Im Fokus / 18.06.2018

Rentenerhöhung 2018: Wer wie viel bekommt und was das für die Steuer bedeutet

Zum 1. Juli steigen die Renten in Ost und West. Wer bekommt wie viel, was bedeutet die Rentenerhöhung für die Steuer und Sozialleistungen und steigt auch die Witwenrente? Wir geben einen Überblick.

Zufriedene Rentnerin auf einem Sofa – Bildnachweis: wdv © J.Lauer

Inhalt

Wie viel bringt die Rentenerhöhung?

Gut 25 Millionen Renten zahlt die deutsche Rentenversicherung. Diese steigen zum 1.7. 2018 um zwischen 3,22 und 3,37 Prozent.

Für welche Rentenarten gilt die Steigerung?

Für alle Renten, die die deutsche Rentenversicherung auszahlt, also nicht nur für Altersrenten, sondern auch für Erwerbsminderungsrenten und Hinterbliebenenrenten. Diese Renten werden automatisch angepasst. Dabei muss sich – anders als mitunter bei Betriebsrenten – niemand an die Rentenversicherung wenden.

Was bringt die Rentenerhöhung einem Altersrentner mit durchschnittlicher Rente?

Nach den letzten vorliegenden amtlichen Zahlen der deutschen Rentenversicherung lag die durchschnittliche Bruttorente Ende 2016 bei monatlich 953 Euro. Eine solche durchschnittliche Rente steigt um gut 30 Euro. Bei Bruttorenten um die 1.500 Euro kommt schon ein Rentenplus von etwa 50 Euro zustande.

Rentenerhöhung zum 1. Juli 2018: Wer profitiert wie viel?
Bisherige Rente in € West-Plus in € Ost-Plus in €
500 16,10 16,85
600 19,32 20,22
700 22,54 23,59
800 25,76 26,96
900 28,98 30,33
953,08 1) 30,69 32,12
1.000 32,20 33,70
1.100 35,42 37,07
1.200 38,64 40,44
1.300 41,86 43,81
1.400 45,08 47,18
1.500 48,30 50,55
1.600 51,52 53,92
1.700 54,75 57,29
1.800 57,96 60,66
1.900 61,18 64,03
2.000 64,40 67,40
1) Durchschnittliche Bruttorente, Rentenversicherungsstatistik, Stand 31.12.2016

Unterschiede in Ost und West: Für wen gilt welcher Steigerungssatz?

Vereinfacht kann man sagen, für Rentner aus den neuen Bundesländern steigt die Rente um 3,37 Prozent, bei Rentnern aus dem Westen sind es 3,22 Prozent. Genauer gesagt kommt es darauf an, wo die Rentenansprüche erworben wurden. Ein erheblicher Teil der Rentner hat sowohl in den alten als auch in den neuen Ländern gearbeitet, und damit Rentenansprüche in Ost und West erworben. Die in den neuen Ländern erworbenen Ansprüche steigen dann um 3,37 Prozent, die Ansprüche aus den alten Ländern um 3,22 Prozent.

Rentenerhöhung und Inflation: Was bleibt übrig?

Die Verbraucherpreise in Deutschland steigen derzeit nach den aktuellen Erhebungen des statistischen Bundesamtes um 1,6 Prozent. Die Rentenerhöhung fällt also doppelt so hoch aus.

Werden durch Rentenerhöhung mehr Rentner steuerpflichtig?

Vier von fünf Rentnern müssen nach wie vor keine Steuern zahlen. Und durch die Rentenerhöhung steigt die Zahl der Steuer zahlenden Rentner nach Berechnungen des Bundesfinanzministeriums um rund 57.000 (Details zur Steuerpflicht finden Sie weiter unten).

Wie die Rentenerhöhung genau berechnet wird, erfahren Sie hier: Rentenerhöhung 2018

Trend: aktueller Rentenwert entwickelt sich positiv

In den letzten zehn Jahren hat sich die gesetzliche Rente trotz einer „Nullrunde“ (2010) positiv entwickelt. Auch künftig wird mit jährlichen Steigerungen über 2 Prozent gerechnet.

Zum 1.Juli steigt streng genommen nicht die einzelne Rente, sondern der „aktuelle Rentenwert“. Was bedeutet das?

