Gesundheit / 31.03.2020

Reha für COPD-Patienten in Zeiten von Corona

COPD-Spezialist Dr. Konrad Schultz erklärt, was Menschen mit chronisch obstruktiver Bronchitis über die aktuelle Covid-19-Lage wissen sollten.

Älterer Mann macht einen Lungenfunktionstest bei COPD-Erkrankung.

Bad Reichenhall (mjj). Die Klinik Bad Reichenhall der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd ist auf pneumologische Rehabilitation spezialisiert – also unter anderem auf die Therapie von Menschen mit chronischen Lungenkrankheiten. Viele Patientinnen und Patienten der Klinik leiden unter einer chronisch obstruktiven Bronchitis, einer dauerhaft atemwegsverengende Lungenerkrankung (COPD) – oft in Folge von Rauchen. Der Medizinische Direktor und Chefarzt der Klinik Bad Reichenhall ist Dr. Konrad Schultz.

Herr Dr. Schultz, Ihre Klinik therapiert u.a. Patienten mit COPD. Warum ist eine COVID-19-Infektion für diese Patienten besonders gefährlich?

Dr. Konrad Schultz: Patienten mit COPD stecken sich nicht unbedingt häufiger mit dem Coronavirus an. Wenn sie aber angesteckt werden, und die Infektion einen schweren Verlauf nimmt, haben sie weniger Reserven als Menschen ohne COPD. Ihre Lungenfunktion ist durch COPD bereits reduziert.

Ihre Klinik hat aktuell die normale Rehabilitation ausgesetzt. Warum?

Dr. Konrad Schultz: Wir nehmen aufgrund der gesetzlichen Vorgaben, unter anderem wegen der Infektionsgefahr, vorerst keine weiteren Heilverfahrenspatienten mehr auf, d.h. keine Patienten im normalen Antragsverfahren. Wir werden die Rehabilitationen aber später nachholen. Leider kann ich noch nicht sagen wann. Unsere Patienten werden aber informiert.

Sie nehmen aber weiterhin Patienten für eine Anschlussheilbehandlung auf – warum?

Dr. Konrad Schultz: Anschlussheilbehandlungen (AHB) finden im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt statt. Wir wollen und müssen durch die Aufnahme dieser Patienten die Akuthäuser entlasten. Hierbei handelt es sich um Patienten im Akutkrankenhaus, die noch nicht nach Haus entlassen werden können. Wenn wir diese Patienten direkt vom Krankenhaus übernehmen, werden die dringend benötigten Betten im Akutkrankenhaus wieder für die nächsten Patienten verfügbar.

Welche Therapien können Sie diesen Patienten bieten?

Dr. Konrad Schultz: Patienten und Patientinnen profitieren vor allem von der medizinischen Überwachung und einem speziellen und an den jeweiligen Patienten individuell angepassten körperlichen Aufbautraining. Bei Bedarf erhalten sie dabei zusätzlich Sauerstoff. Patienten lernen zudem spezielle Atemtechniken bei Atemnot und bei körperlicher Belastung. So ermöglicht die AHB eine deutlich schnellere Erholung von der akuten Krankheitsphase, und eine Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit sowie der Lebensqualität. Das zeigen zahlreiche wissenschaftliche Studien für die Rehabilitation bei COPD.

Gibt es Engpässe bei Medikamenten aufgrund der Coronakrise?

Dr. Konrad Schultz: Nein, wir hier in der Klinik Bad Reichenhall haben keine Engpässe. Wie die Lage in ganz Deutschland ist, kann ich nicht sagen. Aber auch von Patienten haben wir keinerlei Rückmeldung, dass sie COPD-Medikamente in der Apotheke nicht mehr bekommen.

Was können Sie Ihren COPD-Patienten in Zeiten von Corona raten?

Dr. Konrad Schultz: Es reicht, wenn sie die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) befolgen: Möglichst zwei Meter Abstand halten und oft ihre Hände waschen.

Empfehlen Sie COPD-Patienten das Tragen von Mundschutzmasken – zur Not auch von selbstgefertigten?

Dr. Konrad Schultz: Obwohl es dazu noch keine abschließenden wissenschafltichen Studien gibt, halte ich das momentan für sinnvoll.

Ihre Klinik ist spezialisiert auf Lungenkrankheiten. Werden Sie in die Versorgung von COVID-19-Fällen eingebunden?

Dr. Konrad Schultz: Das wird in Bayern in den einzelnen Landkreisen der Ärztliche Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz (ÄL-FüGK) entscheiden. Ich glaube, dass der ÄL-FüGK uns diesbezüglich anweisen wird. Darauf bereiten wir uns momentan vor. Wir haben ausschließlich Einzelzimmer mit Sauerstoffanschluss, diese dürften jetzt gebraucht werden. Was wir jedoch brauchen, ist personelle Unterstützung und die erforderliche Schutzausrüstung für unsere MitarbeiterInnen.

 

Vielen Dank für das Interview.

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Autor

Michael J. John