Rente / 19.03.2021

Rentenminderung ausgleichen – so geht‘s

Ab dem 50. Geburtstag können Sie mit freiwilligen Rentenbeiträgen Ihre Rente erhöhen oder eine Rentenminderung ausgleichen.

Rentenminderung ausgleichen – so geht‘s. – Ehepaar im mittleren Alter prüft Rentenanspruch im Internet.

Inhalt

Wenn Sie zwischen 50 und 65 Jahre alt sind, und überlegen, wie Sie Erspartes anlegen können, sollten Sie auch an die Rentenversicherung denken. Denn Versicherte ab 50 können meist freiwillige Sonderzahlungen in die gesetzliche Rentenkasse leisten. Das kann sich lohnen.

Welchen Vorteil haben freiwillige Rentenbeiträge?

Sie können mit freiwilligen Zahlungen in die Rentenversicherung

Früher in Rente: Wie hoch sind die Rentenabschläge?

Wenn Sie vor Ihrem regulären Ruhestandsalter in Rente gehen, und beispielsweise mit 63 die Altersrente für langjährig Versicherte beziehen wollen, müssen Sie mit spürbaren Rentenabschlägen rechnen. Die Rente wird gekürzt, und zwar um 0,3 Prozent für jeden Monat vor Erreichen der für Sie geltenden regulären Altersgrenze.

Beispiel:
Sie gehen vier Jahre vor dem regulären Rentenalter in Rente und haben bis dahin – hochgerechnet – einen Anspruch auf eine Rente in Höhe von 2.000 Euro erarbeitet.

Dann müssen Sie Rentenabschläge von (0,3 x 48 Monate =) 14,4 Prozent hinnehmen. Das heißt, Ihre Rente wird um 14,4 Prozent gekürzt, also um 288 Euro. Es bleiben nur 1.712 Euro.

Wie viel muss ich zahlen, um Rentenabschläge auszugleichen?

Die Deutsche Rentenversicherung rechnet aus, wie viel Sie heute zahlen müssten, damit Sie zum Beispiel mit 63 ohne Abschläge in Rente gehen können. Das ist in Paragraph 187a des sechsten Sozialgesetzbuchs geregelt.

Angenommen, Ihr Rentenanspruch betrüge 2.000 Euro und Sie wollen eine Rentenminderung von 288 Euro ausgeglichen. Dann müssten Sie für einen vollen Ausgleich 76.034 Euro zahlen. Das erscheint sehr hoch, aber:

  • Sie können die Rentenminderung in Teilbeträgen zahlen. Dadurch lassen sich Steuern sparen.
  • Die Rendite der Deutschen Rentenversicherung kann sich durchaus sehen lassen. Überprüfen Sie mit Hilfe von Vergleichsrechnern zu Privatrenten, die im Internet angeboten werden, wie die Renten bei privaten Anbietern ausfallen. Sie werden feststellen, dass dabei durchweg niedrigere Werte für gleiche Einzahlungen ausgewiesen werden.

Welche Voraussetzungen gelten für die Ausgleichszahlungen?

Die Möglichkeit, freiwillige Rentenbeiträge zu zahlen, ist an einige Bedingungen geknüpft:

  • Sie müssen mindestens 50 Jahre alt sein.
  • Sie müssen eine realistische Chance auf ein vorgezogenes Altersruhegeld haben. Für die vorgezogenen Altersruhegelder müssen Sie mindestens 35 Versicherungsjahre auf dem Rentenkonto haben.

Ob diese Voraussetzung erfüllt werden kann, prüft die Deutsche Rentenversicherung zum Zeitpunkt Ihrer Antragstellung.  Wer zum Beispiel mit 50 erst auf 15 Versicherungsjahre kommt, kann die 35-Jahres-Voraussetzung vor seinem regulären Rentenalter nicht mehr erfüllen. Er ist damit nicht berechtigt, Ausgleichsbeträge zu leisten.

Wie beantrage ich die Zahlung von Ausgleichsbeträgen?

Den Ausgleich einer Rentenminderung beantragen Sie mit dem Formular V0210.

Der volle Titel des Formulars trägt den Bandwurmtitel „Antrag auf Auskunft über die Höhe der Beitragszahlung zum Ausgleich einer Rentenminderung bei vorzeitiger Inanspruchnahme einer Rente wegen Alters“.

