Im Fokus / 05.12.2012

Riester-Vertrag wechseln?

Wegen der Kritik an der Riester-Rente wollen Sparer ihren Vertrag kündigen oder wechseln. Die Entscheidung für den besten Weg ist gar nicht so einfach – deswegen hier eine Gebrauchsanweisung.

Junger Mann sichtet Zahlungsbelege, in der anderen Hand einen Kugelschreiber haltend. – Bildnachweis: wdv.de © Jan Lauer

Inhalt

Kritik an der Riester-Rente

Die negative Berichterstattung über die Riester-Rente hat viele Sparer verunsichert. Hier die Kritik-Punkte.

Ende 2011 erschien eine Riester-Studie vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und dem Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein. Sie setzte sich vor allem mit der Entwicklung der Riester-Rente in den letzten zehn Jahren auseinander. Aus seiner Sicht haben sich die Angebote für Riester-Rentenversicherungen immer weiter verschlechtert. Die kritische Studie gipfelte in der Aussage, dass eine Riester-Rente in vielen Fällen nicht mehr Rendite bringt als ein Sparstrumpf. Zudem müsse ein Sparer steinalt werden, damit sich ein Riester-Vertrag für ihn lohne. So müsse er 85 Jahre alt werden, damit er eine Rente erhält, die so hoch ist, dass sie die Summe der eigenen Einzahlungen und staatlichen Zulagen plus einem Inflationsausgleich übertreffe (siehe Tabelle unten). Drei Kritikpunkte aus der Studie:

Garantieverzinsung: Die Verfasser der Studie zeigten, dass sich die Bedingungen vieler Riester-Verträge in den vergangenen Jahren verschlechtert haben. So sei die Garantieverzinsung von Riester-Rentenversicherungen von 3,25 Prozent im Jahr 2001 auf aktuell 1,75 Prozent gesunken.

Überschussbeteiligung: Neben dem Garantiezins schütten Versicherungen eine Überschussbeteiligung aus. Sie ist unter anderem vom Geschick der Versicherung abhängig, wie erfolgreich sie das gesparte Riester-Vermögen seiner Kunden am Markt anlegt. Auch diese Überschussbeteiligung sinkt.

Lebenserwartung: Die Versicherer rechnen mit einer immer höheren Lebenserwartung. Weil sie ihren Kunden eine lebenslange Rente zahlen müssen, kalkulieren sie ihre bei Vertragsabschluss versprochene Riester-Rente im Alter vorsichtiger. Besonders kritisiert wurde die Versicherungswirtschaft dafür, dass sie nicht die Daten des Statistischen Bundesamtes verwendet, sondern eine wesentlich höhere Lebenserwartung für ihre Berechnungen zugrunde legt.

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) konterte und legte eine eigene Studie vor. Sie zeichnet ein optimistischeres Bild von Riester-Rentenversicherungen. Beide Studien sind nicht ganz vergleichbar. Die folgende Tabelle ist deshalb nur eine Orientierungshilfe.

 

Alter, ab dem die Summe der Riester-Rentenzahlungen die Summe der Sparbeiträge und Zulagen übersteigt
DIW GDV
Rente in Höhe der Beiträge und Zulagen 77 Jahre 75 Jahre
Rente in Höhe der Beiträge und Zulagen plus Inflationsausgleich 85 Jahre 80 Jahre
Rente in Höhe der Beiträge und Zulagen plus Inflationsausgleich plus Rendite 109 Jahre 90 Jahre

Fazit:

Die Tabelle zeigt, dass DIW und GDV zumindest in den ersten beiden Zeilen nicht so weit auseinander liegen. Außerdem darf man nicht vergessen, dass jeder Vertrag über eine Rentenversicherung eine Wette auf die restliche Lebenszeit ist. Auch von der gesetzlichen Rente haben Sparer wenig, wenn sie früh sterben. Dasselbe gilt für ungeförderte private Rentenversicherungen, für Betriebsrenten Rürup-Renten. Der Wettlauf zwischen Einzahlung und Rentenbezugsdauer ist keine Spezialität der Riester-Rente.

