Aktuell beleuchtet / 13.03.2017

Neu seit 2017: Frührentner können freiwillige Beiträge zahlen

Wer 63 oder 64 Jahre alt ist und ein vorzeitiges Altersruhegeld bezieht, sollte sich ein neues Angebot der Deutschen Rentenversicherung anschauen: Frührentner können seit Anfang 2017 freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen und so ihre Rente erhöhen. Das lohnt sich.

Seniorin jongliert – Bildnachweis: wdv © J.Lauer

Wer eine volle Altersrente erhielt – egal ob Frührentner oder reguläre Altersrentner – durfte bis Ende 2016 keine freiwilligen Rentenversicherungsbeiträge leisten. Das hat sich nun mit dem Flexi-Rentengesetz geändert. Seit Januar 2017 können Rentnerinnen und Rentner, die bereits vor der Regelaltersgrenze eine volle Altersrente beziehen, freiwillige Beiträge zahlen und somit ihre Rente erhöhen. Das geht allerdings nur bis zum Erreichen ihrer Regelaltersgrenze.

Ab dem regulären Rentenalter ist die Zahlung freiwilliger Beiträge allerdings nach wie vor ausgeschlossen. Bisher konnten bereits Erwerbs­minderungs­rentner freiwillige Beiträge leisten. Die Neuregelung begünstigt nun etwa diejenigen, die Altersrente für langjährig Versicherte, für schwerbehinderte Menschen oder für besonders langjährig Versicherte erhalten.

Neuregelung dank Gesetzesänderung

Eine geringfügige Änderung von Paragrafen 7 des sechsten Sozialgesetzbuchs macht die Neuregelung möglich. Bis zum 31. Dezember 2016 hieß es dort, dass „nach bindender Bewilligung einer Vollrente wegen Alters oder für Zeiten des Bezugs einer solchen Rente eine freiwillige Versicherung nicht zulässig“ ist. An diesen (unveränderten) Text wurde nun der Zusatz angehangen „wenn der Monat abgelaufen ist, in dem die Regelaltersgrenze erreicht wurde“.

Video: So funktioniert die Flexirente

Einzahlung bis zu 1.187,45 Euro möglich

Die Höhe der freiwilligen Zahlung kann zwischen dem monatlichen Mindestbeitrag von 84,15 Euro und dem Höchstbeitrag von 1.187,45 Euro frei gewählt werden. Freiwillige Beiträge können entweder laufend – Monat für Monat – oder aber im Folgejahr bis zum 31. März auf einen Schlag entrichtet werden. Aufs ganze Jahr bezogen kann man damit für dieses Jahr 14.249,40 Euro einzahlen.

Beispiel: Alfons S. (64) bezieht seit Mitte 2016 das Altersruhegeld für langjährig Versicherte. Seine Rente beträgt derzeit brutto 1.385,48 Euro, sie wird auf Grundlage von 45,5 Entgeltpunkten berechnet. Am 15. Dezember 2017 wird Alfons S. 65 Jahre und sechs Monate alt. Daher wird im Januar 2018 aus seiner bisherigen vorgezogenen Altersrente die reguläre Altersrente. Diese wäre normalerweise genauso hoch wie die Frührente. Auch die Abschläge, die bei einer Frührente anfallen, gelten lebenslang. Alfons S. hat nun jedoch durch die seit dem 1. Januar 2017 geltende Neuregelung die Möglichkeit, seine Rente zu erhöhen.

Er bezieht 2017 ein vorgezogenes Altersruhegeld – und zwar nicht als Teilrente, sondern als Vollrente. Daher kann er für das ganze Jahr freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. Ihm stehen etwa 20.000 Euro aus einer ausgelaufenen Kapitallebensversicherung zur Verfügung. Er entscheidet sich, das ganze Jahr über den Höchstbetrag in die gesetzliche Rentenkasse einzuzahlen. Dieser wird auf Grundlage der Beitragsbemessungsgrenze berechnet, die 2017 bei 76.200 Euro liegt. Dieser Wert wird multipliziert mit dem aktuellen Rentenversicherungsbeitrag von 18,7 Prozent. Für das gesamte Jahr 2017 sind also Zahlungen in Höhe von (18,7 Prozent von 76.200 Euro =) 14.249,40 Euro möglich.

