Im Fokus / 18.09.2017

Renten: Wie viel Netto bleibt vom Brutto?

Gesetzliche Rente, Riester- oder Betriebsrente – auch bei Altersbezügen gilt brutto ist nicht gleich netto. Die Abzüge fallen für Ruheständler allerdings nicht ganz so hoch aus wie für Arbeitnehmer. Ein Überblick.

Ältere Frau sitzt nachdenklich auf dem Sofa. – Bildnachweis: wdv.de © Jan Lauer

Inhalt

Gesetzliche Rente und Sozialversicherung

Rund 11 Prozent gehen von der Bruttorente für die Kranken- und Pflegeversicherung ab. Rentner haben genau wie Arbeitnehmer freie Krankenkassenwahl.

Wenn Sie gesetzlich krankenversichert sind, müssen Sie – ganz ähnlich wie Arbeitnehmer – von Ihrer gesetzlichen Rente Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung entrichten. Beiträge zur Arbeitslosenversicherung und zur Rentenversicherung fallen für Sie nicht mehr an.

Den allgemeinen Krankenversicherungsbeitrag von 14,6 Prozent teilen Sie sich mit der Rentenversicherung. Sie selbst zahlen den Versichertenanteil von 7,3 Prozent. Hinzu kommt der – je nach Krankenkasse unterschiedlich hohe – Zusatzbeitrag für Sie als Versicherter. Dieser liegt derzeit im Schnitt bei 1,1 Prozent. Diesen zahlen Sie als Versicherter allein.

Dies gilt ebenfalls für den Beitrag zur Pflegeversicherung, der derzeit 2,55 Prozent beträgt. Bei Kinderlosen sind es 0,25 Prozentpunkte mehr. Unterm Strich bedeutet dies für Versicherte mit Kind(ern): Von ihrer gesetzlichen Rente gehen 2017 im Schnitt 10,95 Prozent an die Sozialversicherungen ab.

Beispiel

Bei einer Bruttorente in Höhe von 1.500 Euro müssen Sie als Versicherter mit Kind im Schnitt mit Abzügen in Höhe von 164,25 Euro von Ihrer Bruttorente rechnen. Damit bleiben Ihnen nach dem Abzug der Sozialversicherungsbeiträge nur (1.500 - 164,25 =) 1.335,75 Euro.

  • Tipp: Wann zählen Sie als Versicherter mit Kind?
    Im Sinne der Pflegeversicherung gelten Sie als „Versicherter mit Kind“ auch dann noch, wenn Ihr Kind – beispielsweise – 40 Jahre oder älter ist. Hier kommt es – anders als bei anderen Sozialleistungen – nicht darauf an, ob für die Kinder noch ein Kindergeldanspruch besteht. Entscheidend ist in der Regel auch nicht, ob es sich um eigene Kinder oder um Kinder des Ehepartners handelt. Stief- oder Adoptiveltern müssen den Beitragszuschlag allerdings dann zahlen, wenn das (einzige) Kind bei der Adoption oder Eheschließung bereits volljährig war bzw. die Altersgrenze für die beitragsfreie (Kinder-)Familienversicherung überschritten hat oder wenn ein Stiefkind nie im gemeinsamen Haushalt mit dem jetzigen Rentner gelebt hat.

Die Zahlungsweise für die Versicherungsbeiträge ist unterschiedlich. Wenn Sie – wie die meisten Rentner – pflichtversichert sind, zieht die Rentenversicherung Ihnen – ganz wie früher der Arbeitgeber – die Beiträge von der Rente ab und überweist Sie an die Sozialkassen.

Freiwillig Versicherte erhalten dagegen als Rente den vollen (Brutto-)Betrag überwiesen. Sie zahlen den kompletten Beitrag an ihre Krankenkasse selbst. Dafür überweist die Rentenversicherung ihnen zusätzlich zur Rente den „Arbeitgeberanteil“ von 7,3 Prozent für die Krankenversicherung.