Der Verdienst der DIW-Studie ist, dass sie zeigen konnte, dass sich Riester-Rentenversicherungen verschlechtert haben. Nicht alle dieser Gründe haben die Versicherungen zu verantworten. Teilweise wirkten sich auch Gesetzänderungen negativ auf. Viele der Kritikpunkte der Studie gelten übrigens auch für andere Produkte – wie etwa die private Rentenversicherungen ohne Riester-Förderung, Betriebsrenten oder Rürup-Renten. Das ist eine schlechte Nachricht für alle Sparer: Sinkende Garantieverzinsungen, geringere Überschussbeteiligungen und die Kalkulation einer höheren Lebenserwartung treffen auch die Alternativen zur Riester-Rente. Ein Wechsel sollte also gut überlegt werden.

Überblick: Diese Möglichkeiten gibt es

Unsicherheit, Finanznot oder Unzufriedenheit – Gründe für eine kritische Auseinandersetzung mit der Riester-Rente gibt es viele.

Im November 2011 ist die Riester-Rente einmal mehr in die Kritik geraten. Das führt dazu, dass viele Riester-Sparer darüber nachdenken, ihren Vertrag zu beenden. Das gilt insbesondere im ersten Jahresdrittel, wenn zudem die Jahresmitteilungen zum Riester-Vertrag ins Haus flattern. Es ist durchaus sinnvoll, von Zeit zu Zeit seine Altersvorsorge auf den Prüfstand zu stellen und zu kontrollieren, ob sie noch richtig passt. Dabei sollten Sparer aber in aller Ruhe vorgehen und nichts überstürzen. Sie haben vier Möglichkeiten:

  • Den alten Riester-Vertrag ruhen lassen („beitragsfrei stellen“) und einen anderen Vorsorge-Vertrag abschließen.
  • Vom alten Riester-Vertrag in einen neuen Riester-Vertrag wechseln, in einen anderen Tarif oder zu einem anderen Anbieter.
  • Den Riester-Vertrag kündigen (und ein anderes Produkt abschließen, wie etwa eine betriebliche Altersvorsorge).
  • Den alten Riester-Vertrag weiterlaufen lassen.

Es gibt die Möglichkeit, den Riester-Vertrag ruhen zu lassen, um dann einen neuen Vertrag abzuschließen oder ein ganz anderes Vorsorgeprodukt auszuwählen, etwa eine Basisrente oder eine ungeförderte private Rentenversicherung. Außerdem können Sparer samt des eingezahlten Geldes in einen anderen Tarif beim gleichen Unternehmen oder zu einem anderen Anbieter wechseln.

Achtung:

In den wenigsten Fällen ist eine Kündigung des Riester-Vertrags sinnvoll, insbesondere dann nicht, wenn es sich um einen Wohn-Riester-Vertrag handelt. Und schließlich ist auch nicht auszuschließen, dass der bestehende Riester-Vertrag gar nicht so schlecht ist. Dieser Text soll Riester-Sparern helfen, ihren Riester-Vertrag richtig einzuschätzen.

 

Motivation Grund Möglichkeiten
Unzufriedenheit mit der Wertentwicklung Schlechter Vertrag, hohe Kosten und/oder schlechtes Anlagemanagement

Fehler bei der Einzahlung
Wechsel in einen neuen Riester-Vertrag, Aussetzen (beitragsfrei stellen)
Einzahlungen überprüfen und anpassen
Neue Altersvorsorgestrategie Vertrag passt nicht mehr zur Lebenssituation (z. B. Hausbau, Wechsel in die Selbstständigkeit) Wechsel in neuen Riester-Vertrag, Aussetzen (beitragsfrei stellen), Wechsel zur Rürup-Rente, Produkte der betrieblichen Altersversorgung oder andere (vom Staat ungeförderte) Produkte
Unsicherheit Negative Berichterstattung über die Riester-Rente Wechsel in einen neuen Vertrag oder ein neues Nicht-Riester-Produkt
Finanzieller Engpass Einzahlungen in die Riester-Rente fallen aufgrund einer vorübergehenden Finanznot derzeit schwer Riester-Vertrag aussetzen (beitragsfrei stellen), "überförderte" Beiträge abrufen
Akute Finanznot Gespartes Riester-Kapital wird dringend benötigt Kündigung und Auszahlung

Einzahlungen checken

Ein Grund für die Unzufriedenheit mit einem Riester-Vertrag kann darin bestehen, dass keine oder nur gekürzte Zulagen in den Vertrag geflossen sind. Das lässt sich schnell klären.