Dieser Höchstbeitrag wird nun ins Verhältnis gesetzt zu dem Beitrag, den ein Durchschnittsverdiener entrichtet. Das Durchschnittsentgelt aller Rentenversicherten ist für 2017 vorläufig auf 37.103 Euro festgesetzt. Für einen fiktiven Durchschnittsverdiener fallen Beiträge in Höhe von (37.103 x 0,187 =) 6.938,26 Euro an. Mit Beiträgen in dieser Höhe erwirbt man in einem Kalenderjahr genau einen Entgeltpunkt. Ein Entgeltpunkt bringt derzeit (bis Ende Juni 2017) eine Monatsrente in Höhe von 30,45 Euro.

Alfons S. zahlt mit dem Höchstbetrag genau 2,054-mal so viel ein wie den Durchschnittsbetrag. Anders formuliert: Er erwirbt dadurch genau 2,054 Entgeltpunkte. Ab Januar 2018 werden diese 2,054 Entgeltpunkte seinen bisher erreichten 45,5 Entgeltpunkten zugeschlagen.

Die zusätzliche Einzahlung würde nach derzeitigem aktuellen Rentenwert eine monatliches Rentenplus in Höhe von (2,054 x 30,45 Euro =) 62,45 Euro bringen, das sind 750,48 Euro im Jahr. (Nach dem neuen aktuellen Rentenwert, der ab Juli 2017 gelten wird, werden es wohl etwa zwei Prozent mehr sein, also rund 766 Euro, aber das soll hier nicht berücksichtigt werden.)

Weit besser als private Sofortrente

Vergleicht man Input und Output, ergibt sich Folgendes: Einem Beitrag in Höhe von 14.249,40 Euro entspricht eine jährliche Rente von 750,48 Euro. Das bedeutet: Alfons S. erhält rund 5,3 Prozent seiner Einzahlung als Rente. Anders ausgedrückt: Nach knapp 190 Monaten Rentenbezug, also nach 15 Jahren und zehn Monaten würde sich die Einzahlung von Hans S. in die Rentenkasse amortisieren. Lebt er noch 16 Jahre oder länger, so erwirtschaftet er eine „Rendite“, die mit zunehmendem Alter steigt.

Was die 5,3 Prozent wert sind, zeigt sich erst im Vergleich mit einer privaten Sofortrente. Dafür wurden in den Online-Sofortrenten-Rechner folgende Daten eingespeist:

  • Alter: 65 Jahre
  • Versicherungsbeginn: 1.4.2017
  • Einmalzahlung 15.000 Euro
  • Dynamischer Rentenbezug
  • Todesfallschutz: Kapital abzüglich gezahlter Renten

Die Bedingungen dürften damit in etwa mit denjenigen der gesetzlichen Rentenversicherung vergleichbar sein. Das Renteneintrittsalter ist mit 65 Jahren etwas niedriger (um sechs Monate) als bei der gesetzlichen Rentenversicherung. Der Todesfallschutz dürfte etwa mit dem der gesetzlichen Rentenversicherung vergleichbar sein. Die Einzahlung ist mit 15.000 Euro um etwa 750 Euro höher als bei der gesetzlichen Rentenversicherung. Zudem gibt es bei der gesetzlichen Rentenversicherung auch im Rentenalter noch eine onkologische Rehabilitation. Diese Leistung ist privaten Versicherungen völlig fremd.

