Altersvorsorge / 25.11.2020

Statt ETF-Sparplan: Was für die Versicherungslösung spricht

Direktbanken und Online-Broker locken mit ETF-Sparplänen. Doch manchmal lohnt sich auch der Weg über eine Versicherung.

Börsencharts an einer Tafelt mit grünem ansteigendem Pfeil für nachhaltige Aktien.

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Indexbasierte Aktienfonds, so genannte ETFs, sind längst kein Geheimtipp mehr. Experten raten dazu, die Altersvorsorge zumindest zum Teil auf solche Fonds aufzubauen, die die wichtigsten Aktienindizes abbilden. Als einfachste und günstigste Lösung gelten ETF-Sparpläne, wie sie von vielen Banken und Online-Brokern angeboten werden.

Doch auch Versicherer mischen in dem Geschäft mit. Sie bieten als Alternative zum Depot private Rentenversicherungen, die auf ETFs aufsetzen. Das klingt zunächst wenig attraktiv, denn warum sollte ich einen Versicherer dafür bezahlen, dass er Aktien kauft? Tatsächlich kann auch die Versicherungslösung Vorteile bieten.

Steuern: Rentenversicherung punktet gegen ETF-Sparplan

Einer der gravierenden Unterschiede zwischen einem ETF-Sparplan und einer entsprechenden Versicherung ist die steuerliche Behandlung. Für Rentenversicherungen gilt das Steuerprivileg. Das bedeutet:

  • Während der Ansparphase sind die Erträge der Rentenversicherung abgeltungssteuerneutral. Gewinne werden reinvestiert, ohne dass sie steuerlich belastet werden. Das optimiert den Zinseszinseffekt.
  • Im Alter haben Sie die Wahl: Bei der Auszahlung des Kapitals werden die Erträge lediglich zur Hälfte individuell versteuert. Wer die Auszahlung clever plant, zahlt meist gar keine Steuern.
  • Alternativ wird bei einer Verrentung des Kapitals lediglich der geringe Ertragsanteil besteuert. In der Praxis bedeutet das eine steuerliche Belastung von meist deutlich unter zehn Prozent auf die monatliche Rente.

Beim ETF-Sparplan führt jedes Umschichten, jeder Verkauf zur Belastung der Erträge durch die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent plus Kirchensteuer und gegebenenfalls Solidaritätszuschlag. Gerade nach mehreren Jahren mit einem entsprechend höheren Guthaben ist der steuerliche Freibetrag hier keine Hilfe mehr.

In der Konsequenz kostet der Verlust des Zinseszinseffektes den Sparer über die gesamte Vertragslaufzeit rund 0,5 bis 1 Prozentpunkt Rendite im Vergleich zur Rentenversicherung.

Kosten: ETF-Sparplan meist günstiger

Bei Rentenversicherungen belasten die Kosten die Rendite mit 1 bis 2 Prozentpunkten. In Ausnahmefällen bei teuren Verträgen kann der Kostenanteil sogar noch höher sein. ETF-Sparpläne werden hingegen häufig kostenlos angeboten.

Der Verkauf von ETF-Anteilen allerdings unterliegt an der Börse dem sogenanntem Spread, also dem Aufschlag auf den Verkaufspreis. Und wer nicht über einen Sparplan in ETFs investiert, sondern die Anteile direkt kauft, der muss Ordergebühren einkalkulieren. Geschenkt gibt es also auch beim Handel mit ETF nichts. Auch, wenn die meisten Depots heute kostenlos sind – ob das in Zukunft so bleibt, ist ungewiss.

Versicherungen sind bequem

Ein Vorteil der Versicherungslösung: Fallen zum Beispiel die Kurse, greift die Kapitalgarantie. Auch das Umschichten, falls es einen besseren ETF gibt, der den gleichen Zweck erfüllt wie der bisherige, ist Aufgabe des Versicherers.

Rentenversicherung dient der Alterssicherung

Pluspunkte sammelt die Rentenversicherung auch, wenn es darum geht, die Versorgung bis zum Lebensende sicher zu stellen. Eine Rentenversicherung verpflichtet sich dazu, die versicherte Rente lebenslang zu zahlen – egal, ob Sie 70,80 oder 105 Jahre alt werden.

ETF-Sparpläne müssten für den gleichen Sicherungszweck im Alter umgeschichtet werden in eine sofortbeginnende Rentenversicherung. Das verursacht weitere Kosten und ist steuerlich von Nachteil.

Dazu sind viele Versicherungslösungen mittlerweile multifunktional und bietet neben einer Absicherung des Sparbeitrages gegen das Risiko einer Berufsunfähigkeit auch die Option, das Pflegerisiko mit abzusichern, und das ohne erneute Gesundheitsprüfung im Alter.

Versicherungen bieten Verlässlichkeit

Versicherungen gelten als unflexibel. Tatsächlich lassen sich die Einzahlungen in die Policen in der Regel stoppen, erweitern und erlauben auch den Zugriff auf das Kapital, wenn es erforderlich sein sollte. In einem Punkt allerdings sind sie tatsächlich starr: Mit Vertragsabschluss werden die Rahmenbedingungen festgeschrieben – rechtlich, etwa mit dem garantierten Rentenfaktor, aber auch in punkto Kosten und in steuerlicher Hinsicht.

Beim An- und Verkauf von ETFs können die Banken dagegen die Rahmenbedingungen jederzeit ändern. Das gilt etwa für die Kosten. Auch die steuerliche Bewertung kann sich ändern.

Schutz der Anlage bei Insolvenz

Wer in einen ETF-Sparplan investiert, braucht sich keine Sorgen vor einem Totalverlust durch eine Pleite der Bank zu machen. ETF aus Sparplänen gelten als Sondervermögen. Die Anteile gehen also nicht in das Eigentum der Bank beziehungsweise Fondsgesellschaft über, sondern bleiben Eigentum des Sparers. Das heißt: Im Konkursfall stehen Ihnen Ihre Anteile zu.

Aber wie liegt der Fall, wenn ein Versicherer pleite geht? Dann greift Protektor, das Sicherunsgsystem der Lebensversicherer. Droht einem Versicherer die Insolvenz, kann er Gesamtbestand an Versicherungsverträgen auf den Sicherungsfonds Protektor übertragen und dort fortgeführt werden. Auf diese Weise sind die Verträge deutscher Lebens- und substitutiver Krankenversicherungsunternehmen als Ganzes geschützt.

Was trotzdem für einen ETF-Sparplan spricht

Keine Versicherung kann alle ETF-Sparpläne anbieten, die am Markt erhältlich sind. Je spezieller Sie investieren wollen, umso schwieriger dürfte es werden, eine fondsgebundene ETF-Lösung zu finden. Echte ETF-Profis werden deshalb selten zu einer ETF-Lösung im Versicherungsmantel greifen können.

Wer Zeit, Muße und Know-How hat, seine ETF-Anlagen genau zu kontrollieren und schnell zu reagieren, der kann eine Versicherungslösung trotz der steuerlichen Vorteile in punkto Rendite ganz bestimmt schlagen. Die Erfahrung zeigt aber, dass die Wenigsten über Jahre und Jahrzehnte dieses Engagement an den Tag legen.

Im Anleger- und Sparer-Alltag hat es sich bewährt, eine Mischlösung zu finden: Ein Versicherungsprodukt deckt die langfristigen Sparziele ab, die so ohne viel Aufwand erreicht werden können. Ein kleiner ETF-Sparvertrag hilft zusätzlich dabei, die Gesamtrendite zu optimieren.

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Autor

Oliver Mest