Altersvorsorge / 20.09.2021

Steuererklärung in Corona-Zeiten

Wie sich die Corona-Pandemie auf Ihre Steuererklärung auswirkt, worauf Sie achten müssen und wo Sie Steuern sparen können.

Steuererklärung in Corona-Zeiten. – Mann füllt Steuererklärung aus mit Taschenrechner und Aktenordner.

Inhalt

Die Corona-Pandemie hat für viele Angestellte das Arbeitsleben komplett umgekrempelt: Wer arbeiten konnte, musste dies meist von daheim aus tun. Dienstreisen waren ebenso gestrichen wie Seminare und Messen. Und viele Beschäftigte waren von Kurzarbeit betroffen. Auch für die Steuererklärung ist das Pandemie-Jahr 2020 ein besonderes Jahr mit besonderen Regelungen. Wir sagen Ihnen, ob Sie eine Steuererklärung abgeben müssen, worauf Sie achten sollten und wie Sie Steuern sparen können.

Home Office in der Pandemie

Im Jahr 2020 dürften so viele Arbeitnehmer wie nie zuvor im Home-Office gearbeitet haben. Steuerlich betrachtet haben jedoch die wenigsten ein echtes häusliches Arbeitszimmer. Um den Pandemiebedingungen gerecht zu werden, können Sie jedoch in diesem Jahr Sonderregelungen in Anspruch nehmen.

Eigentlich ist ein häusliches Arbeitszimmer – umgangssprachlich auch Home-Office genannt – steuerlich nur in sehr engen Grenzen abziehbar. Der Grund: Häufig mischen sich berufliche und private Sphäre so stark, dass eine Trennung nicht möglich ist. Normalerweise dürfen die Kosten für ein Büro daheim nur unter zwei Bedingungen geltend gemacht werden.

Fall 1: Mittelpunkt der beruflichen und betrieblichen Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer

Diese Variante kommt für Angestellte in der Regel nicht in Betracht und greift meist für Selbstständige. Der Maßstab, wo der Mittelpunkt der Tätigkeit liegt, richtet sich außerdem nicht nach zeitlichen Kriterien. Hier geht es darum, ob Sie alles, was für Ihren Beruf prägend ist, daheim am Schreibtisch erledigen. Ist dies der Fall, dürfen Sie Ihre Kosten unbeschränkt ansetzen.

Fall 2: Häusliches Büro vorhanden, kein anderer Platz zum Arbeiten

Die zweite Variante ist normalerweise für Lehrer oder Außendienstler interessant. Wer kein anderes Büro hat als das Zuhause, darf die anteiligen Kosten bis zu 1250 Euro pro Jahr für das Home-Office geltend machen. Dies ist kein Pauschbetrag, die Ausgaben müssen nachgewiesen werden.

Dazu kommt in beiden Fällen noch die Beschaffenheit des Arbeitszimmers:

  • Der Arbeitsraum muss räumlich vom Rest der Wohnung getrennt sein. Das bedeutet, es muss in aller Regel eine Wand und eine Tür geben, die den Raum vom Wohnbereich abgrenzen.
  • Darüber hinaus muss die Ausstattung einer beruflichen Nutzung entsprechen. Ein Sofa darf also im Büro stehen, jedoch kein Bett oder Kleiderschrank.

Arbeitgeber muss Homeoffice angeordnet haben

Die zweite Variante kann für manche Arbeitnehmer im Corona-Steuerjahr interessant werden: allerdings nur dann, wenn sie tatsächlich von zuhause aus arbeiten mussten, weil der Chef es so angeordnet hat und die Firma geschlossen bleibt. Wenn der Chef in Pandemie-Zeiten lediglich empfohlen hat, daheim zu arbeiten, greift diese Möglichkeit nicht.

Hat Ihr Arbeitgeber jedoch den Betrieb geschlossen und Sie haben daheim ein Arbeitszimmer, dürfen Sie die Kosten bis zum Höchstbetrag von 1250 Euro ansetzen.

  • Die laufenden Ausgaben – etwa Miete und Nebenkosten – müssen Sie anteilig berechnen
  • Kosten, die sich ausschließlich auf das Arbeitszimmer beziehen, dürfen Sie vollständig absetzen. Dazu zählen Ausgaben für Renovierung oder Reparaturen im häuslichen Arbeitszimmer, Reinigung oder auch Kosten für Tapeten, Teppiche, Vorhänge und Lampen.

Mögliche Ausgaben für das häusliche Arbeitszimmer

  • anteilige Miete
  • Heizkosten
  • Strom
  • die anteiligen Kosten für die Hausratsversicherung oder Wohngebäudeversicherung
  • Ausgaben für Renovierung im häuslichen Arbeitszimmer
  • Reinigung
  • Grundbesitzabgaben, anteilige Darlehenszinsen und Abschreibungen auf das Gebäude, wenn es sich um Eigentum handelt. wenn es sich um Eigentum handelt.