Unter den angegebenen Prämissen weist der Vergleichsrechner als Spitzenreiter ein Angebot aus, bei dem die garantierte monatliche Rente sich auf monatlich 43,19 Euro beläuft. Das sind 518,28 Euro im Jahr. Der „Output“ ist damit um rund 30 Prozent geringer als bei der gesetzlichen Rentenversicherung. In Monaten und Jahren ausgedrückt: Eine private Sofortrente würde sich für Alfons S. unter den aktuellen Gegebenheiten erst nach einer Bezugsdauer von 289 Monaten amortisieren, also mehr als acht Jahre später als die Einzahlung in die gesetzliche Rentenkasse.

Steuervorteile für gesetzliche Beiträge

Noch günstiger sieht die „Renditerechnung“ für die gesetzliche Rentenversicherung aus, wenn man die Steuerbelastung noch einbezieht. Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse können nämlich genau wie die privaten Beiträge in eine Rürup- oder Basis-Rente zum großen Teil von der Steuer abgesetzt werden. Absetzbar sind derzeit 84 Prozent der Einzahlungen. Davon profitiert auch Alfons S., der neben seiner gesetzlichen Rente noch eine Betriebsrente erhält. Eigentlich müsste er damit rechnen, dass das Finanzamt 2018 von ihm rund 1.500 Euro für 2017 nachfordern wird. Da er jedoch 84 Prozent seiner freiwilligen Beiträge von der Steuer absetzen kann, bleibt er von Forderungen des Finanzamtes für 2017 ungeschoren.

Wette auf ein langes Leben

Klar ist allerdings: Jede Rente ist eine Wette auf ein möglichst langes Leben. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt derzeit in Deutschland für 65-jährige Männer bei weiteren 17,7 und für gleichaltrige Frauen bei zusätzlichen 20,9 Jahren. Alfons S. hatte bislang noch keine größeren gesundheitlichen Einschläge und lebt einigermaßen gesund. Daher hat er gute Chancen, den Durchschnitt zu „toppen“. Für ihn lohnen sich damit Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung auf jeden Fall. Um bei einer privaten Sofortrente zu profitieren, müsste er dagegen schon deutlich älter als 90 Jahre werden.

So funktioniert die freiwillige Beitragszahlung

Wenn Sie freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen möchten, besorgen Sie sich am besten zunächst das passende Formular mit der Nummer „V0060“: den „Antrag auf Beitragszahlung für eine freiwillige Versicherung“. Dieser findet sich auch auf den Internetseiten der Deutschen Rentenversicherung. Das ausgefüllte Formular können Sie dann an die Deutsche Rentenversicherung schicken. Besser ist es allerdings, wenn Sie einen Termin in einer Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung machen und den Antrag gemeinsam mit dem Berater ausfüllen.

Frührentner, die das Recht zur freiwilligen Versicherung haben, können sich ab Januar 2017 auch rückwirkend freiwillig rentenversichern. Für diese rückwirkende Versicherung braucht man kein gesondertes Formular. Auf die Vorgabe zu Frage 4.1. im oben genannten Formular „Der erste freiwillige Beitrag soll gezahlt werden für …“ muss man nur „01 2017“ (also Januar 2017) eintragen.

Einige Wochen nachdem Sie den Antrag auf die freiwillige Versicherung gestellt haben, schickt die Deutsche Rentenversicherung Ihnen einen Bescheid über die „Zulassung zur freiwilligen Versicherung“. Darin steht, ab wann Sie berechtigt sind, freiwillige Beiträge zu zahlen. Im Bescheid wird Ihnen auch die Beitragshöhe bestätigt. Wenn Sie – was die Regel ist – vorab in Ihrem Antrag eine Einzugsermächtigung erteilt haben, werden die fälligen Beiträge von Ihrem Konto eingezogen. Das Datum der Einziehung teilt Ihnen die Rentenversicherung mit. Dann sollten Sie rechtzeitig für eine Deckung des Kontos sorgen.

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Autor

Rolf Winkel