Altersvorsorge / 25.10.2021

Sparen mit ETF: Rürup-Rente clever nutzen

Rürup-Sparer können auch staatlich gefördert mit kostengünstigen Indexfonds (ETFs) für den Ruhestand sparen – und so von Steuervorteilen profitieren.

Sparen mit ETF: Rürup-Rente clever nutzen. – Spielfiguren und Holzklötze mit Aufschrift Altersvorsorge.

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Mit staatlicher Förderung fürs Alter vorsorgen – das geht nicht nur mit der Riester-Rente, sondern auch mit der weniger bekannten Rürup-Rente. Das auch als Basis-Rente bekannte Angebot richtet sich zwar vorwiegend an Selbständige, ist aber für alle Erwerbstätige offen.

Der Clou: Wer einen Rürup-Vertrag abschließt, kann Sparbeiträge steuerlich geltend machen. Das kann sich lohnen und geht auch mit den beliebten Exchange Traded Funds (ETFs), den börsengehandelten Indexfonds. Was Anlegerinnen und Anleger dabei beachten müssen:

Wer die Rürup-Rente nutzen darf

Bei der Rürup-Rente fördert der Staat die private Altersvorsorge mit Steuervorteilen und nicht wie bei der Riester-Rente auch mit Zulagen.

Gedacht sind die Rürup-Verträge für Selbständige, die für eine spätere Rente sparen wollen. Sie können dabei gleichzeitig freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen oder dort pflichtversichert sein, müssen das aber nicht. Die Rürup-Rente kann somit eine Ergänzung zur gesetzlichen Rente oder einer anderen bereits bestehenden Altersversorgung sein, etwa wenn über ein berufsständisches Versorgungswerk (zum Beispiel für Ärzte, Architekten oder Rechtsanwälte) bereits vorgesorgt wird.

Was dabei jedoch oft vergessen wird: Die Rürup-Rente ist für alle Erwerbstätigen offen. „Riestern“ können nur Arbeitnehmer und Beamte, „Rürupen“ kann jeder.

Was die Rürup-Rente attraktiv machen kann

Wer „rürupt“, kann kräftig Steuern sparen. Maßgeblich dafür sind in der Steuererklärung die sogenannten Vorsorgeaufwendungen fürs Alter. In diesem Jahr können Sparerinnen und Sparer dafür Beiträge von bis zu 25 .787 Euro geltend machen. Das Finanzamt erkennt davon 2021 aber nur 92 Prozent an, das sind aufgerundet 23. 724 Euro pro Person. Der absetzbare Teil steigt schrittweise um zwei Prozentpunkte an. 2025 berücksichtigt das Finanzamt dann 100 Prozent.

Auf den steuerlichen Höchstbetrag werden aber auch andere Beiträge, etwa für die gesetzliche Rente oder für ein Versorgungswerk, angerechnet. Einzahler sollten deshalb die Höchstgrenze im Blick haben.

Von der Steuerersparnis profitieren vor allem Anleger mit hohem Einkommen und größeren Sparbeiträgen. Beispiel: Wer nach Abzug von Betriebskosten 60 .000 Euro verdient und 500 Euro monatlich in eine Rürup-Rente einzahlt und diese voll bei der Steuererklärung geltend machen kann, hat eine jährliche Steuerersparnis von mehr als 2000 Euro.

Wann sich die Rürup-Rente nicht lohnt

Knapp 2,4 Millionen Verträge wurden laut dem Versichererverband GDV bereits abgeschlossen. Die meisten davon sind klassische Rentenversicherungen. Diese versprechen eine garantierte Rente nach einer vereinbarten Laufzeit, in der monatlich oder jährlich ein bestimmter Beitrag angespart wird.

Verbraucherschützer sehen hier zwei gravierende Nachteile:

  • Die Zinsen sind schon jetzt kümmerlich, trotzdem wird der Garantiezins auf den Sparanteil des Beitrags von derzeit 0,9 auf gerade einmal 0,25 Prozent gesenkt.
  • Verträge können so hohe Kosten haben, dass es trotz der Steuervorteile nicht leicht ist, positive Renditen zu erzielen.