Um das zu erklären, kommt noch ein weiterer Begriff dazu: Entgeltpunkt – abgekürzt: EP. Solche Punkte werden auf dem Rentenkonto der Versicherten gutgeschrieben – und sie sind entscheidend für die Rentenhöhe.

Einen vollen EP bekommt ein Versicherter, der in einem Kalenderjahr genau den Durchschnittsverdienst aller Rentenversicherten erzielt hat und entsprechend Beiträge in die Rentenkasse gezahlt hat. 2017 lag das (vorläufige) jährliche Durchschnittsentgelt aller Versicherten bei 37.103 Euro. Beitragszahlern, die im letzten Jahr genau so viel verdient haben, wird 1 EP gutgeschrieben. Wer halb so viel verdient hat, bekommt nur 0,5 EP.

Jetzt kommt der aktuelle Rentenwert wieder ins Spiel. Ein EP, der in den alten Bundesländern erworben wurde, ist derzeit 32,03 EP wert. Das ist der aktuelle Rentenwert. Dieser Wert ist streng genommen nur für aktuelle Rentner wichtig. Wenn eine Rente beispielsweise auf Grundlage von 40 EP (West) errechnet wurde, so beträgt sie ab Juli (40 x 32,03 =) 1281,20 Euro, bisher sind es (40 x 31,03 =) 1241,20 Euro. Das ist jeweils die Brutto-Rente. Hiervon gehen noch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab.

Entwicklung des aktuellen Rentenwerts in den alten und neuen Bundesländern
Jahr Rentenwert Ost Rentenwert West
2008 23,34 € (1,08 %) 26,56 € (1,10 %)
2009 24,13 € (3,38 %) 27,20 € (2,41 %)
2010 24,13 € (0,00 %) 27,20 € (0,00 %)
2011 24,37 € (0,99 %) 27,47 € (0,99 %)
2012 24,94 € (2,26 %) 28,07 € (2,18 %)
2013 25,74 € (3,29 %) 28,14 € (0,25 %)
2014 26,39 € (2,53 %) 28,61 € (1,67 %)
2015 27,05 € (2,50 %) 29,21 € (2,10 %)
2016 28,66 € (5,95 %) 30,45 € (4,25 %)
2017 29,69 € (3,59 %) 31,03 € (1,90 %)
2018 30,69 € (3,37 %) 32,03 € (3,22 %)

Wie hat sich der aktuelle Rentenwert in den letzten Jahren entwickelt?

Oben in der Tabelle ist die Entwicklung seit 2008 aufgeführt. Insgesamt sieht es gar nicht schlecht aus. Der aktuelle Rentenwert Ost ist in dieser Zeit von 23,34 auf 30,69 Euro gestiegen. Das ist ein Plus von 31,5 Prozent. Im Westen ist der Anstieg in diesem Zeitraum mit 20,6 Prozent deutlich geringer. Doch auch das kann sich gegenüber der Entwicklung der Verbraucherpreise sehen lassen. Diese sind im gleichen Zeitraum (genau: von April 2008 bis April 2018) um 12,8 Prozent gestiegen.

Wie wird sich die Rente in den nächsten Jahren entwickeln?

Die Entwicklung der Rente hängt auch künftig vorwiegend davon ab, wie sich die Löhne der abhängig Beschäftigten entwickeln. Jede Lohnerhöhung fließt in den „aktuellen Rentenwert“ ein. Je stärker dieser steigt, desto besser wird die finanzielle Situation der derzeitigen und künftigen Rentner.

Der Haken an der Sache ist allerdings: Nicht die volle Lohnerhöhung wird derzeit bei der Rente berücksichtigt. Der Nachhaltigkeitsfaktor und die zu erwartenden höheren Rentenbeiträge („Beitragssatzfaktor“) bewirken, dass die Renten künftig weniger erhöht werden als die Löhne und Gehälter der Beschäftigten.

Diese Faktoren können etwa dafür sorgen, dass trotz einer Lohnerhöhung von 3 Prozent die Renten nur um 2,5 Prozent steigen. Geschieht dies viermal hintereinander, so hat sich der Abstand der Renten vom Lohn schon um 2 Prozent vergrößert. Genau das ist gemeint, wenn von einem sinkenden Rentenniveau gesprochen wird: Die Rente steigt weniger stark als die Löhne.

