Altersvorsorge / 08.06.2020

Sparen bei der Altersvorsorge: Alternativen zur Kündigung

Ob Riester-Rente, Lebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherung: In der Not wiegt die Beitragslast oft schwer. Also kündigen? Nicht solange es Alternativen gibt.

Sparen bei der Altersvorsorge: Alternativen zur Kündigung. – Paar im Wohnzimmer sichtet Versicherungsunterlagen.

Inhalt

Wenn Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit das Einkommen schmälern, sind Sparideen gefragt. Warum nicht bei den Versicherungen anfangen? Neben Haftpflicht, Hausrat & Co. landen so schnell die oft teuren Policen zur Altersvorsorge auf dem Prüfstand. Kündigen ist hier selten eine gute Idee. Meist gibt es bessere Alternativen, die den Kostendruck zumindest vorübergehend senken.

Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)

Die Berufsunfähigkeitsversicherung oder ein ähnliches Produkt wie eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist eine der wichtigsten Absicherungen überhaupt. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente kann die Einkommensverluste nicht auffangen, die drohen, falls Sie Ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Zugleich ist die BU oft auch eine der teuersten Versicherungen.

Grundsätzlich ist es zwar möglich, die aktuelle BU-Versicherung zu kündigen und zu einem anderen Anbieter zu wechseln. Aber: Je nach Alter und Gesundheitszustand kann ein neuer Vertrag deutlich teurer werden als der bisherige Vertrag. Im schlimmsten Fall finden Sie keinen Anbieter, der sie versichern möchte. Kündigung ist deshalb nur dann eine Option, wenn Sie einen neuen Vertrag zu besseren Konditionen sicher haben.

Die Alternativen

Gerade in der derzeitigen Situation zeigen sich viele Versicherer offen für flexible Lösungen, wenn Sie in finanziellen Schwierigkeiten sind. Im Idealfall wird Ihr fälliger Beitrag einfach gestundet – der Schutz bleibt bestehen, der Beitrag kann später nachgezahlt werden. Ist das nicht möglich, sehen viele Versicherer vor, die Leistungen etwas zu reduzieren, um so die fehlenden Beiträge auszugleichen.

Was tun?

Sprechen Sie Ihren Versicherungsvermittler an und bitten Sie ihn, eine individuelle Lösung beim Versicherer anzufragen. Wurde der Schutz direkt online abgeschlossen, fragen Sie direkt beim Versicherer an und lassen Sie sich die Optionen zeigen.


Risikolebensversicherung

Eine Risikolebensversicherung soll Familie, den Lebenspartner oder auch den Geschäftspartner finanziell für den Fall absichern, dass Ihnen etwas zustößt. Ähnlich wie bei der BU-Versicherung, kann es schwierig sein, nach einer Kündigung einen neuen Anbieter zu finden, wenn es gesundheitliche Einschränkungen gibt. Viele Versicherer verlangen Risikozuschläge oder lehnen Ihren Antrag schlichtweg ab.

Die Alternativen

Auch für die Risikolebensversicherung gibt es die Möglichkeit, die Beitragszahlungen zu stunden und die offenen Beiträge später nachzuzahlen oder die Leistungen etwas zu reduzieren.

Was tun?

Sprechen Sie Ihren Vermittler an und bitten Sie ihn, eine Lösung auszuarbeiten.


Riester-Rente und Rürup-Rente

Egal, ob Sie eine Riester-Rente abgeschlossen haben, eine Basis- oder Rürup-Rente oder mit einer privaten Rentenversicherung vorsorgen: Der Altersvorsorge liegt in der Regel ein Konzept zugrunde, das über Jahrzehnte ausgelegt ist. Eine Kündigung bringt meist massive Nachteile mit sich, weil Abschluss und Verwaltungskosten den bisherigen Ertrag gerade bei jüngeren Verträgen belasten.

Fondsgebundene Policen stehen womöglich sogar im Minus, selbst bei Beitragsgarantien, weil diese Garantien lediglich zum Ende der Vertragslaufzeit gelten. Bei einer Kündigung der Riester-Rente müssen Sie zudem Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Das Vertragsguthaben schmilzt dann erheblich. Und eine Rürup-Rente ist wegen der besonderen rechtlichen Gestaltung gar nicht kündbar, sondern kann nur beitragsfrei gestellt werden. Auf das Vertragsguthaben erhalten Sie damit keinen Zugriff.

Die Alternative

Sie können bei den Altersvorsorgeverträgen in aller Regel die Beitragsfreistellung nutzen. Damit reduziert sich allerdings die Ablaufleistung oder die Rente im Alter, so dass der Schritt gut überlegt sein will. Fondsgebundene Lösungen bieten sich jetzt eher zum Nachkaufen an als zum Kündigen, um die gefallenen Kurse der letzten Wochen zu nutzen.

Was tun?

Bitten Sie Ihren Vermittler oder den Versicherer direkt zu berechnen, wie sich die Beitragsfreistellung auf die garantierten Leistungen im Alter auswirken wird. So sehen Sie, wie viel Rente oder Kapital Sie eine Beitragsfreistellung kosten wird.


