Altersvorsorge / 04.07.2022

So sparen Sie mit nachhaltigen Fonds

Nachhaltige Aktienfonds und ETF können ein guter Baustein für die Altersvorsorge sein. Doch nicht immer steckt nur Nachhaltiges drin. Was beim Kauf zu beachten ist.

Coputertastatur mit Taste ETF nachhaltige Aktienfonds. Bild: IMAGO / agefotostock

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Nachhaltige Fonds gehören derzeit zu den Lieblingen der Anleger in Deutschland. Der Markt wird überschwemmt mit neuen Produkten, die mit dem Label „nachhaltig“ angeboten werden. Denn immer mehr Bankkunden und -kundinnen geht es nicht nur darum, ihr Geld zu vermehren und etwas für eine zusätzliche Altersvorsorge tun. Sie wollen auch etwas Gutes tun, den Klimawandel eindämmen oder Unternehmen unterstützen, die mit ihren Mitarbeitern fair umgehen. Sehen Sie das genauso? Dann könnte sich für Sie die Frage stellen: Was steckt überhaupt hinter den Produkten mit dem Etikett „nachhaltig“? Wie unterscheiden sie sich? Und lohnt sich ein Kauf eigentlich? Ihre-Vorsorge.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was bedeutet nachhaltig?

In der Finanzwelt wird das Thema nachhaltige Geldanlage mit den drei Buchstaben ESG verbunden:

  • E für environmental (Umwelt)
  • S für social (Soziales)
  • G für governance (gute Unternehmensführung).

Es geht also nicht nur um die Klimarettung und den Schutz des Planeten, sondern auch zum Beispiel um Menschenrechte oder die Frage, ob ein Unternehmen Kinderarbeit oder Korruption duldet.

Allerdings ist der Begriff nachhaltig bislang gesetzlich nicht geschützt. Sie können deshalb nicht erwarten, dass überall, wo Nachhaltigkeit draufsteht, auch stets nur Nachhaltiges drinsteckt. Manche Anbieter wollen zum Beispiel in ihren Fonds keine Hersteller von Streubomben haben, investieren aber in Unternehmen, die noch mit Öl Geld verdienen.

Nun ist zwar die EU-Kommission gerade dabei, Regeln für nachhaltige Geldanlagen zu entwerfen. Gas- und Atomkraftprojekte will die Kommission in ihrer sogenannten Taxonomie allerdings als nachhaltig einstufen. Auch das ist heftig umstritten: Für die Befürworter ist Atomkraft nachhaltig, für die Kritiker ist das „Greenwashing“.

Wie kann ich einfach und bequem nachhaltig anlegen?

Am einfachsten geht das für Sie über Fonds, entweder über von Fondsmanagern aktiv gemanagte Investmentfonds oder passive, an der Börse gehandelte Exchange Traded Funds (ETF), die bestimmte Börsenindizes einfach nachbilden wie etwa den Weltindex MSCI World, ein Aktienkorb, in dem die Anteilsscheine von etwa 1600 Unternehmen aus 23 Industrieländern stecken. Von diesen Indizes gibt es auch ESG-Varianten.

Der Vorteil bei diesen Produkten: Sie setzen nicht alles auf eine Karte. Stattdessen fließt Ihr Geld in viele verschiedene Werte, zum Beispiel in Aktien von Unternehmen aus unterschiedlichen Ländern, Branchen und Kontinenten. Das Geld wird also breit verteilt, das verringert Ihr Risiko.

Auch in nachhaltige Fonds können Sie einmalig größere Summen investieren oder über einen Fondssparplan einzahlen. Das kommt vor allem für Sparer infrage, die das angelegte Kapital auf Jahre hinaus nicht brauchen und Kurseinbußen an der Börse wie jetzt während des Angriffs der russischen Armee auf die Ukraine mental durchstehen, ohne versucht zu sein, hektisch Fondsanteile mit Verlusten zu verkaufen.

ETF oder gemanagte Fonds – was ist besser?

Das kommt darauf an. Der Nachteil bei den gemanagten Fonds sind die hohen Gebühren. Dazu kann der Ausgabeaufschlag zählen, der oft beim Kauf fällig wird, selbst wenn es einen Rabatt gibt. Diese Kaufkosten sind deutlich höher als beim Kauf von ETF. Hinzu kommen vor allem hohe laufende Kosten von meist 1,5 bis zwei Prozent des Anlagevolumens pro Jahr, die die Rendite reduzieren.

Trotzdem gibt es Vorteile: Sie können sich bewusst für einen bestimmten Fonds entscheiden, der das Geld für Sie nachhaltig anlegt, aber möglichst so, wie es Ihren Vorstellungen von Nachhaltigkeit, Ihrem Wertkanon entspricht.

Außerdem können die Fondsmanager von aktiv gemanagten nachhaltigen Aktienfonds Unternehmen kritisieren und mit einem Aktienverkauf drohen, wenn die Firmen nicht nachhaltiger wirtschaften.

Anders sieht es bei den ETF aus: Diese sind deutlich günstiger, die laufenden Kosten pro Jahr liegen im Durchschnitt eher unter 0,5 Prozent.