Beispiel

Ihre Bruttorente beträgt 1.500 Euro. Zusätzlich überweist Ihnen die Rentenversicherung den „Arbeitgeberanteil“ zur gesetzlichen Krankenversicherung, also 7,3 Prozent. Das sind 109,50 Euro. Insgesamt werden Ihnen damit 1.609,50 Euro überwiesen. Für die Abführung des Beitrags an die Krankenversicherung sind Sie selbst verantwortlich.

Ganz ähnlich wird verfahren, wenn Sie privat krankenversichert sind. Auch dann beteiligt sich die gesetzliche Rentenversicherung an den Krankenversicherungsbeiträgen – allerdings maximal bis zur Hälfte des allgemeinen Beitragssatzes der gesetzlichen Krankenkassen. Beispiel: Ein Privatversicherter erhält von der gesetzlichen Rentenversicherung eine Monatsrente von 1.500 Euro. Die Rentenkasse schießt ihm – egal wie hoch der Beitrag zur Privatversicherung ist – maximal 7,3 Prozent hiervon (das sind 109,50 Euro) zu seiner Krankenversicherung zu.

Freies Kassenwahlrecht auch für Rentner

Wenn Sie gesetzlich krankenversichert sind, sind Sie auch nach dem Übergang in Rente weiterhin in Ihrer bisherigen gesetzlichen Kasse versichert. Sie haben genau wie Arbeitnehmer jedoch ein freies Krankenkassenwahlrecht.

Generell gilt allerdings bei allen gesetzlichen Kassen eine 18-monatige Bindungsfrist. Das bedeutet: Mindestens eineinhalb Jahre muss jeder Versicherte seiner Kasse treu bleiben – im Normalfall. Ein besonderes Kündigungsrecht gibt es während dieser Frist nur, wenn der Beitragssatz erhöht wird. In diesem Fall gilt zwei Monate lang ein Sonderkündigungsrecht.

Gesetzliche Rente und Steuer

Jeder neue Rentnerjahrgang wird stärker besteuert. Meist kassiert der Fiskus allerdings nicht allzu viel. Denn die Einkünfte sind im Alter durchweg geringer als im Erwerbsleben.

Das Bundesfinanzministerium rechnet damit, dass 2017 rund 4,4 Millionen der insgesamt mehr als 20 Millionen Rentner Steuern zahlen müssen. Das geht aus einer Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der Linken vom 29. November 2016 hervor. Zu einem großen Teil dürfte es sich dabei um Rentner handeln, die neben dem gesetzlichen Altersruhegeld noch weitere Renten erhalten.

Doch inzwischen müssen auch Alleinstehende, die Anfang 2017 in Rente gegangen sind und ein Altersruhegeld von brutto 1.300 Euro – also vor dem Abzug der Sozialversicherungsbeiträge – erhalten, mit einer geringen Steuerbelastung von monatlich 11 Euro rechnen. Bei einer Monatsrente von 1.500 Euro sind es bereits 33 Euro. Doch Achtung: Dies gilt nur für alleinstehende Rentner, die außer den Sozialversicherungsbeiträgen und den für alle geltenden Freibeträgen keine weiteren absetzbaren Ausgaben haben. Und zudem nur für Neurentner, die im Januar 2017 erstmals ein Altersruhegeld bezogen haben.

Ob und wie viel Steuer Sie von Ihrer Rente entrichten müssen, hängt davon ab, wann Sie in Rente gegangen sind bzw. gehen werden. Denn seit 2005 steigt Jahr für Jahr der steuerpflichtige Teil der Rente. Dafür werden die Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitnehmer zunehmend von der Steuer freigestellt. Das Prinzip nennt sich dabei nachgelagerte Besteuerung.

Der Übergang zu diesem Prinzip zieht sich über einige Jahrzehnte hin. Für diejenigen, die 2005 bereits in Rente waren, sind 50 Prozent der 2005 bezogenen Rente steuerfrei. Derzeit – Stand 2017 – sind 74 Prozent der Brutto-Rente eines Neurentners steuerpflichtig. Bis 2020 kommen bei dieser Steuertreppe jährlich 2 Prozentpunkte dazu. 2020 sind dann schon 80 Prozent der Rente steuerpflichtig. Der zu versteuernde Anteil steigt dann jährlich noch um einen Punkt. Wenn Sie ab 2040 in Rente gehen, müssen Sie Ihre volle gesetzliche Rente versteuern.

