Altersvorsorge / 16.09.2019

Risikolebensversicherung: So kommen Sie auch trotz Vorerkrankungen an eine Police

Eine Risikolebensversicherung, die ganz auf Gesundheitsfragen verzichtet, gibt es seit Jahren nicht mehr. Aber es gibt Möglichkeiten, die Familie auch trotz Vorerkrankungen gut zu versichern.

Bild zum Thema Risikolebensversicherung: So kommen Sie auch trotz Vorerkrankungen an eine Police: Mann sitzt mit Kugelschreiber nachdenklich am Küchentisch, Frau steht im Hintergrund.

Inhalt

Eine Risikolebensversicherung mit Verzicht auf die komplette Gesundheitsprüfung gibt es nicht. Ohne Gesundheitsfragen und dafür mit einer meist dreijährigen Wartezeit sind nur Sterbegeldversicherungen zu bekommen, die aber die Risikoabsicherung mit einem Sparvorgang koppeln und deshalb sehr teuer sind. Abgesichert werden können zudem meist nur wenige 10.000 Euro, sodass der Schutz auch oft nicht reicht.

Klassische Risikolebensversicherungen sehen dagegen immer eine Gesundheitsprüfung vor. Trotzdem sollte man nicht zu schnell den Kopf in den Sand stecken: Auch mit Vorerkrankungen ist der Hinterbliebenenschutz leicht möglich. Zum einen nämlich haben viele Krankheiten gar keinen Einfluss auf die Versicherbarkeit, zum anderen gibt es immer wieder Aktionen von Versicherern, die zumindest vereinfachte Gesundheitsfragen stellen, sodass der Schutz leichter erreichbar ist.

Tipp: Beraten lassen!

Um solche Aktionen nutzen zu können, lassen Sie sich von einem unabhängigen Versicherungsberater zeigen, welche Optionen es gibt. Derzeit sind sechs Versicherer mit solchen Aktionen am Markt. Sie bieten Anträge mit vereinfachten Gesundheitsfragen – zum Beispiel bei einer Immobilien- oder Praxisfinanzierung oder für junge Eltern.


Das wollen Versicherer über Ihre Gesundheit wissen

Bei der „normalen” Risikolebensversicherung stellt sich natürlich die Frage: Was wollen die Versicherer denn wirklich wissen? Abgefragt werden im Groben fünf Bereiche:

  • Aktuelle und frühere Erkrankungen
  • Hobbys und Freizeitverhalten
  • Raucherstatus
  • Größe und Gewicht
  • Dauerhafte körperliche Einschränkungen

Die gesundheitlichen Fragen zielen in der Regel auf Erkrankungen dieser Bereiche ab:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Chronische Beschwerden
  • Tumorerkrankungen bzw. Krebs
  • Psychische Krankheiten
  • Erkrankungen der Atmungsorgane
  • Stoffwechselerkrankungen
  • entzündliche Erkrankungen
  • Infektionskrankheiten
  • Unfälle
  • Allergien

Ganz wichtig: Angaben zu gesundheitlichen Einschränkungen der Vergangenheit müssen nicht zeitlich unbefristet gemacht werden. Der Abfragezeitraum umfasst für stationäre Aufenthalte meist zehn Jahre, für ambulante Untersuchungen fünf Jahre und für Drogen- und Alkoholmissbrauch auch fünf Jahre. Das Gewicht wird immer aktuell abgefragt, der Raucherstatus ebenfalls, wobei einige Versicherer ergänzend auch wissen wollen, ob in den letzten zwölf Monaten geraucht wurde.

Vorsicht: Allgemeine Fragen!

Manche Risikolebensversicherungen fragen recht offen nach allgemeinen Störungen und Beschwerden in den letzten drei Monaten, die nicht ärztlich behandelt wurden. Klingt erst einmal unproblematisch, kann Ihnen aber auf die Füße fallen.

Stellen Sie sich vor, Sie beantragen jetzt, im August 2019, eine Risikolebensversicherung. In drei Jahren gehen Sie wegen Herzbeschwerden zum Arzt und geben dort an, dass die Beschwerden erstmals vor drei Jahren anfingen, weil Sie es nicht mehr so genau wissen. Leider wären das genau die drei Monate, die abgefragt wurden, und im Leistungsfall haben Sie ein Problem, weil der Versicherer den Vertrag anfechten kann. Sie sind dann aber leider schon tot und können den Sachverhalt nicht mehr klären! Verträge mit solchen Fragen sollten gemieden werden!

Keine falschen Angaben machen

Doch, falsche Angaben im Versicherungsantrag fallen fast immer auf und führen dazu, dass im Leistungsfall nicht gezahlt wird. Ehrlichkeit ist deshalb oberstes Gebot! Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach der Patientenquittung, auf der alle relevanten Daten zu Vorerkrankungen gespeichert sind. Gehen Sie zu Ihrem Hausarzt, und lassen Sie sich einen Auszug aus der Patientenakte geben – mit diesen Unterlagen kann ein guter Berater den Gesundheitsstatus ermitteln und den Antrag rechtssicher stellen.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Hürden liegen höher

Anders sieht es aus, wenn Sie mit Vorerkrankungen Ihre Arbeitskraft absichern möchten. Gerade mit chronischen Erkrankungen, mit psychischen Diagnosen oder Beschwerden am Bewegungsapparat ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung kaum zu bekommen. Oft richtet sich der Blick dann auf andere Versicherungen – wie etwa Grundfähigkeits-, Dread Disease- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherungen. Die sichern zumindest Teilaspekte der Arbeitskraft ab: So leistet die Grundfähigkeitsversicherung, wenn definierte Fähigkeiten wie Gehen, Stehen, Sitzen oder Autofahren verloren gehen – für bestimmte Berufe kann das einen Ersatz für die Berufsunfähigkeitsversicherung darstellen.

Die Dread-Disease-Police zahlt die versicherte Leistung aus, wenn eine der versicherten Krankheiten ausbricht – unabhängig davon, ob noch gearbeitet werden kann oder nicht. Und die Erwerbsunfähigkeitsversicherung leistet analog der staatlichen Erwerbsminderungsrente, wenn der Versicherte auf dem Arbeitsmarkt in keinem Job mehr als drei Stunden am Tag arbeiten kann. Gemein ist allen Lösungen aber, dass es ebenfall eine Gesundheitsprüfung gibt – und es ist bei Vorerkrankungen nicht gewährleistet, dass die Familie mit einer der drei Versicherungen finanziell versorgt werden kann.

Tipp:

Gehen Sie die Arbeitskraftsicherung mit allen möglichen Lösungen an! Gemeinsam mit einem Versicherungsmakler oder -berater können Sie eine sogenannte Risikovoranfrage anonym stellen. Dabei wird Ihre Krankengeschichte aufbereitet, und der Berater spricht meist 30 bis 40 Gesellschaften an und bittet um ein Votum zur Versicherbarkeit in allen möglichen Sparten. Die Voten werden gesammelt, und der Berater zeigt Ihnen, bei welcher Gesellschaft Sie mit welchen Produkten und zu welchen Konditionen versicherbar sind. Und die Versicherbarkeit in der Risikolebensversicherung wird im besten Fall gleich mit abgefragt!


Autorenbild

Autor

Oliver Mest