Nachgefragt / 05.02.2018

Reha: Was mache ich mit meinem Kind?

Wenn Mutter oder Kind eine Reha brauchen, wird es schwierig. Wer kümmert sich um das Kind, wenn die Mutter in die Reha-Klinik soll? Und was, wenn das Kind chronisch krank ist? Die Sozialversicherung bietet unterschiedliche Möglichkeiten. Jan Paeplow von der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd informiert.

Mutter trägt Tochter huckepack in der Natur. – Bild: wdv.de © Jan Lauer

Herr Paeplow, was mache ich, wenn ich in Reha muss und sich niemand um meine Tochter kümmern kann?

Paeplow: Renten- oder Krankenversicherung können die Kosten für eine Ersatzkraft übernehmen, die privat oder über einen karitativen Verband organisiert wurde.

Voraussetzung ist: Vor der Reha hat die Mutter – oder der Vater – die Haushaltsführung, insbesondere Kinderbetreuung selbst geleistet, und niemand sonst aus dem Haushalt kann das Kind betreuen, etwa ältere Geschwister oder eine andere Vertrauensperson.

Im Ausnahmefall kann das Kind auch „als Begleitkind“ in die Reha-Klinik mitgehen. Allerdings bieten nur bestimmte Reha-Einrichtungen diese Möglichkeit an.

Wie komme ich da ran, und wer bezahlt das?

Paeplow: Wenn die Mutter oder der Vater krank beziehungsweise rehabedürftig sind und sie bei der Rentenversicherung einen Reha-Antrag stellen, kann die Rentenversicherung die Kosten für das sogenannte „Begleitkind“ im Rahmen der Haushaltshilfe-Regelung übernehmen. Eine nötige Reha soll nicht an der fehlenden Haushaltsversorgung oder Kinderbetreuung scheitern.

Allerdings müssen die Kinder jünger als 13 Jahre sein, sie dürfen nicht krank sein, und der medizinische Erfolg der Reha-Maßnahme für Mutter oder Vater darf durch die Begleitung nicht gefährdet werden.

Was machen die Kinder in dieser Zeit?

Paeplow: Die Reha-Klinik kümmert sich darum, dass sie tagsüber angemessen betreut werden. Eventuell können sie einen vor Ort ansässigen Kindergarten besuchen. Schulpflichtige Kinder besuchen als Gastschüler eine Schule. Abends schlafen sie im Zimmer ihrer Mutter oder ihres Vaters. Einzelheiten können vor Reha-Beginn mit den zuständigen Mitarbeitern der Reha-Klinik abgeklärt werden.

Können auch Kinder eine Reha bekommen?

Paeplow: Bei chronischen Erkrankungen wie asthmatischen Beschwerden, psychischen Störungen, Haut- und Atemwegserkrankungen und massivem Übergewicht die ihre spätere Erwerbsfähigkeit beeinträchtigen könnten, haben Kinder und Jugendliche Anspruch auf eine Kinderrehabilitation der Rentenversicherung.

Voraussetzung ist, dass ein Elternteil mindestens fünf Jahre Beiträge oder in den letzten zwei Jahren vor der Antragstellung für mindestens sechs Kalendermonate Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit in die Rentenversicherung gezahlt hat.

Wer kümmert sich in der Kinder-Reha um die Kinder?

Paeplow: Neben dem medizinischen Fachpersonal hat die Reha-Klinik auch dafür kompetente Mitarbeiter. Bei Kindern bis zum 10. Lebensjahr kann Mutter oder Vater als Begleitperson für die Dauer der Kinder-Reha mitkommen. Bei älteren Kindern ist dies im Einzelfall möglich, wenn es für die Durchführung der Leistung oder den Erfolg notwendig ist. Der Elternteil wird aktiv in die Reha eingebunden.

Der Reha-Antragsteller sollte, wenn das Kind ihn begleiten soll, gleich mit dem Reha-Antrag eine Begründung mitliefern – am besten vom behandelnden Arzt oder Kinderarzt. Die Rentenversicherung kann, wenn dies medizinisch notwendig ist, die Kosten für eine Begleitperson übernehmen.

Versäumt das Kind in dieser Zeit nicht zu viel Unterricht in der Schule?

Paeplow: Bei einer Kinder-Reha bekommen die Kinder wenigstens Stützunterricht in den Hauptfächern. Die Lehrer in den Kinder-Reha-Kliniken erkundigen sich bei der jeweiligen Schule nach dem aktuellen Stand, sie können so am Unterrichtsstoff und an Schwächen jedes Schülers anknüpfen.

Wer finanziert eine Kinder-Reha?

Paeplow: Für Kinder-Rehabilitationen sind Kranken- und Rentenversicherung gleichrangig zuständig. Das heißt: eine Reha für ein Kind oder mehrere Kinder – egal ob mit Mutter oder Vater als Begleitperson oder allein – kann sowohl bei der Krankenkasse als auch bei der Rentenversicherung, bei der ein Elternteil versichert ist, gestellt werden.

Für die Leistung aus der Rentenversicherung ist erforderlich, dass Versicherungszeiten (Beitragszeiten) zurückgelegt wurden (Wartezeit). Bei einer Antragstellung bei der Krankenkasse genügt es, dass ein Elternteil dort Mitglied ist.

Gibt es noch andere Reha-Möglichkeiten für Mutter und Kind?

Paeplow: Die gesetzlichen Krankenversicherungen haben als spezielle Leistung noch „Mutter-Kind-Kuren“. Wegen dieser Möglichkeit müsste man sich speziell an die Krankenkasse wenden. Auch die Aufenthalte in einem Müttergenesungswerk sind nicht mit den Reha-Leistungen der Rentenversicherung für Kinder vergleichbar, sie fallen ebenfalls in die Zuständigkeit der Krankenversicherung.

Wer informiert mich über Reha-Möglichkeiten?

Paeplow: Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Reha-Servicestellen sind gerne bereit, schnell dabei zu helfen, den für eine Reha-Leistung zuständigen Träger zu finden. Sie können sich dabei an jede Reha-Servicestelle wenden. Natürlich sind auch die Krankenkassen oder die Rentenversicherung kompetente Ansprechpartner zur Klärung von Zuständigkeitsfragen. An so etwas sollte die Beantragung einer Reha-Leistung nicht scheitern!

Mehr zum Thema

www.reha-servicestellen.de

www.deutsche-rentenversicherung.de
Infobroschüre Rehabilitation für Kinder (PDF-Datei)

Autorenbild

Autor

Katja Mathes