Im Koalitionsvertrag haben CDU/CSU und SPD allerdings versprochen, dass sich das ändern soll. Danach strebt die Bundesregierung eine „doppelte Haltelinie an, die Beiträge und Niveau langfristig absichert“. Bei der Rente wäre dies am einfachsten umzusetzen, indem man sowohl den Nachhaltigkeits- als auch den Beitragssatzfaktor abschafft. Mit diesen Fragen beschäftigt sich die gerade eingesetzte Rentenkommission.

Durch Rentenerhöhung steuerpflichtig

„Wie gewonnen, so ...“ – zerronnen, titelte n-tv.de süffisant zur Rentenerhöhung 2018. Und manche andere Medien kommentierten die Rentenerhöhung ähnlich. Tenor: Was es an Rente mehr gibt, nimmt das Finanzamt. Unser Faktencheck zeigt: Da ist wenig dran.

Wie viele Rentner müssen zurzeit Steuer zahlen?

Nach der Schätzung des Bundesfinanzministerium gilt das für rund 4,4 Millionen Rentenbezieher, das heißt: Für einen von fünf Rentnern. Klar ist dabei allerdings: In den kommenden Jahrzehnten wird ein immer größerer Teil der Rentner zu Steuerzahlern werden. Denn der steuerpflichtige Teil der Renten steigt bei Neurentnern kontinuierlich an.

Lässt die Rentenerhöhung die Zahl der steuerpflichtigen Rentner steigen?

Nein. Auch das hat das Bundesfinanzministerium im Dezember 2017 ausgerechnet: 57.000 Rentner „rutschen“ durch die bevorstehende Rentenerhöhung in die Steuerzahlerpflicht. Die anderen gut 4,3 Millionen Rentner müssen bisher bereits Steuer zahlen.

Da die Rentenerhöhung geringfügig höher ausgefallen ist als das Bundesfinanzministerium in seiner Modellrechnung angenommen hatte, werden wohl einige tausend Rentner mehr die Steuerzahlpflicht überschreiten.

Wie funktioniert dieses „Reinwachsen“ in die Steuerpflicht?

Nehmen wir einen alleinstehenden Ruheständler aus den alten Bundesländern, der 2016 in Rente gegangen ist und dessen gesetzliche Rente 2017 genau an der Steuerzahlgrenze lag. Diese lag 2017 für einen Alleinstehenden Neurentner des Jahres 2016 bei rund 14.675 Euro (mehr dazu weiter unten).

Durch die Rentenerhöhung zum 1.7.2018 steigt seine Jahresrente 2018 gegenüber dem Vorjahr um rund 380 Euro. Das führt dazu, dass er nun die Steuerzahlgrenze überschreitet. Das liegt daran, dass die komplette Rentenerhöhung steuerpflichtig ist.

Und was bedeutet das konkret?

Der Betroffene wird 2019 für 2018 eine Steuererklärung abgeben müssen und für das Jahr 2018 genau 22 Euro Einkommensteuer zahlen müssen. Von den 380 Euro Rentenerhöhung gehen also 22 Euro an das Finanzamt. Das gilt allerdings nur dann, wenn er 2018 keine zusätzlichen absetzbaren Ausgaben – etwa für Handwerkerleistungen nachweisen kann.

Die Berechnungen:

Jetzt kommt ein bisschen Mathematik. Der Beispielrentner hat 2017 aufs ganze Jahr bezogen eine Jahresbruttorente in Höhe von 14.675 Euro erhalten. Unter Bruttorente versteht man den Rentenbetrag vor Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.

Den Betrag kann man ganz leicht selbst ermitteln, indem man die monatlichen Bruttobeträge des ersten und zweiten Halbjahrs jeweils mit sechs malnimmt und die so ermittelten Halbjahresbeträge addiert.

Man kann es sich allerdings auch noch einfacher machen und sich von der Deutschen Rentenversicherung eine Rentenbezugsmitteilung schicken lassen. Im Internet kann man diese unter www.eservice-drv.de/SelfServiceWeb bestellen.

Muss die gesamte Bruttorente versteuert werden?

