Aktuell beleuchtet / 04.09.2017

Riester-Rente: Änderungen ab 2018

Höhere Zulagen, weniger Steuern und einfachere Verfahren – bei der Riester-Rente ändert sich ab 2018 einiges.

Junges Paar sitzt auf dem Sofa und liest gemeinsam Unterlagen. – Bildnachweis: wdv.de © Jan Lauer

Offenbach (kma). Der Gesetzgeber will mit fünf Maßnahmen die Riester-Rente attraktiver machen. Denn eines ist klar: Ohne zusätzliche Vorsorge werden viele Arbeitnehmer im Alter finanzielle Probleme bekommen. Auf die Änderungen hat das Bundesfinanzministerium jetzt im Vorfeld hingewiesen. Die Änderungen im Überblick:

1. Höhere Zulagen

Ab 1. Januar 2018 steigt die Grundzulage von jetzt 154 Euro auf 175 Euro. Das ist eine Steigerung um etwa 13 Prozent. Wer schon einen Riester-Vertrag hat, bekommt die volle Zulage von 175 Euro, wenn 4 Prozent des Bruttogehaltes des Vorjahres in den Vertrag fließen (aber maximal 2.100 Euro, Zulagen inklusive). Wer weniger als 4 Prozent einzahlt, für den fällt die Zulage entsprechend geringer aus.  

Für jedes ab 2008 geborene Kind gibt’s noch die Kinderzulage von 300 Euro. Für vor 2008 geborene Kinder sind es 185 Euro – jeweils pro Jahr. Für eine Familie mit zwei nach 2008 geborenen Kindern sind das 775 Euro an staatlichen Zulagen – jedes Jahr. Das steigert die Rendite, denn je höher die Zulagen sind, desto weniger Eigenbeiträge müssen Sparer zahlen, um die gleiche Rente zu erzielen. Denn: Von den 4 Prozent des Vorjahresbruttos können Sparer die Zulagen schon abziehen. Wer also 2.100 Euro im Jahr zahlen müsste (= 4 Prozent des Vorjahresbruttos) und 775 Euro an Zulagen bekommt, muss nur noch 1.325 Euro einzahlen.  

Wer jetzt zwei kleine Kinder hat und einen Riester-Vertrag abschließt, bekommt in 15 Jahren mehr als 11.000 Euro an staatlichen Zulagen – sofern in dieser Zeit auch Kindergeld fließt. Der Bezug von Kindergeld ist die Voraussetzung für die Riester-Kinderzulage.  

Darüber hinaus kann der Steuerpflichtige in der Einkommensteuererklärung die Eigenbeiträge (zuzüglich der zunächst erhaltenen Zulage) als Sonderausgaben bis maximal 2.100 Euro geltend machen, was sich – je nach Einkommensverhältnissen – als noch günstiger im Vergleich zur bloßen Zulage erweisen kann. Die Differenz zwischen der steuerlichen Auswirkung des Sonderausgabenabzugs und der erhaltenen Zulage bekommt der Riester-Sparer dann von seiner Einkommensteuer abgezogen.

Durch die Erhöhung der Zulage lohnt sich die Riester-Rente vor allem für Geringverdiener, Familien mit niedrigem Einkommen und Alleinerziehende. Da sind sich Verbraucherschützer weitgehend einig.

2. Kürzere Fristen für Beamte

Einfacher soll der Abschluss einer Riester-Rente jetzt für Beamte, Richter, Berufssoldaten und ähnliche Berufsgruppen werden: Beamte, Richter und Berufssoldaten, die einen Riester-Vertrag haben, müssen einwilligen, dass die Besoldungsstelle ihre Einkommensdaten an die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) übermittelt. Auf Basis der Besoldungsdaten berechnet die ZfA die Höhe der Zulage.

Bisher mussten Beamte diese Einwilligung bis zwei Jahre nach dem Ablauf des jeweiligen Beitragsjahres erteilen. Das ändert sich ab 2019: Die Einwilligung ist nun grundsätzlich im Beitragsjahr zu erteilen. Wird die Einwilligung vergessen, kann sie nachträglich bis zum rechtskräftigen Abschluss des Festsetzungsverfahrens nachgeholt werden. Beamte müssen dazu einen Festsetzungsantrag stellen und die Einwilligung nachholen. Denn wenn keine Einwilligung in die Datenübermittlung vorliegt, erhält die ZfA keinen Datensatz von der zuständigen Besoldungsstelle und es wird gar keine Zulage gewährt.

Vorteil: Fehlt die Einwilligung, wird dies früher bemerkt und der Fehler kann behoben werden, ohne dass der Sparer die Zulage verliert. Denn wenn die Einwilligung auch nach Ablauf der Zweijahresfrist fehlte, konnte die Zulagenstelle bereits gezahlte Zulagen zurückfordern. 

