Aktuell beleuchtet / 21.10.2016

Rentenversicherung: Höhere Beiträge – ein Segen für Besserverdienende

Besserverdienende müssen ab Anfang 2017 deutlich mehr Beiträge als bisher in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. Das muss aber noch lange kein Fluch sein – im Gegenteil. ihre-vorsorge.de erklärt, warum.

50-Euro-Scheine in der Hand – Bildnachweis: shutterstock.com © Evgeny Karandaev

Wegen der gestiegenen Beitragsbemessungsgrenzen sind 2017 höhere Einkünfte für die Sozialkassen beitragspflichtig. Die Beitragsbemessungsgrenze in der Renten- und Arbeitslosenversicherung steigt 2017 um 300 auf 5.700 Euro im Osten und um 150 auf 6.350 Euro im Westen Deutschlands.

Der Beitragssatz der gesetzlichen Rentenversicherung bleibt unverändert bei 18,7 Prozent. Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen sich diesen Beitrag. Versicherte müssen deshalb 9,35 Prozent ihres Bruttoeinkommens bis zur Beitragsbemessungsgrenze monatlich für ihre gesetzliche Alters- und Hinterbliebenenabsicherung zahlen. Das sind ab Januar 2017 dann für einen gut verdienenden Westdeutschen, der die Beitragsbemessungsgrenze erreicht oder überschreitet, 593,73 Euro im Monat. 2016 waren es noch 579,70 Euro. Aufs Jahr gesehen summiert sich die Beitragszahlung eines Gutverdieners so auf 7.124,70 Euro. Ein stattlicher Betrag – doch lohnt sich das? 

Erstaunliche „Rendite“

Mit Renditeberechnungen tut sich die Deutsche Rentenversicherung schwer. Teilweise zu Recht: Denn bei der gesetzlichen Rente kommt es nicht nur darauf an, was im Alter an Altersruhegeld herauskommt. Mit ihren Beiträgen erwerben die Versicherten darüber hinaus – ohne Zusatzbeitrag – ein ganzes Paket von weiteren möglichen Ansprüchen: zum Beispiel auf eine Erwerbsminderungs- oder Hinterbliebenenrente oder Reha-Maßnahmen. Doch man kann natürlich auch eine ganz enge „Renditebrille“ aufsetzen und nur die Altersrente betrachten.

„Die Höhe der Altersrente wird durch verschiedene Faktoren bestimmt. Am wichtigsten sind dabei die im Laufe eines Arbeitslebens erworbenen Entgeltpunkte“, erklärt Dirk von der Heide, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung Bund. Ein Entgeltpunkt bringt in den alten Bundesländern derzeit eine monatliche Altersrente von 30,45 Euro.

Ein Durchschnittsverdiener erwirbt mit seinen Rentenversicherungsbeiträgen in einem Kalenderjahr genau einen Entgeltpunkt. Das Durchschnittsentgelt eines Rentenversicherten ist für 2017 vorläufig auf monatlich 3.091,92 Euro festgesetzt. Das sind 37.103 Euro im Jahr.

Wer ein monatliches Einkommen in Höhe der Betragsbemessungsgrenze erzielt, verdient genau 2,054-mal so viel wie ein Durchschnittsverdiener. Die Rechnung für die damit zu erwerbenden Entgeltpunkte ist ganz einfach: 76.200 Euro (jährliche Betragsbemessungsgrenze) geteilt durch 37.103 Euro (vorläufiges Jahresdurchschnittsverdienst) ergeben 2,054. Ergo kommt ein Besserverdiener bei ganzjähriger Beschäftigung im kommenden Jahr auf 2,054 Entgeltpunkte. Er erwirbt damit einen monatlichen Rentenanspruch in Höhe von 62,54 Euro.

Vergleichen wir nun Input und Output: Einem jährlichen Beitrag in Höhe von 7124,70 Euro entspricht derzeit eine jährliche Rente von etwa (12 x 62,54 =) 750,48 Euro. Das bedeutet: Schon nach weniger als zehn Jahren Rentenbezug amortisiert sich die Einzahlung eines Versicherten in die Rentenkasse. Wer zehn Jahre oder länger lebt, "erwirtschaftet" bereits eine Rendite, die mit zunehmendem Alter steigt. 

Private Versicherungen schmieren ab

Und nun noch ein vergleichender Blick auf die private Sofortrente als Alternative. Wie bereits gesagt, sind Privatrenten natürlich nur eingeschränkt mit der gesetzlichen Rente vergleichbar, weil sie weit weniger bieten: keinen Erwerbsminderungs-, keinen Hinterbliebenenschutz (es sei denn gegen einen Aufpreis) und keine Reha.

Auf dem Internet-Portal www.check-sofortrente.de kann man private Sofortrenten miteinander vergleichen. Wir haben in diesen Vergleichsrechner folgende Daten bei der Suche nach einer einigermaßen vergleichbaren Rente (von 62,54 Euro im Monat) eingegeben:

  • Private Rentenversicherung gegen Einmalzahlung,
  • 65 Jahre bei Versicherungsbeginn,
  • Rentenbezug dynamisch (wie bei der gesetzlichen Rentenversicherung) und
  • als Todesfallschutz als Alternative zur Hinterbliebenenrente die Rückzahlung des Kapitals abzüglich gezahlter Renten.

Das Ergebnis ist mehr als ernüchternd: Die beste im Vergleichsportal angezeigte private Versicherungsgesellschaft bietet eine Monatsrente von 62,92 Euro im Monat. Also in etwa so viel wie die gesetzliche Rentenversicherung. Dafür muss man jedoch nicht gut 7.000 Euro im Jahr einzahlen, sondern 20.000 Euro. Mit anderen Worten: Bei einer Privatrente muss man fast dreimal so viel investieren, um eine ähnliche Rendite wie die gesetzliche Rentenversicherung zu erzielen.

Ökonomen werden jetzt vielleicht einwenden, dass man den vom Arbeitgeber eingezahlten Beitrag bei der gesetzlichen Rente nicht vernachlässigen darf. Denn letztlich ist dieser auch ein Lohnbestandteil. Doch auch wenn man auch das berücksichtigt, würde sich die Einzahlung in die gesetzliche Rentenkasse (schon) nach knapp 20 Jahren amortisieren. Bei der besten privaten Sofortrente wäre das erst nach gut 26 Jahren der Fall.

Fazit: Schade, dass die Beitragszahlung in der gesetzlichen Rentenversicherung auf die Beitragsbemessungsgrenze begrenzt ist. Beneidenswert sind jedoch die Besserverdienenden, die 2017 mehr in die Rentenkasse einzahlen dürfen. Wie gesagt: Die höheren Beiträge sind für die Altersvorsorge ein Segen – kein Fluch.  

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Autor

Rolf Winkel