Nein. Zunächst einmal gehen die vom Rentner selbst gezahlten Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab. Das sind bei der Krankenversicherung 7,3 Prozent der Rente sowie der individuelle Zusatzbeitrag, der 2017 im Schnitt bei 1,1 Prozent lag. Dazu kommt der volle Beitrag zur Pflegeversicherung. Für Versicherte mit Kind waren das 2017 nochmals 2,55 Prozent.

Insgesamt gehen damit knapp 11 Prozent der Rente an die Sozialversicherungen und sind steuerlich absetzbar.

Dazu kommt noch ein Werbungskostenpauschbetrag, der für Rentner bei 102 Euro liegt und ein Pauschbetrag für Sonderausgaben in Höhe von 36 Euro.

Der wichtigste absetzbare Posten ist für Rentner jedoch der Rentenfreibetrag. Durch diesen Freibetrag wird ein Teil der Rente steuerfrei gestellt.

Alleinstehender Rentner: Berechnung der Steuergrenze 2017 1)
Bruttorente 2017 14.675 €
Krankenversicherung Rentner (7,3 %) 1.072 €
Zusatzbeitrag Krankenversicherung (1,1 %) 162 €
Beitrag Pflegeversicherung (mit Kind: 2,55 %) 375 €
Pauschbetrag Sonderausgaben 36 €
Werbungskostenpauschbetrag 102 €
Rentenfreibetrag (28 Prozent der Bruttorente von 2017) 4.109 €
Summe Abzüge

5.856 €
5.856 €
zu versteuerndes Einkommen
=
8.819 €
Grundfreibetrag 8.820 €
Einkommensteuer 2017

0 €
1) Annahme: Erster Rentenbezug 2016, keine zusätzlichen absetzbaren Ausgaben

Wie ermittelt man den Rentenfreibetrag?

Wie hoch dieser ist, hängt vor allem vom Renteneintrittsjahr ab. 2005 begann der Umstellungsprozess auf die so genannte nachgelagerte Besteuerung von Renten. Das bedeutet, dass Vorsorgeaufwendungen während des Berufslebens zunehmend steuerbefreit und im Gegenzug dazu die Renteneinkünfte besteuert werden. Dieser Umstellungsprozess zieht sich über einige Jahrzehnte hin.

Wer 2016 in Rente gegangen ist, für den sind 72 Prozent der Rente steuerpflichtig. Bei einem Renteneintritt im Jahr 2025 sind es bereits 85 Prozent und wer im Jahr 2040 oder danach neu in Rente geht, muss seine volle gesetzliche Rente versteuern.

In der Praxis funktioniert dies so, dass einmal ein Rentenfreibetrag errechnet wird – und dabei bleibt es dann.

Wie wird im Beispielfall gerechnet?

Der Betroffene ist 2016 in Rente gegangen. Ausgangspunkt zur Berechnung des Rentenfreibetrags ist für ihn damit

a) der bei der „Steuertreppe“ zur Rente geltende Prozentsatz für das Jahr 2016. Danach wären 28 Prozent steuerfrei, und

b) die komplett im Jahr 2017 bezogene Rente. Denn 2017 ist das erste volle Jahr, in dem er Altersrente bezogen hat.

28 Prozent der 2017 bezogenen Rente sind in diesem Fall der Steuerfreibetrag, der – im Regelfall jedenfalls – lebenslänglich gilt. Bei Rentenerhöhungen wächst dieser Freibetrag nicht mit. 28 Prozent von 14.675 Euro sind 4.109 Euro. Subtrahiert man alle genannten Abzugsbeträge von der Jahresrente des Beispielrentners aus dem Jahr 2017, so ergibt sich ein Betrag von 8.819 Euro.

So hoch war das zu versteuernde Einkommen des Beispielrentners 2017. Der steuerliche Grundfreibetrag für einen Alleinstehenden betrug 2017 genau 8.820 Euro betrug. Daher muss der Beispielrentner für 2017 keine Einkommensteuer entrichten.

Klar ist: Das gilt nur, wenn er neben der Rente keine zusätzlichen Einkünfte hat.

Was ändert sich 2018 durch die Rentenerhöhung?

