Nachgefragt / 13.06.2014

Nicht nur für das Alter

Private Vorsorge: Nicht nur die Altersvorsorge ist ein Muss – auch andere Risiken müssen abgesichert sein. Tipps vom Versicherungsexperten Oliver Mest.

Beratungsgespräch Paar – Bildnachweis: gettyimages © Sam Edwards

Aber gibt es für so etwas nicht Berater bei Banken und Versicherungen?

Oliver Mest: Das Problem ist der Mensch: Der ist bequem und ein bisschen geizig. Deswegen vertraut er sich gerne sogenannten Experten von Finanzdienstleistern an, die ihm versprechen, seine Finanzen für ihn zu optimieren – und das zum Nulltarif. Aber diese Berater leben davon, ihm etwas zu verkaufen. Und das ist eine schlechte Basis für unabhängige Beratung und Expertise. Wenn man sich auf andere verlassen will, dann greift man am besten auf unabhängige Experten zurück. Dazu gehören unabhängige Versicherungsberater, die Verbraucherzentralen oder in Sachen Altersvorsorge die Deutsche Rentenversicherung.

Ich brauche also unabhängige Beratung?

Oliver Mest: Teilweise ja und nein. Nein, weil auch Testergebnisse großer Verbraucherschutzorganisationen immer mal wieder in die Kritik geraten, wenn die Untersuchungen fehlerhaft durchgeführt worden sind. Der beste Ratgeber ist man selbst – aber das setzt voraus, dass man von der zu beurteilenden Materie auch Ahnung hat. Die Funktionsweise von Zertifikaten ist 95 von 100 Anlegern unbekannt – trotzdem wurden Lehman-Zertifikate massenhaft verkauft. Richtige Vorsorge kann nur funktionieren, wenn man seine Wissenslücken schließt. Und hier kommt das Ja auf Ihre Frage ins Spiel: Jeder braucht Beratung, um die Wissenslücken zu schließen.

Aber haben die Menschen so viel Zeit, diese Wissenslücken zu schließen?

Oliver Mest: Sie sollten sie sich nehmen. Wir haben Zeit, um Smartphones mit tausenden Funktionen bis in den kleinsten Winkel zu erkunden – aber wir nehmen uns nicht die Zeit, uns darum zu kümmern, dass wir im Alter so viel Geld haben, uns ein solches Gerät auch dann noch leisten zu können. Richtig vorsorgen bedeutet auch, dass man sich um seine Finanzen kümmern muss und sich die Zeit dafür nehmen muss. Man muss im Blick behalten, wann Versicherungsverträge auslaufen, wie Geldanlagen sich entwickeln und was man für die nächste Steuererklärung erledigen muss. Wer finanziell in den Tag lebt, wird von Problemen überrascht. Wenn etwa ganz unerwartet im Januar Versicherungsbeiträge fällig werden oder wenn außergewöhnliche Kosten anstehen. Vorsorge heißt auch, für solche Fälle gewappnet zu sein – und das geht nur mit einer vernünftigen Finanzplanung, die Reserven aufbauen hilft und bei der klar ist, wann welche Kosten fällig werden.

Wie wichtig ist der „Faktor Zeit“ bei der Vorsorgeplanung?

Oliver Mest: Er ist der entscheidende – aus zwei Gründen. Erstens: Manche Vorsorgemaßnahmen dulden keinen Aufschub. Immer wieder werden Menschen berufsunfähig, die es bisher nicht geschafft haben, sich einen ausreichenden Invaliditätsschutz zuzulegen. Ein teures Aufschieben, denn der Wert einer Berufsunfähigkeitsversicherung beträgt schnell einige hunderttausend Euro. Und zweitens: Bummeleien werden bestraft – mit weniger Rente im Alter. Wer mit 45 anfängt, 200 Euro im Monat für das Alter zurückzulegen, hat bei 3,5 Prozent Zins mit 65 Jahren knapp 70.000 Euro gespart. Wer mit 20 anfängt, hat zum 65. Geburtstag 207.000 Euro und damit fast drei Mal so viel gespart.

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Oliver Mest