Einzahlungen checken

Ein Blick auf die Jahresmitteilung zeigt, ob tatsächlich die staatliche Förderung in voller Höhe geflossen ist. Pro kindergeldberechtigtem Kind fließen 185 Euro für bis 2008 Geborene (für später Geborene: 300 Euro) sowie eine Grundzulage von bis zu 154 Euro für alle Sparer.

Stehen diese trotz Zulagenantrag nicht auf der Standmitteilung, lohnt sich ein Anruf beim Anbieter. Es ist zum Beispiel möglich, dass ein Zulagenantrag falsch ausgefüllt wurde. Weitere Fehlerquellen sind ein Umzug mit Wechsel der Familienkasse, die das Kindergeld anweist, ein Wegfall der Förderberechtigung oder ein falsch berechneter Sparbetrag.

Unser Riester-Check zeigt weitere Möglichkeiten.

Riester-Rentenversicherung

Die meisten Sparer haben eine klassische Riester-Rentenversicherung abgeschlossen. Hier lassen sich Kosten und Garantierenten vergleichen.

Kunden mit Riester-Rentenversicherungen erhalten schon beim Abschluss eine garantierte Riester-Rente zugesichert. Sehr wahrscheinlich erhalten sie aber eine höhere Riester-Rente. Grund: Nicht garantierte Überschussanteile mehren das Kapital aus dem später die Riester-Rente bezahlt wird. Wie weit Sparer noch von der garantierten Rente entfernt sind, und wie hoch aktuell das gesparte Kapital ist, verrät die Standmitteilung.

Am besten stellen Versicherungskunden das Kostenniveau eines Anbieters beziehungsweise seiner Tarife fest, wenn sie die garantierte Rente vergleichen.

Denn die garantierte Verzinsung ist durch den Höchstrechnungszins (oder "Garantiezins") vorgegeben, so dass sich die Kalkulationen fast nur über die Kosten unterscheiden. Bietet ein Unternehmen eine vergleichsweise hohe Garantierente, verlangt es wenig Kosten. Eine im Vergleich niedrige Garantierente zeugt von hohen Kosten. Sparer müssen allerdings darauf achten, welcher Höchstrechnungszins zugrunde gelegt wurde, denn der Zins wurde in den letzten Jahren mehrmals abgesenkt, wie die Tabelle zeigt:

 

Entwicklung des Höchstrechnungszins
Jahr Höchstrechnungszins
2001 - 2003 3,25
2004 - 2007 2,75
2008 - 2011 2,25
ab 2012 1,75

Wenn Kunden prüfen wollen, wie gut ihre klassische Riester-Rente ist, sollten sie die garantierte Rente aus ihrem Vertrag mit garantierten Verträgen anderer Verträge vergleichen. Erste Anhaltspunkte erlauben die Tests der Stiftung Warentest (aktueller Test für 2,50 Euro: www.test.de). In den Tabellen können Versicherte ihr Produkt mit anderen vergleichen. Entdecken sie dabei einen Versicherer mit einem scheinbar besseren Produkt, sollten sie sich bei diesem ein Angebot einholen und die dort angegebene garantierte Rente mit der in der Standmiteilung vergleichen.

Verwaltungskosten werden auch in der Rentenzeit, also im Alter genommen, meist 1,0 oder 1,5 Prozent der Rente. Das entspricht dem Kostenniveau ungeförderter Rentenversicherungen. 

Neue Riester-Rentenversicherung?

Kommt bei einem Vergleich heraus, dass der Alt-Vertrag Ähnliches bringt, wie gute neue Verträge, ist das Thema für Sparer erst einmal erledigt. Ein solches Ergebnis dürfte sich oft ergeben. Denn die DIW-Studie hat gezeigt, dass die Rentabilität neuerer Verträge im Schnitt schlechter als die von älteren ist. Das heißt im Umkehrschluss, dass der alte Vertrag schon besonders schlecht sein muss, damit ein neuer Vertrag wirklich mehr bringt. Das gilt umso mehr, je älter der bestehende Riester-Vertrag ist. Tritt aber zutage, dass Versicherte mit einem neuen Vertrag deutlich besser fahren, sollten sie aktiv werden.