Die Jahresbruttorente des Betroffenen (alte Bundesländer) steigt nun auf 15.051 Euro. Hiervon subtrahiert man – genau wie oben skizziert – alle Standard-Absetzbeträge. Wichtig dabei: Der für 2017 errechnete Rentenfreibetrag verändert sich nicht, es bleibt bei 4.109 Euro. Nach der Subtraktion ergibt sich ein steuerpflichtiges Einkommen in Höhe von 9.156 Euro. Der steuerliche Grundfreibetrag für Alleinstehende ist 2018 um 180 Euro auf 9.000 Euro gestiegen. Das steuerpflichtige Einkommen des Beispielrentners liegt damit 156 Euro über dem Grundfreibetrag.

Nach dem Lohn- und Einkommensteuerrechner des Bundesfinanzministeriums fallen deshalb 2018 genau 22 Euro an Steuern an. Wer eine höhere Rente erhält und bereits 2017 Steuern zahlen musste, wird von seiner Rentenerhöhung allerdings deutlich mehr an das Finanzamt abgeben müssen.

Alleinstehender Rentner: steuerliche Belastung eines Rentners, der 2018 erstmals in die Steuerzahlung „rutscht“ 1)
Bruttorente 2018 15.052 €
Krankenversicherungsbeitrag Rentner (7,3 %) 1.099 €
Zusatzbeitrag Krankenversicherung (1,1 %) 166 €
Beitrag Pflegeversicherung (mit Kind: 2,55 %) 384 €
Pauschbetrag Sonderausgaben 36 €
Werbungskostenpauschbetrag 102 €
Rentenfreibetrag (unverändert gegenüber 2017) 4.109 €
Summe Abzüge
5.896 €
5.896 €
zu versteuerndes Einkommen = 9.156 €
Grundfreibetrag 9.000 €
übersteigender Betrag 156 €
Einkommensteuer 2018
22 €
1) Annahme: Erster Rentenbezug 2016, keine zusätzlichen absetzbaren Ausgaben

Sind Rentner verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben?

Zumindest dann, wenn ihr zu versteuerndes Einkommen den Grundfreibetrag übersteigt. Die Steuererklärung kann man auch heute noch wie gehabt auf Papier abgeben. Wer Hilfe benötigt, kann sich an einen Lohnsteuerhilfeverein wenden.

Rentenplus auch für Witwen- und Witwerrente

Von der Erhöhung des aktuellen Rentenwerts zum 1.7. 2018 profitieren auch Hinterbliebenenrentner. Ihre Renten steigen und ebenso der Freibetrag zur Anrechnung von Einkommen auf die Hinterbliebenenrente.

Was ändert sich zum 1. 7. 2018 an der Höhe der Hinterbliebenenrente?

Was ändert sich zum 1. 7. 2018 an der Höhe der Hinterbliebenenrente? Anfang Juli werden die gesetzlichen Renten im Westen um 3,22 % und im Osten um 3,37 % angehoben. Entsprechend steigen auch die Hinterbliebenenrenten. Das geschieht automatisch.

Aus 1.000 Euro Hinterbliebenenrente in den alten Ländern werden damit 1.032,20 Euro, in den neuen Ländern 1.033,70 Euro. Von der Rente gehen nach wie vor Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab.

Was ändert sich bei der Einkommensanrechnung auf die Hinterbliebenenrente?

Das Verfahren bleibt gleich. Die Freibeträge steigen jedoch, weil sie durch feste Formeln an die Rentenentwicklung geknüpft sind. Für Witwen-/Witwerrentner („Große Hinterbliebenenrente“) beträgt der Freibetrag das 26,4-Fache des jeweils geltenden aktuellen Rentenwerts. Letzterer beträgt ab Juli 2018 in den alten Bundesländern 32,03 Euro (neue Länder: 30,69 Euro).

Daraus ergibt sich ein Freibetrag für Einkünfte zusätzlich zur Witwen-/Witwerrente in Höhe von 845,59 Euro monatlich. In den neuen Ländern liegt dieser Freibetrag bei 810,22 Euro. Nettoeinkünfte, die darüber liegen, werden zum Teil mit der Hinterbliebenenrente verrechnet. Ob dabei Ost- oder Westwerte zugrunde gelegt werden, hängt vom Wohnsitz der Witwen oder Witwer ab.

Was gilt als Nettoeinkommen?

