Altersvorsorge / 01.07.2021

Sonderausgaben: An welchen Ausgaben sich das Finanzamt beteiligt

Spenden, Riester-Beiträge und noch einiges mehr: Wer Sonderausgaben gegenüber dem Finanzamt geltend macht, senkt seine Steuerlast.

Sonderausgaben: An welchen Ausgaben sich das Finanzamt beteiligt. – Paar rechnet Ausgaben mit einem Taschenrechner zusammen, daneben Münzen, Smartphone und Sparschwein.

Inhalt

Sonderausgaben: Welches Formular für was?

„Sie werden in verschiedenen Vordrucken eingetragen“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Nötig sind nach ihren Angaben die Anlagen Vorsorgeaufwand, Sonderausgaben und gegebenenfalls Kind oder die Anlage Unterhalt.

Aufwendungen Anlageformular
Beiträge zur Rentenversicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung Vorsorgeaufwand
Kirchensteuer, Spenden, Beiträge zu politischen Parteien Sonderausgaben
Kitagebühren, Hortgebühren, Schulgeld Kind
Unterhalt an Ehepartner Unterhalt
  • Beiträge zur Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung gehören in die Anlage Vorsorgeaufwand.
  • Sonderausgaben wie etwa Kirchensteuer, Spenden, Beiträge zu politischen Parteien und unabhängigen Wählervereinigungen oder Ausgaben für ein Erststudium, Abendabitur oder die erste Berufsausbildung sind in die Anlage Sonderausgaben einzutragen.
  • In die Anlage Kind vermerken Eltern Kita- oder Hortgebühren sowie Schulgeld. Gleiches gilt für Beiträge, die fürs Kind in Sachen Krankenkasse anfielen – auch dann, wenn das Kind selbst Versicherungsnehmer ist.
  • Unterhalt an den geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Ehepartner gehören in die Anlage Unterhalt.

„Der Steuerzahler trägt jeweils die Kosten ein, die er getragen hatte“, erklärt Jana Bauer vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine. Allerdings erkennt der Fiskus sie nicht immer in vollem Umfang an.

Rentenbeiträge beispielsweise berücksichtigt das Finanzamt für das Jahr 2020 bis zu 25.046 Euro (Singles) und 50.092 Euro (Ehepaare).

Bei den Beitragszahlungen zum Beispiel in die Rürup-Rente – sofern es um die eigene Rente oder um die des Ehe- oder Lebenspartners geht – erkennt der Fiskus für 2020 insgesamt 90 Prozent der Beiträge an.

2019 waren es 88 Prozent. In den nächsten Jahren steigt der Anteil. Ab dem Jahr 2025 sind dann alle Beiträge Sonderausgaben.

Spenden mindern die Steuerlast

Spenden und Mitgliedsbeiträge an steuerbegünstigte und gemeinnützige Vereine berücksichtigt das Finanzamt bis zu einer Höhe von 20 Prozent der gesamten Einkünfte. „Wer in einem Jahr bei den Spenden den Höchstbetrag von 20 Prozent überschritten hat, kann den Betrag darüber hinaus auf das folgende Jahr übertragen“, erläutert Bauer.

Das Finanzamt stellt einen solchen Spendenvortrag zum Jahresende fest. In der Steuererklärung des Folgejahres füllt der Steuerzahler dann in der Anlage Sonstiges die Zeile 6 aus – und kann damit den verbleibenden Teilbetrag steuerlich geltend machen.

Kinderbetreuungskosten und Bildungskosten

Eltern können pro Kind und Jahr bis zu 6.000 Euro Kinderbetreuungskosten als Sonderausgaben in ihrer Steuererklärung angeben. Davon rechnet das Finanzamt zwei Drittel, also höchstens 4.000 Euro, steuermindernd an.

30 Prozent des Schulgelds bei privaten Schulen berücksichtigt der Fiskus bis zu 5.000 Euro pro Kind und Jahr. „Beiträge zur gesetzlichen oder privaten Basis-Kranken- und Pflegeversicherung sind dagegen in voller Höhe als Sonderausgaben absetzbar“, sagt Klocke.

„Nur begrenzt bis zu 6.000 Euro sind Aufwendungen für die erste Berufsausbildung und für das Erststudium als Sonderausgaben absetzbar“, sagt Bauer.

Für Versicherungen gibt es Höchstbeträge

Bestimmte Versicherungen können Steuerzahler als weitere Vorsorgeaufwendungen geltend machen. Dazu zählen etwa Beiträge zur Arbeitslosen-, Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversicherung sowie zu Unfall- und Haftpflichtversicherungen.

Auch hier gibt es Höchstbeträge: Sie liegen bei 2.800 Euro für Selbstversicherer beziehungsweise bei 1.900 Euro bei Angestellten und 3.800 Euro bei zusammenveranlagten Angestellten und Rentnern, also Ehepaare und Lebenspartner.

„Möglich ist das aber nur, soweit der Höchstbetrag nicht bereits durch Beiträge zu Basiskranken- und gesetzlichen Pflegeversicherungen ausgeschöpft wurde“, so Klocke. Bestehen die Versicherungen aus beruflichen Gründen, fallen sie unter Werbungskosten oder Betriebsausgaben.

Unterhaltskosten absetzen

Unterhalt an den Ex-Partner können Steuerzahler bis zu 13.805 Euro als Sonderausgabe absetzen. Dieser Betrag erhöht sich um die vom Unterhaltszahler übernommenen Beiträge für die Basiskranken- und Pflegeversicherung. „Voraussetzung für den Sonderausgabenabzug ist, dass der Ex-Partner dem zustimmt, da er in diesem Fall die Unterhaltszahlungen als sonstige Einnahmen versteuern muss“, so Klocke.

Stimmt der Ex-Partner nicht zu oder unterstützt der Steuerzahler volljährige Kinder, für die es kein Kindergeld und keinen Kinderfreibetrag gibt, können maximal 9.408 Euro plus übernommene Kranken- und Pflegeversicherung als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden.

Pauschale wird automatisch berücksichtigt

Automatisch berücksichtigt der Fiskus einen Sonderausgabenpauschbetrag von 36 Euro (Singles) und 72 Euro (Ehepaare oder eingetragene Lebenspartner). „Für die allermeisten Steuerzahler dürfte es indes kein Problem sein, höhere Aufwendungen nachzuweisen“, so Bauer.

Allein bei der Kirchensteuer kommen in vielen Fällen pro Jahr locker mehrere hundert Euro zusammen. Und auch die Beiträge zur Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung summieren sich übers Jahr gerechnet nicht selten zu einem recht ansehnlichen Betrag. Womit bei vielen die Aussichten für eine Steuerrückerstattung nicht schlecht sind.

Von Sabine Meuter, dpa

Autor

 Deutsche Presseagentur