Tabelle Steuertreppe
Jahr des Renten­eintritts Besteue­rungs­anteil
in Prozent
2005 50
2006 52
2007 54
2008 56
2009 58
2010 60
2015 70
2017 74
2020 80
2025 85
2030 90
2035 95
2040 100

Hierbei wird folgendermaßen gerechnet: Nehmen wir an, Sie sind im Januar 2017 in Rente gegangen und beziehen 2017 insgesamt eine Bruttorente von 18.000 Euro. Davon sind 74 Prozent steuerpflichtig. Das sind 13.320 Euro. Steuerfrei bleiben 4.680 Euro. Diesen Betrag müssen Sie sich für die Zukunft merken. Denn künftig ist dies Ihr Steuerfreibetrag.

Das bedeutet für Sie: Künftige Rentensteigerungen sind für Sie voll steuerpflichtig. Wird die Rente 2018 beispielsweise um 2 Prozent erhöht, dann erhalten Sie 2018 – da die Rentenerhöhung jeweils ab Juli greift – insgesamt 180 Euro mehr an Rente. Der steuerpflichtige Teil Ihrer Rente steigt dann auf (13.320 + 180 =) 13.500 Euro. Auf diese Weise werden auch Rentner, die zunächst keine Steuern entrichten mussten, in Zukunft häufig steuerpflichtig.

Auf diesen Teil Ihrer Einkünfte greift der Fiskus nicht zu

Steuerpflichtige Bezüge bis zur Höhe des steuerlichen Grundfreibetrags bleiben für Sie steuerfrei. Der Freibetrag liegt 2017 bei 8.820 Euro. Hinzu rechnen müssen Sie noch

  • einen Sonderausgabenpauschbetrag von 36 Euro,
  • einen Werbungskostenpauschbetrag von 102 Euro (für Rentner),
  • Ihre vollen Beiträge zur Sozialversicherung (Kranken- und Pflegeversicherung),
  • Ihren persönlichen Rentenfreibetrag.
  • Tipp: Teilrente sichert günstigen Besteuerungsprozentsatz
    Welcher Prozentsatz bei der Berechnung des Rentenfreibetrags zählt, richtet sich – so das Bundesfinanzministerium – „nach dem Jahr des Rentenbeginns“. Dies gilt auch beim Bezug einer Teilrente. Das bedeutet beispielsweise: Wer 2017 erstmals Rente bezieht, aber eine Teilrente wählt, schreibt damit den für 2017 geltenden Wert auf der „Steuertreppe“ für die Zukunft fest. Wer dann etwa 2020 von der Teilrente in die Vollrente wechselt, bleibt auf der Steuertreppe im Jahr 2017 stehen. Bei der Rentenbesteuerung ist „der ursprünglich ermittelte Prozentsatz maßgebend“, heißt es in einem Rundschreiben des Bundesfinanzministeriums.

Beispiel: Bleiben wir beim Fall eines Arbeitnehmers, der derzeit eine Bruttojahresrente von 18.000 Euro erhalten könnte. Er nimmt ab Juli 2017 nur 10 Prozent dieser Rente in Anspruch und arbeitet – etwas reduziert – bis 2020 weiter. Die Wahl einer fixen Teilrente in Höhe von (mindestens) 10 Prozent ist übrigens erstmals ab Juli 2017 möglich.

Zurück zum Beispielfall: Die (Brutto-)Jahresrente des Betroffenen dürfte 2020 rund 22.000 Euro betragen. Steuerfrei wären davon – nach dem „Treppenstand“ von 2017 – 26 Prozent. Das sind 5.720 Euro. Würde der Rentner dagegen erstmals 2020 Rente beantragen, so wären davon nur 20 Prozent steuerfrei, also nur etwa 4.400 Euro. Der Vorteil beim Steuerfreibetrag würde sich also auf 1.320 Euro belaufen – und zwar lebenslang. Bei einem Steuersatz von 25 Prozent macht das immerhin ein Plus von mehr als 300 Euro. Für ein Jahr. Bis zum Lebensende kommen da einige tausend Euro zusammen.