Achtung Abschlusskosten

Die Betonung liegt hier allerdings wirklich auf „deutlich besser“. Denn wenn Sparer einen neuen Versicherungsvertrag abschließen, werden wieder Abschlusskosten fällig. Und die betragen nicht selten einige Tausend Euro. Wechsler zahlen also, nachdem sie ja Kosten schon für den ersten Vertrag entrichtet hatten, zum zweiten Mal für einen Abschluss. Deswegen lohnt sich ein neuer Vertrag nicht, wenn er nur ein paar Euro mehr Rente im Monat bringt. Gerade in den ersten Jahren ist das ärgerlich, weil Versicherer die Abschlusskosten auf die ersten fünf Jahre verteilen (Verträge bis 2005: zehn Jahre). Dadurch wächst das Kapital in diesen Jahren kaum, mithin fällt das „Wechsel-Kapital“ oft klein aus.

Hinzu kommen Wechselgebühren: Oft werden zwischen 100 und 150 Euro Wechselkosten verlangt, wenn das Ersparte zu einem neuen Anbieter umziehen soll.

 

Fälle, in denen der Altvertrag wahrscheinlich besser ist als eine neue klassische Riester-Rentenversicherung Fälle, in denen ein neuer Vertrag Sinn machen kann
Der Vertrag wurde noch mit einem der alten Höchstrechnungszinssätzen abgeschlossen (siehe Tabelle oben) und verfügt nicht über sehr hohe Kosten (siehe Vergleiche der Stiftung Warentest) Wesentlich höhere Garantierente.
Abschluss vor Unisex-Regel: Ab 2006 durften Versicherer Riesterangebote nicht mehr getrennt nach Geschlechtern kalkulieren. Männer, die davor einen Vertrag abgeschlossen hatten, erhielten damals noch bessere Bedingungen. Riester-Rentenversicherung wurde erst kürzlich abgeschlossen, so dass bislang nur geringe Abschlusskosten verrechnet wurden (siehe Standmitteilung).
Abschlusskosten sind bereits voll bezahlt. Riester-Rentenversicherung passt nicht mehr zur Spar-Strategie (siehe unten)

Neues Riester-Produkt?

Manchmal führen veränderte Lebensumstände dazu, dass eine Riester-Rentenversicherung nicht mehr ins eigene Spar-Konzept passt. Eine Übersicht über passende Sparstrategien enthält unser Schwerpunkt „Altersvorsorge“. Andere Produkte der Riester-Familie – wie etwa Riester-Bank- oder Fondssparpläne sowie fondsbasierte Riester-Rentenversicherungen – lassen sich hinsichtlich einer garantierten Rente nicht mit Riester-Rentenversicherungen vergleichen. Anbieter solcher Produkte können keine garantierte Rente angeben, weil die Rendite der Produkte von variablen Faktoren wie etwa der Aktienentwicklung oder einem Marktzins abhängig sind. Sparer können aber prüfen, ob diese Produkte besser zu ihnen passen.

Riester-Banksparplan: Wenn Sparer einen Riester-Vertrag bei einer Bank abschließen, werden in der Regel keine ausgewiesenen Abschlusskosten fällig. Diese Häuser kalkulieren anders. Das heißt nicht, dass der Vertrag für Sparer kostenlos wäre – es gibt keine kostenlose Geldanlage. Banken etwa berechnen normalerweise einen Abschlag von der Verzinsung, die sie ihren Kunden zahlen. Die Höhe dieses Abschlags wird den Kunden aber nicht mitgeteilt, er wird normalerweise noch nicht einmal angesprochen.

Riester-Fondssparpläne: Fondssparpläne eignen sich für Altersvorsorger bis etwa Mitte 30, die die Risiken der Börse nicht scheuen (mehr Infos) Fondsgesellschaften verlangen eine Vielzahl von Kosten: Der Ausgabeaufschlag beträgt bis zu fünf Prozent der Rate. Für das Management werden laut Stiftung Warentest bis zu 1,94 Prozent der Anlagesumme abgezogen. Deswegen sind Fondssparpläne teuer. Schließlich verlangen manche Unternehmen für bestimmte Fondssparpläne zusätzliche Abschlusskosten. Sparer sollten auf jeden Fall nachfragen, welche Kosten verlangt werden und wie sie berechnet werden.

