Gesundheit / 19.03.2020

Reha-Kliniken reagieren auf Corona-Krise

Neue Richtlinie der Rentenversicherung empfiehlt Stopp für Neuaufnahmen. Was bei Abbruch, Verschiebung und beim Übergangsgeld gilt.

Reha-Kliniken reagieren auf Corona-Krise: Grafik FAQ für Patienten und Antragsteller.

Inhalt

Bad Homburg (mjj). Die Unsicherheit unter Reha-Patienten und Antragstellern ist groß: Können Sie ihre Reha antreten und wenn ja, was erwartet Sie dort? Wie gehen Patienten aktuell mit der Bedrohung durch den Corona-Virus um? Schon seit letztem Freitag informieren wir Betroffene in einem News-Thread in unserem Forum. Nun fassen wir in diesem FAQ den aktuellen Stand hinsichtlich der medizinischen Rehabilitation zusammen.

Nehmen Reha-Einrichtungen neue Patienten auf?

In einem am 18. März veröffentlichten Rundschreiben, das der Redaktion von ihre-vorsorge.de vorliegt, empfiehlt die Deutsche Rentenversicherung (DRV) allen Reha-Einrichtungen – zunächst für die nächsten zehn Tage – keine Neuaufnahmen zu veranlassen. Schon zuvor gab es erste Aufnahmestopps – etwa für Reha-Einrichtungen der DRV Bayern Süd, der DRV Hessen und für Einrichtungen in Schleswig-Holstein. Dennoch können Versicherte weiterhin einen Antrag auf eine Reha stellen, da eine Bewilligung neun Monate gültig ist.

Was ist mit Anschlussheilbehandlungen (AHB)?

Anschlussheilbehandlungen (AHB) werden in Akutkrankenhäusern verordnet und in Reha-Einrichtungen durchgeführt. AHB werden zum Beispiel nach Operationen, Chemo- oder Strahlentherapien verordnet. Sie dienen dazu, Patienten wieder auf das Alltags- und Berufsleben vorzubereiten. „Diese Form der Rehabilitationsleistung stellt einen sehr wichtigen Teil der Behandlungskette dar, der auch weder ausgesetzt noch lange aufgeschoben werden kann. Aus diesem Grunde sollen die AHB-Leistungen so lange wie möglich und bestmöglich weiterlaufen“, erklärt die Deutsche Rentenversicherung in dem Rundschreiben.

Gleiches gilt für abhängigkeitskranke Menschen, die nach einem Entzug nahtlos in eine Entwöhnungsbehandlung wechseln sollen.

Was ist mit ganztägig ambulanten Reha-Leistungen?

Vor allem bei orthopädischen Indikationen werden Reha-Leistungen ganztägig ambulant durchgeführt. Hier sollten sich Patienten an die Reha-Einrichtung wenden, ob eine bewilligte Reha-Leistung angetreten werden bzw. fortgeführt werden kann. Hier müssen sich die Reha-Einrichtungen auch mit den örtlichen Gesundheitsämtern kurzschließen.

Was ist mit ambulanten Entwöhnungsbehandlungen?

In der Regel können diese Leistungen durchgeführt werden. Wenden Sie sich bitte vorsichtshalber an die Reha-Einrichtung, die mit Ihnen die Details abstimmt.

Wie reagieren die Reha-Einrichtungen?

Alle Reha-Einrichtungen, egal in welcher Trägerschaft, haben ihre Hygienemaßnahmen deutlich verschärft. Sie rufen zur verstärkten Handhygiene auf, raten zu mehr Abstand und lassen Ausflüge und größere Veranstaltungen ausfallen. Zudem werden einzelne Therapien gestrichen – etwa Wassergymnastik weil das Schwimmbad geschlossen wurde oder Gruppentherapien.

Wie reagieren die Reha-Patienten?

Die Maßnahmen dienen dem Schutz der Patienten und des Personals. In der Regel haben Patienten viel Verständnis. Einige haben aber auch Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Anstatt ihr Essen im Speisesaal einzunehmen, essen Sie auf dem Zimmer oder tragen auf dem Ergometer Handschuhe. Das Ansteckungsrisiko ist wie überall in Deutschland das Top-Thema: Die einen fühlen sich aufgrund der Vielzahl anderer Menschen in der Reha-Einrichtung unwohl, andere sehen in der guten medizinischen Versorgung einen Vorteil. Die ärztliche Versorgung in der Heimat ist aus ihrer Sicht oft schlechter, weil die Hausärzte überlastet sind.

Können Angehörige Reha-Patienten besuchen?

Nein. Wir raten davon ab. Ausnahmen regelt die Reha-Einrichtung.

Können Angehörige Patienten in der Reha-Einrichtung abholen?

