Nachgefragt / 19.11.2014

Putzfrau, Babysitter, Gartenhilfe – Neue Haushaltsjob-Börse im Netz

Die Minijob-Zentrale startet eine neue Jobbörse für Haushaltshilfen. Dort findet man nicht nur Putzfrauen, sondern auch Absicherung für den Ernstfall, erklärt der Leiter der Minijob-Zentrale Dr. Erik Thomsen.

Frau reinigt Arbeitsplatte – Bildnachweis: gettyimages.de © Paul Bradbury

Herr Dr. Thomsen, was schätzen Sie, wie viele offizielle und inoffizielle Putzfrauen gibt es in deutschen Privathaushalten?

Dr. Erik Thomsen: Offiziell sind etwa 280.000 Minijobber in Privathaushalten bei der Minijob-Zentrale angemeldet. Die Dunkelziffer der Schwarzarbeiter ist weitaus höher. Wir schätzen, dass bis zu vier Millionen Haushalte ihre Haushaltshilfe schwarzarbeiten lassen.

Wo liegen die Schwierigkeiten bei der Beschäftigung einer Haushaltshilfe?

Dr. Erik Thomsen: Eine Schwierigkeit besteht oft bei der Frage nach der Grenze zwischen Nachbarschaftshilfe und einem Minijob. Bei gelegentlichen Gefälligkeitsdiensten handelt es sich nicht um einen Minijob. Kommt die Haushaltshilfe aber regelmäßig, egal ob einmal oder mehrfach pro Monat, und verdient monatlich bis zu 450 Euro, dann liegt ein Minijob vor, der bei der Minijob-Zentrale angemeldet werden muss. Auch bei wenigen Stunden im Monat ist die Anmeldung verpflichtend. Eine zweite Herausforderung liegt darin, Privathaushalte und Arbeitnehmer davon zu überzeugen, dass eine Anmeldung bei der Minijob-Zentrale für beide Seiten vorteilhaft und nur mit einem ganz geringen zeitlichen Aufwand verbunden ist.

Wie kam es zur Gründung der Haushaltsjob-Börse?

Dr. Erik Thomsen: Haushaltshilfen sind so begehrt wie nie, doch häufig fehlt es an vertrauenswürdigen Angeboten oder einer persönlichen Empfehlung. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage suchen 42 Prozent der Deutschen bis zu vier Wochen oder länger nach einer Haushaltshilfe. Mehr als die Hälfte (59 Prozent) wünscht sich ein einheitliches Portal zum Suchen und Finden. Mit unserem neuen kostenlosen Jobportal, der Haushaltsjob-Börse, bringen wir Übersichtlichkeit in den Arbeitsmarkt für private Haushaltsjobber und vereinfachen die Suche. Statt zahllose Börsen und Anzeigen zu durchstöbern, reicht ein Portal, das deutschlandweit funktioniert und das sogar noch wertvolle Hinweise für die Anmeldung einer Haushaltshilfe bei der Minijob-Zentrale gibt.

Für wen ist die Haushaltsjob-Börse besonders gedacht?

Dr. Erik Thomsen: Grundsätzlich ist die Haushaltsjob-Börse für jeden gedacht, der eine Haushaltshilfe sucht oder seine Unterstützung anbieten möchte. Hilfreich ist sie vor allem für ältere Menschen, die ihre Hausarbeit nicht mehr alleine erledigen können, sowie für Familien oder alleinerziehende Personen, die dringend Unterstützung brauchen, um Job und Familie unter einen Hut zu bringen. Gerade für Frauen, die nach der Schwangerschaft wieder ins Arbeitsleben zurückkehren, soll die Börse eine Entlastung bei der Suche bieten.

Wer sucht besonders häufig nach einer Haushaltshilfe?

Dr. Erik Thomsen: Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Minijob-Zentrale von 2012 sind es vor allem ältere und besser verdienende Menschen, die sich Unterstützung durch einen Minijobber nach Hause holen. Aber auch Familien oder Alleinerziehende nehmen die Hilfe gerne in Anspruch, um Kinder und Beruf besser zu vereinbaren.

Geht es dabei „nur“ ums Putzen?

Dr. Erik Thomsen: Nein, keinesfalls. Minijobs im Privathaushalt umfassen alle haushaltsnahen Dienstleistungen, die man typischerweise selbstständig zu Hause erledigt. Dazu gehören Arbeiten wie Kochen, Bügeln, Einkaufen oder Gartenarbeiten. Auch die Kinderbetreuung oder die Betreuung alter und kranker Menschen sind hier zu erwähnen. Die Haushaltsjob-Börse ist daher in die Arbeitsbereiche Haushalt, Garten, Kinder, Senioren und Tiere unterteilt.

Wie funktioniert die Jobbörse?

Dr. Erik Thomsen: Die Nutzung der Börse ist kostenlos und funktioniert für ganz Deutschland. Unter www.haushaltsjob-boerse.de können sich Arbeitgeber und -nehmer in ganz wenigen einfachen Schritten einmalig registrieren und einen kurzen Anzeigentext veröffentlichen. Darin können sie angeben, wann und für welche Tätigkeiten sie Unterstützung suchen oder bieten. Haben sie ein passendes Angebot gefunden, können sie direkt über das Portal zueinander Kontakt aufnehmen.

Hat man eine Haushaltshilfe gefunden, kann man Sie bei der Minijob-Zentrale anmelden. Wo liegen die Vorteile für Minijobber wie Arbeitgeber?

Dr. Erik Thomsen: Die Anmeldung hat für beide Seiten Vorteile. Die Minijobber erhalten unter anderem ein Recht auf Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, erwerben Ansprüche in der gesetzlichen Rentenversicherung und sind offiziell unfallversichert. Die Arbeitgeber sichern sich dadurch vor möglicherweise erheblichen finanziellen Ansprüchen bei Arbeitsunfällen ab. Außerdem können Arbeitgeber bares Geld sparen: 20 Prozent der Kosten für den Minijobber, bis zu 510 Euro im Jahr, sind von der Steuer absetzbar.

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Autor

Katja Mathes