Home-Office-Pauschale nutzen

Aber auch diejenigen, die zuhause über kein eigenes Büro verfügen oder freiwillig von daheim gearbeitet haben, profitieren von einer neuen Steuerregelung. Sie dürfen die neue Home-Office-Pauschale nutzen, die es 2020 und 2021 gibt.

Für jeden Arbeitstag im Home-Office dürfen sie eine Pauschale von 5 Euro in der Steuererklärung angeben – maximal 600 Euro. Das entspricht 120 Home-Office-Tagen.

Aber Achtung:

Die Home-Office-Pauschale gehört zur Werbungskostenpauschale von 1000 Euro. Kommen Sie insgesamt mit Ihren beruflichen Kosten steuerlich nicht über diesen Betrag, haben Sie nichts von der Home-Office-Pauschale.


Diese neue Regelung ist auch eine Alternative für diejenigen, die zwar die Kosten für ihr häusliches Arbeitszimmer geltend machen dürfen, aber nicht sonderlich hohe Kosten haben. Sie dürfen statt der tatsächlichen Aufwendungen die Pauschale angeben. Mietkosten, Ausgaben für Wasser, Strom und Heizung sowie anteilige Reinigungskosten und andere Ausgaben sind vorn der Pauschale abgedeckt. Aufwendungen für Telekommunikation und Internet sowie die Kosten für Arbeitsmittel können gesondert in der Steuererklärung angesetzt werden.

Kosten für Telefon, Handy und Internet dürfen Sie entweder mit einer Pauschale oder mit Einzelnachweisen steuerlich absetzen.

  • Pauschal: Sie machen 20 Prozent Ihrer monatlichen Kosten geltend, maximal 20 Euro.
  • Einzelnachweis: Sie rechnen mithilfe Ihrer Einzelnachweise aus, wie hoch der berufliche Prozentsatz der Kosten ist. Die Höhe der abziehbaren Ausgaben ist nicht begrenzt.

Normalerweise darf die Pauschale nur von bestimmten Gruppen von zuhause aus genutzt werden. Wenn Ihr Chef Sie jedoch gebeten hat, von daheim aus zu arbeiten, gehören Sie zumindest vorübergehend zu dieser Gruppe und dürfen die Pauschale nutzen.

Achtung: Das Finanzamt kann von Ihnen verlangen, dass Sie die Telefonrechnungen vorlegen, um nachzuvollziehen, ob Sie die Pauschale richtig berechnet haben. Sie müssen die Rechnungen allerdings nicht mit der Steuererklärung einreichen. Wichtig ist, dass Sie jeden Monat einzeln abrechnen, nicht ausgenutzte Höchstbeträge dürfen nicht in andere Monate geschoben werden.

Drucker, Notebook & Co.: Anschaffungen steuerlich absetzen

Arbeitsmittel dürfen Sie immer ansetzen – gleich ob Sie ein häusliches Arbeitszimmer geltend machen können oder nicht. Dazu zählt nicht nur das Büromaterial, sondern auch größere Anschaffungen wie ein neues Notebook oder ein Drucker.

Zu den Arbeitsmitteln zählt alles, was Sie alltäglich für Ihre berufliche Tätigkeit benötigen, beispielsweise:

  • Computer und andere elektronische Geräte,
  • Einrichtungsgegenstände oder auch
  • Werkzeuge.

Zu den Anschaffungskosten gehört nicht nur der Kaufpreis selbst, sondern auch die Versandkosten, Fracht und ähnliches.

  • Arbeitsmittel bis zu einem Höchstbetrag von 800 Euro netto können sofort als Werbungskosten angegeben werden.
  • Anschaffungen, die über 800 Euro liegen, müssen über die amtlich vorgeschriebene Nutzungsdauer abgeschrieben werden.

Private Nutzung von Arbeitsmitteln

Die Arbeitsmittel müssen überwiegend beruflich genutzt werden. Das bedeutet, dass die private Veranlassung „untergeordnet“ sein muss. Die Grenze dafür zieht das Finanzamt bei zehn Prozent privater Mitnutzung. Ausnahme: Bei Computern erlaubt die Finanzverwaltung aus Vereinfachungsgründen, den Privatanteil zu schätzen. In aller Regel dürfen Sie in solchen Fällen 50 Prozent der Computerkosten beruflich geltend machen.

Tipp:

Wenn Sie Ihren tatsächlichen beruflichen Anteil ermitteln wollen, führen Sie am besten eine Art Fahrtenbuch. Zu den beruflichen Aufgaben können beispielsweise das Erstellen einer Präsentation, von Statistiken oder anderen Tabellen oder das Schreiben von beruflichen Texten oder einer Bewerbung gehören. Auch das beruflich veranlasste Webinar oder der virtuelle Kongress zählen dazu.

Außerdem sollten Sie aufschreiben, was der Grund für die berufliche Internet-Nutzung war, also beispielsweise die Bestellung von Fachliteratur oder die Recherche für eine Präsentation.


