Nachgefragt / 14.01.2015

Sterbegeldversicherung: Fast immer ein Verlustgeschäft

Ein Begräbnis kann heute schnell 10.000 Euro oder mehr kosten. Gerade ältere Menschen wollen vorsorgen, damit die Angehörigen nicht auf den Kosten sitzen bleiben. Aber eine Sterbegeldversicherung ist in den meisten Fällen nicht das richtige Mittel, sagt Michael Wortberg, Referent Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Ältere Frau füllt Formular mit Kugelschreiber aus, während jüngere Frau mit Bleistift in der Hand betreuend daneben sitzt. – Bildnachweis: wdv.de © Jan Lauer

Herr Wortberg, Verbraucherschützer warnen vor dem Abschluss einer Sterbegeldversicherung, warum?

Michael Wortberg: Es besteht die große Gefahr, dass man wesentlich mehr einzahlt, als dann später als Versicherungssumme zu Verfügung steht. Dies zeigt ein uns aktuell vorliegendes Beispiel sehr drastisch: Die Beiträge sind bis zum 31.12.2022 zu zahlen. Erlebt der Versicherte diesen Zeitpunkt, so hat er acht Jahre x 12 Monate x 57,68 Euro eingezahlt. Das sind 5.537,28 Euro. Dem steht eine Garantiesumme von 3.077 Euro als Versicherungssumme gegenüber.

Warum schließen vor allem ältere Menschen immer wieder Sterbegeldversicherungen ab?

Michael Wortberg: Sie möchten ihre Angehörigen nicht belasten und trotzdem sicher gehen, würdevoll beerdigt zu werden.

Das heißt also, Angehörige werden mit so einer Versicherung nicht immer entlastet?

Michael Wortberg: Wenn man von den genannten Zahlen ausgeht, reicht keine der Sterbegeldversicherungen, die ich bisher gesehen habe.

Viele Leute glauben, dass es sich bei der Sterbegeldversicherung um einen Sparplan handelt und man regelmäßig kleine Beträge zur Seite legt, für Beerdigung, Blumenschmuck und so weiter. Was steckt wirklich dahinter? Und welche Auswirkungen hat das aufs ei

Michael Wortberg: Die Sterbegeldversicherung ist eine kleine Kapitallebensversicherung – „klein“ wegen der meist niedrigen Versicherungssummen. Es handelt sich also um eine Mischung aus Sparvorgang und Todesfallschutz.

Der Pferdefuß ist: Wer im hohen Alter abschließt, muss unterm Strich teuer dafür bezahlen. Denn je höher das Eintrittsalter ist, desto höher kalkulieren die Versicherer das Sterblichkeitsrisiko. Weil der Großteil der eingezahlten Beiträge für den Risikoschutz des Versicherten draufgeht, wird die Police so gut wie immer zum Verlustgeschäft, wenn man ein hohes Alter erreicht.

Wie kalkulieren Versicherer im Bezug aufs Alter der Kunden und Vertragslaufzeit bis zum Tod?

Michael Wortberg: Das kann ich nicht rechtssicher beantworten, da sich natürlich niemand richtig in die Karten schauen lässt.

Für wen wird's besonders teuer?

Michael Wortberg: Wer spät einsteigt und eine sehr lange Laufzeit wählt, muss mit einem besonders hohen Beitrag rechnen.

Was sollte man stattdessen tun, wenn man für das eigene Begräbnis vorsorgen will?

Michael Wortberg: Wer für seine Beerdigung sparen will, sollte das lieber auf eigene Faust tun und Versicherungen meiden. Zum Beispiel, indem monatlich Geld in einen ganz normalen Banksparplan ohne Gebühren, aber mit bestmöglicher Verzinsung gespart wird. Wir wissen, dass die Zinsen derzeit weit unten sind, aber die Versicherer sind davon genauso betroffen.

Lohnt sich die Kündigung der Police?

Michael Wortberg: Wer entweder schon höhere Rücklagen hat oder selbst vorsorgen will, sollte insbesondere in den ersten Jahren darüber nachdenken, den Vertrag trotz möglicher Verluste zu kündigen.

Gibt es eine Situation, in der Sie verstehen können, wenn jemand eine solche Versicherung abschließt?

Michael Wortberg: Ja, wenn man überhaupt keine Möglichkeit hat, anders für das Begräbnis vorzusorgen und auch die Angehörigen an den Bettelstab bringen würde und wenn man sicher sein will, dass man würdevoll beerdigt wird, dann kann man über einen solchen Vertrag nachdenken. Aber: Die Versicherungssumme muss ausreichend bemessen sein.

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Autor

Katja Mathes