Rente / 10.05.2021

Rente mit 63 bleibt der Renner unter den Altersrenten

Mehr als 116.000 Frauen und fast 137.500 Männer, die 2019 in den Ruhestand traten, hatten 45 Beitragsjahre auf dem Rentenkonto.

Bild zum Beitrag "Rente mit 63 bleibt der Renner unter den Altersrenten". Das Bild zeigt ein Seniorenpaar mit Tablet.

Bad Homburg (sth). Die als „Rente mit 63“ bekannt gewordene Altersrente für besonders langjährig Versicherte war im Jahr 2019 unter Neurentnerinnen und -rentnern erneut besonders beliebt. Nach Daten der Deutschen Rentenversicherung nutzten im vorvergangenen Jahr etwa 253.500 Frauen und Männer die Rente für Versicherte mit 45 Beitragsjahren als Tor zum Ruhestand. Das waren wie im Jahr zuvor 31 Prozent der – diesmal etwa 816.000 – neuen Altersrentner und -rentnerinnen. Dieser Zugang zur Rente sicherte sich damit erneut den zweiten Platz auf der Liste der populärsten Altersrenten. Nur die Regelaltersrente für Beschäftigte mit weniger als 35 Versicherungsjahren – zum Beispiel langjährige Hausfrauen und -männer – war noch häufiger der Weg zur Rente (rund 357.000 Neurentner:innen).

Seit der Rentenreform von 2014 erweist sich die Altersrente für besonders langjährig Versicherte als „Renner“ unter den regulären Wegen in den Ruhestand. Nutzten 2013 nur rund 16.200 Beschäftigte die erst im Jahr 2012 eingeführte Rentenart – die zunächst auch nur einen sehr kleinen Vorteil gegenüber den anderen Altersrenten aufwies –, wuchs ihre Beliebtheit ab dem ersten Geltungstag der Neuregelung sprunghaft. Schon wenige Wochen nach dem Sieg der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft im Juli 2014 meldeten die Rentenversicherungsträger eine Flut von Anträgen auf die „Rente mit 63“. Im ersten vollen Jahr nach ihrer Einführung – 2015 – schieden bereits 274.000 Frauen und Männer auf diesem Weg aus dem Berufsleben aus.

Für Frauen und Männer gleichermaßen attraktiv

Entgegen ursprünglicher Erwartungen vieler Fachleute erweist sich die Altersrente für besonders langjährig Versicherte nicht nur für männliche Facharbeiter als besonders attraktiv. Neben den rund 137.500 Männern, die 2019 die sogenannte Rente mit 63 nutzten, schieden auch etwa 116.000 Neu-Ruheständlerinnen vorzeitig ohne Abschläge aus dem Beruf aus. Allerdings unterscheidet sich die Rentenhöhe von besonders lang arbeitenden Frauen und Männern erheblich: Während männliche Beschäftigte nach 45 Beitragsjahren monatlich im Schnitt rund 1.487 Euro ausgezahlt bekamen – nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen –, blieben ihren ebenso lang berufstätigen Kolleginnen im Schnitt nur 1.159 Euro.

Auch in den kommenden Jahren dürfte die Altersrente für besonders langjährig Versicherte attraktiv bleiben. Denn im Gegensatz zu vielen Beschäftigten, die künftig nur noch mit vergleichsweise hohen Abschlägen oder nach Zahlung hoher Sonderbeiträge an die Rentenversicherung vorzeitig eine ungekürzte Rente genießen können, steht Arbeitskräften nach 45 Beitragsjahren weiterhin eine vergleichsweise frühe und dennoch hohe Rente zu. Für Arbeitnehmer:innen mit abgeschlossenem Studium bleibt diese Rente dagegen noch auf längere Sicht fast unerreichbar: Da Hochschulzeiten für die "Rente mit 63" nicht angerechnet werden, dürften die meisten Akademiker:innen auch weiterhin über die „Altersrente für langjährig Versicherte” (die nach 35 Versicherungsjahren zugänglich ist, d. Red.) in den Ruhestand treten.

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Autor

Stefan Thissen