Altersvorsorge / 05.07.2021

Riester-Rente: wie auszahlen lassen?

Lebenslange Rente, Teilauszahlung oder gar alles auf einen Schlag: Läuft der Riester-Vertrag aus, gibt es mehrere Optionen zur Auszahlung.

Riester-Rente: wie auszahlen lassen? – Älteres Paar sitzt in der Küche mit Taschenrechner und Notebook über Finanzunterlagen.

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Auszahlung als lebenslange Zusatzrente

Grundsätzlich ist die Riester-Rente in Form einer monatlichen Rentenzahlung zu gewähren. Regulär kommt sie ab dem Zeitpunkt zur Auszahlung, ab dem der Sparer in den Ruhestand geht. Versicherte erhalten dann zusätzlich zur gesetzlichen Rente oder Pension lebenslang die Riester-Rente.

Der Haken: Nicht immer ist die Höhe dieser monatlichen Zusatzrente wirklich lukrativ. Viele Riester-Sparer erwägen, ob sie sich nicht das eingezahlte Geld auf einen Schlag auszahlen lassen sollen.

Riester-Einmalzahlung kostet Zulagen und Steuervorteile

„Grundsätzlich ist das möglich“, sagt Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg. In einem solchen Fall müssten Sparer den Vertrag kündigen. Das hat aber seinen Preis.

Kommt es nun zu einer Gesamtauszahlung des angesparten Kapitals, spricht der Gesetzgeber von einer „schädlichen Verwendung“ der Riester-Rente. „Verbraucher erhalten die Einmalzahlung abzüglich aller Zulagen und Steuervorteile“, erläutert Becker-Eiselen. Zudem muss der Sparer Steuern zahlen – und zwar auf alle Erträge.

Kleinbetragsrenten: Zulagen bleiben erhalten

Es gibt aber eine Ausnahme: Eine Gesamtauszahlung – ohne Zulagen und Steuervorteile zurückzuzahlen – ist bei sogenannten Kleinbetragsrenten möglich. Von einer solchen Rente ist die Rede, wenn die monatliche Auszahlung bei 32,90 Euro oder weniger liegt. Dieser Betrag gilt für 2021 und wird jährlich neu festgelegt.

Solche vergleichsweise geringen Renten sind möglich, wenn Sparer über die Jahre nur geringe Beiträge einzahlen. Zum Beispiel, weil der Riester-Vertrag längere Zeit geruht hat. „Allerdings ist der ausgezahlte Betrag komplett im Jahr der Auszahlung zu versteuern“, sagt Verbraucherschützerin Becker-Eiselen. Sparer sollten sich deshalb im Zweifelsfall beraten lassen.

Riester-Vertrag kündigen kann lohnen

Selbst wenn die monatliche Riester-Rente weit mehr als 30 Euro beträgt, kann sich die Kündigung des Vertrags unter Umständen lohnen. Sparer sollten sich ihre Vertragsunterlagen einschließlich Standmitteilungen und Steuerbescheide ansehen und rechnen.

„Dabei gilt es, den Anteil der Förderung mit den eigenen Beiträgen zu vergleichen“, erklärt Katharina Henrich von der Stiftung Warentest. Stellt sich heraus, dass der Förderanteil sehr hoch ist, ist auch eine sehr niedrige Rente zumeist immer noch vorteilhafter als die Kündigung – weil der Sparer bei einem sehr hohen Förderanteil sehr viel Geld zurückzahlen müsste.

Riester-Teilauszahlung: Einmalbetrag plus Rente

Bei einer Riester-Teilauszahlung lassen sich Sparer zu Rentenbeginn einen Einmalbetrag von bis zu 30 Prozent des angesparten Riester-Kapitals auszahlen. Von dem restlichen Geld erhalten sie ganz regulär eine monatliche Riester-Rente – und zwar lebenslang.

Der Einmalbetrag ist aber voll zu versteuern. Ob sich das unter dem Strich rechnet, muss jeder für sich entscheiden. Die Höhe der monatlichen Riester-Rente ist nach der Einmalzahlung entsprechend niedriger.

Wann sich die monatliche Riester-Rente lohnt

Doch wie attraktiv ist es überhaupt, wenn das angesparte Geld verrentet wird? „Im Prinzip muss man sehr alt werden, um das zurückzuerhalten, was an Beiträgen plus Zulagen in den Vertrag geflossen ist“, erklärt Becker-Eiselen. Denn Rentenversicherungen jeder Art seien eine Wette auf die Lebenserwartung.

Verbraucher können für sich ausrechnen, ab wann die monatliche Riester-Rente für sie zum Plus wird. Katharina Henrich verdeutlicht dies an einer Beispielrechnung:

  • Eine Sparerin addiert über die Jahre ihre Eigenbeiträge und kommt zu einer Summe von 12.751 Euro. Davon zieht sie die Summe der Steuervergünstigungen in Höhe von 3.008 Euro ab. Ihr finanzieller Aufwand liegt also bei 9.743 Euro.
  • Jetzt nimmt die Sparerin nach der Beispielrechnung den voraussichtlichen Netto-Betrag ihrer monatlichen Riester-Rente und multipliziert den Betrag mit zwölf. Angenommen, die garantierte Rente liegt bei 47 Euro im Monat, das wären 564 Euro im Jahr.
  • Wenn darauf durchschnittlich 20 Prozent Steuern anfielen, wären dies bei 564 Euro 113 Euro. 564 Euro minus 113 Euro ergeben 451 Euro – „so hoch wäre die jährliche Nettorente oder 37,58 Euro pro Monat“, so Henrich.
  • Wer jetzt den finanziellen Aufwand (9.743 Euro) durch die Nettojahresrente (451 Euro) teilt, kommt zum Ergebnis 21,6.

„Das heißt, im Fall der Sparerin würde die Riester-Rente nach 21,6 Jahren garantiert ins Plus drehen.“ Erst mit dieser Information können Sparende einschätzen, ob sich eine Verrentung für sie auszahlt.

Riester-Rente vorzeitig auszahlen lassen

Ebenfalls möglich: Sich die Riester-Rente vorzeitig, also vor Rentenbeginn, auszahlen lassen. Allerdings sind dann nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung Bund Zulagen und Steuervorteile ebenfalls komplett zurückzahlen. Zudem müssen Sparer den ausgezahlten Betrag versteuern.

Sonderfall Wohn-Riester

Anders ist es beim sogenannten Wohn-Riester: Wer ein Eigenheim kauft, baut oder barrierefrei umbauen lassen will, kann sich sein Riester-Kapital bereits vor Rentenbeginn auszahlen lassen – und zwar ohne finanzielle Nachteile. Betroffene bleiben im Genuss der vollen staatlichen Förderung. Die Auszahlung müssen sie erst ab Rentenbeginn monatlich versteuern.

Von Sabine Meuter, dpa

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 Deutsche Presseagentur