Beitragsfrei stellen

Am leichtesten ist es, den alten Vertrag einfach ruhen zu lassen. Man spricht auch von „beitragsfrei stellen“. Sie dürfen nämlich zwei Riester-Verträge gleichzeitig betreiben. Den alten Vertrag stellen Sie beitragsfrei und in den neu abgeschlossenen Vertrag zahlen Sie künftig Beiträge und Zulagen ein.

Wenn Sie den alten Vertrag ruhend stellen, bleiben die bereits eingezahlten Beiträge und Zulagen beim alten Anbieter und er wird Ihnen ab Ihrem Renteneintrittsalter auch eine Riester-Rente zahlen. Das eingezahlte Geld wird weiter verzinst, es werden allerdings auch Verwaltungskosten abgezogen. Sie haben grundsätzlich ein Recht, Ihren Riester-Vertrag ruhend zu stellen. Eine Beitragsfreistellung ist normalerweise schnell erledigt. Sie können natürlich, nachdem Sie Ihren Riester-Vertrag beitragsfrei gestellt haben, auch einen ganz anderen Altersvorsorge-Vertrag außerhalb der Riester-Förderung abschließen.

Tipp: Ändert sich an der Einzahlungshöhe, muss grundsätzlich der Anbieter der Riester-Rentenversicherung informiert und um neue Zulagenformulare gebeten werden.

Weniger einfach ist es allerdings, den alten Vertrag wieder zu aktivieren. Darauf haben Sie nämlich keinen Rechtsanspruch, auch wenn die Formulierung „ruhen lassen“ darauf hindeutet. Der alte Anbieter kann Ihren ruhenden Vertrag wieder aufleben lassen, muss es aber nicht. Er wird auf jeden Fall prüfen, inwieweit sich Ihr Gesundheitszustand geändert hat, aber auch Ihre Einkommensverhältnisse und Ihr familiärer Status sind von Belang. Insofern ist auch das Ruhenlassen in den meisten Fällen ein Abschied für immer.

Wechseln

Wenn Sie das bereits eingezahlte Geld (Beiträge und Zulagen) mit in den neuen Vertrag nehmen wollen, reicht das Ruhenlassen nicht. Dann müssen Sie wechseln. Auch darauf haben Sie bei Riester einen Rechtsanspruch.

Relativ einfach ist ein Wechsel beim selben Anbieter zu einem anderen Tarif. Etwas aufwändiger ist der Wechsel zu einem anderen Anbieter. In beiden Fällen darf der alte Anbieter ein spezielles Wechselentgelt verlangen (oft zwischen 50 und 150 Euro).

Tipp: Rufen oder schreiben Sie Ihren alten Anbieter an und teilen Sie ihm mit, dass Sie von Ihrem Wechselrecht Gebrauch machen wollen und bitten Sie ihn, Ihnen zu erklären, wie der Wechselprozess im Einzelnen abläuft. Dazu müssen Sie unter anderem den neuen Vertrag abschließen, damit der alte Anbieter das gesparte Geld (Ihre Beiträge und die Zulagen abzüglich der Kosten) entsprechend übertragen kann. Das bislang Ersparte darf nicht auf Ihrem privaten Konto landen! In diesem Fall laufen Sie Gefahr, dass die staatliche Förderung zurückgezahlt werden muss, weil das Geld nicht mehr der Altersvorsorge zur Verfügung steht Nach dem Wechsel haben Sie mit dem alten Anbieter nichts mehr zu tun.

Mit dem Wechsel bleiben Sie allerdings im Riester-System. Sie können nicht von einer Riester-Rente zu einer Basisrente oder einer ungeförderten privaten Rentenversicherung wechseln. Insofern ist das Wechseln nur etwas für Sparer, die grundsätzlich mit den Riester-Regeln klarkommen

Hilfen

Den Wechsel in ein neues Produkt sollten Sparer gut überdenken. Hier helfen die Altersvorsorge-Experten bei den Verbraucherzentralen. Dafür müssen Wechselwillige in der Regel ein überschaubares Honorar zahlen (Adressen unter www.verbraucherzentralen.de). Ebenfalls gegen Honorar können Sparer die Leistungen eines unabhängigen Versicherungsberaters in Anspruch nehmen. Einen unabhängigen Berater, der bei der Suche nach einer Riester-Rentenversicherung (oder anderen Versicherungsprodukten) hilft, lässt sich auf der Webseite des Bundesverbandes der Versicherungsberater finden (www.bvvb.de).