Die Suche nach einem nachhaltigen, an der Börse gehandelten ETF läuft aber stets auf einen Kompromiss hinaus: Bei den ETFs werden meist nach einem bestimmten, vom Anbieter abhängigen System aus einem konventionellen Index die zum Beispiel 25, 50 oder 80 Prozent nachhaltigsten Aktien jeder Branche herausgesiebt, deren Kursentwicklung der ETF dann nachbildet. Bekannt ist dieses Prinzip als „Best-in-Class-Ansatz“. Auf diesem Weg können jedoch sogar Aktien der Ölindustrie im Depot landen. Lediglich bestimmte, besonders umstrittene Branchen werden ausgeschlossen, wie häufig die Waffen-, Glücksspiel-, Alkohol- und Tabakindustrie. Das gilt nicht selten allerdings auch für gemanagte nachhaltige Fonds, die nach dem sogenannten „Best-in-Class-Ansatz“ verfahren.

Woran erkenne ich nachhaltige ETFs?

In der Regel finden Sie in den Namen der ETFs Abkürzungen wie ESG, SRI oder Namenszusätze wie Sustainability, Enhanced oder Socially Responsible, die für einen bestimmten Auswahlprozess stehen.

Ein Beispiel: Der Weltindex MSCI World umfasst die Aktien von knapp 1600 Unternehmen aus 23 Industriestaaten. Die Variante ESG Screened schließt nicht ganz 100 Firmen aus. Viel strenger ist die SRI-Variante: Von den rund 1600 Aktien bleiben hier weniger als 400 übrig.

Wie lassen sich gut bewertete nachhaltige Fonds finden?

Die eierlegende Wollmilchsau gibt es auch hier leider nicht, also einen Fonds, der wirklich bei allen drei ESG-Kriterien keine Kompromisse eingeht und trotzdem günstig erhältlich ist. Das Kürzel ESG und der Hinweis „nachhaltig“ allein helfen auch nicht weiter – dafür sind derzeit zu viele Produkte auf dem Markt, die nachhaltiger aussehen, als sie wirklich sind. Bei der Suche helfen aber zum Beispiel das Siegel des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG).

Weitere Tipps:

  • Das Internetportal Ecoreporter veröffentlicht regelmäßig Testberichte über nachhaltige Geldanlagen.
  • Die Ratingagentur Morningstar benotet Fonds in Sachen Nachhaltigkeit mit bis zu fünf Globen.
  • Die Stiftung Warentest empfiehlt bestimmte nachhaltige Fonds und ETF als „1. Wahl“.
  • Unter globalanceworld.com können Sie nachschauen, wie einzelne Unternehmen zur Klimaerwärmung beitragen.

Wie sieht es mit der Rendite der nachhaltigen Fonds aus?

Noch immer glauben manche Anleger: Nachhaltig Geld anlegen heißt, auf Rendite zu verzichten. Das ist aber ein Trugschluss. Diverse Studien legen den Schluss nahe, dass die ESG-Kriterien sich nicht oder sogar positiv auf die Rendite auswirken.

Nach Angaben des Analysehauses Scope erlitten nachhaltige Aktienfonds im ersten Quartal 2020, also beim Ausbruch der Pandemie, geringere maximale Verluste als herkömmliche Aktienfonds. Ein Grund könnte sein, dass nachhaltig investiertes Geld vor allem in Unternehmen mit neuen, zukunftsweisenden Technologien fließen sollte. Firmen, die hingegen zum Beispiel durch Korruption auffallen, Kinderarbeit dulden oder an der Zerstörung des Regenwaldes beteiligt sind, haben ein Imageproblem. Das kann den Aktienkurs drücken.

Welches Risiko gibt es bei nachhaltigen Fonds?

Nur weil sich ein Fonds in der Vergangenheit positiv entwickelt hat, muss dies in der Zukunft nicht genauso weitergehen. Je länger, möglichst über mehr als ein Jahrzehnt, Sparer regelmäßig in Aktienfonds Geld investieren, desto geringer ist jedoch die Gefahr von Verlusten beim Ausstieg. Das gilt für alle Fonds und damit auch für die nachhaltigen Varianten.

Besonders riskant sind aber Themenfonds. Diese setzen auf bestimmte Zukunftstrends (Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Ernährung, Elektromobilität) oder bilden einen spezielleren Aktienindex nach, oft mit Unternehmen, die im Bereich erneuerbare Energien tätig sind. Dadurch „entsteht ein sogenanntes Klumpenrisiko“, warnt die Verbraucherzentrale Bremen.

Außerdem enthalten Themenfonds, die ein bestimmtes Marktsegment und nicht mehrere Branchen abdecken, oft vergleichsweise Aktien von weniger Firmen. Beides trägt dazu bei, dass die Kurse dieser Fonds stärker schwanken können. Sie haben also ein höheres Risiko, Geld zu verlieren, aber auch die Chance, überdurchschnittlich hohe Renditen zu erzielen.

Anlageexperten raten deshalb, Themenfonds allenfalls als Beimischung innerhalb eines breit diversifizierten Wertpapier-Portfolios mit einem Anteil von fünf bis zehn Prozent zu verwenden.

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Autor

Thomas Öchsner