Zugleich sollten Sie von Ihrem Arbeitgeber die Arbeitgeberbescheinigung V0211 ausfüllen lassen. Hierin trägt dieser Ihr aktuelles Arbeitsentgelt und das Entgelt des letzten Kalenderjahrs ein. Auf dieser Grundlage rechnet die Deutsche Rentenversicherung aus, wie hoch Ihre Altersrente beim Eintritt in ein vorgezogenes Altersruhegeld voraussichtlich sein wird.

Worauf sollte ich beim Antrag achten?

Im Antrag werden Sie unter anderem nach ihrer beabsichtigten Rentenart und dem gewünschten Rentenbeginn gefragt. Wichtig: Ihre Angaben dazu sind nicht bindend.

Egal, was Sie im Antrag ankreuzen: „Sie können später, wenn Sie das für die Alters-Frührenten maßgebliche Alter erreicht haben, zu jedem beliebigen Zeitpunkt in Rente gehen, vorausgesetzt Sie haben die entsprechenden Versicherungsjahre zusammen“, so Dirk Manthey von der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Letztlich dienen Ihre Angaben zur gewünschten Rente und zum gewünschten Renteneintritt nur dazu, die Höhe der möglichen Rentenabschläge und die Höhe der Ausgleichszahlung zu bestimmen.

Frage 1: Beabsichtigte Rentenart

Hier tauchen nur zwei Möglichkeiten auf: Altersrente für langjährig Versicherte und Altersrente für schwerbehinderte Menschen. Egal wo Sie Ihr Kreuz machen: Sie legen sich hierdurch nicht fest.

Die Altersrente für besonders langjährig Versicherte fehlt.  „Das liegt einfach daran, dass bei dieser Altersrente keine Abschläge anfallen – da ist deshalb auch nichts auszugleichen“, sagt Manthey.

Frage 4: Zeitpunkt des beabsichtigten Rentenbeginns

Vielleicht haben Sie die klare Vorstellung, dass Sie mit 65 Jahren in Rente gehen möchten. Dann können Sie als gewünschten Renteneintritt den Monat nach ihrem 65. Geburtstag eingeben. Ansonsten können Sie – wenn es um die Altersrente für langjährig Versicherte geht – jeden beliebigen Monat zwischen Ihrem 63. Geburtstag und Ihrem regulären Rentenalter eintragen.

Was ist, wenn ich doch länger arbeiten will?

Sie können auch bis zum regulären Rentenalter weiterarbeiten. Der eingezahlte Betrag dient in diesem Fall nicht zum Ausgleich von Abschlägen, sondern erhöht Ihre reguläre Altersrente. Außerdem fällt Ihre Rente dann zusätzlich auch noch höher aus, weil sie ja auch noch länger arbeiten und Rentenbeiträge zahlen.

Niemand kann Ihnen verbieten, die Rentenabschläge von vornherein nur auszugleichen, um Ihre spätere Rente zu erhöhen. Dies ist eine völlig legale Möglichkeit, um als Pflichtversicherter freiwillig in die Rentenkasse zahlen zu können.

Kann ich Ausgleichszahlungen zurückverlangen?

Nein, Sie können sich die Ausgleichszahlungen später nicht zurückzahlen lassen. Das Geld bleibt in der Rentenkasse – auch wenn sie sich gegen einen vorzeitigen Renteneintritt entscheiden.

Wie geht es weiter mit dem Antrag?

Nach einiger Zeit – das kann in Corona-Zeiten einige Monate dauern – werden Sie von der Deutschen Rentenversicherung einen dicken Brief bekommen: „Auskunft zum Ausgleich einer Rentenminderung“.

Entscheidend für Sie ist darin vor allem eine Zahl: Der Betrag, der notwendig ist, um die in ihrem Fall festgestellte komplette Rentenminderung vollständig auszugleichen. Da steht dann – bleiben wir bei den Werten des Beispielfalls:

„Sie [= die Rentenminderung] kann durch Beträge in Höhe von zurzeit 76.034 EUR ausgeglichen werden.“

Ich will nur einen Teilbetrag überweisen. Wie geht das?

Sie können ohne besondere Ankündigung auch nur einen Teilbetrag zahlen, zum Beispiel 10.000 Euro. Damit vermeiden Sie einen entsprechenden Anteil der Abschläge. „Dafür müssen Sie einfach die Dreisatz-Rechnung anwenden“, erklärt Manthey.

