Rente / 17.08.2021

Paritätischer kritisiert Ungleichheit von Renten und Pensionen

Sozialverband sieht erhebliche Differenzen zwischen Beschäftigten und Staatsdienern bei der Lebenserwartung und der Armutsbetroffenheit.

Menschenmenge läuft eine Straße entlang. Bildnachweis: fotolia.com © Pavlo Vakhrushev

Berlin (ots/sth). Der Paritätische Wohlfahrtsverband sieht eine massive Ungleichheit zwischen Renten- und Pensionsbeziehenden bei Lebenserwartung und Armutsbetroffenheit. Er reagierte damit auf eine vom „Spiegel“ veröffentlichte Studie zur unterschiedlichen Lebenserwartung von Arbeitern, Angestellten und Beamten. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im Auftrag des Paritätischen ist inzwischen jeder fünfte Rentenbeziehende (20,7 Prozent) von Altersarmut betroffen, während von den Pensions-Beziehenden nur jeder Hundertste (1,1 Prozent) in Armut lebt. Um der sozialen Ungerechtigkeit im Rentensystem zwischen den verschiedenen Berufsgruppen entgegenzuwirken, fordert der Verband eine umfassende Rentenreform und eine Offensive für gute Arbeitsbedingungen zur gesundheitlichen Prävention und zum Schutz vor Rentenarmut.

Eine weitere Erhöhung des Renteneintrittsalters lehnt der Verband strikt ab. „Diejenigen, die eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters fordern, meinen in Wirklichkeit Rentenkürzungen, da viele in anstrengenden Berufen, wie insbesondere auch in der Pflege, schon jetzt das Renteneintrittsalter nicht erreichen und Abschläge in Kauf nehmen müssen“, kritisiert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Im Ergebnis erhielten ausgerechnet die, die besonders hart arbeiten, weniger Rente und würden auch noch früher sterben, wie der „Spiegel“ unter Bezug auf eine aktuelle Studie des DIW im Auftrag des Sozialverbands VdK Deutschland berichtet.

Für den Aufbau einer Bürgerversicherung

Der Paritätische spricht sich gegen eine Erhöhung des Renteneintrittsalters und stattdessen für den Aufbau einer Bürgerversicherung aus, in die alle, auch Selbständige, Freiberufler und Beamte einzahlen. „Die Trennung zwischen Angestellten und Beamten, die sich in einer solch massiven sozialen Kluft niederschlägt, ist weder zeitgemäß, noch weiter tragbar. Was es braucht, ist endlich eine solidarische Finanzierung unserer sozialen Sicherungssysteme“, so Schneider.

Darüber hinaus brauche es eine verlässliche und bedarfsdeckende Mindestrente sowie höhere Leistungen und einen leichteren Zugang in der Erwerbsminderungsrente. Schließlich gehe es auch um Prävention. „Das Problem sehr ungleicher Lebenserwartung und des Altersversorgungsniveaus beginnt nicht erst im Rentenalter“, so Schneider, „sondern bereits vorher bei sehr ungleichen Arbeits- und Lebensbedingungen - von der Entlohnung und den Arbeitszeiten, über die Wohnsituation bis hin zu Unzulänglichkeiten im Arbeits- und Gesundheitsschutz.“

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Presseportal (ots)