Rentenversicherung schickt Steuerbescheinigung zu

Die Deutsche Rentenversicherung stellt Rentnern auf Wunsch eine kostenlose Bescheinigung aus, die beim Ausfüllen der Steuervordrucke „Anlage R“ und „Anlage Vorsorgeaufwand“ der Steuererklärung hilft. Die Bescheinigung können Sie per Brief, Fax oder E-Mail bei Ihrem Rentenversicherungsträger anfordern. Wichtig: Geben Sie dabei Ihre persönliche Rentenversicherungsnummer an. Haben Sie die Bescheinigung einmal beantragt, so wird sie Ihnen in den Folgejahren jeweils automatisch zugeschickt.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Themenschwerpunkt „Rente und Steuern

Betriebsrenten

Von diesen geht fast ein Fünftel als Beitrag an die Kranken- und Pflegeversicherung. Bei der Steuer gibt es einen Flickenteppich von Regelungen. Generell gilt: Wer als Beitragszahler von günstigen steuerlichen Regelungen profitiert hat, wird im Alter stärker zur Kasse gebeten. Und umgekehrt.

Rund 60 Prozent der Arbeitnehmer sind im Alter zusätzlich durch eine – meist allerdings recht kleine – Betriebsrente abgesichert. Hierzu gehören auch die so genannten Direktversicherungen. Alle Betriebsrenten sind sowohl in der Kranken- als auch in der Pflegeversicherung voll betragspflichtig. Das bedeutet für Sie: Wenn Sie Anspruch auf eine Betriebsrente von monatlich 200 Euro brutto haben, so gehen davon im Schnitt 15,7 Prozent an Ihre Krankenversicherung und 2,55 Prozent an die Pflegeversicherung ab. Insgesamt sind das 18,25 Prozent. Ausgezahlt werden Ihnen deshalb statt 200 Euro nur 163,50 Euro. Bei kinderlosen Rentnern sind es noch 50 Cent weniger. Die Beiträge führt die Versicherung oder der Pensionsfonds automatisch an die Gesetzliche Krankenversicherung ab.

  • Tipp:
    Wenn Sie nur eine Mini-Betriebsrente erhalten, müssen Sie keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Die Grenze liegt derzeit (2017) bei 148,75 Euro im Monat. Dieser Betrag gilt für alle Betriebsrenten zusammen sowie auch für Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit, die neben der Rente bezogen werden. Wird dieser Grenzbetrag nur um einen Cent überschritten, so ist die gesamte Betriebsrente voll beitragspflichtig.

Betriebsrenten sind darüber hinaus häufig voll zu versteuern. Grundsätzlich gilt: Immer wenn im Arbeitsleben keine Steuern auf die Beiträge gezahlt wurden, müssen Sie später auf Ihre volle Rente Steuer zahlen. Umgekehrt ist nur der so genannte Ertragsanteil der Rente zu versteuern, wenn die Beiträge bereits aus versteuertem Einkommen gezahlt wurden. Vereinfacht kann man sagen, damit wird nur der Zinsgewinn auf die eingezahlten Beiträge besteuert. Dabei werden die Zinsen allerdings nicht genau ermittelt, man behilft sich vielmehr mit einer Tabelle zum Ertragsanteil aus dem Einkommensteuergesetz. Auszüge aus dieser Tabelle finden Sie unten.

Tabelle Ertragsanteil
Lebensalter bei Rentenbeginn Ertragsanteil in Prozent
60–61 22
62 21
63 20
64 19
65–66 18
67 17
68 16
69–70 15

Quelle: § 22 Nr. 1 Satz 3a bb Einkommensteuergesetz

Wenn Sie eine solche Betriebsrente ab 65 beziehen, müssen Sie nur 18 Prozent davon versteuern. Bei einer Betriebsrente in Höhe von 200 Euro sind dies 36 Euro. Bei einem Steuersatz von 25 Prozent müssen Sie dann mit einer steuerlichen Belastung von 9 Euro im Monat rechnen. Dies gilt etwa für die Versorgungsrente im öffentlichen Dienst, bei den Pensionskassen der Rundfunkanstalten und bei vielen anderen Versorgungseinrichtungen.

