Altersvorsorge / 21.03.2022

Riester: Kosten sparen mit Honorartarifen

Wer einen Riester-Vertrag mit Honorartarif abschließt, kann viel Geld sparen und die Rendite steigern. Für wen sich das lohnt.

Riester: Kosten sparen mit Honorartarifen. – Tafel mit Puzzleteilen zur Altersvorsorge.

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Die Riester-Rente ist tief gefallen: Gestartet als ergänzende Altersvorsorge, gehyped als renditestarke Anlage mit Zuschüssen und Steuervorteilen, kommt sie heute kaum über eine Rolle als belächelte Nischenlösung hinaus – trotz natürlich immer noch fließender Zulagen und Steuervorteilen. Ein Grund sind die hohen Kosten vieler Verträge, die die geförderte Altersvorsorge immer wieder in die Kritik bringen. Ändern könnte sich das mit sogenannten Honorartarifen, auf die sich viele Versicherer neuerdings konzentrieren.

So sinken die Kosten in Honorartarifen

Diese Honorartarife werden vom Versicherer ohne Abschluss- und Vertriebskosten kalkuliert. So werden vor allem die Courtagen „rausgerechnet”, die 4 bis 5 Prozent der gesamten Beitragssumme ausmachen, die Sie einzahlen.

Ein Beispiel: Wenn Sie über 40 Jahre den Höchstbeitrag von 2100 Euro inklusive Zulagen leisten, liegt die gesamte Beitragssumme bei circa 80.000 Euro. Bei einem solchen Vertrag würden bei klassischen Riester-Rentenversicherungen 2500 bis 4000 Euro Abschlussprovisionen fällig. Bei einem Honorartarif fallen diese Abschlussprovisionen weg. Stattdessen zahlen Sie als Sparer ein deutlich geringeres Honorar an den Vermittler. Das liegt im Schnitt bei 800 bis 1200 Euro. Damit stehen je nach Vertrag 1300 bis 3200 Euro mehr für die Altersvorsorge zur Verfügung. Und diese Summe steigt, wenn sie über die Jahre verzinst wird und Rendite erzielt. Die Konsequenzen für die Rente sind immens, wie ein Beispiel zeigt.

Honorartarif und Standardtarif im Vergleich

Angenommen, ein Versicherer bietet einem 25-Jährigen Sparer die Riester-Rente als Tarif mit einkalkulierter Courtage für den Vermittler und als Honorartarif an.

  • Im Courtage-Tarif werden bei einer fondsgebundenen Riester-Rente aus den jährlich eingezahlten 2100 Euro (Eigenbeitrag und Zulagen) zum Rentenbeginn rund 227.500 Euro Kapital, wenn man 6 Prozent Wertentwicklung bei den Fonds zugrunde legt.
  • Beim Honorartarif stehen zu Rentenbeginn bei gleicher Sparleistung und gleicher Laufzeit 241.500 Euro zur Verfügung, also 14.000 Euro mehr.

Je höher die Rendite ausläuft, desto größer die Differenz. Bei 9 Prozent wüchse sie auf 40.000 Euro. Allerdings ist eine solche Rendite kaum zu erreichen. Aber selbst bei nur 3 Prozent Rendite ergibt sich immer noch ein Unterschied von fast 4000 Euro. Dementsprechend können die Renten schon um 25 bis 120 Euro im Monat differieren.

Wann lohnt sich ein Honorartarif?

Wenn Sie jährlich den Höchstbetrag von 2100 Euro in den Vertrag einzahlen, wird die Rendite mit einem Honorartarif immer deutlich besser sein als bei einem Tarif mit einkalkulierten Courtagen.

Anders kann es aussehen, wenn die Riester-Rente nur mit geringen Eigenbeiträgen bespart wird. Nehmen wir ein Elternteil mit zwei kleineren Kindern und ohne eigenes Einkommen. Hier wird nur der Mindesteigenbeitrag von 5 Euro im Monat fällig, um die Zulagen von 775 Euro im Jahr zu bekommen. Bei einem solchen Vertrag sind die einkalkulierten Courtagen gering. Das heißt: Ein Honorarvertrag wird in diesem Fall eher die teurere Lösung sein.

Tipp:

Honorarvermittler können immer beide Varianten berechnen und damit auf Euro und Cent genau zeigen, welche Variante im Einzelfall finanziell attraktiver ist. Die meisten werden das auch von sich aus tun. Ansonsten sollten Sie das einfordern.