Wie die einzelnen Finanzämter mit speziellen Anschaffungen aufgrund der Corona-Pandemie umgehen werden, ist noch offen. Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte bereits mit Abgabe der Steuererklärung darlegen, warum diese oder jene Ausgabe angesetzt wurde. Die Begründung können Sie im Feld „ergänzende Angaben zur Steuererklärung“ aufschreiben.

Ausfälle in der Pandemie steuerlich absetzen

Vieles war anders im ersten Corona-Jahr: Messen fanden nicht statt, Dienstreisen konnten nicht angetreten werden und so mancher musste vielleicht sogar die Zweitwohnung am Arbeitsplatz kündigen. Die finanziellen Folgen können zum Teil in der Steuererklärung angesetzt werden.

Wer aufgrund der Pandemie seine doppelte Haushaltsführung aufgeben und die entsprechende Wohnung kündigen musste, kann die Ausgaben dafür als Werbungskosten geltend machen. Dazu gehören beispielsweise Miete und Nebenkosten während der Kündigungsfrist, die Ausgaben für den Umzug sowie notwendige Schönheitsreparaturen der Wohnung.

Auch wer seine BahnCard 100 im Corona-Jahr nicht oder kaum nutzen konnte, darf die Ausgaben dafür geltend machen. Voraussetzung ist allerdings, dass Sie dem Finanzamt darlegen können, dass Sie die BahnCard 100 auch nicht privat verwendet haben. Genauso dürfen Sie auch die Stornokosten im Zusammenhang mit einer beruflichen Fortbildung ansetzen – am besten mit einer Bestätigung des Veranstalters.

Wenn Sie von einer Rückholaktion betroffen waren und an den Kosten beteiligt wurden, können Sie diese in der Steuererklärung angeben. Voraussetzung: Sie sind vor einer möglichen Reisewarnung ins Ausland gefahren. Die Ausgaben fallen in die Rubrik „Außergewöhnliche Belastungen“ – daher müssen Sie sich einen zumutbaren Eigenanteil anrechnen lassen. Diese zumutbare Belastung richtet sich nach der Höhe der Gesamteinkünfte und Ihrer familiären Situation:

Sie haben ... Einkünfte
bis
15.340 Euro
Einkünfte zwischen
15.340 und 51.130
Euro
Einkünfte
über
51.130 Euro
kein Kind und es gilt der Splittingtarif 4 % 5 % 6 %
ein oder zwei Kinder 2 % 3 % 4 %
drei oder mehr Kinder 1 % 1 % 2 %

Die Zumutbarkeitsgrenze wird also in drei Stufen nach einem bestimmten Prozentsatz des Gesamtbetrags der Einkünfte bemessen.

Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass nur noch der Teil des Gesamtbetrags der Einkünfte, der den im Gesetz genannten Stufengrenzbetrag übersteigt, mit dem jeweils höheren Prozentsatz belastet wird. Damit können Steuerpflichtige in der Regel in größerem Umfang außergewöhnliche Belastungen steuerlich ansetzen.

Kurzarbeitergeld und Steuererklärung

Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben im vergangenen Jahr Kurzarbeitergeld bezogen. Wer mehr als 410 Euro Kurzarbeitergeld oder andere Lohnersatzleistungen erhalten hat, muss eine Steuererklärung einreichen.

Alle Lohnersatzleistungen unterliegen dem so genannten Progressionsvorbehalt. Zu diesen Lohnersatzleistungen gehört nicht nur das Kurzarbeitergeld, sondern zum Beispiel auch Verdienstausfallentschädigungen nach dem Infektionsschutzgesetz, Arbeitslosengeld, Kranken-, Mutterschutz- und Elterngeld.

Das bedeutet, dass zwar die Leistung selbst steuerfrei ist. Allerdings wird sie bei der Ermittlung des individuellen Steuersatzes mit einberechnet und zum normalen Lohn addiert. So ergibt sich insgesamt ein höherer Steuersatz, der auf das zu versteuernde Einkommen (ohne Kurzarbeitergeld etc.) angewendet wird. Achtung: Dadurch müssen Sie gegebenenfalls mit Steuernachzahlungen rechnen!

Die Arbeitgeberzuschüsse zum Kurzarbeitergeld sind steuerfrei und unterliegen dem Progressionsvorbehalt, soweit sie zusammen mit dem Kurzarbeitergeld 80 Prozent des ausgefallenen Arbeitslohns nicht übersteigen. Diese Regelung wurde bis Ende 2021 verlängert.

Außerdem reduziert das Kurzarbeitergeld nicht das Elterngeld. Das gilt nicht nur für Eltern, die bereits Elterngeld beziehen, sondern auch für werdende Eltern, sodass sich mögliche Gehaltseinbußen während der Pandemie nicht auf das Elterngeld auswirken.

Autorenbild

Autor

Constanze Elter