Aktuell beleuchtet / 16.11.2012

Nach der Trauer kommt der Papierkram

Was Angehörige nach dem Tod des Partners bei Versicherungen, Rürup- und Riester-Rente beachten müssen.

Mann im mittleren Alter schaut melancholisch aus dem Fenster, das Kinn auf die verschränkten Arme gestützt. – Bildnachweis: wdv.de © J.Lauer

Wenn ein Nahestehender stirbt, folgt auf die Trauer der Papierkram. Das gilt auch und gerade beim Thema Vorsorge und Versicherung. Denn Policen müssen gekündigt, Leistungen eingefordert und Verträge aufgehoben werden, eventuell ist zudem Versicherungsschutz zu übertragen. Lesen Sie hier, bei welchen Verträgen Handlungsbedarf besteht.  

Riester-Rente

Bei der Riester-Rente kann das gesparte Kapital nach dem Tod des Sparers an Hinterbliebene ausgezahlt werden – oft liegt dann allerdings aber eine so genannte schädliche Verwendung mit unangenehmen Folgen vor:

Bei einer „schädlichen Verwendung“ müssen Steuervorteile und Riester-Zulagen zurückgezahlt und die Erträge voll versteuert werden. Da kann viel Geld verloren gehen: So erhält ein Sparer mit zwei ab 2008 geborenen Kindern bis zu 754 Euro pro Jahr an Zulagen (ab 2018 sogar 21 Euro mehr). Das Schicksal einer schädlichen Verwendung trifft vor allem Kinder. Hier wird das gesparte Riester-Kapital abzüglich der staatlichen Förderung ausbezahlt.

Ehegatten, die zum Todeszeitpunkt mit ihrem Partner zusammenleben, genießen beim Tod des Partners ein Privileg: Das ganze Vermögen aus dem Riester-Vertrag des verstorbenen Gatten kann auf ihren Vertrag übertragen werden. Hatten sie bisher keinen Vertrag, können sie auch anlässlich des Todes einen Vertrag extra abschließen. Dabei müssen Gatten nicht förderberechtigt sein. Sie dürfen das Riester-Kapital samt Förderung in einen neuen Riester-Vertrag überführen. Aus diesem erhalten sie dann später eine Rente.

Stirbt der Partner in der Auszahlungsphase, kommt es auf den Todeszeitpunkt und den Vertrag an: Der Gesetzgeber hat Anbieter von Riester-Renten verpflichtet, eine lebenslange Rentenzahlung zu garantieren. Um dies auch im hohen Alter sicherzustellen, stellen Anbieter von Riester-Banksparplänen und -Fondssparpläne ab dem 85. Lebensjahr auf eine Versicherung um. Für die Zeitspanne ab dem 85. Lebensjahr bis zum Tod behalten Riester-Anbieter sich eine Summe von bis zu 30 Prozent des Kapitals ein.

Wichtig ist der Zeitpunkt des Todes: Verstirbt der Ehepartner noch vor der Rentenphase, kann sein Vermögen in einen neuen Vertrag übertragen werden. 

Ausnahme: Hinterbliebenenversorgung

Anders sieht es aus, wenn der Riester-Vertrag von Anfang an eine Hinterbliebenenversorgung vorgesehen hat – das ist bei Riester-Rentenversicherungen möglich.

Wird eine lebenslange Rente für die Hinterbliebenen gezahlt, liegt ebenfalls keine schädliche Verwendung vor. Als Hinterbliebene gelten dabei der Ehegatte und die Kinder, für die ein Anspruch auf Kindergeld oder die steuerlichen Freibeträge besteht. Eine Waisenrente darf nur gewährt werden, solange das Kind steuerlich berücksichtigt wird, beispielsweise bis zum Abschluss der Berufsausbildung. 

Rürup-Rente

Bei der Rürup-Rente gilt der Grundsatz, dass die aufgebauten Rentenansprüche nicht vererblich sein dürfen. Im Klartext: Das eingezahlte Kapital ist im Falle eines Todes verloren und darf nicht einmal wie bei der Riester-Rente in einen anderen Vertrag übertragen werden. Es ist jedoch möglich, gegen Aufpreis bei der Rürup-Rente eine Hinterbliebenenversorgung zu vereinbaren. Die Hinterbliebenen bekommen dann für den vereinbarten Zeitraum eine Rente gezahlt. 

Private Rentenversicherungen

Bei einer privaten Rentenversicherung hängt die Behandlung beim Tod des Versicherten davon ab, ob er bereits Rente bekommen hat oder noch in der Ansparphase war. Wurde bereits eine Rente gezahlt, bekommen die Erben diese Rente weitergezahlt, wenn der Vertrag eine Rentengarantiezeit vorsieht. Bis zum Ende dieser Garantiezeit wird dann die bisherige Rente an die im Vertrag vorgesehene Person ausgezahlt. Wie in der Ansparphase verfahren wird, hängt vom Vertrag ab: In aller Regel werden die eingezahlten Beiträge und meist auch die bereits erzielten Überschüsse an die Erben oder eine im Vertrag benannte Person ausgezahlt. 

