Rente / 29.03.2021

Rentner: Halber Durchschnittsverdienst reicht oft zum Leben

Nach Daten der Bundesregierung können viele Geringverdiener mithilfe der Grundrente demnächst ohne Grundsicherung im Alter auskommen.

Bild zum Beitrag "Halber Durchschnittsverdienst reicht zum Leben im Alter". Das Bild zeigt eine Frau, die einen 10-Euro-Schein aus einer karierten Geldbörse nimmt.

Berlin/Bad Homburg (sth). Viele langjährige Niedriglohnbezieher benötigen wegen der Grundrente künftig keine ergänzende Grundsicherung im Alter mehr. Wer zum Beispiel 35 Jahre lang für die Hälfte des statistischen Durchschnittsverdiensts gearbeitet oder Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt hat, kann aufgrund des sogenannten Grundrentenzuschlags auch bei einer kleinen Rente demnächst mit monatlichen Netto-Gesamteinkünften von rund 813 Euro rechnen. Das entspricht dem Bruttobedarf von Rentnerinnen und Rentnern in Nordrhein-Westfalen, die derzeit Anspruch auf Grundsicherung im Alter haben. Das geht aus der jetzt veröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor.

Den Regierungsdaten zufolge werden die meisten Geringverdiener, die jahrzehntelang mindestens 40 und höchstens 80 Prozent des Durchschnittslohns verdient haben, künftig eine Gesamtrente – aus eigenem Anspruch und Grundrente – von etwa 800 bis 1.000 Euro ausgezahlt bekommen. Die Eigenbeiträge der Ruheständler zur Kranken- und Pflegeversicherung sind dabei bereits abgezogen. Ob die monatliche Überweisung allerdings tatsächlich zum Leben reicht, hängt laut den Regierungszahlen auch vom jeweiligen Wohnort ab. So benötigen Rentnerinnen und Rentner in den Stadtstaaten Berlin und Hamburg deutlich höhere Bezüge als Senioren in den ostdeutschen Bundesländern.  

30 Prozent des Durchschnittsverdiensts sind meist zu wenig

Auf ergänzende Grundsicherung im Alter angewiesen sein werden laut den Regierungsdaten aber auch künftig viele Rentnerinnen und Rentner, die als Beschäftigte über Jahrzehnte hinweg nur 30 Prozent des statistischen Durchschnittsgehalts kassiert haben. Das wären aus heutiger Sicht Menschen, die weniger als etwa 12.500 Euro im Jahr verdienen. Zwar wird bei ihnen der eigene Rentenanspruch durch die Grundrente künftig glatt verdoppelt. Dennoch bewegen sich die Bezüge dieser Ruheständler selbst nach 40 Arbeitsjahren bei nur rund 650 Euro – zu wenig, um damit die Miete und den täglichen Lebensbedarf zu bezahlen.     

Die Grundrente soll ab dem Sommer dieses Jahres schrittweise die Altersbezüge von etwa 1,3 Millionen der rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner erhöhen. Etwa 70 Prozent von ihnen sind nach Angaben der Bundesregierung Frauen. Der Anteil der Frauen sei "wegen der Anerkennung von Zeiten der Kindererziehung und Pflege und wegen geringerer Rentenanwartschaften höher", hieß es in der Gesetzesvorlage von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Demnach werden künftig insgesamt rund sieben Prozent aller Alters- und Erwerbsminderungsrenten von Frauen sowie etwa drei Prozent von Männern über die Grundrente aufgestockt. Etwa drei Viertel der Berechtigten leben nach Schätzung der Bundesregierung in den alten, etwa ein Viertel in den neuen Bundesländern.

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Autor

Stefan Thissen