Gesundheit / 10.11.2020

Reha und Corona: Was Patienten wissen müssen

Die Reha ist auch in Corona-Zeiten sicher. Reha-Kliniken haben sich auf die neuen Anforderungen eingestellt. Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Physiotherapeutin hilft Patient bei Laufübungen am Barren in einem Reha-Gymnastikraum, beide tragen Mund-Nasen-Schutzmasken.

Inhalt

Bad Homburg (af). Gut zu wissen für Reha-Patienten: Therapien in Reha-Einrichtungen sind trotz steigender Corona-Fallzahlen weiterhin möglich. Dennoch ist die Unsicherheit unter Reha-Patienten und Antragstellern groß: Was erwartet mich, wenn ich meine Reha antrete? Wie gehen Kliniken aktuell mit der Bedrohung durch den Corona-Virus um? Was passiert, wenn ich während der Reha erkranke oder in Quarantäne komme? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum aktuellen Stand der medizinischen Rehabilitation fassen wir hier für Sie zusammen.

Nehmen Reha-Einrichtungen neue Patienten auf?

Nach einem kurzzeitigen Aufnahmestopp im April, nehmen Reha-Kliniken seit Mai wieder Patienten auf. Allerdings kommt es durch die Unterbrechung im Frühjahr aktuell vereinzelt zu Wartezeiten oder Terminverschiebungen. Die Deutsche Rentenversicherung hat den Reha-Kliniken aber zugesichert, dass Leistungen auch über die Gültigkeitsdauer abgerechnet werden können. Reha-Patienten müssen also keine Angst haben, dass sie ihre Reha nicht antreten können. Darüber hinaus kann es aber aufgrund zu hoher Fallzahlen in den Reha-Einrichtungen auch in Zukunft zu Aufnahmebeschränkungen kommen. Ist das der Fall, informiert Sie die Klinik darüber.

Können Reha-Kliniken aktuell auch Patienten abweisen?

Ja, wenn der Patient bei der Ankunft Krankheitssymptome aufweist, dann kann die Klinik ihn wieder nach Hause schicken. Das gleich gilt, wenn es in der Einrichtung Krankheitsfälle gibt.

Was ist mit Anschlussheilbehandlungen (AHB)?

Anschlussheilbehandlungen (AHB) werden in Akutkrankenhäusern verordnet und in Reha-Einrichtungen auch weiterhin durchgeführt. AHB sind zum Beispiel nach Operationen, Chemo- oder Strahlentherapien notwendig. Sie dienen dazu, Patienten wieder auf das Alltags- und Berufsleben vorzubereiten. „Diese Form der Rehabilitation stellt einen sehr wichtigen Teil der Behandlungskette dar, der weder ausgesetzt noch lange aufgeschoben werden kann“, erklärt die Deutsche Rentenversicherung in einem Rundschreiben.

Gleiches gilt für abhängigkeitskranke Menschen, die nach einem Entzug nahtlos in eine Entwöhnungsbehandlung wechseln sollen.

Was ist mit ganztägig ambulanten Reha-Leistungen?

Ambulante Reha-Leistungen finden aktuell ebenso statt wie die stationäre Reha. Eine ambulante Reha ist in manchen Fällen sogar eine Alternative, wenn Patienten die stationäre Behandlung abgesagt wird. Ist eine geplante ambulante Reha derzeit nicht möglich, wird Sie die Einrichtung darüber informieren.

Was ist mit ambulanten Entwöhnungsbehandlungen?

Diese Leistungen werden weiterhin durchgeführt. Allerdings gibt es hierfür die Empfehlung die therapeutische Betreuung in Einzelgesprächen am Telefon durchzuführen oder andere digitale Kontaktmöglichkeiten zu nutzen. Rehabilitationseinrichtungen können jedoch selbst entscheiden, wie sie Abhängigkeitskranke betreuen möchten. Wenden Sie sich bitte deshalb an die Reha-Einrichtung, die mit Ihnen die Details abstimmt.

Welche Maßnahmen treffen die Reha-Kliniken zum Schutz vor Corona?

Patientensicherheit hat auch für Reha-Kliniken oberste Priorität. Alle Einrichtung müssen sich nach den Hygienemaßnahmen des Robert Koch-Instituts (RKI) richten, um den Infektionsschutz beim Aufenthalt in der Klinik und bei den Behandlungen zu gewährleisten. Grundsätzlich ist ein Mund-Nasen-Schutz in allen Einrichtungen Pflicht. Des Weiteren rufen sie zur verstärkten Handhygiene auf, raten zu mehr Abstand und lassen Ausflüge und größere Veranstaltungen ausfallen. Mit kleinen Gruppen, Trainings im Freien und die zusätzliche Anmietung von weiteren Räumen versuchen sie dennoch ihr komplettes Angebot zu gewährleisten.

Aber auch hier gilt: Jede einzelne Klinik hat ihre individuellen Vorkehrungen getroffen. Sprechen Sie Ihre Reha-Klinik an, wenn Sie wissen möchten, welche Angebote momentan davon betroffen sind.

Wie reagieren die Reha-Patienten?

Laut der Deutschen Rentenversicherung sind die Anträge für eine Reha in den letzten Monaten etwas zurückgegangen. Dennoch treten die meisten Menschen ihre Reha an. Vereinzelt gibt es aber auch Patienten, die sich aufgrund von Vorerkrankungen gegen einen Aufenthalt in einer Reha-Klinik entscheiden. Nehmen sie während der Gültigkeitsdauer von 12 Monaten ihren Anspruch nicht wahr, dann sollte auf jeden Fall der Reha-Träger informiert werden.

Können Angehörige Reha-Patienten besuchen?