Ganz anders wird bei den so genannten Direktversicherungen verfahren. Diese quantitativ bedeutendste Form der betrieblichen Altersvorsorge ist – dies gilt zumindest für Verträge, die ab 2005 geschlossen wurden – in der Ansparphase steuerlich begünstigt. Daher müssen Sie später auf die vollen Rentenleistungen aus solchen Verträgen Steuer zahlen. Als kleines Trostpflaster wirkt aber hier der so genannte Altersentlastungsbetrag. Durch diesen bleibt – bis 2040 – ein Teil der Alterseinkünfte aus einer Direktversicherung steuerfrei. Für 2017 beträgt der Altersentlastungsbetrag 20,8 Prozent der Einkünfte, maximal jedoch 988 Euro.

Weitere Informationen in unserem Themenschwerpunkt „Betriebsrente

Riester-Renten

Riester-Renten müssen im Alter voll versteuert werden – Sozialversicherungsbeiträge fallen in der Regel nicht an. Ab 2018 gilt das voraussichtlich sogar für betriebliche Riester-Renten.

Im Alter müssen Sie eine Riester-Rente in jedem Fall voll versteuern. Hierzu ein Beispiel: Ein Alleinstehender, der im Januar 2017 in Rente gegangen ist und eine gesetzliche Rente in Höhe von 1.500 Euro brutto erhält, muss damit rechnen, dass er hiervon im Jahr 408 Euro an Steuern entrichten muss. Diesen Betrag wird das Finanzamt – soweit keine Vorauszahlungen geleistet wurden – 2018 nachfordern. Auf den Monat bezogen sind dies 34 Euro. Bezieht er zusätzlich eine monatliche Riester-Rente in Höhe von 100 Euro, so wird das Finanzamt von ihm im kommenden Jahr für 2017 insgesamt etwa 660 Euro nachfordern, auf den Monat umgerechnet also 55 Euro. Das sind 21 Euro mehr. Von der Riester-Rente bleiben ihm damit unterm Strich netto 79 Euro.

  • Achtung: Bei dieser Berechnung sind außergewöhnliche Belastungen und besondere Freibeträge (etwa wegen einer Schwerbehinderung) nicht berücksichtigt.

Keine Sozialversicherungsbeiträge

Die meisten Riester-Verträge werden bei Banken, Fondsgesellschaften oder Rentenversicherungen abgeschlossen. Das sind so genannte private Riester-Verträge. Solche Verträge sind im Alter in der Regel sozialversicherungsfrei. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Beiträge zur Riester-Rente werden aus dem Nettogehalt entrichtet, also von dem, was nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge und Steuer übrig geblieben ist. Eine Leistung aus verbeitragten Einzahlungen sollte nicht nochmals mit Beiträgen belegt werden.

Eine Ausnahme gilt nur, wenn Sie im Alter nicht in der Krankenversicherung der Rentner (KVdR) pflichtversichert, sondern in einer gesetzlichen Kranken- und Pflegekasse freiwillig versichert sind. In diesem Fall müssen Sie auch für Ihre volle Riester-Rente Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abführen.

Sonderfall „betriebliches Riestern“

Man kann allerdings auch betrieblich riestern – etwa über ein betriebliches Versorgungswerk. Dann gelten für den Riester-Vertrag die Regeln der betrieblichen Altersversorgung. Für die Kranken- und Pflegeversicherung bedeutet das: Wenn Sie gesetzlich krankenversichert sind, müssen Sie von einer aus einem solchen Vertrag später gewährten Rente die vollen Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Betriebliche Riester-Renten werden damit bisher weit schlechter behandelt als private Riester-Renten.

Beispiel VBL (Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder): Diese bietet für öffentlich Bedienstete eine betriebliche Altersrente – als Zusatz zur gesetzlichen Altersrente. Und als „Zubrot“ dazu gibt es noch „VBLextra“ – das Riester-Angebot der VBL. Die Leistungen der VBL sind häufig nicht schlecht – wenn auch Details umstritten sind.

