von ihnen mehr Informationen. Dort setzt die Initiative an. Über Broschüren und eine Internetseite sollen alle relevanten Fragen beantwortet werden. Die Leser erfahren zum Beispiel, was ein Erbvertrag ist, wie die steuerlichen Regelungen aussehen und dass ein Testament auch gilt, wenn es nicht beim Notar hinterlegt wurde.

Wenn noch Fragen offen bleiben, hilft eine Hotline weiter, die von der Initiative eingerichtet wurde. Der Aufwand könnte sich lohnen. Denn das Deutsche Institut für Altersvorsorge schätzt die Summe der Vermögenswerte, die bis zum Jahr 2020 in Deutschland vererbt werden, auf 2,6 Billionen Euro. 

Mehr Informationen

  • www.mein-erbe-tut-gutes.de
    Internetseite der Initiative "Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum". Hotline 01805 737201 (0,14 Euro pro Min. aus dem Festnetz. Mobilfunk max. 0,42 Euro rpo Min.).