Hier kann es leicht zu Missverständnissen kommen. Für die vielen Ruheständler, die neben ihrer eigenen Rente eine Hinterbliebenenrente erhalten, zählt nicht etwa der Betrag, den ihnen die Rentenversicherung überweist, als Nettoeinkommen. Die Deutsche Rentenversicherung hat vielmehr ihre eigenen Regeln (festgelegt im SGB IV), wie die Bruttoeinkünfte in (fiktive) Nettowerte umgerechnet werden.

Zudem werden von dem Teil der Nettoeinkünfte, der die Freibeträge übersteigt, nur 40 Prozent auf die Hinterbliebenenrente angerechnet. Es zählt hier das um (je nach Einkommensart unterschiedlich hohe) feste pauschale Prozentsätze reduzierte Bruttoeinkommen.

Wie wird die eigene Altersrente der Hinterbliebenen angerechnet?

Die meisten Hinterbliebenenrentner/innen sind Ruheständler und erhalten zusätzlich noch eine eigene gesetzliche Altersrente, sie sind sozusagen „Doppelrentner“. Der Bruttorentenbetrag der eigenen Rente der Betroffenen wird (rechnerisch) um 14 % reduziert.

So wird die (fiktive) Nettorente errechnet. De facto können damit Rentner/innen mit einer Rente von monatlich bis zu 983 Euro brutto (im Westen) bzw. 942 Euro (im Osten) zusätzlich noch eine ungekürzte Hinterbliebenenrente erhalten (siehe Tabelle). Der Satz von 14 % gilt übrigens für diejenigen, die ab 2011 in Rente gegangen sind, für „frühere Ruheständler“ gilt ein Satz von 13 %.

Brutto-Einkommensgrenzen, bis zu denen Witwen-/Witwerrenten nicht gekürzt werden
Einkommensart West Ost
Arbeitnehmereinkommen (vor der Rente) 1.409 € 1.350 €
Altersrente (Erstbezug ab 2011) 983 € 942 €

Wie wird bei höheren Renten genau gerechnet?

Nehmen wir einen Witwer aus München. Er erhält ab Juli 2018 eine Altersrente in Höhe von brutto 1.460 Euro. Das entspricht nach der Pauschalrechnung der Rentenversicherung einer Nettorente von (1.460 14 Prozent =) 1.255,60 Euro. Damit wird der Freibetrag von 845,59 Euro um 410,01 Euro überschritten. 40 Prozent dieses Differenzbetrags sind anrechenbar. Dies sind 164 Euro.

Bei einem Anspruch auf eine volle Hinterbliebenenrente von 800 Euro würde diese Rente damit auf 636 Euro im Monat gekürzt. Von diesem Betrag gehen dann noch – wie von der Altersrente – Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung ab.

Wie wird gerechnet, wenn Hinterbliebenenrentner noch erwerbstätig sind?

Auch dann wird das Bruttoeinkommen der Hinterbliebenen nach pauschalen Werten in ein (fiktives) Nettoeinkommen umgerechnet. Dabei werden vom Bruttoeinkommen 40 Prozent abgezogen (soweit sie selbst noch keine Altersrente beziehen). So wird das (fiktive) Netto errechnet. 2.000 Euro Bruttoverdienst entsprechen damit einem Nettoverdienst von 1.200 Euro.

Das wird dann genau wie oben skizziert dem Freibetrag gegenübergestellt. Von der Differenz werden 40 Prozent auf die Hinterbliebenenrente angerechnet.

Für Hinterbliebenenrentner/innen (ohne eigene Altersrente) mit Einkünften aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung liegt die kritische Einkommensgrenze ab Juli 2018 bei brutto 1.409 Euro (West) bzw. 1.350 Euro (Ost).

Entgelte aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung sind bis zu dieser Höhe bei der Hinterbliebenenrente anrechnungsfrei.

Was gilt für Hinterbliebenenrentner mit Minijob?

Wer neben der Hinterbliebenenrente nur einen Minijob ausübt und keine weiteren Einkünfte hat, braucht gar nichts zu beachten. Der Minijob mindert weder die eigene noch die Hinterbliebenenrente.

Anders sieht es bei den nicht wenigen „Doppelrentnern“ aus, die noch einen Minijob ausüben. Bei ihnen führt der Minijob oft dazu, dass die Hinterbliebenenrente kräftig gekürzt wird. Das kann häufig vermieden werden, indem die Betroffenen beim Minijob die Variante „Rentenversicherungspflicht“ wählen. Das ist übrigens inzwischen auch für reguläre Altersrentner möglich.