Abschluss- und Vermittlungskosten sind im Voraus zu bezahlen. Werden dann Einzahlungen reduziert oder vorzeitig beendet, führt dies dazu, „dass die Gesamtrendite des Vertrages stark sinkt“, warnt die Stiftung Warentest. Sie empfiehlt Selbständigen zu prüfen, ob es für sie nicht besser ist, freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen.

Welche Nachteile die Rürup-Rente noch hat

Die Verträge kann man nicht vorzeitig kündigen, sondern nur beitragsfrei stellen oder Beiträge verringern. Ans Geld kommt man in der Einzahlungsphase deshalb nicht heran.

Auch gibt es anders als bei der Riester-Rente nicht die Möglichkeit, sich im Rentenalter zumindest einen kleineren Teil des angesparten Kapitals auszahlen zu lassen. Die Rürup-Rente gibt es immer nur als Monatsrente bis zum Lebensende – und die Steuerlast wird ins Alter verschoben, weil im Ruhestand die ausgezahlte Zusatzrente zu versteuern ist. Allerdings ist im Ruhestand auch meistens der Steuersatz deutlich geringer als im Arbeitsleben.

Wie sich Partner mit einer Rürup-Rente absichern lassen

Kunden können eine lebenslange Rente für ihren Ehe- oder Lebenspartner vereinbaren. „Dieser Schutz ist jedoch teuer. Viel günstiger ist eine Rentengarantiezeit von zehn Jahren“, heißt es bei der Stiftung Warentest. Stirbt der oder die Versicherte in dieser Zeit, wird die Rente an den Hinterbliebenen bis zum Ablauf von zehn Jahren nach Rentenbeginn gezahlt. Ohne diesen Schutz für Hinterbliebene gehen diese leer aus.

Das angesparte Kapital lässt sich nicht vererben. Stirbt der Sparer in der Ansparphase, geht das Geld an den Versicherer oder die Fondsgesellschaft. Kunden sollten bei Bedarf aber fragen, ob sich stattdessen eine Auszahlung der gesparten Beiträge an Hinterbliebene vereinbaren lässt.

Welche Alternativangebote es gibt

Wer noch ein, zwei oder mehr Jahrzehnte bis zur Rente hat, kann eine fondsgebundene Rürup-Rentenversicherung abschließen. Darin wird ein bestimmter Teil in Aktienfonds angelegt, der andere beim Versicherer. Die Sparer haben so die Chance auf höhere Renditen am Aktienmarkt. Sie sollten aber genug Zeit haben, längere Schwächephasen an der Börse durchzustehen.

Nachteil: Die Kosten können noch höher sein als bei der klassischen Variante, weil dann für die Versicherung und das Fondsmanagement Kosten anfallen. Man kann aber einen Versicherer wählen, der ETFs zur Auswahl anbietet, die einen bestimmten Aktienindex nachbilden, ohne dass Ausgaben fürs Fondsmanagement fällig sind.

Was Rürup-Sparer bei der ETF-Variante beachten müssen

Rürup-ETF-Sparer dürfen nicht vergessen, dass das aufgebaute Vermögen zu einem festgelegten Zeitpunkt in eine lebenslange Rente umgewandelt wird. Sollte es aber wenige Jahre vor diesem Termin zu einem länger anhaltenden Börsencrash kommen, wäre schlimmstenfalls ein beträchtlicher Teil des angesparten Kapitals verloren.

Solche Beitragszahler müssen sich deshalb rechtzeitig darum kümmern, dass vor dem Renteneintritt Aktien-ETFs in sicherere Anleihen-ETFs und Geldmarktfonds umgeschichtet werden. Ansonsten müssten sie versuchen, im Falle eines Kursabsturzes den Rentenbeginn zu verschieben.

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Autor

Thomas Öchsner