Wichtig: Diese Änderung für Beamte gilt erst ab 2019.  

3. Weniger Steuern für Mini-Renten

Wer nur wenig angespart hat und entsprechend nur eine niedrige Riester-Rente bekommt, kann sich den Betrag am Ende der Vertragslaufzeit auf einen Schlag auszahlen lassen. Bisher war die Auszahlung dieser Kleinstbetragsrenten voll steuerpflichtig. Auch das ändert sich ab 2018: Ab dem Veranlagungszeitraum 2018 werden diese Einmalzahlungen ermäßigt besteuert. Die sogenannte „Fünftelregelung“ ist nun in diesen Fällen anzuwenden.  

Und noch etwas ändert sich bei den Mini-Renten: Neue Riester-Produkte müssen ab 2018 ein Wahlrecht für den Riester-Sparer enthalten. Sparer sollen wählen können, ob sie die Abfindung ihrer Kleinbetragsrente zu Beginn der Auszahlungsphase erhalten möchten oder zum 1. Januar des darauffolgenden Jahres.  

Hintergrund: Wird die Abfindung erst in dem Jahr des ersten vollen Rentenbezugs gezahlt, haben Sparer üblicherweise geringere Einkünfte. Die Steuerlast, die sich durch die Einmalzahlung ergibt, ist damit meist geringer.

4. Freibetrag bei Grundsicherung im Alter

Zurzeit werden Riester-Renten voll auf das Einkommen angerechnet. Das hat Auswirkungen auf die Grundsicherung im Alter. Wer darauf angewiesen ist, hat trotz Riester-Rente oft nicht mehr Geld zur Verfügung als ohne die zusätzliche Altersvorsorge. Das ändert sich 2018: In der Grundsicherung im Alter wird es dann Freibeträge von bis zu 50 Prozent des Regelbedarfs geben – für Betriebsrenten, private Riester-Renten, Rürup-Renten und Renten, die auf freiwilligen Beiträgen in die gesetzliche Rentenversicherung beruhen. Das sind etwa 202 Euro.

Der Freibetrag setzt sich so zusammen: Es wird ein Grundfreibetrag in Höhe von 100 Euro im Monat gewährt. Ist die Riester-Rente höher als 100 Euro, ist der übersteigende Betrag zu 30 Prozent anrechnungsfrei. Auf diese Weise können bis zu 202 Euro anrechnungsfrei gestellt werden. Die Deckelung greift immer dann, wenn der zu gewährende Freibetrag diesen Betrag übersteigt.  

  • Beispiel: Ein Rentner erhält 160 Euro Riester-Rente monatlich und beantragt Grundsicherung im Alter. Dann greift der neue Freibetrag: Bei seiner Riester-Rente sind 100 Euro anrechnungsfrei sowie 30 Prozent der übersteigenden 60 Euro (=18 Euro). Insgesamt sind dann 118 Euro anrechnungsfrei, und es werden nur 42 Euro bei der Berechnung der Grundsicherungsleistungen als Einkommen berücksichtigt. Das heißt: Der Rentner bekommt 42 Euro weniger Grundsicherung.

5. Keine doppelten Beiträge für Riester-Betriebsrenten

In einigen Fällen können Sparer die betriebliche Altersvorsorge mit der Riester-Förderung kombinieren. Das geht bei einer Direktversicherung, einer Pensionskasse oder einem Pensionsfonds. Die Beiträge hierzu müssen dann aber aus dem Nettoentgelt bezahlt werden – das heißt aus dem Gehalt, von dem Steuern und Sozialabgaben bereits abgezogen sind.  

Bislang haben Experten von der Kombination von Riester und betrieblichen Altersvorsorge abgeraten, weil gesetzliche Krankenversicherte doppelt Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung und auch doppelt Steuern zahlen, nicht nur in der Ansparphase, sondern auch in der Auszahlungsphase.  

Das ändert sich ab 2018: Für betriebliche Riester-Renten entfällt in der Auszahlungsphase die Beitragspflicht zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. Sie werden damit künftig wie private Riester-Renten behandelt.

Vor Abschluss genau prüfen

Trotz dieser Verbesserung sollten Interessierte nicht überstürzt irgendeinen Riester-Vertrag abschließen, sondern sich vorab gut informieren, Angebote vergleichen und sich unabhängig beraten lassen, raten Verbraucherschützer. Beraten lassen kann man sich bei den Verbraucherzentralen oder von den Altersvorsorge-Experten der Deutschen Rentenversicherung (DRV).

Weitere Informationen gibt es auch in unserem Themenschwerpunkt Riester-Rente.  

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Autor

Katja Mathes