Ja, aber nach Möglichkeit sollten Sie die Reha-Einrichtung nicht betreten und lieber im Freien auf dem Parkplatz warten.

Was passiert, wenn Patienten Symptome einer Erkrankung mit COVID-19 zeigen?

Zunächst kann Quarantäne verordnet werden: Patienten werden in ihren Zimmern versorgt. Damit soll eine weitere Ansteckung von Patienten und Personal vermieden werden. Solche Quarantäne-Maßnahmen gab es schon vor Corona – etwa wenn Patienten an Durchfall erkrankten. Wird für einen Patienten also Quarantäne verordnet, muss der Grund nicht zwangsläufig Corona sein. Die weitere Testung, ob eine COVID-19-Ansteckung vorliegt, obliegt den Ärzten in den Reha-Einrichtungen, die sich dabei an die Richtlinien des Robert-Koch-Instituts (RKI) halten.

Patienten, die an sich Symptome (häufig: Fieber, Husten) feststellen, sollten sich beim medizinischen Personal melden.

Für abhängigkeitskranke und psychisch kranke Menschen gilt in Verdachtsfällen, dass eine Reha für eine Klärung bis zu 14 Tage unterbrochen werden kann. In Fällen einer bestätigten Ansteckung kann die Reha auch länger unterbrochen werden. Eine Wiederaufnahme der Rehamaßnahmen ist in diesen Fällen natürlich erst möglich, wenn keine Ansteckungsgefahr besteht und/oder der Patient wieder gesund ist. Reicht die bewilligte Rehadauer nicht, ist eine Verlängerung möglich.

Was passiert, wenn eine Reha-Einrichtung unter Quarantäne gestellt wird?

Nach den Vorgaben des Gesundheitsamtes verbleiben die Patienten meist in der Reha-Einrichtung und werden weiter betreut.

Kann eine Reha abgebrochen werden?

Ja, beidseitig: Sowohl die Reha-Einrichtung kann eine Reha abbrechen, als auch der Patient. Können Patienten in der Krise etwa zu Hause besser betreut werden, kann ein Abbruch sinnvoll sein. Gleiches gilt für Elternteile, deren Kinderbetreuung durch die Schließung von Kindergärten und Schulen zu Hause wegbricht. Kosten entstehen dem Patienten durch den Abbruch nicht – weder fallen Strafen noch Kosten für die bislang erbrachten Leistungen an.

Wurden Sie durch die Rentenversicherung, Krankenkasse oder die Arbeitsagentur aufgefordert einen Reha-Antrag zu stellen, wenden Sie sich bitte an die auffordernde Stelle, um dort das Einverständnis zum Abbruch einzuholen.

Kann eine Reha nachgeholt werden?

Soll die Reha zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden, wird seitens der DRV darüber nachgedacht, eine unbürokratische Lösung für die Beantragung einer erneuten Leistung anzubieten. Eine medizinisch notwendige Fortführung der Reha macht etwa dann Sinn, wenn das Behandlungsziel noch nicht erreicht wurde. Es wird erwartet, dass vor allem Patienten, die ihre Reha schon kurz nach Beginn abbrechen mussten, diese fortführen wollen. Wie diese unbürokratische Beantragung aussieht, erfragen Sie bitte in der Reha-Einrichtung bzw. bei Ihrem zuständigen Rentenversicherungsträger.

Was ist mit dem Übergangsgeld?

Sofern Sie keinen Entgeltfortzahlungsanspruch mehr besitzen und die DRV Ihnen diese Leistung bewilligt hat, zahlt Ihnen die Rentenversicherung das Übergangsgeld für Zeiten der Teilnahme an der Leistung.

Wird eine Reha abgebrochen, entfällt die gesetzliche Grundlage für das Übergangsgeld. Wenden Sie sich in diesen Fällen bitte umgehend an den Leistungsträger, der Sie vor der Reha finanziell unterstützte.

Kann eine noch nicht angetretene Reha verschoben werden?

Grundsätzlich ist das möglich. Der Bewilligungsbescheid ist nun neun Monate gültig. Dazu müssen Sie sich bei der Reha-Einrichtung und dem Rentenversicherungsträger melden, der im Bewilligungsbescheid oben rechts steht. Die DRV verspricht, diese Befristung in der aktuellen Lage großzügig auszulegen.

Wurden Sie durch die Krankenkasse oder die Arbeitsagentur aufgefordert einen Reha-Antrag zu stellen, wenden Sie sich bitte an die auffordernde Stelle, um dort das Einverständnis zur Verschiebung einzuholen.

Wir aktualisieren den Artikel fortlaufend. Fragen zur Reha beantworten wir auch in unserem Forum

Alternativen zur Beratung vor Ort

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Autor

Michael J. John