Der Haken an der Sache ist allerdings: VBLextra gilt als betriebliche Riester-Rente. Und bei dieser fällt der volle Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag an. Das sind derzeit im Schnitt 15,7 Prozent für die Krankenversicherung und 2,55 Prozent für die Pflegeversicherung (bei Versicherten mit Kindern). Insgesamt gehen damit also 18,25 Prozent von der Riester-Rente ab. Eine solche Riester-Rente kann sich nicht lohnen. Rentenexperten haben deshalb immer vom Abschluss betrieblicher Riester-Renten abgeraten.

Ungleichbehandlung wird beseitigt

Die Warnung vor dem Abschluss betrieblicher Riester-Renten kann nun allerdings möglicherweise aufgehoben werden. Ab 1.1.2018 wird nämlich in § 229 SGB V, der u.a. die Beitragspflicht von Betriebsrenten regelt, der Halbsatz angehangen: „außer Betracht bleiben Leistungen aus Altersvorsorgevermögen im Sinne des § 92 des Einkommensteuergesetzes“. Aller Voraussicht nach jedenfalls. Genau das sieht das Betriebsrentenstärkungsgesetz vor, das – wenn es in der vorliegenden Form verabschiedet wird – zum 1.1.2018 in Kraft treten wird.

Das Gesetz enthält – bislang zumindest – keine einschränkenden Regelungen. Die neue Regelung gilt damit sowohl für laufende Riester-Renten als auch für künftige Renten ab Januar 2018 – vorbehaltlich der Verabschiedung des Betriebsrentenstärkungsgesetzes in der derzeit vorliegenden Fassung.

Weitere Informationen in unserem Themenschwerpunkt „Riester-Rente

Rürup-Renten

Die Auszahlungen aus dieser besonderen Variante von privaten Rentenversicherungen sind im gleichen Maße steuerpflichtig wie die gesetzliche Rente. Sozialversicherungsbeiträge fallen dagegen im Alter in der Regel nicht an.

Die Rürup-Rente (auch „Basisrente“ genannt) wurde vorrangig für Selbstständige konzipiert. Sie funktioniert ganz ähnlich wie die gesetzliche Rentenversicherung, durch die vorwiegend Arbeitnehmer abgesichert sind. Nur handelt es sich hier eben um private Versicherungsverträge. Die Beiträge sind hier steuerlich absetzbar. Und zwar von Jahr zu Jahr in höherem Maße. Umgekehrt wird die später gezahlte Rente besteuert. Und auch das von Jahr zu Jahr in höherem Maße. Bei einem Renteneintritt im Jahr 2017 müssen 74 Prozent der Rente versteuert werden. Die Einzelheiten hierzu können Sie im Abschnitt zur gesetzlichen Rente nachlesen. Bei der Rürup-Rente gelten genau die gleichen Regelungen.

Auszahlungen aus Rürup-Verträgen sind genauso wie Renten aus Riester-Verträgen sozialversicherungsfrei. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Beiträge zur Riester-Rente werden aus dem Nettogehalt entrichtet, also von dem, was nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge und Steuer übrig geblieben ist. Eine Leistung aus verbeitragten Einzahlungen sollte nicht nochmals mit Beiträgen belegt werden.

Eine Ausnahme gilt nur, wenn Sie im Alter nicht in der Krankenversicherung der Rentner (KVdR) pflichtversichert, sondern in einer gesetzlichen Kranken- und Pflegekasse freiwillig versichert sind. In diesem Fall müssen Sie auch für Ihre volle Rürup-Rente Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abführen.

Weitere Informationen in unserem Themenschwerpunkt „Rürup-Rente

Sonstige Privatrenten

Sozialversicherungsbeiträge müssen von ihnen in der Regel nicht gezahlt werden – und besteuert wird nur der so genannte Ertragsanteil.

