Rente / 20.09.2021

Rentenversicherung wehrt sich gegen Panikmache

Eine Boulevard-Zeitung hat Ende vergangener Woche mit großen Lettern die Sicherheit der Rente in Zweifel gezogen. Die Fakten sehen anders aus.

Geldscheinrollen mit Gummibändern fixiert. – Bild: Getty Images/Yulia Reznikov

Berlin (drv/sth). Die Bild-Zeitung berichtete am Freitag über angebliche „Neue Schockzahlen“ zur Rente. Die Deutsche Rentenversicherung macht den Faktencheck.

BILD schreibt: „So schlimm steht es wirklich um unsere Rente.“

Fakt ist: Die Rentenversicherung ist finanziell gut aufgestellt, trotz der Corona-Krise. Die Beitragseinnahmen sind im letzten Jahr um knapp zwei Prozent gestiegen. Von Januar bis August dieses Jahres lag der Anstieg sogar bei 3,7 Prozent. Allein in den letzten zehn Jahren ist die durchschnittliche Altersrente um rund 35 Prozent angestiegen, der Beitragssatz liegt mit 18,6 Prozent auf dem Niveau wie Mitte der 1980er Jahre.

BILD schreibt: „Grund für die schwierige Kassenlage: Immer mehr Menschen gehen in Rente und bekommen Leistungen ausgezahlt. Gleichzeitig gibt es immer weniger Erwerbstätige, die in die Kasse einzahlen“.

Fakt ist: Die Zahl der Beitragszahler ist regelmäßig in den letzten Jahren im Verhältnis zu den Rentenempfängern nicht gesunken, sondern sogar gestiegen. Hauptgrund für die Entwicklung der Ausgaben ist vielmehr: Die rund 21 Millionen Rentner in Deutschland haben ab 1. Juli 2020 mehr Geld bekommen: Im Zuge der jährlichen Rentenanpassung sind die Bezüge im Osten um 4,2 und im Westen um 3,45 Prozent gestiegen. Als logische Folge sind die 2020er-Ausgaben der Rentenversicherung gestiegen!

BILD schreibt: „Der Bund musste 2020 106 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt zuschießen.“

Fakt ist: Die Höhe der Bundesmittel, die die Rentenversicherung 2020 vom Bund erhalten hat, lag nicht bei 106 Milliarden Euro, wie von BILD berichtet, sondern bei rund 102,6 Milliarden Euro. Die Zahl von BILD ergibt sich nicht aus dem Geschäftsbericht der Rentenversicherung 2020, auf den sich die Zeitung in ihrem Artikel bezieht.

Im Übrigen: Zur Einführung der umlagefinanzierten Rente, 1957, lag der Anteil staatlicher Zuschüsse bei 27,4 Prozent des Gesamtbudgets. Derzeit sind es 22,7 Prozent. Der Anteil der Bundeszuschüsse am Gesamtbudget wird auch künftig nahezu konstant sein.

BILD schreibt: „Teure Verwaltung“

Fakt ist: Die Verwaltungskosten der Rentenversicherung liegen mit rund 1,2 Prozent auf einem äußerst niedrigen Niveau. Vergleichbare Institutionen der Privatwirtschaft haben teilweise einen erheblich höheren Verwaltungskostenanteil.

BILD schreibt: „Rentenexperte Joachim Ragnitz warnt, dass die Bundesregierung gezwungen sein könnte, die Mehrwertsteuer bis 2030 auf 23,7 Prozent anzuheben (derzeit: 19 Prozent), um das Loch in der Kasse zu stopfen“.

Fakt ist: Der von BILD dargestellte Anstieg der Mehrwertsteuer ergibt sich nicht, wenn man das geltende Recht zugrunde legt. Zu vermuten ist, dass bei diesen Rechnungen unterstellt wurde, dass die gesetzlich festgelegten Haltelinien beim Beitragssatz von höchstens 20 Prozent und beim Rentenniveau von mindestens 48 Prozent langfristig gelten. Nach dem Gesetz laufen diese Haltelinien aber 2025 aus. Ob sie über 2025 hinaus verlängert werden, kann heute niemand sagen und ist damit völlig spekulativ.

Die Deutsche Rentenversicherung warnt davor, immer wieder negative Prognosen zur gesetzlichen Rentenversicherung herauszugeben, wenn bei den Menschen nicht deutlich wird, dass sie auf spekulativen Annahmen basieren.


Autor

 Deutsche Rentenversicherung