Nachgefragt / 20.02.2013

Sechs Stolpersteine

Die sechs größten Fehler bei der Altersvorsorge und was hilft, wenn der innere Schweinhund rauskommen will. Tipps vom Finanzexperten Oliver Mest.

Mann mit Taschenrechner – Bildnachweis: gettyimages.de © PeopleImages

Eine sichere Rente und eine solide Altersvorsorge sind harte Arbeit. Und sie sind gleichzeitig eine harte Prüfung, denn auf dem Weg zum sicheren Alterseinkommen gibt es immer wieder Stolpersteine und Fehler, die jedem passieren können: Welche das sind, warum sie so teuer für sind und wie man diesen Fehlern aus dem Weg geht, verrät unser Finanzexperte Oliver Mest.

Frage: Gibt es denn DEN einen Fehler, der die ganze Vorsorge ruinieren kann?

Oliver Mest: Ja, den gibt es – der größte Fehler ist es, die Vorsorge immer wieder aufzuschieben. Die Gründe dafür sind vielfältig: Den einen stresst das Thema „Sparen“, der andere hat nicht das Know-How, um die Vorsorge anzupacken, und wieder andere mögen sich gar nicht erst vorstellen, mit wie viel – oder wenig – sie im Alter auskommen müssen. Fakt ist aber: Die „Aufschieber“ versäumen die Chance, Zins und Zeit frühzeitig aufeinandertreffen zu lassen. Denn jeder verbummelte Monat mindert die mögliche Rente im Alter um ein paar Euro. Nur wer früh anfängt zu sparen, wird später einmal ein solides Alterseinkommen haben. Wer mit 25 statt mit 35 mit dem gleichen Monatsbeitrag anfängt zu sparen, hat leicht das Doppelte an Rente zur Verfügung. Und wer sich schon früh im Sparen übt, hält länger durch.

Frage: Also ran ans Sparen um jeden Preis?

Oliver Mest: Nein, diese Beliebigkeit ist ein weiterer Patzer. Es geht nicht um das „Irgendwie“. Es geht nicht darum, sein Gewissen zu beruhigen nach dem Motto: „Jetzt habe ich endlich etwas für die Rente gemacht.“ Es geht darum, eine Rendite zu erzielen, die im Alter eine möglichst hohe Zusatzrente beschert. Geldanlagen für die Altersvorsorge sollten immer hinterfragt werden: Stimmt die Rendite für diese Anlage? Sind die Kosten angemessen? Bekomme ich das Beste für meine Vorsorge? Man sollte sich deshalb nicht vom erstbesten Verkäufer einfangen und ein Altersvorsorge-Paket verkaufen lassen, das die gesamten finanziellen Mittel in Beschlag nimmt. Erfahrungsgemäß sind eine unabhängige Beratung und eine regelmäßige Kontrolle optimal.

Frage: Wie wichtig ist die Rendite?

Oliver Mest: Sie ist für die Vorsorge der entscheidende Faktor – und sie zu vernachlässigen ein Fehler. Schon eine Verbesserung der Rendite von 3,5 Prozent auf 4,5 Prozent kann für 20 Prozent mehr Rente und Kapital im Alter führen. Trotzdem wird bei der Rendite auch einer der größten Fehler gemacht: Die Anleger werden gierig. Gerade in Zeiten niedriger Zinsen und mauer Renditen sind Menschen anfällig für Geldanlagen, die den schnellen Euro versprechen. Doch grundsätzlich gilt: Renditen über dem Marktniveau bergen grundsätzlich das Risiko, auch viel Geld bis hin zum Totalverlust zu verliere.

Frage: Also zielgerichtet sparen bei guter Rendite – ist das die Formel für die sichere Rente?

Oliver Mest: Ja, wobei viele bei der Vorsorge hier einen weiteren Fehler begehen. Denn Altersvorsorge ist mehr als Sparen und Geld anhäufen. Auch die Absicherung ist wichtig. Besonders deutlich wird das bei der Berufsunfähigkeit. Was nützt mir der lukrativste Sparplan, wenn ich nach ein paar Jahren berufsunfähig werde und nichts mehr zum Einzahlen habe? Das bisher Ersparte ist dann schnell aufgebraucht, danach ist und bleibt der Topf leer. Ebenfalls gravierend ist eine fehlende oder schlechte Absicherung für den Todesfall. Denn auch ein gut gefülltes Sparkonto eines Normalverdieners wird dessen Familie kaum jahrelang ernähren können. Deshalb sollte die richtige Absicherung immer Bestandteil der optimalen Altersvorsorge sein.

Frage: Aber wie weiß ich, was ich machen muss?

Oliver Mest: Vielen steht leider bei der Altersvorsorge ihre Uneinsichtigkeit im Wege. Die meisten Menschen glauben, in finanziellen Dingen eigenständige Entscheidungen treffen zu können. Trotzdem verlieren Anleger jedes Jahr Milliarden durch schlechte Anlagen, sind – um das Beispiel oben aufzugreifen – falsch oder nicht ausreichend versichert oder zahlen zu viel Steuern. Und daran sind nicht immer Berater Schuld.

Frage: … sondern?

Oliver Mest: ... der Einzelne selbst. Oft werden schlicht falsche Finanz-Entscheidungen getroffen, weil der Einzelne irrtümlicherweise glaubt sich auszukennen. Und dagegen hilft nur eins: fachlicher und kompetenter Rat von Experten. Und damit ist nicht der vermeintlich kostenlose Rat des Versicherungsvertreters oder des Bankangestellten gemeint: Die wollen etwas verkaufen und nicht beraten. Richtige Ansprechpartner sind unabhängige Experten, die auf Honorarbasis beraten und für die Beratung und ihre Folgen auch einstehen.

Frage: Ich bin gut versichert, das Altersvorsorgekonto füllt sich – habe ich alles richtig gemacht?

Oliver Mest: Bis dahin ja. Aber dann grassiert bei vielen Menschen eine Nachgiebigkeit, die sie teuer zu stehen kommt. Sie waren und sind erfolgreich mit der Altersvorsorge, ihnen geht’s wirtschaftlich gut − und dann wachsen die Begehrlichkeiten: Ein neues Auto wird fällig, der Urlaub steht an oder die Wohnungsrenovierung. Und dann taucht die Frage auf: Wäre es nicht sinnvoll, statt eines Kredits lieber das eigene Geld aus der privaten Vorsorgekasse zu nehmen? Die finanziellen Rücklagen für die materielle Unabhängigkeit im Alter sollten aber nicht für Konsumausgaben missbraucht werden. Vielleicht tröstet die Aussicht, dass wer jetzt Konsumverzicht übt, später mehr konsumieren kann – dann, wenn er mehr Zeit hat.

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Autor

Michael J. John