Altersvorsorge / 09.11.2020

Risikolebensversicherung: Den Schutz richtig wählen

Wer braucht den Schutz? Wie lange muss er laufen? Wie hoch ist die „richtige“ Versicherungssumme in der Risikolebensversicherung? Mit Antworten auf diese Fragen tun sich Vermittler und Kunden gleichermaßen schwer. Erforderlich ist eine genaue Bedarfsermittlung.

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Inhalt

Wer wird mit der Risikolebensversicherung versichert?

Oliver Mest: Noch immer wird in vielen Haushalten vor allem der Hauptverdiener versichert. Wichtig ist aber auch die Versicherung des Partners: Stirbt er oder sie, kann die Versicherungssumme eingesetzt werden, um den Hauptverdiener zu entlasten, der dann ja die Kinderbetreuung und das Familieneinkommen alleine sicherstellen muss.

Wie hoch soll die Versicherungssumme sein?

Oliver Mest: Optimal bemessen ist die Versicherungssumme, wenn daraus ein Einkommensersatz finanziert werden kann und Verbindlichkeiten abgelöst werden. Klären Sie deshalb vor allem

  • wie viel Einkommen im Todesfall wegfällt,
  • welche Einnahmen zum Beispiel aus der gesetzlichen Rentenversicherung fließen,
  • welche Vermögenswerte vorhanden sind und
  • ob gegebenenfalls Schulden zu tilgen sind.

Wie lange soll die Risikolebensversicherung laufen?

Oliver Mest: Das Endalter der Risikolebensversicherung beeinflusst neben der Versicherungssumme maßgeblich die Kosten. Schon eine Verlängerung um zwei Jahre von 60 auf 62 Jahre kann die Prämie um 15 Prozent steigen lassen. Allerdings sollte das keine Hürde sein, denn ein sinnvoller Schutz sollte so lange bestehen, wie es Hinterbliebene gibt, die finanziell nicht auf eigenen Beinen stehen. Bei Familien ist das in aller Regel der Zeitpunkt, wenn das jüngste Kind seine Ausbildung voraussichtlich beendet haben wird.

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Reicht der Basis-Schutz oder sind weitere Bausteine sinnvoll?

Es gibt natürlich den Basis-Schutz, der nach dem Prinzip „Tot ist tot“ funktioniert und dann die versicherte Summe auszahlt. Oft reicht das. Viele Anbieter erweitern die Risikolebensversicherung aber um zusätzliche Bausteine, die die Produkte attraktiver machen sollen.

Nachversicherungsgarantie und Dynamik

Nachversicherungsgarantie und Dynamik sind sinnvoll, um den Schutz an sich ändernde Lebensverhältnisse anpassen zu können. Wer zum Beispiel mit Ende 40 noch einmal Vater wird, braucht sicherlich eine höhere Absicherung, als wenn die Kinder bereits aus dem Gröbsten heraus sind.

Verlängerungsoption

Ein einmal festgelegtes Endalter kann dann ohne erneute Gesundheitsprüfung nachträglich hinausgeschoben werden. Grundsätzlich gilt hier: Eigentlich sollte der Schutz so geplant werden, dass er den voraussichtlichen Absicherungszeitraum umfasst – aber nicht immer hält die Realität, was die Planung verspricht – dann kann die Verlängerungsoption den Schutz festigen. Es ist also schon sinnvoll, den Schutz hier gegebenenfalls etwas aufzustocken.

Beitragsbefreiung bei Berufsunfähigkeit oder Pflegebedürftigkeit

Einige Anbieter sehen mittlerweile vor, dass bei Berufsunfähigkeit oder Pflegebedürftigkeit der Schutz beitragsfrei weiterbesteht. Diese Option ist sinnvoll, wenn damit sichergestellt wird, dass die Risikolebensversicherung unabhängig von der Einkommenssituation des Versicherten fortbestehen kann.

Mittlerweile gibt es auch viele Verträge, bei denen die Versicherungsleistung schon dann ausgezahlt wird, wenn eine wahrscheinlich todbringende Krankheit diagnostiziert wird. Damit gibt es natürlich einen finanziellen Rahmen, um zum Beispiel eine ungewöhnliche Therapie zu finanzieren. Allerdings sollte dabei der eigentliche Zweck der Risikolebensversicherung nicht vergessen werden: Die Familie nach dem eigenen Tod finanziell zu unterstützen.

Bedenken Sie aber, dass jeder zusätzlicher Baustein auch was kostet. Lassen Sie sich ruhig mehrere Angebote machen, dann wissen Sie, was einzelne Bestandteile kosten und wie sehr sie den Schutz verteuern.

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Oliver Mest