Riester-Fondssparplan

Das Auf und Ab bei den Riester-Fondssparplänen macht manche Sparer kirre. Ein Wechsel ist nur in guten Börsenzeiten ratsam.

Mit Riester-Fondssparplänen investieren Sparer ihr Geld vor allem in Aktien und Anleihen. Im Vergleich zu „normalen“ Investmentfonds profitieren Anleger von einer großen Sicherheit: Pünktlich zur Rentenphase, wenn das Ersparte in Monatsrenten umgerechnet wird, müssen die Fondsgesellschaften mindestens die Einzahlungen des Sparers plus die staatliche Förderung zur Auszahlung bereithalten. Diese Garantie haben „normale“ Fonds nicht. Wohlgemerkt gilt diese Riester-Garantie nicht während der Ansparphase. Bis zum Auszahlungszeitpunkt können also Verluste auftreten – und das macht einen Wechsel schwer.

Kündigt ein Sparer mitten im Börsentief, läuft er Gefahr, dass er Verluste realisiert. Zur Auszahlung und Übertragung auf einen neuen Riester-Vertrag steht mitunter weniger bereit, als die Summe aus Ersparten und staatlicher Förderung. Hinzu kommen Wechselkosten (je nach Fondsgesellschaft laut Stiftung Warentest etwa 50 Euro).

Beitragsfrei stellen

Besonders im Verlust-Fall kann es sich eher lohnen, den Vertrag beitragsfrei zu stellen. Sparer setzen dabei lediglich die Einzahlungen aus ohne den Vertrag zu kündigen. Der alte Vertrag läuft weiter. Das Ersparte kann durch Kursgewinne, Dividenden und Zinsen weiter wachsen. Allerdings fallen weiter Depot- und Managementgebühren an. Fließen in einem Jahr keine Sparleistungen, werden keine staatlichen Riester-Zulagen gezahlt (Riester-Rechner). Bei einer Beitragsfreistellung muss der Fondsanbieter informiert und die Zulagenanträge geändert werden. Sparer sollten dabei nachfragen, ob an eine spätere Wiederaufnahme der Beitragszahlungen Bedingungen geknüpft sind.

Neuer Riester-Fondssparplan?

Ist der Sparer vom Produkt Riester-Fondssparplan überzeugt, nicht aber von der Wertentwicklung, lohnt sich ein Blick auf die Konkurrenz: Es gibt nur wenige Anbieter und Produkte, so dass ein Vergleich auch für Laien möglich ist. Die Anbieter unterscheiden sich darin,

  • wie viel Mitspracherecht sie dem Kunden bei der Auswahl der Fonds bieten,
  • wie viele Fonds sie ihm überhaupt bieten,
  • bei den Kosten und
  • den Sicherungsstrategien, wenn es mal mit der Börse abwärts geht oder im Alter die Sparanlagen zunehmend sicher angelegt werden.

Ob ein neuer Riester-Fondssparplan taugt, wissen Sparer erst wirklich zur Auszahlungsphase. Es bleibt aber ein Blick auf die Wertentwicklung in der Vergangenheit. Empfehlenswert sind die Tests von Finanztest (siehe Links unten).

Oder ein anderes Produkt?

Manchmal führen neue Lebensumstände dazu, dass ein Riester-Fondssparplan nicht mehr ins eigene Spar-Konzept passt. Eine Übersicht über passende Sparstrategien enthält unser Schwerpunkt „Altersvorsorge“. Insbesondere Sparer, die später mal eine Immobilie finanzieren wollen – und dazu fest ihr Riester-Erspartes einplanen – sollten über den Wechsel in einen Riester-Banksparplan oder zu einem Riester-Bausparvertrag nachdenken. Banksparpläne sind ab dem ersten Jahr im Plus und ihre Besitzer laufen nicht Gefahr, dass just im Jahr des Immobilienkaufs die Börse wackelt und für Verluste sorgt.

Tipp: Ein wenig lässt sich sparen, indem Anleger beim Ausgabeaufschlag nachhaken: Für manche Riester-Fondssparpläne bieten freie Fondsvermittler Rabatte auf den Ausgabeaufschlag an.