Was soll das bringen?

Da sind wir wieder beim Thema „Umrechnung von Brutto in Netto“. Hierbei gilt für Altersrentner mit einer rentenversicherungspflichtigen Beschäftigung: Die Rentenversicherung zieht 30,5 Prozent vom Brutto ab, um das fiktive Netto zu errechnen. Bei einem Minijob ohne Rentenversicherungspflicht wird dagegen ein Abzug von „0 Prozent“ vorgenommen. Hier gilt also Brutto = Netto.

Nehmen wir als Beispiel einen 66-jährigen Witwer aus Dresden, der seit Januar 2011 eine eigene Altersrente bezieht, die sich derzeit auf brutto 1.200 Euro beläuft. Zusätzlich übt er einen Minijob mit Einkünften in Höhe von 450 Euro im Monat aus und bezieht Hinterbliebenenrente. Diese würde sich ohne Abzüge auf 610 Euro belaufen. Sowohl die Altersrente als auch der Minijob werden auf die Hinterbliebenenrente angerechnet. Dabei wird folgendermaßen vorgegangen.

Zunächst werden die jeweiligen Nettoeinkünfte ermittelt. Von einer Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung in Höhe von 1.200 Euro, die ab 2011 begonnen hat, gelten 1.062 Euro als anrechenbar. Der Freibetrag für Rentner aus den neuen Bundesländern in Höhe von 810,22 Euro wird um 251,75 Euro- überschritten. 40 Prozent hiervon werden auf die Hinterbliebenenrente angerechnet. Das sind gut 100 Euro.

Wie werden die Einkünfte aus dem Minijob angerechnet?

Das hängt davon ab, ob die Beschäftigung rentenversicherungspflichtig ist – oder nicht. In unserem Beispielfall ist der Jobber 66 Jahre alt, er hat also das reguläre Rentenalter überschritten. Sein Minijob ist damit – wie generell Beschäftigungen von Altersrentnern, die das reguläre Rentenalter erreicht haben – zunächst einmal versicherungsfrei.

In diesem Fall gilt das komplette Minijob-Einkommen als anrechenbar. Ein pauschaler Abzug wird nicht vorgenommen. Das bedeutet: Bei einem vollen Minijob mit einem monatlichen Gehalt von 450 Euro gelten 180 Euro (40 Prozent) als anrechenbar. Von den 450 Euro darf der Betreffende faktisch nur 270 Euro behalten. Der Rest wird auf die Hinterbliebenenrente angerechnet.

Es gibt allerdings auch die Möglichkeit des Opt-in: Der Betreffende kann sich in die Rentenversicherung einwählen (durch eine Erklärung dem Arbeitgeber gegenüber). Die Folge: Der Job wird versicherungspflichtig. In diesem Fall muss der Jobber den pauschalen Arbeitgeberbeitrag von 15 Prozent, den der Arbeitgeber monatlich zahlt, um 3,6 Prozent aufstocken. Von den 450 Euro gehen damit 16,20 Euro an die Rentenversicherung.

Im Gegenzug wird allerdings, wenn es um die Anrechnung des Minijobs auf die Hinterbliebenenrente geht, ein pauschaler Abzug von 30,5 Prozent vorgenommen. Dieser Prozentsatz gilt bei versicherungspflichtigem Arbeitsentgelt, das Altersrentner beziehen. Von den Bruttoeinkünften in Höhe von 450 Euro werden damit zur Ermittlung des fiktiven Nettoeinkommens 137,25 Euro abgezogen. Es bleiben damit netto 312,75 Euro. Hiervon gelten 40 Prozent als anrechenbar. Dies sind 125,10 Euro, die von der Hinterbliebenenrente abgezogen werden. Von den 450 Euro darf der Betreffende damit unterm Strich 324,90 Euro behalten.

Dies macht gegenüber einem versicherungsfreien Minijob, von dem der Betreffende nur 270 Euro behalten dürfte, ein monatliches Plus in Höhe von 54,90. Der Rentenversicherungsbeitrag von 16,20 Euro monatlich, den der Betroffene tragen muss, fällt dagegen kaum ins Gewicht. Nebenbei. Hierdurch erwirbt der Betroffene noch zusätzliche Rentenansprüche.

