Nachgefragt / 03.04.2014

Risikolebensversicherung: Den Schutz richtig wählen

Wie hoch ist die „richtige“ Versicherungssumme in der Risikolebensversicherung? Mit der Antwort tun sich Vermittler und Kunden gleichermaßen schwer. Meist wird die drei- bis fünffache Summe des Jahreseinkommens versichert – „Pi mal Daumen“ eben. Erforderlich ist aber eine genaue Bedarfsermittlung.

Dokumente und Taschenrechner – Bildnachweis: shutterstock.com © Pressmaster

Wer wird versichert?

Oliver Mest: Die Antwort auf die Frage scheint den meisten klar, denn noch immer wird in vielen Haushalten vor allem der Hauptverdiener versichert. Wichtig ist aber auch die Versicherung des Partners: Stirbt er oder sie, kann die Versicherungssumme eingesetzt werden, um den Hauptverdiener zu entlasten, der dann ja die Kinderbetreuung und das Familieneinkommen sicherstellen muss.

Wie hoch soll der Schutz denn sein?

Oliver Mest: Diese Frage nach der Versicherungssumme lässt sich nur beantworten, wenn die finanzielle Situation des Antragstellers und seiner Familie durchleuchtet wird – und die geplante Verwendung der Versicherungssumme. Optimal bemessen ist die Versicherungssumme, wenn daraus ein Einkommensersatz finanziert werden kann und Verbindlichkeiten abgelöst werden. Zu klären ist deshalb vor allem, wie viel Einkommen im Todesfall wegfällt, welche Einnahmen zum Beispiel aus der gesetzlichen Rentenversicherung fließen, welche Vermögenswerte vorhanden und welche Verbindlichkeiten zu tilgen sind.

Tipp: Wenn Sie Kassensturz gemacht haben und wissen, wie viel Einkommen für welchen Zeitraum abgesichert wird und welche Verbindlichkeiten zu Buche schlagen, finden Sie ein hilfreiches Tool unter www.zinsen-berechnen.de/entnahmeplan.php. Berechnen Sie dort, wie viel Kapital Sie benötigen, wenn die anvisierte Rente für einen fixen Zeitraum ausgezahlt werden soll. Einfach die monatliche Wunschrente eingeben, möglichen Zins kalkulieren und gegebenenfalls eine Dynamik für die Rente vorsehen. Auch steuerliche Komponenten und ein voller oder teilweiser Kapitalerhalt können einkalkuliert werden.

Wie lange soll der Vertrag laufen?

Oliver Mest: Das Endalter der Risikolebensversicherung beeinflusst neben der Versicherungssumme natürlich maßgeblich die Kosten. Schon eine Verlängerung um zwei Jahre von 60 auf 62 Jahre kann die Prämie um 15 Prozent steigen lassen. Allerdings sollte das keine Hürde sein, denn ein sinnvoller Schutz sollte so lange bestehen, wie es Hinterbliebene gibt, die finanziell nicht auf eigenen Beinen stehen. Bei Familien ist das in aller Regel der Zeitpunkt, wenn das jüngste Kind seine Ausbildung voraussichtlich beendet haben wird.

Optionen für den perfekten Schutz

Die Risikolebensversicherungen werden heute von vielen Anbietern erweitert um zusätzliche Bausteine, die die Produkte attraktiver machen sollen. Beispiel Nachversicherungsgarantie: Eine solche Garantie sowie eine Dynamik sind zum Beispiel sinnvoll, um den Schutz an sich ändernde Lebensverhältnisse anpassen zu können. Wer zum Beispiel mit Ende 40 noch einmal Vater wird, braucht sicherlich eine höhere Absicherung, als wenn die Kinder bereits aus dem Gröbsten heraus sind.

Ebenfalls möglich ist eine sogenannte Verlängerungsoption: Ein einmal festgelegtes Endalter kann dann ohne erneute Gesundheitsprüfung nachträglich hinausgeschoben werden. Grundsätzlich gilt hier: Eigentlich sollte der Schutz so geplant werden, dass er den voraussichtlichen Absicherungszeitraum umfasst – aber nicht immer hält die Realität, was die Planung verspricht – dann kann die Verlängerungsoption den Schutz festigen.

Die Absicherung absichern

Eine weitere Option ist die Beitragsbefreiung bei Berufsunfähigkeit oder Pflegebedürftigkeit. Einige Anbieter sehen mittlerweile vor, dass bei Berufsunfähigkeit oder Pflegebedürftigkeit der Schutz beitragsfrei weiterbesteht. Diese Option ist sinnvoll, wenn damit sichergestellt wird, dass die Risikolebensversicherung unabhängig von der Einkommenssituation des Versicherten fortbestehen kann. Mittlerweile gibt es auch viele Verträge, bei denen die Versicherungsleistung schon dann ausgezahlt wird, wenn eine wahrscheinlich todbringende Krankheit diagnostiziert wird. Damit gibt es natürlich einen finanziellen Rahmen, um zum Beispiel eine ungewöhnliche Therapie zu finanzieren. Allerdings sollte dabei der eigentliche Zweck der Risikolebensversicherung nicht vergessen werden: Die Familie des Versicherten nach dessen Tod finanziell zu unterstützen.

Bedenken Sie aber, dass jeder zusätzlicher Baustein auch was kostet. Lassen Sie sich ruhig mehrere Angebote machen, dann wissen Sie, was einzelne Bestandteile kosten.

Mehr Informationen

  • www.zinsen-berechnen.de
    Entnahme-Rechner im Internet.
  • www.test.de
    Für 15 Euro bietet die Stiftung Warentest eine Analyse von Risikolebensversicherungen an.
  • Forum
    Sie fragen, Experten der Deutschen Rentenversicherung antworten.
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Oliver Mest