Riester-Banksparplan

Banksparpläne sind wenig verbreitet. Ein Wechsel ist unkompliziert – wenngleich auch nicht immer günstig.

Die Verzinsung eines Riester-Banksparplans richtet sich nach einem Referenzzins oder mehreren Referenzzinsen am Markt minus einen Abschlag. Von diesen leben die Banken. Besonders treue Sparer mit langer Spardauer erhalten zusätzlich Bonuszinsen.

Für einen Wechsel in einen neuen Vertrag bei einem anderen Vertragspartner verlangen Kreditinstitute nach Beobachtung der Stiftung Warentest bis zu 200 Euro. Die für sie gültigen „Abschiedspreise“ müssen wechselwillige Sparer einkalkulieren, wenn sie sich für einen neuen Anbieter entscheiden.

Beitragsfrei stellen

Bei einem finanziellen Engpass können Riester-Banksparpläne meist kostenlos beitragsfrei gestellt werden: Der Sparer stellt seine Einzahlungen (vorübergehend) ein und kann sie später wieder aufnehmen. Keine Einzahlungen bedeuten aber auch keine staatlichen Zulagen. Nur wer vier Prozent des Vorjahreseinkommens oder mindestens 60 Euro pro Jahr einzahlt, erhält Grund- und Kinderzulagen (Riester-Rechner). Über eine Beitragsfreistellung muss der Anbieter informiert und um neue Zulagenformulare gebeten werden. Dabei sollten Sparer fragen, ob das Ruhenlassen des Vertrages Auswirkungen auf Bonuszinsen hat und ob eine Wiederaufnahme der Beitragszahlung unproblematisch möglich ist.

Neuer Banksparplan

Weil Anbieter unterschiedliche Referenzzinssätze einsetzen, und zudem laufzeitgestaffelte Treppen- und Bonuszinsen anbieten, ist ein Vergleich unter Riester-Banksparplänen schwer. Da sich diese Zinsen ändern, können Anbieter auch keine Garantierente im Alter angeben, wie das bei Riester-Rentenversicherungen der Fall ist. Hier helfen die Tests der Stiftung Warentest weiter. Ein Vergleich kann sich lohnen: Die Tester errechneten in einem Modellfall, dass nach 25 Jahren Laufzeit zwischen einem guten und einem schlechten Banksparplan eine Lücke von 10.000 Euro klaffen kann. Im Oktober 2012 publizierte die Stiftung Warentest einen neuen Vergleichtest unter www.test.de.

Oder ein anderes Produkt?

Manchmal führen neue Lebensumstände dazu, dass ein Riester-Banksparplan nicht mehr ins eigene Spar-Konzept passt. Eine Übersicht über passende Sparstrategien enthält unser Schwerpunkt „Altersvorsorge“.

Wohn-Riester

Wenn Sparer die Riester-Förderung zur Finanzierung eines Eigenheims nutzen, ist es in den wenigsten Fällen sinnvoll, vorzeitig auszusteigen.

Weder das Ruhenlassen (beitragsfrei stellen) noch der Wechsel geschweige denn die Kündigung lassen sich bei Wohn-Riester leicht bewerkstelligen. Der Grund: Hier sind die komplizierten Riester-Regeln mit den ebenfalls nicht ganz einfachen Bedingungen der Immobilien-Finanzierung miteinander verknüpft. Wenn Sparer einen Bestandteil aus diesem Vertragswerk herausnehmen, indem sie den Riester-Vertrag beenden, müssen sie auch den Immobilien-Teil entsprechend neu organisieren. Das bringt eine Menge Aufwand mit sich und es werden an verschiedenen Stellen neue Kosten fällig. Deswegen sollten Sparer einen Wohn-Riester-Vertrag nur dann beenden, wenn es gar nicht anders geht.

Passt etwa ein Riester-Bausparvertrag nicht mehr in die Anlagestrategie, müssen Verluste einkalkuliert werden. Der Grund: Anbieter verlangen Abschlusskosten. Bislang aufgelaufene Summen sind bei einer Auflösung des Vertrages verloren. Dennoch muss ein Wechsel manchmal sein: Soll entgegen der ursprünglichen Planung ein Immobilienkauf nicht mehr anstehen, macht es keinen Sinn einen Riester-Bausparvertrag zu füttern.