  • Auszugleichen sind insgesamt 76.034 Euro.
  • Sie wollen einen Teilbetrag von 10.000 Euro leisten.
  • 10.000 Euro sind (10.000 / 76.034 =) 13,15 Prozent davon.
  • 13,15 Prozent der Gesamtrentenminderung von 288 Euro würden damit ausgeglichen. Das sind derzeit monatlich 37,88 Euro.

Die Überweisung muss neben Vor- und Nachname des Versicherten die Versicherungsnummer (VSNR) und als Verwendungszweck „RM“ (Rentenminderung) enthalten.

Nach Eingang der Zahlung bei der Deutschen Rentenversicherung schickt diese Ihnen eine Beitragsbescheinigung zu. Darin wird zum einen der gezahlte Betrag ausgewiesen. Zudem wird Ihnen mitgeteilt, wie viel Sie künftig noch zahlen können, um die Rentenminderung, die durch den vorzeitigen Renteneintritt entstehen würde, vollständig auszugleichen.

Bescheinigung für die Steuererklärung

„Die Beitragsbescheinigung können Sie auch für Ihre Steuererklärung nutzen“, so der Experte von der Deutschen Rentenversicherung. Wenn Sie wollen, können Sie vom Rentenversicherungsträger auch eine separate Bestätigung der Beitragszahlung zur Vorlage beim Finanzamt anfordern. Die Beitragsbescheinigung und der Zahlungsnachweis reichen dem Finanzamt jedoch in der Regel aus.

Berechnung gilt nur für drei Monate

Bei allen Folgezahlungen sollten Sie bedenken: Die von der Deutschen Rentenversicherung angestellte Berechnung basiert auf den aktuellen Rechenwerten der Versicherung, insbesondere auf dem aktuellen Beitragssatz und dem aktuellen Durchschnittseinkommen der Versicherten.

Daher gelten die im ursprünglichen Bescheid genannten Beträge nur für drei Monate.

Haben Sie den Bescheid also beispielsweise am 12.12.2020 erhalten, so gilt die Berechnung der Deutschen Rentenversicherung noch für eine weitere Zahlung bis zum 11.3.2021. Geht bis dahin noch eine weitere Zahlung – von vielleicht nochmals 10.000 Euro – bei der Deutschen Rentenversicherung ein, so ist diese für Ihre spätere Rente genauso viel wert, wie die ersten 10.000 Euro. Zahlungen, die danach geleistet werden, sind für die Rente etwas weniger wert – etwa, weil inzwischen das Durchschnittseinkommen aller Versicherten gestiegen ist.


Wie kann ich Steuern sparen mit freiwilligen Rentenbeiträgen?

2021 können Sie 92 Prozent der Einzahlung von der Steuer absetzen. Der absetzbare Anteil der Beiträge steigt bis 2025 auf 100 Prozent an.

Dabei müssen Sie jedoch den Höchstbetrag der steuerlich anerkennbaren Aufwendungen für gesetzliche und Rürup-Renten zu beachten. Dieser liegt 2021 bei 25.786,80 Euro für Alleinstehende. Für gemeinsam veranlagte Ehepaare ist es doppelt so viel.

Dieser Höchstbetrag ist vor allem für Arbeitnehmer wichtig, weil hierauf die kompletten Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einschließlich des Arbeitgeberanteils angerechnet werden. Gegebenenfalls können Sie damit in einem Kalenderjahr „nur“ etwa 10.000 Euro Ausgleichszahlungen in die gesetzliche Rentenkasse steuerlich geltend machen. 9.200 Euro hiervon können Sie absetzen. Gutverdiener können hierdurch 2.000 bis 3.000 Euro an Steuern sparen.

Was ein Ausgleich der Rentenabschläge kostet

zu erwartende Altersrente
(in Euro, ohne Rentenminderung)
Ausgleichsbetrag (in Euro) bei Rentenabschlag von …
3,60 %
7,20 %
10,80 %
14,40 %
400,00 3.375,80 7.013,51 10.944,85 15.206,86
800,00 6.751,59 14.027,02 21.889,69 30.413,72
1.200,00 10.127,39 21.040,52 32.834,54 45.620,57
1.600,00 13.503,18 28.054,03 43.779,38 60.827,43
2.000,00 16.878,98 35.067,54 54.724,23 76.034,29
Quelle: Deutsche Rentenversicherung Bayern
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Autor

Rolf Winkel