Bei der Sozialversicherung gilt für diese Renten das gleiche wie für Rürup- und Riester-Renten. Das heißt: In der Regel müssen Sie hiervon keine Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abführen. Es gibt allerdings eine Ausnahme: Wenn Sie im Alter freiwillig gesetzlich krankenversichert sind, fallen auf Ihre Privatrente die vollen Beiträge zur Kranken – und Pflegeversicherung an.

Auch bei der Steuer gelten hier relativ günstige Regeln. Hier ist nur der so genannte Ertragsanteil der Rente zu versteuern, weil die Beiträge bereits aus versteuertem Einkommen gezahlt wurden. Vereinfacht kann man sagen, damit wird nur der Zinsgewinn auf die eingezahlten Beiträge besteuert. Dabei werden die Zinsen allerdings nicht genau ermittelt, man behilft sich vielmehr mit einer Tabelle zum Ertragsanteil aus dem Einkommensteuergesetz. Auszüge aus dieser Tabelle finden Sie unten.

Tabelle Ertragsanteilbesteuerung
Lebensalter bei Rentenbeginn Ertragsanteil in Prozent
60–61 22
62 21
63 20
64 19
65–66 18
67 17
68 16
69–70 15

Quelle: § 22 Nr. 1 Satz 3a bb Einkommensteuergesetz

Wenn Sie eine solche Privatrente ab 65 beziehen, müssen Sie nur 18 Prozent davon versteuern. Bei einer Rente in Höhe von 200 Euro sind dies 36 Euro. Bei einem Steuersatz von 25 Prozent müssen Sie dann mit einer steuerlichen Belastung von 9 Euro im Monat rechnen.

Nachteile bei freiwilliger Krankenversicherung im Alter

Gut 500.000 Rentner sind im Alter freiwillig gesetzlich krankenversichert. Sie müssen im Alter auch von Privatrenten Sozialversicherungsbeiträge entrichten.

Knapp 17 Millionen Rentner sind derzeit in der Krankenversicherung der Rentner (KVdR) versichert. Für sie gelten recht günstige Versicherungsbedingungen. Doch 516.000 Rentner sind an den Anspruchsvoraussetzungen der KVdR gescheitert. Sie sind im Alter freiwillig gesetzlich versichert. Das bringt ihnen beträchtliche Nachteile.

Was ist die Krankenversicherung der Rentner?

Wichtig zunächst: Es handelt sich um keine gesonderte Krankenkasse. Die Betroffenen sind weiterhin Mitglied ihrer gesetzlichen Kasse (also zum Beispiel der AOK, Knappschaft, einer Ersatz- oder Betriebskrankenkasse). Sie haben auch die gleichen Leistungsansprüche (abgesehen vom Krankengeld) wie Jüngere. Es gelten jedoch besonders günstige Regeln für die Beitragserhebung. Dazu weiter unten mehr.

Wer kommt denn in die KVdR?

Besonders treue Kunden der gesetzlichen Krankenversicherung. Aufgenommen werden nur Rentner, die die sogenannte Vorversicherungszeit erfüllen. Das ist dann der Fall, wenn jemand in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens zu 90 Prozent gesetzlich versichert war – egal ob pflicht-, familien- oder freiwillig versichert.

Beispiel

Ein Rentenantragsteller hat mit 25 erstmals eine Erwerbstätigkeit aufgenommen. Mit 65 geht er in die Rente. Sein Berufsleben umfasst 40 Jahre. In den letzten 20 Jahren, also ab 45 muss er zu 90 Prozent gesetzlich versichert gewesen sein, also 18 Jahre lang. Selbst wenn nur einige Tage in den 18 Jahren fehlen, kommt die KVdR für den Betreffenden nicht in Frage.

Wer an dieser 90-Prozent-Hürde scheitert, muss sich entweder freiwillig gesetzlich oder privat krankenversichern. Letzteres ist jedoch gerade für Senioren häufig unerschwinglich. Wer gravierende gesundheitliche Probleme hat, für den kommt die Privatversicherung ohnehin nicht in Frage.

Was sind denn die günstigen Regelungen zur Beitragsbemessung in der KVdR?