Einfluss auf Sozialleistungen: Grundsicherung kann sinken

Die Rentenerhöhung kann Auswirkungen auf staatliche Sozialleistungen haben. Besonders wichtig für Rentner sind dabei die Grundsicherung im Alter und das Wohngeld.

Welche Folgen hat die Rentenerhöhung für Ruheständler, die zusätzlich Grundsicherung im Alter erhalten?

Hier gilt tatsächlich das Prinzip: Linke Tasche rein – rechte Tasche raus. Das bedeutet: Wer beispielsweise bislang als Aufstockung seiner Rente monatlich 200 Euro Grundsicherung erhalten hat, bekommt bei einer Rentenerhöhung um 20 Euro genau 20 Euro weniger Grundsicherung. Unterm Strich verändert sich seine Situation nicht. Grundsicherungsbezieher müssen die Erhöhung ihrer Rente dem Sozialamt mitteilen.

Hat die Rentenerhöhung auch Konsequenzen fürs Wohngeld?

Nein. Das Wohngeld ändert sich innerhalb eines Bewilligungszeitraums erst dann, wenn sich das anrechenbare Einkommen eines Wohngeldempfängers um mehr als 15 Prozent erhöht. In diesem Fall muss die Einkommenserhöhung dem Wohngeldamt mitgeteilt werden.

Die jetzige Rentenerhöhung um gut 3 Prozent bleibt weiter unterhalb dieser Marke. Wohngeld beziehende Rentner müssen die Einkommensänderung also nicht dem Amt melden.

Rentenangleichung Ost bis 2024

Mit dem Rentenplus 2018 nähern sich auch die Ost- und die Westrenten weiter an. Der Rentenwert (Ost) steigt auf 95,8 Prozent des Rentenwerts West (vorher: 95,7 Prozent). Bis spätestens zur Rentenanpassung 2024 wird es beim aktuellen Rentenwert keine Unterschiede mehr zwischen Ost und West geben.

Wie ist die Rentenangleichung gesetzlich geregelt?

In den kommenden Jahren soll der Rentenwert Ost in jährlichen Schritten an den im Westen geltenden Rentenwert angeglichen werden. Ab Juli 2024 wird die Rente dann in ganz Deutschland einheitlich berechnet. Dies regelt der Stufenplan von § 255a SGB VI.

Danach soll der Rentenwert Ost im Juli 2018 auf 95,8 Prozent des aktuellen Rentenwerts West steigen und danach jedes Jahr im Juli um 0,7 Prozentpunkte angepasst werden. Der für 2018 geltende Prozentsatz ist allerdings bereits von der Wirklichkeit „überholt“ worden.

Da im Juli der aktuelle Rentenwert Ost im Juli stärker steigt als der West-Wert, ist die für den 1. Juli vorgesehene Marke von 95,8 Prozent ohnehin bereits erreicht. Es gibt daher dieses Mal für Ost-Rentner keine Extra-Anpassung.

Anpassung Rentenwert (Ost) im Verhältnis zum aktuellen Rentenwert (West)
1. Juli 2018 95,8 Prozent
1. Juli 2019 96,5 Prozent
1. Juli 2020 97,2 Prozent
1. Juli 2021 97,9 Prozent
1. Juli 2022 98,6 Prozent
1. Juli 2023 99,3 Prozent
1. Juli 2024 100 Prozent
Quelle: § 255a SGB VI, Inkrafttreten 1.7.2018

Was gilt für Rentenansprüche, die Versicherte aus den neuen Ländern erwerben?

Für Arbeitnehmer aus den neuen Bundesländern ist wichtig: Ihr Verdienst wird, wenn es um Rentenansprüche geht, 2018 um (vorläufig) 12,48 Prozent hochgewertet. Ab 2019 wird dieser Umrechnungsfaktor (nach Anlage 10 SGB VI) allerdings Schritt für Schritt abgeschmolzen (geregelt in § 287f SGB VI, Fassung ab 1.7.2018).

2018 gilt allerdings noch: Bei gleichem Verdienst erwerben Arbeitnehmer in den neuen Bundesländern deutlich höhere Rentenansprüche als ihre Kollegen im Westen.

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Autor

Rolf Winkel