„Förderschädliche Verwendung“

Diese Bezeichnung klingt nicht nur hart, sie ist es auch: Eine Auszahlung eines Riester-Vertrages kann schnell als „schädliche Verwendung“ interpretiert werden und dazu führen, dass die staatliche Förderung zurückgezahlt werden muss und sich das Finanzamt meldet.

Grundsätzlich haben Sparer bei der Riester-Rente ein Kündigungsrecht. In der Regel können sie einen Riester-Vertrag mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten kündigen. Der Anbieter berechnet dann die bisher geflossenen Zulagen, und behält sie zunächst ein. Dabei macht er auch seine bis zur Kündigung aufgelaufenen Kosten geltend. Dieses Geld verlieren die Kunden. Den Rest erhält der Sparer. Die Zulagen gehen wieder zurück an die zentrale Zulagenstelle bei der Deutschen Rentenversicherung Bund, denn eine Kündigung ist eine sogenannte förderschädliche Verwendung. Das heißt, Sparer müssen die Förderung zurückzahlen. Das übernimmt, wie oben beschrieben, der Anbieter.

Gegebenenfalls wird sich auch das Finanzamt melden. Wenn Sparer aufgrund des Sonderausgabeabzugs im Zuge der Riester-Förderung in den letzten Jahren Steuern gespart hatten, wird es diese Steuerersparnis von Ihnen zurückfordern oder beim nächsten Steuerbescheid entsprechend berücksichtigen.

Achtung: Arbeitslose

In Sachen Kündigung gibt es eine Konstellation, die Sparer gesondert beachten sollten: Wenn sie sich sicher sind, dass sie später auf die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung angewiesen sein werden, sprich auf Hartz IV, dann sollten sie die Beitragsfreistellung Ihres Riester-Vertrages prüfen. Denn nach bisheriger Rechtslage wird die Riester-Rente im Alter mit der Hartz-IV-Leistung verrechnet. Das heißt, Sparer haben möglicherweise nichts von Ihrer Riester-Rente, weil sie entsprechend weniger Grundsicherung bekommen. Eine Kündigung samt Auszahlung ist auch nicht die Lösung: Einerseits muss der Anbieter die staatlichen Zulagen abziehen (siehe oben) oder es droht, dass das ausgezahlte Kapital oberhalb der Freibeträge bei der Berechnung des Arbeitslosengeldes berücksichtigt wird. Im Klartext: Wer sich sein Riester-Erspartes auszahlen lässt, um später nicht umsonst gespart zu haben, läuft Gefahr, aktuell weniger zu bekommen.

„Überförderte Beiträge“

Bei akuter Finanznot hilft nur Bares. Manche Sparer haben die Möglichkeit, sich einen Teil der staatlich geförderten Riester-Rente ohne Abzüge auszahlen zu lassen. Viel wird es nicht sein und viele auch nicht.

Wird Kapital aus einem Riester-Vertrag ausgezahlt, holt sich der Staat die staatliche Förderung zurück. Das ist nur logisch: Schließlich will er die Altersvorsorge fördern und Geld, das ausgezahlt wird, steht später nicht für das Auskommen im Alter bereit. Dabei fördert der Staat die Riester-Rente nur bis zu Höchstgrenzen (derzeit lassen sich maximal 2.100 Euro steuerlich absetzen).

Doch es gibt ein paar Sparer, die mehr in ihren Vertrag eingezahlt haben als staatlich gefördert wurde und diese Summe können sie sich „förderunschädlich“ auszahlen lassen.

Hohe Summen werden dabei in der Regel nicht zusammenkommen. Denn in der Realität wird eher zu wenig als zu viel gespart. Dennoch können Sparer bei ihrem Anbieter nachfragen, welche Summe förderunschädlich ausbezahlt werden kann.

Mehr Informationen

  • www.test.de
    Zusammenfassende Bewertung der Kritik an der Riester-Rente aus Sicht der Stiftung Warentest.
  • www.diw.de
    Die Studie „Zehn Jahre Riester-Rente“ auf der Seite des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.
  • Riester-Rechner
    Mit wenigen Klicks die Höhe der staatlichen Förderung und des Eigenbeitrags ausrechnen.
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Autor

Michael J. John