Versicherungsbeiträge werden hierbei nur für die gesetzliche Rente, die Betriebsrente und Arbeitseinkommen erhoben, auf weitere Einkünfte jedoch nicht.

Und was gilt für freiwillig Versicherte?

Für die Beitragsberechnung ist für sie die „gesamte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit“ bis zur Beitragsbemessungsgrenze ausschlaggebend. Damit werden etwa auch Einkünfte aus Mieten sowie Zinsen mit angerechnet, aber ebenso Riester-Renten, die rein steuerlich geförderten Rürup-Renten sowie Bezüge aus anderen privaten Rentenverträgen. Wer beispielsweise neben der gesetzlichen Rente noch 500 Euro an privater Altersrente erhält, muss darauf Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Das sind knapp 90 Euro im Monat. KVdR-Mitglieder sind von solchen Beiträgen verschont.

Tabelle Beiträge für die Krankenversicherung der Rentner und freiwillig versicherte Rentner
KVdR
Beitrag wird erhoben
freiwillig
Beitrag wird erhoben
Rente ja ja
Betriebsrente ja ja
Arbeitseinkommen ja ja
Betr. Altersversorgung ja ja
Direktversicherung ja ja
Riester-Rente* nein ja
Priv. Rentenversicherung* nein ja
Rürup* nein ja
Mieteinkünfte* nein ja
Zinseinnahmen* nein ja

*Bewertung mit ermäßigtem Beitragssatz

Tabelle: Übersicht Besteuerung der Alterseinkünfte

Übersicht Besteuerung von Alterseinkünften
Rentenart Produkt Steuern
(sofern Einkünfte über dem Grundfreibetrag)
Sozialabgaben (Kranken- und Pflegeversicherung)
Gesetzliche Rente x 1) x
Riester-Rente x -
Betriebsrenten (ab 2005)


Brutto-Entgeltumwandlung x x
Netto-Entgeltumwandlung x -
Mit Riester-Förderung (bis 2018) x x
Mit Riester-Förderung (ab 2018) x -
Betriebsrenten (vor 2005 geschlossene Verträge)

Direktversicherung x 2) x
Pensionskasse x 3) x
Rürup-Rente x 1) - 4)
Ungeförderte Vorsorgeverträge


Lebensversicherungen (vor 2005 abgeschlossen) - 5) - 4)
Lebensversicherung (ab 2005 abgeschlossen) x 6) - 4)
Private Rentenversicherungen x 7) - 4)
Beamtenpension x x
Kapitalerträge aus Fondsparplänen, Aktien etc. x -
Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung x -


1) Nachgelagerte Besteuerung; stufenweise Steigerung des zu versteuernden Anteils der Rente bis 2040 (dann 100 Prozent)
2) Bei Kapitalauszahlung nach mindestens 12 Jahren Laufzeit steuerfrei; bei Auszahlung als monatliche Leibrente wird der Ertragsanteil versteuert.
3) Voll steuerpflichtig für Zahlung aus steuerfreien Beiträgen; für Auszahlungen aus pauschal besteuerten Einzahlungen (bis 2004 pauschal 20 %) wird der Ertragsanteil versteuert.
4) Außer freiwillig gesetzlich Krankenversicherte
5) Steuerfrei bei Einmalzahlung, wenn die Versicherung bei Auszahlung mindestens zwölf Jahre lief und mindestens fünf Jahre lang Beiträge gezahlt wurden. Bei Auszahlung als Leibrente wird der Ertragsanteil besteuert.
6) Erträge bei Auszahlung zur Hälfte steuerfrei, wenn der Vertrag 12 Jahre lief und die Summe frühestens mit Vollendung des 60. Lebensjahrs (bei Vertragsabschluss nach 2012 erst nach dem 62. Geburtstag) ausgezahlt wird. Bei Auszahlung als Leibrente wird der Ertragsanteil besteuert.
7) Da Auszahlung als Leibrente, wird der Ertragsanteil besteuert.
8) Abgeltungssteuer von 25 Prozent, sofern die Erträge über dem Sparerfreibetrag liegen. Freistellungsaufträge einreichen!

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Autor

Rolf Winkel