Krankenversicherung

In Deutschland besteht eine Pflicht zur Krankenversicherung. Der Krankenschutz lässt sich nur kündigen, wenn ein neuer Schutz besteht und nachgewiesen werden kann. Damit ist es nicht möglich, sich vorübergehend ganz aus der Krankenversicherung auszuklinken und so Beiträge zu sparen.

Wer als Privatversicherter mit den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie kämpft, sollte über eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) nachdenken. Das ist in bestimmten Fällen möglich. Aber Vorsicht: Altersrückstellungen gehen bei einer Kündigung verloren. Eine Rückkehr in die private Krankenversicherung wird gegebenenfalls schwierig, wenn mittlerweile Vorerkrankungen bestehen.

Die Alternative

Schließen Sie mit dem Wechsel in die gesetzliche Kasse eine Anwartschaftsversicherung ab, die Ihnen die Rückkehr in die PKV ohne Gesundheitsprüfung ermöglicht. Müssen oder wollen Sie in der PKV bleiben, kann ein Tarifwechsel helfen, den monatlichen Beitrag zu senken.

Was tun?

Ihr Versicherungsvermittler kann Ihnen zeigen, was eine Anwartschaft kostet und den entsprechenden Vertrag auf den Weg bringen. Für einen Tarifwechsel muss Ihr Versicherer Ihnen ein konkretes Angebot machen. Entscheiden Sie einen solchen Wechsel aber nicht zu voreilig. Spezialisierte Makler vergleichen den alten und den angebotenen Neutarif und zeigen, wie gut oder schlecht dieser alternative Schutz ist.

Tipp:
In unserem ausführlichen Magazin-Beitrag zeigen wir auf, wie Selbstständige die Kosten für die Krankenversicherung senken.


Krankenzusatzversicherung

Bei ergänzenden Krankenversicherungen wie etwa Zahnzusatzversicherungen, stationäre Ergänzungspolicen und auch Heilpraktikerversicherungen gibt es ebenfalls Sparpotenzial. Aber wie bei allen Versicherungen mit einer individuellen Gesundheitsprüfung gilt auch hier: Ein Wechsel ist riskant, denn vor einem neuen Vertrag steht die Hürde einer neuen Risikoprüfung.

Bei der Zahnzusatzversicherung führt eine Kündigung zudem dazu, dass bei einem neuen Vertrag die Wartezeit und die Zahnstaffel von vorne zu laufen beginnen. Die Leistungen sind dann in den ersten Jahren deutlich begrenzt. Zudem haben ältere Verträge oft Leistungszusagen, die in neuen Policen dem Rotstift zum Opfer gefallen sind.

Die Alternative

Auch beim Zusatzschutz für GKV-Versicherte lässt sich über eine Beitragsfreistellung reden. Der Schutz bleibt bestehen und Sie zahlen die Beiträge später nach. Befürchten Sie dauerhaft wirtschaftliche Einbußen, kommt womöglich ein Wechsel in einen günstigeren Tarif mit geringeren Leistungen in Frage.

Was tun?

Sprechen Sie Ihren Versicherer oder Vermittler an und lassen Sie sich einen Plan erstellen, wie lange die Beiträge ausgesetzt werden können und wie nachgezahlt werden soll. Alternativ fragen Sie nach den Möglichkeiten für einen Wechsel in einen günstigeren Tarif, um den Beitrag zu senken.


Sparen bei Haftpflicht, Hausrat & Co.

Die Übersicht zu den einzelnen Sparten zeigt, dass bei der individuellen Vorsorge und Absicherung die Kosten zwar vorübergehend gesenkt werden können, langfristige Lösungen aber in der Regel mit Leistungseinbußen einhergehen. Anders sieht es bei der Standardabsicherung im Alltag aus, etwa bei der Haftpflicht-, Wohngebäude- oder Hausratversicherung: Das Sparpotenzial ist immens, Vertragsumstellungen oder Wechsel des Anbieters senken die Beiträge schnell um 30 bis 50 Prozent, und das meist ohne nennenswerte Qualitätseinbußen. Der Grund: Viele Versicherte schleppen alte Verträge mit sich herum, die längst überholt und neu aufgelegt sind.

Bei anderen Versicherungen kann Krise auch dafür genutzt werden, die Notwendigkeit der bestehenden Verträge einmal kritisch zu hinterfragen: Brauche ich den Rechtsschutz wirklich noch? Muss ich eine Unfallversicherung haben? Ist eine Krankenhaustagegeldversicherung wirklich noch zeitgemäß? Und muss ich für Reiseversicherungen zahlen, wo ich doch kaum reisen kann derzeit?

So kann zum Beispiel eine Unfallversicherung überflüssig sein, wenn das Risiko einer Invalidität schon über die Berufsunfähigkeitsversicherung ausreichend abgesichert ist. Bei einem Motorradfahrer aber besteht ein erhöhtes Unfallrisiko, so dass Unfallschutz bestehen bleiben sollte.

Ein erfahrener Berater oder Makler kann bestehende Verträge überprüfen und ganz klar zeigen, was individuell behalten werden sollte und was gekündigt werden kann.

Autorenbild

Autor

Oliver Mest