Derzeit wird empfohlen von Besuchen abzusehen. Die Entscheidung darüber regeln die Reha-Kliniken allerdings selbst. Fragen Sie deshalb vor Ort nach.

Können Angehörige Patienten in der Reha-Einrichtung abholen?

Ja, aber nach Möglichkeit sollten Sie die Reha-Einrichtung nicht betreten und lieber im Freien auf dem Parkplatz warten.

Was passiert, wenn Patienten Symptome einer Erkrankung mit COVID-19 zeigen?

Zunächst kann Quarantäne verordnet werden: Der betroffene Patient wird dann weiter in seinem Zimmer versorgt. Damit soll eine weitere Ansteckung von Patienten und Personal vermieden werden. Solche Quarantäne-Maßnahmen gab es schon vor Corona – etwa, wenn Patienten an Durchfall erkrankten. Die weitere Testung, ob eine COVID-19-Ansteckung vorliegt, obliegt den Ärzten in den Reha-Einrichtungen, die sich dabei an die Richtlinien des Robert Koch-Instituts (RKI) halten.

Patienten, die an sich Symptome (häufig: Fieber, Husten, Atemnot oder Störung des Geruchs- und Geschmackssinns) feststellen, sollten sich beim medizinischen Personal melden.

Was passiert, wenn eine Reha-Einrichtung unter Quarantäne gestellt wird?

Nach den Vorgaben des Gesundheitsamtes verbleiben die Patienten meist in der Reha-Einrichtung und werden weiter betreut. Ob in diesem Fall die verschiedenen Leistungen einer Reha weiterhin durchgeführt werden können, entscheiden die örtlichen Gesundheitsbehörden.

Kann eine Reha abgebrochen werden?

Ja, beidseitig: Sowohl die Reha-Einrichtung kann eine Reha abbrechen als auch der Patient. Können Patienten in der Krise etwa zu Hause besser betreut werden, kann ein Abbruch sinnvoll sein. Gleiches gilt für Elternteile, deren Kinderbetreuung durch die Schließung von Kindergärten und Schulen zu Hause wegbricht. Auch wenn Patienten während der Reha an Corona erkranken, ist ein Abbruch selbstverständlich und problemlos möglich. Kosten entstehen dem Patienten durch den Abbruch nicht – weder fallen Strafen noch Kosten für die bislang erbrachten Leistungen an.

Wurden Sie durch die Rentenversicherung, Krankenkasse oder die Arbeitsagentur aufgefordert einen Reha-Antrag zu stellen, wenden Sie sich bitte an die auffordernde Stelle, um dort das Einverständnis zum Abbruch einzuholen.

Für abhängigkeitskranke und psychisch kranke Menschen gilt in Verdachtsfällen, dass eine Reha für eine Klärung bis zu 14 Tage unterbrochen werden kann. In Fällen einer bestätigten Ansteckung kann die Reha auch länger unterbrochen werden. Eine Wiederaufnahme der Rehamaßnahmen ist in diesen Fällen natürlich erst möglich, wenn keine Ansteckungsgefahr besteht und/oder der Patient wieder gesund ist. Reicht die bewilligte Rehadauer nicht, ist eine Verlängerung möglich.

Kann eine Reha nachgeholt werden?

Ja, das ist möglich. Wurde die Reha aufgrund von Corona vorzeitig abgebrochen, dann kann sie zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt oder nachgeholt werden. Um das mit einem geringen Aufwand zu ermöglichen, hat die Deutsche Rentenversicherung einen Kurzantrag auf eine Leistung zur medizinischen Rehabilitation (G0101) entwickelt. Dieser liegt in den Reha-Kliniken bereit und wird an die Patienten ausgehändigt.

Was ist mit dem Übergangsgeld?

Sofern Sie keinen Entgeltfortzahlungsanspruch mehr besitzen und die Deutsche Rentenversicherung Ihnen diese Leistung bewilligt hat, zahlt sie Ihnen das Übergangsgeld, solange Sie sich in Reha befinden.

Wird eine Reha abgebrochen – egal aus welchen Gründen – entfällt die gesetzliche Grundlage für das Übergangsgeld. Wenden Sie sich in diesen Fällen bitte umgehend an Ihren Arbeitgeber oder den Leistungsträger, der Sie vor der Reha finanziell unterstützte.

Laut dem Bundesverband der Deutschen Rentenversicherung entfällt das Übergangsgeld auch, wenn Sie während Ihrer Reha in Quarantäne kommen oder die gesamte Einrichtung unter Quarantäne gestellt wird. Müssen Sie für diese Zeit in der Klinik bleiben, dann werden Ihnen bis zu zwei Woche die Pflegekosten weitergezahlt. Allerdings unterscheiden sich hier teilweise die regionalen Träger. So garantiert zum Beispiel die Deutsche Rentenversicherung Westfalen, dass das Übergangsgeld trotz Quarantäne weitergezahlt wird. Sind Sie von einer Quarantäne während Ihrer Reha betroffen, dann kontaktieren Sie auf jeden Fall den Träger, der Ihre Reha bewilligt hat.

Kann eine noch nicht angetretene Reha verschoben werden?

Grundsätzlich ist das möglich. Der Bewilligungsbescheid ist nun 12 Monate gültig. Dazu müssen Sie sich bei der Reha-Einrichtung und dem Rentenversicherungsträger melden, der im Bewilligungsbescheid oben rechts steht.

Wurden Sie durch die Krankenkasse oder die Arbeitsagentur aufgefordert einen Reha-Antrag zu stellen, wenden Sie sich bitte an die jeweilige Stelle, um dort das Einverständnis zur Verschiebung einzuholen.

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Autor

Antje Fischer