Honorarvermittlung: Was erwartet mich?

Wer sich für Honorartarife interessiert, der kann sich an Versicherungsberater und Honorarvermittler wenden. Der Unterschied:

  • Versicherungsberater werden für die Beratung bezahlt – Sie bekommen also eine Rechnung für die Beratung, auch wenn er sich gegen einen Riester-Nettotarif entscheidet. Die Vergütung des Versicherungsberaters richtet sich dabei in der Regel nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) oder wird individuell mit Ihnen abgesprochen.
  • Honorarvermittler werden für die Vermittlung bezahlt, bekommen also erst dann Geld, wenn die Riester-Rente tatsächlich auch abgeschlossen wird. Die Höhe des Vermittlungshonorars wird dabei mit dem Kunden abgestimmt – in der Praxis orientieren sich die meisten Honorarvermittler an dem Sparbeitrag und der Laufzeit des Vertrages. Bei der Riester-Rente sind die vorstehend erwähnten 800 bis 1200 Euro ein guter Richtwert.

In beiden Fällen bekommen Sie im Idealfall eine umfassende Analyse, die aufzeigt, welcher Riester-Vertrag die ideale Lösung für Sie ist oder ob es auch Alternativen gibt, die besser zu Ihrer individuellen Lebenssituation passen. Sie werden nach einem ersten Gespräch von einer halben bis einer Stunde Dauer einen individuellen Vorschlag erhalten, der dann im Folgetermin eventuell angepasst und in Vertragsform gegossen wird.

Auf die Gesamtkosten achten

Der Kostenfaktor ist bei der Riester-Rente – wie bei jeder anderen Rentenversicherung und Altersvorsorge auch – der entscheidende Faktor. Stimmt die Rendite nach Kosten nicht, dann ist die beste Riester-Rente für die Katz. Dabei ist nicht nur ein Auge zu werfen auf die Abschluss- und Vertriebskosten. Auch die Fondskosten sind wichtig. Im Idealfall wird die Riester-Rente mit ETFs bestückt, deren Kosten deutlich unter denen aktiv gemanagter Fonds liegen. Und auch die Verwaltungskosten der Versicherer sollten Sie im Blick behalten, denn auch die drücken die eigene Rendite.

Rendite contra Kapitalgarantie

Die Riester-Rente hat allerdings andere Schwachpunkte, die es zu bedenken gilt. So fällt die Kapitalgarantie gerade bei fondsgebundenen Policen den Anlegern und Versicherern gleichermaßen auf die Füße. Wer als Anbieter einer fondsgebundenen Riester-Rentenversicherung seine Kunden in Fonds und ETFs investieren will, tut sich erfahrungsgemäß schwer damit, 100 Prozent Kapitalgarantie bereit zu stellen, weil er damit das Risiko als Finanzdienstleister bei den aktuellen Zinsen selbst trägt. Für Kunden heißt das: Der Anteil des in Fonds und ETF investierten Kapitals wird auch bei jüngeren Sparern selten bei 100 Prozent liegen, um mit einem Anteil an sicheren Anlagen die Kapitalgarantie finanzieren und absichern zu können.

Szenarien vom Vermittler rechnen lassen

Lassen Sie sich vom Vermittler ein realistisches Rendite-Szenario ausrechnen. Das beinhaltet auch eine klare Aussage, wie das Riester-Anlagevermögen angelegt wird. Wer zum Beispiel in fondsgebundenen Riester-Renten auf einen ETF auf den DAX setzt, hat mit diesem ETF über die letzten 20 Jahre eine Rendite von gut 10 Prozent erzielen können. Wenn die Hälfte des Riester-Anlagevermögens in diesen ETF investiert war, bleibt eine Gesamtrendite von 6 Prozent, wenn die andere Hälfte des Kapitals 2 Prozent Rendite erwirtschaftet. Sind aber lediglich 20 Prozent des Kapitals in den DAX investiert und die restlichen 80 Prozent mit 2 Prozent Rendite angelegt, dann liegt die Gesamtrendite bei nur noch 3,6 Prozent. Ein guter Vermittler wird für jeden Vertrag individuell zeigen, in welchem Korridor sich die eigene Rendite bewegen kann.

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Autor

Oliver Mest