Risikolebensversicherung

Streng genommen kann hier die Trauer nicht warten, denn die Police soll ja möglichst schnell zur Auszahlung kommen. Die Devise lautet deshalb: Keine Zeit verschwenden, Todesfälle müssen so schnell wie möglich an den Lebensversicherer gemeldet werden, damit der seine Leistungspflicht prüfen und bestätigen kann. Gerade bei krankheitsbedingten Todesfällen wird der Lebensversicherer seine Zahlungspflicht genau prüfen und die Antragsunterlagen genau in Augenschein nehmen, um die Gesundheitsfragen im Antrag und den tatsächlichen Gesundheitsstatus abzugleichen. Die Versicherer verlangen in der Regel die Versicherungspolice im Original sowie eine beglaubigte Kopie der Sterbeurkunde. Wer Erbe ist, sollte den Versicherern vorsichtshalber eine Nachricht zukommen lassen, auch wenn er selbst nicht der Bezugsberechtigte ist. Nur so können Nachteile zu Lasten der durch die Policen geschützten Personen abgewendet werden. 

Sterbegeldversicherung

Auch hier ist nach einem Todesfall keine Zeit zu verlieren, immerhin soll die Police ja helfen, die Hinterbliebenen bei den Beerdigungskosten finanziell zu unterstützen. Dabei sollten die Erben bzw. die hinterbliebenen Familienmitglieder die Police genau anschauen. Oft ist die Auszahlung der Versicherungssumme zumindest teilweise davon abhängig, dass ein bestimmter Bestatter gewählt wird. Klarheit bringt hier nur ein möglichst schnelles Gespräch mit der Versicherungsgesellschaft – möglichst bevor die Beerdigung arrangiert wird. 

Krankenversicherung

Familienversicherte müssen nach dem Tod des Hauptversicherten den eigenen Versicherungsschutz klären, da die Mitversicherung naturgemäß nicht mehr möglich ist. Sie haben 3 Monate Zeit, um ihre Weiterversicherung zu klären. Sie können in den Vertrag des Verstorbenen eintreten und so den eigenen Schutz sichern. Möglich ist jedoch auch der Wechsel in eine andere Kasse mit besseren Leistungen. Bei einer privaten Krankenversicherung endet der Vertrag mit dem Tod des Versicherten. Mitversicherte Familienmitglieder müssen innerhalb von 2 Monaten mit der privaten Krankenversicherung in Kontakt treten und mitteilen, ob sie den Vertrag fortführen wollen und wer neuer Versicherungsnehmer wird. 

Unfallversicherung

Auch hier ist Zeit Versicherungsschutz: Ein Unfalltod muss innerhalb von 48 Stunden beim Versicherer gemeldet werden, der im Vertrag vorgesehen Bezugsberechtigte erhält die Versicherungssumme. 

Haftpflicht- und Hausratversicherung

Bei der privaten Haftpflichtversicherung bleibt der Schutz für die Familie bis zur nächsten Beitragsfälligkeit bestehen, wenn der Versicherungsnehmer verstorben ist. Die Familie kann sich den Versicherungsschutz auch für die Zeit nach der nächsten Beitragsfälligkeit sichern: Wird die nächstfällige Prämie bezahlt, geht der Vertrag automatisch auf den Ehepartner über. Gibt es keine Verwandten, die den Vertrag übernehmen, wird der Vertrag aufgehoben und ein bereits entrichteter Jahresbeitrag anteilig zurückerstattet, wenn die Versicherung schriftlich über den Tod informiert wird. Bei anderen Policen – beispielsweise bei der Wohngebäudehaftplicht oder sonstigen speziellen Haftpflichtversicherungen (Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht) − gibt es kein außerordentliches Kündigungsrecht für die Erben. Die Policen können dann in der Regel mit einer Dreimonatsfrist zum Ablauf des Versicherungsjahres gekündigt werden. 

Rechtsschutzversicherung

Besondere Regeln gelten auch für die Rechtsschutzversicherungen. Ist deren Schutz individuell auf den Verstorbenen bezogen – wie beispielsweise bei einer Berufsrechtsschutz- oder Fahrerrechtsschutz-Police –, endet der Vertrag in aller Regel mit dem Tod der Versicherten. Sind die Verträge aber sachbezogen und damit übertragen, wenn z. B. beim Verkehrsrechtsschutz ein bestimmtes Auto versichert ist, dann besteht die Versicherung auf jeden Fall bis zur nächsten Beitragsfälligkeit weiter. Wird dieser Beitrag dann auch noch gezahlt, geht der Vertrag auf den Beitragszahler über. 

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Autor

Oliver Mest